{"id":14196,"date":"2011-04-21T00:00:00","date_gmt":"2011-04-21T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14196"},"modified":"2011-04-21T00:00:00","modified_gmt":"2011-04-21T00:00:00","slug":"14196","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/04\/14196\/","title":{"rendered":"Island: &#8222;Wir werden nicht f&#252;r die Krise der Bankiers bezahlen!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Beinahe zwei Drittel der Isl&#228;nderInnen sagen &#8222;nein&#8220; zum Icesave-Deal<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Mit 59,8 Prozent an Nein-Stimmen haben die Isl&#228;nderInnen am Samstag nun   schon zum zweiten Mal erkl&#228;rt, dass sie nicht f&#252;r die Bankenkrise   bezahlen werden. Die Gesamtkosten des Icesave-Deals belaufen sich auf   vier Milliarden Euro, was die H&#228;lfte der j&#228;hrlichen Wirtschaftsleistung   des Landes ausmacht.<\/p>\n<h4>  <i>von Per-&#197;ke Westerlund, R&#228;ttvisepartiet Socialisterna   (Schwesterorganisation der SAV in Schweden)<\/i><\/h4>\n<p>  &#8222;Icesave&#8220; war der Name, den die isl&#228;ndische Bank &#8222;Landsbanki&#8220; w&#228;hlte, um   an Geld von Konten in Gro&#223;britannien und den Niederlanden zu kommen.   KleinsparerInnen und Kommunalverwaltungen wurden dabei hohe Renditen f&#252;r   ihre Geldeinlagen in Aussicht gestellt. Als die enorme Kreditblase des   Landes im Herbst 2008 platzte, war auch das Geld der SparerInnen   verschwunden. Daraufhin gaben die Regierungen in London und Den Haag   Garantien f&#252;r das verlorene Geld ab. Doch die Regierung Cameron will   weiterhin, dass die isl&#228;ndische Regierung das Geld an sie zur&#252;ckzahlt,   welches sie wiederum den SparerInnen ausgeh&#228;ndigt hat, weil ja   schlie&#223;lich eine ihrer Banken Schiffbruch erlitten hat.<\/p>\n<p>  Es wurden und werden weiterhin eindeutige Versuche unternommen, eine   Gruppe von SteuerzahlerInnen gegen eine andere auszuspielen: die   Isl&#228;nderInnen gegen die BritInnen und Niederl&#228;nderInnen. Das Referendum   drehte sich darum, ob die isl&#228;ndische Regierung das Geld aus den Taschen   der arbeitenden Bev&#246;lkerung bekommt, um f&#252;r das Versagen einer   profitorientierten Privatbank zahlen zu k&#246;nnen. Kein Wunder, dass die   Entscheidung abermals gegen sie ausfiel!<\/p>\n<p>  Bereits vor mittlerweile einem Jahr hatten die Isl&#228;nderInnen zu einem   sehr &#228;hnlichen Vorschlag &#8222;nein&#8220; gesagt. Damals waren es &#252;berw&#228;ltigende   93 Prozent, die dagegen stimmten. Im Falle dieser Abstimmung nun wurde   die angedachte Zinsrate f&#252;r die R&#252;ckzahlungen von 5,55 Prozent auf 2,64   Prozent gesenkt. Die Sozialdemokraten, die die Minderheitsregierung in   Island anf&#252;hren, standen genauso hinter dieser Vereinbarung, wie die   gr&#246;&#223;te Oppositionspartei, die Partei der Unabh&#228;ngigkeit. Das Alltinget   (isl&#228;ndisches Parlament) hatte sich mit Zwei-Drittel-Mehrheit f&#252;r die   Annahme des Deals ausgesprochen.<\/p>\n<p>  Doch jenseits der Parteien machte sich weiterhin Unzufriedenheit breit.   Als die Krise ausbrach, st&#252;rzte die damalige Regierung und es kam zu   massiven Protesten. Sie fanden beinahe permanent statt und auch ein   &#8222;Parlament der Stra&#223;e&#8220; wurde errichtet. Auch dieses Mal bekam der   Pr&#228;sident des Landes den Druck von unten zu sp&#252;ren und lehnte abermals   ab, das Abkommen zu unterschreiben, wodurch erneut das Referendum n&#246;tig   wurde. Zwei der Minister von Gr&#252;n-Links traten aus demselben Grund von   ihren Regierungs&#228;mtern zur&#252;ck. Vier Milliarden Euro sind so viel, wie   die H&#228;lfte des Jahres-Bruttoinlandsproduktes Islands, und es w&#252;rde 46   Jahre dauern, bis die R&#252;ckzahlungen inklusive der rund drei Prozent   Zinsen abgeschlossen w&#228;ren. Jetzt sagt die Regierung, dass der Vertrag   zur Abwicklung des Bankrotts von &#8222;Landsbanki&#8220; den Gro&#223;teil der   Gesamtsumme abdecken w&#252;rde. Damit wird vorzugaukeln versucht, die   SteuerzahlerInnen w&#252;rden keine Kosten tragen. Wenn es aber noch   irgendwelches Geld aus dem Fall &#8222;Landsbanki&#8220; gibt, dann sollte dieses   gegen die Krise in Island eingesetzt werden und nicht, um f&#252;r die   Spekulationen der Bank zu bezahlen.<\/p>\n<p>  All das hat die Isl&#228;nderInnen nicht &#252;berzeugt. Warum sollten sie weiter   f&#252;r die Krise der Bankiers bezahlen? K&#252;rzungen und Arbeitslosigkeit   haben bereits einen reichlich hohen Zoll gefordert. Islands Wirtschaft   befindet sich seit zwei Jahren in einer Rezession. Die Rating Agentur   &#8222;Moody&#8217;s&#8220; steht kurz davor, die Staatsanleihen des Landes herabzusetzen   von &#8222;junk&#8220; (dt.: Schrott) auf &#8222;non-investable&#8220; (dt.: nicht anlagef&#228;hig).   Der schwedische Internetblog &#8222;Islandsbloggen.se&#8220; schreibt, dass alles   darauf hindeutet, dass &#8222;sogar noch ein weiterer Haushalt mit K&#252;rzungen   und Steuererh&#246;hungen&#8220; bevorsteht.<\/p>\n<p>  Die Beh&#246;rde, die f&#252;r die Bewertung der Handelsabkommen des   EU-Freihandels zwischen Norwegen und Island verantwortlich zeichnet (die   European Free Trade Association&#8217;s Surveillance Authority), will Island   nun vor den Europ&#228;ischen Freihandelsgerichtshof in Luxemburg (EFTA)   bringen. Das &#252;berw&#228;ltigende &#8222;nein&#8220; des Referendums kann obendrein dazu   f&#252;hren, dass der Internationale W&#228;hrungsfonds (IWF) seine Forderungen   hinsichtlich der weiteren Darlehensr&#252;ckzahlungen gegen&#252;ber Island   versch&#228;rfen wird. Diese Forderungen waren w&#228;hrend der Krise 2008   formuliert worden. Die isl&#228;ndische Regierung greift unterdessen auf   Kapitalverkehrskontrollen zur&#252;ck, um zu verhindern, dass Geld aus dem   Land abflie&#223;t. Sie k&#246;nnte unter den Druck der Bev&#246;lkerung geraten, jede   weitere Bezahlung irgendwelcher Schulden auszusetzen.<\/p>\n<p>  Pr&#228;sident &#211;lafur Ragnar Grimsson sagte, das Referendum deute auf &#8222;eine   Kluft zwischen der Regierung und dem Volk&#8220; hin. Die sozialdemokratische   Premierministerin Johanna Sigurdardottir erkl&#228;rte hingegen, dass die   Regierung nicht zur&#252;cktreten werde. Die Sozialdemokraten wollen au&#223;erdem   weiterhin f&#252;r einen Beitritt zur EU sorgen, obwohl das nach diesem   Referendum noch unwahrscheinlicher geworden ist.<\/p>\n<p>  Die Abstimmung vom Wochenende unterstreicht die weiterhin bestehende   Unzufriedenheit und Wut in der isl&#228;ndischen Gesellschaft. In den letzten   Jahren wurden eine Reihe neuer Parteien gegr&#252;ndet. Sie haben allerdings   keine ad&#228;quate Antwort auf die Bed&#252;rfnisse der Bev&#246;lkerung geben k&#246;nnen.   Bei den Kommunalwahlen in Reykjavik konnte eine neue Partei namens &#8222;Die   Beste Partei&#8220; einen gro&#223;en Erfolg erzielen. Seither stellt sie den   B&#252;rgermeister, fuhr aber &#8211; im Gegensatz zu dem, was ihre W&#228;hlerInnen   erwarteten &#8211; fast unmittelbar mit weiteren K&#252;rzungen fort.<\/p>\n<p>  Island braucht eine k&#228;mpferische sozialistische Partei, die einen Ausweg   aufzeigen kann: durch den Kampf gegen die Regierung, die Besitzer der   Banken und die Forderungen von IWF und EU. Das trotz fehlender klarer   Alternative aufs&#228;ssige Verhalten beim Referendum ist ein Indiz f&#252;r das   Potential, das ein Gegenschlag seitens der ArbeiterInnen und der   Jugendlichen h&#228;tte. Dem Referendum m&#252;ssen Massenmobilisierungen,   Streikaktionen und Stra&#223;enproteste folgen. Wobei schon das Beispiel des   isl&#228;ndischen Referendums an sich als Inspiration f&#252;r die ArbeiterInnen   und Jugendlichen in Irland, Griechenland, Portugal und dem &#252;brigen   Europa beim Kampf gegen den Kapitalismus und die Politik der   K&#252;rzungsprogramme dienen kann. Umgekehrt w&#228;re ein Erfolg in den   genannten L&#228;ndern wesentlich f&#252;r erfolgreiche K&#228;mpfe in Island. Es darf   Bankiers und Konzernchefs nirgendwo erlaubt werden, ArbeiterInnen und   &#8222;einfache&#8220; Leute f&#252;r die Krise ihres Systems zahlen zu lassen.<\/p>\n<h4>  &#8226; Weigert euch, die Schulden der Banken und des Landes zu bezahlen!<\/h4>\n<p>  &#8226; Lasst die Menschen entscheiden, wie der Staat und die Wirtschaft   gef&#252;hrt werden sollen! F&#252;r das volle staatliche Au&#223;enhandelsonopol und   die staatliche Kontrolle &#252;ber den Kapitalverkehr. Vergesellschaftung der   gro&#223;en Finanzinstitutionen und Schl&#252;sselindustrien unter demokratischer   Kontrolle und Gesch&#228;ftsf&#252;hrung durch die Besch&#228;ftigten &#8211; f&#252;r eine   demokratisch geplante Wirtschaft.<\/p>\n<p>  &#8226; F&#252;r eine Massenpartei der ArbeiterInnen mit einem demokratischen und   sozialistischen Programm, das verkn&#252;pft ist mit dem internationalen   Kampf gegen die Bankiers und den Kapitalismus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Beinahe zwei Drittel der Isl&#228;nderInnen sagen &#8222;nein&#8220; zum Icesave-Deal\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14196"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14196"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14196\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14196"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14196"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14196"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}