{"id":14195,"date":"2011-04-23T00:00:00","date_gmt":"2011-04-23T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14195"},"modified":"2011-04-23T00:00:00","modified_gmt":"2011-04-23T00:00:00","slug":"14195","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/04\/14195\/","title":{"rendered":"Dresden: Milliardenstrafe f&#252;r Privatinvestor"},"content":{"rendered":"<p>  Dresden verklagt den Besitzer der vor sechs Jahren privatisierten   Wohnungen. Er soll 1,1 Mrd. Euro an Vertragsstrafen zahlen. Bilanz einer   Privatisierung<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Privatisierungen sind Diebstahl an &#246;ffentlichem Eigentum &#8211; diese   einfache Wahrheit war leider nicht allen Stadtratsabgeordneten der   Linkspartei.PDS klar, als sie vor sechs Jahren dem Verkauf aller 48.000   Dresdner Wohnungen an den US-Investor &#8222;Fortress&#8220; den Segen gaben und mit   ihren Stimmen den Verkauf der Wohnungen erst erm&#246;glichten.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Steve K&#252;hne, Dresden<\/i><\/h4>\n<p>  Christine Ostrowski, einst stellvertretende Vorsitzende der PDS und   zwischen 1998 und 2002 Bundestagsabgeordnete, war eine der   ProtagonistInnen des Verkaufs. Etwa die H&#228;lfte der Fraktion der   Linkspartei.PDS teilten ihren Standpunkt, dass der Verkauf der WOBA   Dresden nicht nur von allen Schulden befreien und das eingespielte Geld   Sanierungen in B&#228;dern und Schulen erm&#246;glichen w&#252;rde. Au&#223;erdem w&#252;rden so   andere Privatisierungen, wie die der zwei Krankenh&#228;user im st&#228;dtischen   Eigenbetrieb, unn&#246;tig werden. Nicht zuletzt k&#246;nne man ja mit dem   US-Investor &#8222;Fortress&#8220; eine Sozialcharta verhandeln, die dann als Teil   des Kaufvertrags, die MieterInnen sch&#252;tzen sollte. Den letzten Baustein   dieser Argumentation stellte dann Feststellung dar, dass der Lehrstand   in Dresden derartige Ausma&#223;e angenommen h&#228;tte, dass Mieterh&#246;hungen   nahezu ausgeschlossen seien.<\/p>\n<h4>  Verkauf trotz Widerstand<\/h4>\n<p>  Gegen die Pl&#228;ne formierte sich bald Widerstand, der nicht zuletzt   deshalb halbherzig bleiben musste, weil die Linkspartei.PDS sich in   einem tiefen Streit darum befand, ob man der Privatisierung der WOBA   zustimmen k&#246;nne oder nicht. Der DGB organisierte eine B&#252;rgerbefragung,   die die Vorstufe zu einem B&#252;rgerentscheid bildet. Allerdings kamen die   n&#246;tigen Unterst&#252;tzerunterschriften nicht zusammen. Kein Wunder, die   Presse wartete schnell damit auf, dass der DGB zwar in Dresden gegen   Wohnungsprivatisierungen k&#228;mpfe, gleichzeitig aber die eigenen, von   Mitgliedsbeitr&#228;gen gekauften Gewerkschaftsh&#228;user und dem DGB geh&#246;rende   Wohnungen an private Investoren ver&#228;u&#223;ern wolle. Wer nicht glaubw&#252;rdig   erscheint kann keine K&#228;mpfe gewinnen &#8211; der DGB konnte nur verlieren!<\/p>\n<p>  Erwartungsgem&#228;&#223; kam in der Abstimmung &#252;ber den Verkauf der WOBA die   notwendige Mehrheit aus CDU,FDP und Abtr&#252;nnigen der Linkspartei.PDS   zustande. Gemeinsam stimmten sie auch einen Antrag der SPD nieder, der   zum Ziel hatte doch noch einen B&#252;rgerentscheid anzusto&#223;en. Damit   ver&#228;u&#223;erte die Stadt die Wohnungen zu einem viel zu niedrigen St&#252;ckpreis   von 35.000 Euro an die GAGfAH, an der wiederum Fortress eine   Mehrheitsbeteiligung h&#228;lt.<\/p>\n<p>  Christine Ostrowski war mit sich selbst derart zufrieden, dass sie   gleich nach dem Abschluss des Vertrages mit &#8222;Fortress&#8220; durch die Landen   zog und andere Kommunen beim Verkauf ihrer Wohnungen beriet. Es folgte,   nach langem Tauziehen, der Ausschluss der Privatisierungsbef&#252;rworter aus   der Fraktion.<\/p>\n<h4>  Sozialcharta l&#228;cherlich<\/h4>\n<p>  Die Sozialcharta sollte die MieterInnen vor negativen Auswirkungen der   Privatisierungsma&#223;nahme sch&#252;tzen, vor allem aber die erz&#252;rnte Dresdner   &#214;ffentlichkeit beruhigen. So versprach man, wenn der neue Eigent&#252;mer der   Mietskasernen, die GAGfAH, die Wohnungen jemals weiterverkaufe, so m&#252;sse   sie dieselben zun&#228;chst den MieterInnen zum Kauf anbieten. Dieses   Mieterrecht sollte beim Verkauf an den neuen Eigent&#252;mer &#252;bergehen. Woher   allerdings die MieterInnen das Geld nehmen sollten, um eine Wohnung zu   kaufen, blieb das Geheimnis der Architekten der Sozialcharta.   Unangemessene Mieterh&#246;hungen sollten ausgeschlossen werden. Was   unangemessene Mieterh&#246;hungen sind, in Wohnungen, die vornehmlich von   wenig zahlungskr&#228;ftigen MieterInnen bewohnt werden, ist nicht nur   unklar, sondern auch gegenstandslos, bedenkt man, dass bereits ein   halbes Jahr nach Verkauf der neue Eigent&#252;mer die Mieten in unsanierten   Plattenbauten in Prohlis erh&#246;hte. Die Idee dabei war einfach, man wollte   die MieterInnen &#8211; in diesem Viertel nicht selten Hart-IV-Empf&#228;ngerInnen   &#8211; los werden, um die Wohnungen abrei&#223;en zu k&#246;nnen. Denn eine   Verringerung des Leerstandes, auf den die Stadtratsabgeordneten so   gehofft hatten, war gleichbedeutend mit wachsenden Mieten. Dabei half   auch die Stadt, die den Verkauf schmackhafter machte, indem sie   ebenfalls Wohnungen abrei&#223;en lie&#223; und desgleichen der GAGfAH zubilligte.<\/p>\n<h4>  Der ganz normale Wahnsinn des Kapitalismus<\/h4>\n<p>  Die b&#246;rsennotierte GAGfAH und die ver&#228;u&#223;erte WOBA taten alles um Geld zu   sparen. Es ging nicht mehr darum die MieterInnen gut zu versorgen, denn   mit dem Verkauf hatte die WOBA keinen Versorgungsauftrag mehr, es ging   nur noch um Profit: Notwendige Reparaturen wurden nicht gemacht,   WOBA-Angestellte, die M&#228;ngelanzeigen und Beschwerden abwiegelten,   erhielten Extra-Verg&#252;tungen. Trotz des Sanierungsbedarf sch&#252;tteten sich   die Vorst&#228;nde von GAGfAH und Fortress j&#228;hrlich 45 Millionen Euro an   Gewinnen aus.<\/p>\n<p>  Der s&#228;chsischen Landeshauptstadt gingen zudem die Einnahmen aus der   Gewerbesteuer verloren, weil Fortress und GAGfAH im Namen der WOBA   derartig viele und hohe Kredite aufnahm, dass die WOBA von der   Gewerbesteuer ausgenommen wurde.<\/p>\n<p>  Als w&#228;re das nicht genug verkaufte die GAGfAH WOBA-Wohnungen an andere   Investoren, ohne den MieterInnen den Kauf der Wohnungen anzubieten.   Dabei kam der Verdacht auf, dass einige K&#228;ufer von der GAGfAH gegr&#252;ndete   Briefkastenfirmen sind.<\/p>\n<h4>  Stadt reicht Klage ein<\/h4>\n<p>  Abgesehen von den Gr&#252;nen, die wenig zuversichtlich sind, was eine   gerichtliche Auseinandersetzung betrifft, stimmten im M&#228;rz alle   Stadtratsfraktionen f&#252;r die Einreichung der Klage. Die Stadt fordert die   Zahlung von Vertragsstrafen in H&#246;he von 1,1 Mrd. Euro. Das kommt   &#252;berraschend. Bis zuletzt hatte die GAGfAH noch mit der CDU verhandelt,   die Schaffung von Arbeitspl&#228;tzen in Dresden angeboten, wenn nur auf eine   Klageeinreichung verzichtet w&#252;rde. Bis zuletzt hatte die CDU &#252;ber diese   M&#246;glichkeit laut nachgedacht.<\/p>\n<h4>  DIE LINKE reagiert schwach<\/h4>\n<p>  Interessant ist, dass die Stadt, allen voran die Oberb&#252;rgermeisterin   Helma Orosz (CDU), von den Vertragsverst&#246;&#223;en wusste, nur den Stadtrat   nicht informierte. Das DIE LINKE auf diese Informationsquelle angewiesen   ist offenbart ihr gr&#246;&#223;tes Problem. Sie hat in zahlreichen Dresdner   Stadtteilen keine funktionierenden Strukturen. H&#228;tte die Mitglieder und   funktionierende Parteigruppen in jenen Stadtteilen, in denen es viele   GAGfAH-Wohnungen gibt, also vor allem in den &#228;rmeren Dresdner Bezirken,   so w&#228;re sie auf die Informationen Helma Orosz&#8216; nicht angewiesen.<\/p>\n<p>  Gerade die jetzige Situation w&#252;rde ihr jedoch den Aufbau derartiger   Gruppen erlauben, wenn sie es verstehen w&#252;rde eine Kampagne f&#252;r die   Rekommunalisierung der WOBA-Wohnungen zu in initiieren. Im Stadtrat   hatte sie einen entsprechenden Antrag gestellt. Nat&#252;rlich wurde dieser   abgelehnt. Und damit war DIE LINKE mit ihrem Latein am Ende! Wie   blamabel. Jetzt m&#252;sste gek&#228;mpft werden. Es m&#252;ssten Veranstaltungen   organisiert und die Bev&#246;lkerung informiert und zu Aktionen mobilisiert   werden.<\/p>\n<p>  Gerade jetzt plant die Stadt unbegreiflicherweise die Privatisierung der   beiden st&#228;dtischen Krankenh&#228;user. DIE LINKE m&#252;sste den Kampf gegen die   Privatisierung der Krankenh&#228;user und f&#252;r die Rekommunalisierung der   Wohnungen verbinden, denn Beides liegt so nahe beieinander. Leider tut   DIE LINKE nichts dergleichen und verl&#228;sst sich vollends &#8211; so wie auch   die CDU und die FDP und die SPD &#8211; auf die Gerichte. Doch das wird das   Problem nicht kl&#228;ren!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Dresden verklagt den Besitzer der vor sechs Jahren privatisierten<br \/>\n      Wohnungen. Er soll 1,1 Mrd. Euro an Vertragsstrafen zahlen. 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