{"id":14194,"date":"2011-04-20T10:30:00","date_gmt":"2011-04-20T10:30:00","guid":{"rendered":".\/?p=14194"},"modified":"2011-04-20T10:30:00","modified_gmt":"2011-04-20T10:30:00","slug":"14194","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/04\/14194\/","title":{"rendered":"Libyen: &#8222;Humanit&#228;re Hilfe&#8220; verdeckt die zunehmende Intervention des \r\n      Westens"},"content":{"rendered":"<p>  ArbeiterInnen und Jugendliche in Libyen m&#252;ssen auf ihre eigene St&#228;rke   bauen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Dar&#252;ber, dass der Bev&#246;lkerung von Misrata von loyalen Kr&#228;ften des   Gaddafi-Regimes ein blutiger Zerm&#252;rbungskrieg aufgezwungen wird, besteht   kein Zweifel. <\/p>\n<h4>  <i>von Robert Bechert, CWI (Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale)<\/i><\/h4>\n<p>  Das Gaddafi-Regime selbst f&#252;hrt zwar einen reinen &#220;berlebenskampf, es   ist aber haupts&#228;chlich deswegen in der Lage, in diesem Kampf zu   bestehen, weil der urspr&#252;ngliche Aufstand vom Februar ins Schwanken   geraten ist. Jener Aufstand war durch die Revolutionen im benachbarten   Tunesien und &#196;gypten befl&#252;gelt worden. Aufgrund einer fehlenden   unabh&#228;ngigen F&#252;hrung wurde die Bewegung schlie&#223;lich von Kr&#228;ften   &#252;bernommen, zu denen pro-westliche Elemente und Abtr&#252;nnige des Regimes   geh&#246;ren, die mit den wichtigsten imperialistischen M&#228;chten verhandeln   wollen. Diese Kombination half wiederum Gaddafi dabei, seine Herrschaft   zumindestens bis jetzt stabilisieren zu k&#246;nnen. Schreckensherrschaft und   das Ausnutzen von &#196;ngsten in der Bev&#246;lkerung, wonach man um die sozialen   Errungenschaften der letzten vierzig Jahre (wie etwa im Bereich der   Gesundheitsversorgung und der Bildung) gebracht werden k&#246;nne, sind die   Zutaten, die Gaddafi bislang erfolgreich agieren lassen.<\/p>\n<p>  Das B&#252;ndnis, das die Rebellen des Nationalen &#220;bergangsrates (INC) mit   dem Imperialismus und reaktion&#228;ren arabischen Staaten geschmiedet haben,   macht es diesen noch schwerer, glaubhafte Aufrufe an die Bev&#246;lkerung im   Westen Libyens zu richten, wo zwei Drittel der LibyerInnen leben.<\/p>\n<p>  Die momentane milit&#228;rische Pattsituation zwingt die wichtigsten M&#228;chte,   st&#228;rker &#252;ber eine direkte Intervention am Boden nachzudenken, wollen sie   sich Gaddafis wirklich entledigen. Dessen ungeachtet kann diesem   Ansinnen schlie&#223;lich auch unter dem Banner der &#8222;Humanit&#228;t&#8220; zum Erfolg   verholfen werden. Die Europ&#228;ische Union hat bereits einem 61-seitigen   Dokument zugestimmt, das Pl&#228;ne umfasst, nach denen 1.000 Soldaten auf   eine &#8222;humanit&#228;re Mission&#8220; nach Misrata geschickt werden sollen, die &#8222;mit   dem Mandat ausgestattet sind zu k&#228;mpfen, sollten sie oder ihre   humanit&#228;ren Schutzbefohlenen bedroht werden&#8220;. Ein EU-Vertreter sagte   dazu: &#8222;Es w&#252;rde darum gehen, See- und Landkorridore im Land   abzusichern&#8220;. (The Guardian, London, Website, 18. April 2011)<\/p>\n<p>  Bedenkt man den &#214;l- und Gasreichtum Libyens, so ist es nicht   &#252;berraschend, dass es unter den europ&#228;ischen M&#228;chten bereits zu   Rivalit&#228;ten dar&#252;ber gekommen ist, wer eine solche Bodenoperation   anf&#252;hren soll. Die deutsche Regierung hat &#8211; ganz im Gegensatz zu ihrer   Enthaltung bei der UN-Abstimmung &#252;ber die &#8222;Flugverbotszone&#8220; im M&#228;rz &#8211;   Anfang April angeboten, dass die 900 Bundeswehrsoldaten, die Teil der   &#8222;Schnellen Einsatztruppe der EU&#8220; sind, in einer solchen Mission   eingesetzt werden k&#246;nnen. Das wiederum hat Gro&#223;britannien und Frankreich   ver&#228;rgert. Und schon hat die britische Regierung eine unverhohlene   Kehrtwende vollzogen, um &#8211; gegen ihre europ&#228;ischen Rivalen &#8211; die   Initiative an sich zu rei&#223;en. Sie hat angek&#252;ndigt, &#8222;erg&#228;nzende&#8220;   Milit&#228;roffiziere zur &#8222;Unterweisung&#8220; der Bodentruppen der Rebellen zu   schicken.<\/p>\n<p>  Auch wenn einige LibyerInnen jede Unterst&#252;tzung in ihrem Kampf gegen   Gaddafi guthei&#223;en m&#246;gen, so w&#228;re jegliches Vertrauen in diese   sogenannten &#8222;Freunde&#8220; v&#246;llig fehl am Platze. Wenn Gaddafi ein   verl&#228;sslicherer Verb&#252;ndeter gewesen w&#228;re, dann h&#228;tte der Imperialismus   eine andere Haltung ihm gegen&#252;ber eingenommen. Als 2009 beim finalen   Schlag der Regierung Sri Lankas gegen die Rebellen der &#8222;Tamil Tiger&#8220;   mehr als 50.000 ZivilistInnen get&#246;tet wurden, sind die Gro&#223;m&#228;chte   seltsam still geblieben. Man hoffte auf weiterhin gute Beziehungen zum   dortigen Regime. Jetzt, da die milit&#228;rische Intervention zu Ende ist,   wird Kritik an der Regierung Sri Lankas ge&#252;bt. Schlie&#223;lich hat man an   Unterst&#252;tzung in Colombo verloren, und die dortige Regierung schmiegt   sich mehr und mehr dem Rivalen China an.<\/p>\n<p>  Keine der M&#228;chte &#8211; weder die, die die libyschen Rebellen unterst&#252;tzen,   noch die, die (wenn auch nur mittelbar) dasselbe mit dem Regime Gaddafi   tun &#8211; kann den Nachweis erbringen, irgendetwas in Richtung St&#228;rkung   demokratischer Rechte in Nordafrika oder dem Nahen Osten zu tun. So   werden die Rebellen zur Zeit beliefert und finanziert vom autokratischen   und feudalistischen Regime in Katar, das noch nie demokratische   Parlamentswahlen zugelassen hat.<\/p>\n<p>  Dass die westlichen M&#228;chte die reaktion&#228;ren Regimes im Nahen Osten   unterst&#252;tzen, ist bekannt. Auch im Falle der Angriffe Israels auf Gaza   und den Libanon verharrte man in Schweigen. Und hinsichtlich der   brutalen Repression des Regimes in Bahrain, wo es zu 500 Verhaftungen   gekommen ist und eine Reihe von Inhaftierten im Gef&#228;ngnis ums Leben   gekommen sind, wird nur seichte Kritik ge&#252;bt. Dieses Regime wird voll   und ganz von Milit&#228;rkr&#228;ften aus Saudi Arabien und den Vereinigten   Arabischen Emiraten (VAE) unterst&#252;tzt. In den vergangenen Wochen haben   auch die VAE, die von einer Bande feudaler Autokraten beherrscht werden,   damit begonnen, Oppositionelle zu verhaften. Darunter war Ahmed Mansour,   der am 8. April in Dubai festgenommen wurde, nachdem er eine Petition   f&#252;r ein gew&#228;hltes Parlament unterschrieben hatte.<\/p>\n<p>  Es &#252;berrascht nicht, dass der &#8222;Menschenrechts- und Demokratiebericht   2010&#8220; des britischen Au&#223;enministeriums die VAE oder die innenpolitische   Lage in Katar nicht einmal erw&#228;hnt; schlie&#223;lich sind sie wichtige   britische Verb&#252;ndete. Zwar beinhaltet dieser Bericht auch Saudi Arabien,   listet in diesem Zusammenhang aber lediglich &#8222;Frauenrechte, die   Todesstrafe, Rechte ausl&#228;ndischer Arbeitnehmer und Rechtsreformen&#8220; als   die Bereiche auf, die f&#252;r die Regierung als die vier Bereiche von   Interesse gelten. Punkte &#252;ber grundlegende, allgemeine demokratische   Rechte und Parlamentswahlen fallen allein dadurch auf, dass sie nicht   vorkommen. Denn der britische Imperialismus hofft, dass die saudische   Familie die Kontrolle &#252;ber das Land behalten wird.<\/p>\n<p>  Wie wir immer wieder betont haben, liegt der Ausweg aus dieser Situation   in einer Bewegung der arbeitenden und jungen Menschen Libyens, die sich   auf Grundlage eines Programms zusammentun, das nichts anderes intendiert   als den Interessen der Masse der Bev&#246;lkerung gerecht zu werden. Solch   ein Programm muss auf der Erlangung und dem Erhalt wirklicher   demokratischer Rechte basieren, der Beendigung der Korruption und   Privilegien, der Sicherstellung und Fortentwicklung sozialer   Errungenschaften, die seit Beginn der &#214;lausbeutung erreicht wurden, der   Opposition gegen&#252;ber jeder Form von Rekolonialisierung und muss die   Perspektive einer demokratisch kontrollierten, in &#246;ffentlichem Eigentum   befindlichen und geplanten Wirtschaft, um die Ressourcen des Landes im   Interesse der Mehrheit der Bev&#246;lkerung einzusetzen, aufzeigen.<\/p>\n<p>  Ein solches Programm kann religi&#246;se und Stammesgrenzen &#8211; wie in Tunesien   und &#196;gypten &#8211; &#252;berschreiten und die Masse der Bev&#246;lkerung gegen die   Gaddafi-Clique und die imperialistischen Versuche vereinen, ihre   Position in Libyen zur&#252;ckzuerlangen und zu einem gemeinsamen Kampf f&#252;r   eine bessere Zukunft f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Trotz des UN-Mantels, den sie sich &#252;bergezogen hat, darf es f&#252;r die   imperialistische Intervention keine Unterst&#252;tzung geben. Die arbeitenden   Massen und die jungen Menschen Libyens sollten nicht das geringste   Vertrauen in die sogenannten demokratischen M&#228;chte zeigen. Sie sollten   sich daran erinnern, dass die USA, Gro&#223;britannien, Frankreich etc. bis   vor einigen Wochen noch die Freunde Gaddafis waren. Und sie sind immer   noch die Freunde und Verb&#252;ndeten von Diktaturen und verrotteten Regimes   &#252;berall in der arabischen Welt wie Katar, Saudi Arabien und den VAE.<\/p>\n<p>  Der einzige Weg, die Pl&#228;ne der Imperialisten zu durchkreuzen, die   Diktatur zu beenden, den blutigen B&#252;rgerkrieg zu einem Ende zu bringen   und damit zu beginnen, die Lebensbedingungen der Masse der Bev&#246;lkerung   zu ver&#228;ndern, besteht in der Gr&#252;ndung einer unabh&#228;ngigen Bewegung   libyscher ArbeiterInnen, armer Menschen und der Jugendlichen, die solch   eine wirklich revolution&#228;re Transformation des Landes durchf&#252;hren   k&#246;nnten.<\/p>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      ArbeiterInnen und Jugendliche in Libyen m&#252;ssen auf ihre eigene St&#228;rke<br \/>\n      bauen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36,37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14194"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14194"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14194\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14194"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14194"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14194"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}