{"id":14192,"date":"2011-07-03T00:00:00","date_gmt":"2011-07-03T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14192"},"modified":"2011-07-03T00:00:00","modified_gmt":"2011-07-03T00:00:00","slug":"14192","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/07\/14192\/","title":{"rendered":"Der Kampf um die Befreiung Arabiens"},"content":{"rendered":"<p>  Zur Geschichte der arabischen Welt von 1945 bis 1989<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<!-- too long \"tooLong-sid4192\" --><\/p>\n<p>  <b>Die arabischen Massen sind in Bewegung und k&#228;mpfen gegen Diktaturen   und f&#252;r soziale Gerechtigkeit. In &#196;gypten und Tunesien wurden   jahrzehntelang bestehende Regime durch revolution&#228;re Bewegungen   gest&#252;rzt. In Algerien, Libyen, Jordanien, Jemen, Bahrain und anderen   L&#228;ndern finden Massenproteste statt. Die Massen fordern Freiheit,   Demokratie und soziale Gerechtigkeit und haben damit den Kampf um   Befreiung von Diktatur und imperialistischer Unterdr&#252;ckung wieder   aufgenommen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Holger Dr&#246;ge<\/i><\/h4>\n<p>  Die Armut und Ausbeutung der unterdr&#252;ckten Massen im arabischen Raum ist   eine Folge der Kolonialpolitik von gestern. Die arabische Welt hat wegen   ihrer geostrategischen Lage und den Erd&#246;l- und Gasvorkommen eine enorme   Bedeutung f&#252;r den Imperialismus.<\/p>\n<p>  Der arabische Raum wurde unter den kapitalistischen Staaten aufgeteilt &#8211;   zur Pl&#252;nderung der Bodensch&#228;tze und Rohstoffvorkommen, zur Auspressung   billiger Arbeitskr&#228;fte und f&#252;r den Zugang zu neuen Absatzm&#228;rkten. Dies   geschah teilweise im 19. Jahrhundert und dann nach dem Ersten Weltkrieg,   der das Ende des Osmanischen Reichs bedeutete, welches etwa 300 Jahre   den arabischen Raum besetzt hielt.<\/p>\n<p>  Mit dem Abschluss der territorialen Aufteilung der Welt, der   Monopolisierung der Firmenwelt und der Schaffung von Finanzkapital aus   der Verschmelzung von Bank- und Konzernkapital war ein neues Stadium des   Kapitalismus erreicht &#8211; das Stadium des Imperialismus.<\/p>\n<p>  Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es den ArbeiterInnen und der verarmten   Bauernschaft in der &#8222;Dritten Welt&#8220; mit der Kraft einer der gr&#246;&#223;ten   Massenbewegungen in der Menschheitsgeschichte, das Joch der   Kolonialherrschaft abzusch&#252;tteln.<\/p>\n<p>  Auch im arabischen Raum gab es nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Reihe   von L&#228;ndern revolution&#228;re Bewegungen gegen die Kolonialherrschaft, die   die imperialistischen Besatzungstruppen vertrieben.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend des Zweiten Weltkriegs waren gro&#223;e Teile des Nahen Ostens von   britischen Truppen besetzt, teilweise als &#8222;Mandatsgebiete&#8220;, teilweise   aus &#8222;milit&#228;rischen Gesichtspunkten&#8220;. Da Stalin und die UdSSR zwischen   1941 und 1945 Kriegsverb&#252;ndete des britischen Imperialismus waren,   machten sie auf die Kommunistischen Parteien in der Region ihren ganzen   Einfluss geltend, die massenhafte arabische Befreiungsbewegung nicht nur   zu ignorieren, sondern sogar systematisch zu sabotieren. Den arabischen   ArbeiterInnen und Bauern sollte die Kollaboration mit den eigenen   Kolonialherren aufgezwungen werden. Dank dieser Erfahrung mit   stalinistischer Politik wandten sich viele Befreiungsbewegungen nach dem   Zweiten Weltkrieg b&#252;rgerlichen Nationalisten zu.<\/p>\n<p>  Trotz dieser Diskreditierung bot sich in mehreren L&#228;ndern noch bis in   die siebziger Jahre hinein wiederholt die Gelegenheit f&#252;r die dortigen   Kommunistischen Parteien, die unterdr&#252;ckten Massen an die Macht zu   bringen.<\/p>\n<p>  Die Periode von 1945 bis 1989 war nicht nur gepr&#228;gt von Kriegen und   B&#252;rgerkriegen, sondern auch von Revolutionen und Konterrevolutionen, von   Streiks, Aufst&#228;nden und K&#228;mpfen der ArbeiterInnen, Bauern und   Jugendlichen. Ob im Irak oder im Iran, ob in Syrien oder im Sudan,   &#252;berall gab es f&#252;r sozialistische und kommunistische Ideen   Massenunterst&#252;tzung.<\/p>\n<h4>  Wirtschaftliche Abh&#228;ngigkeit blieb<\/h4>\n<p>  Auch wenn nach dem Zweiten Weltkrieg die politische Unabh&#228;ngigkeit   erk&#228;mpft wurde, blieb die wirtschaftliche Abh&#228;ngigkeit vom westlichen   Imperialismus bestehen. Bis heute ist die Wirtschaft in vielen dieser   L&#228;nder durch Monokulturen gekennzeichnet. Die Preispolitik der f&#252;hrenden   Industriestaaten zwang die ex-koloniale Welt dazu, ihre Rohstoffe zu   verkaufen, um Fertigprodukte einzukaufen. Die soziale Ungleichheit wurde   nicht beseitigt, sondern nahm zu.<\/p>\n<p>  Das bedeutete Instabilit&#228;t und fortgesetzte Krisen. Revolution und   Konterrevolution, Putsch und Gegenputsch, Krieg und B&#252;rgerkrieg,   Unruhen, Massaker und V&#246;lkermord wurden die Regel. Nicht nur im   arabischen Raum, sondern in nahezu allen ehemals kolonial-besetzten   L&#228;ndern.<\/p>\n<p>  Trotz Massenbewegungen sind alle Versuche die Vorherrschaft des   Imperialismus zu beseitigen an der Machtgier der verschiedenen Regimes   gescheitert.<\/p>\n<p>  Die Bourgeoisie war zu schwach und zu sehr vom Imperialismus abh&#228;ngig   und spielte keine fortschrittliche Rolle, wie sie das zum Beispiel in   Europa bei der Entwicklung des Kapitalismus getan hatte. Sie war nicht   in der Lage gegen&#252;ber dem Imperialismus und der Klasse der   Gro&#223;grundbesitzer die klassischen Aufgaben der b&#252;rgerlichen Revolution   (Landverteilung, Entwicklung einer nationalen Industrie, L&#246;sung der   nationalen Frage etc.) durchzusetzen und konnte die Gesellschaft nicht   in dem Ma&#223;e dominieren, wie die b&#252;rgerlichen Klassen in den entwickelten   kapitalistischen Staaten dies taten. Das gab den Raum f&#252;r die   Entwicklung von Bewegungen in den Staatsapparaten, unter den   Armeeoffizieren, die f&#252;r eine Modernisierung und Unabh&#228;ngigkeit des   jeweiligen Landes eintraten. Dadurch entstanden, wie in Syrien oder   &#196;gypten, Diktaturen, die versuchten, trotz der Unf&#228;higkeit der   Bourgeoisie, eine national-kapitalistische Entwicklung ihrer L&#228;nder   einzuleiten.<\/p>\n<p>  Teilweise konnten diese Regime zwischen den beiden gro&#223;en Bl&#246;cken   (Sowjetunion und US-Imperialismus) lavieren und so Zugest&#228;ndnisse   erreichen. Durch Ma&#223;nahmen von Verstaatlichungen und Protektionismus   waren sie in gewissen F&#228;llen in der Lage teilweise und zeitweise   Hindernisse gegen den Raubzug des Imperialismus zu errichten. In einer   Reihe von L&#228;ndern entstanden durch Guerilla-Kampf oder Putsch von   Offizieren unabh&#228;ngigere Regime, die sich zum Teil auf revolution&#228;re   Bewegungen der Massen st&#252;tzten.<\/p>\n<p>  Nach dem Zusammenbruch des Stalinismus fiel die Systemkonkurrenz   zwischen Sowjetunion und US-Imperialismus weg und die Ausbeutung der   ehemals kolonial-besetzten L&#228;nder versch&#228;rfte sich. Damit   verschlechterte sich die Lage der Massen kontinuierlich. Au&#223;erdem   ergaben sich durch den Zusammenbruch neue M&#246;glichkeiten f&#252;r den   Imperialismus:. 1991 f&#252;hrte der US-Imperialismus den ersten Krieg seit   Jahrzehnten in der Region gegen den Irak und konnte in der Folge   US-Milit&#228;rst&#252;tzpunkte in der Region aufbauen.<\/p>\n<p>  Damit best&#228;tigten sich im arabischen Raum, aber auch sonst in der   ehemals kolonial-besetzten Welt, die Ideen Leo Trotzkis, der mit der   Theorie der Permanenten Revolution erkl&#228;rte, dass in der Epoche des   imperialistischen Niedergangs die schwachen nationalen   Kapitalistenklasse &#246;konomisch unterentwickelter L&#228;nder nicht in der Lage   sind wirkliche Unabh&#228;ngigkeit vom Imperialismus, Demokratie und sozialen   Fortschritt zu erreichen, sondern dazu die Machtergreifung der   Arbeiterklasse und der armen Bauernschaft n&#246;tig ist.<\/p>\n<h4>  Die arabische Nation<\/h4>\n<p>  Es ist nicht m&#246;glich, die Entwicklungen im arabischen Raum zu verstehen,   wenn man nicht davon ausgeht, dass es eine grundlegend einheitliche   arabische Nation mit einheitlicher Schriftsprache (durch panarabische   Nachrichtensender wie Al-Dschazira entwickelt sich in neuester Zeit auch   wieder mehr eine gemeinsame Sprache), nationalem Bewusstsein und Kultur   gibt. Heute teilt sich das Siedlungsgebiet der Araber in &#252;ber 20 Staaten   auf.<\/p>\n<p>  Die Araber haben eine wichtige Rolle in der Entwicklung der   Weltwirtschaft gespielt (als Wegweiser der Schifffahrt und des   internationalen Handels). Es gab schon im siebten bis neunten   Jahrhundert beachtliche Errungenschaften, wie zum Beispiel ein Netz von   Krankenh&#228;usern, Bibliotheken und eine organisierte Abwasserentsorgung.   Dinge von denen in Europa zu dieser Zeit keine Rede sein konnte.<\/p>\n<p>  Aber da Arabien den Sprung zur industriellen Gesellschaft nicht   schaffte, wurde es von anderen Staaten &#252;berholt und in der Folge zur   Fremdherrschaft verdammt. W&#228;hrend ihrer 300-j&#228;hrigen Unterdr&#252;ckung durch   das Osmanische Reich zerfiel die arabische Kultur, aber am Anfang des   20. Jahrhunderts, mit dem fortschreitenden Niedergang des Osmanischen   Reichs, entwickelte sich wieder verst&#228;rkt ein nationales Bewusstsein.<\/p>\n<p>  Das wurde von Frankreich und Gro&#223;britannien im Ersten Weltkrieg   ausgenutzt. Sie versprachen den Arabern Hilfe beim Kampf um die   Unabh&#228;ngigkeit vom Osmanischen Reich. Nach dem Sieg aber zeigten der   franz&#246;ische und britische Imperialismus sein wahres Gesicht: Sie teilten   die arabische Welt unter sich auf und hinterlie&#223;en mit ihrer Politik von   &#8222;Teile und Herrsche&#8221; ein verheerendes Erbe.<\/p>\n<p>  Im Gegensatz zum indischen Subkontinent oder den afrikanischen L&#228;ndern   (wie etwa Nigeria), wo der Imperialismus v&#246;llig unterschiedliche St&#228;mme   oder V&#246;lker zusammen kettete, die sich jetzt auf kapitalistischer Basis   auseinander bewegen und voneinander losl&#246;sen, zeigt ein Blick auf die   Landkarte, dass das gesamte riesige, von der arabischen Nation geerbte   Gebiet willk&#252;rlich aufgeteilt wurde, indem man im W&#252;stensand   schnurgerade Grenzlinien zog und so k&#252;nstliche Staaten schuf. Die unter   britischem &#8222;Mandat&#8220; stehenden Gebiete wurden von verrotteten   Marionetten-Monarchien verwaltet.<\/p>\n<p>  Irak, Syrien, Libanon, Kuwait, Jordanien, die Emirate und andere Staaten   wurden von den Imperialisten als rein k&#252;nstliche Gebilde geschaffen,   durch die sie sich ihren strategischen W&#252;rgegriff &#252;ber die Region und   die Spaltung der arabischen Nation sicherten. Der Imperialismus f&#246;rderte   regionale und religi&#246;se Unterschiede (sunnitische und schiitische   Muslime, griechisch-orthodoxe, maronitische ChristInnen, DrusInnen,   J&#252;dInnen) und spielte sie kaltschn&#228;uzig gegeneinander aus. Frankreich   errichtete einen Maroniten-Staat im Libanon, und Gro&#223;britannien f&#246;rderte   den Plan der Zionisten, in Pal&#228;stina einen j&#252;dischen Staat zu gr&#252;nden   (ein &#8222;loyales kleines j&#252;disches Nordirland&#8220; &#8212;wie sich ein britischer   Agent zynisch ausdr&#252;ckte). Die Gr&#252;ndung Israels 1948, die Vertreibung   der Pal&#228;stinenserInnen, die Besatzungspolitik Israels, die   israelisch-arabischen Kriege wie der Libanon-Krieg und nicht zuletzt die   Spaltungsversuche der herrschenden Klassen in Israel und in den   arabischen Staaten haben eine Mauer des Misstrauens zwischen Israelis   und AraberInnen hochgezogen. Gleichzeitig wurden die Heimatgebiete der   KurdInnen, ArmenierInnen und anderer nationaler Minderheiten geteilt.<\/p>\n<p>  Die K&#246;nigsh&#228;user von &#196;gypten, Jordanien, Irak, Libyen und vor allem die   verschiedenen Emirate und Scheicht&#252;mer am Golf einschlie&#223;lich des Emirs   von Kuwait hatten nicht mehr gesellschaftliche Basis als die   Maharadschas in Indien, deren Herrschaft nach dem R&#252;ckzug des britischen   Imperialismus wie ein Kartenhaus zusammenbrach. Auch im arabischen Raum   brachen viele dieser Monarchien unter dem Druck revolution&#228;rer   Bewegungen in sich zusammen.<\/p>\n<p>  Die Revolutionen, die die K&#246;nige von &#196;gypten, Irak, Libyen usw.   st&#252;rzten, stie&#223;en im gesamten arabischen Raum auf Begeisterung. Sie   wurden als Schritte in Richtung arabische Befreiung und Vereinigung   gesehen. Ein solches Echo fanden die Verstaatlichung des Suez-Kanals,   die Verstaatlichung eines Gro&#223;teils der Wirtschaft durch die linken   Anh&#228;nger der Baath-Partei in Syrien, die Verstaatlichung des   Erd&#246;l-Konsortiums im Irak 1972 und andere, &#228;hnliche Ereignisse bis hin   zur pal&#228;stinensischen Intifada in den von Israel besetzten Gebieten.<\/p>\n<p>  Hinzu kamen seit dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Bestrebungen, die   arabische Nation zu vereinen, wie zum Beispiel von 1958 bis 1961 die   Vereinigte Arabische Republik aus einem Zusammenschluss &#196;gyptens,   Syriens und sp&#228;ter Nordjemens (dann als Vereinigte Arabische Staaten).   In den gesamten 1960er, 1970er Jahren und 1980er Jahren gab es immer   wieder B&#252;ndnisse oder Zusammenschl&#252;sse zwischen verschiedenen arabischen   Staaten, die (wie zum Beispiel in Syrien) durch rechte Putsche oder an   der Unf&#228;higkeit der jeweiligen Regime zerbrachen.<\/p>\n<p>  Dennoch haben wir seit dem Zweiten Weltkrieg in Folge der Bildung neuer   Staaten die Entwicklung eines doppelten Nationalbewusstseins gesehen.   Heute sehen sich viele Menschen als &#196;gypterInnen, TunesierInnen und so   weiter. Aber gleichzeitig, viel mehr als das bei Europ&#228;erInnen der Fall   ist, als AraberInnen. Die SAV und das Komitee f&#252;r eine   Arbeiterinternationale treten daher f&#252;r eine freiwillige, demokratische   und sozialistische F&#246;deration der arabischen L&#228;nder ein, die Demokratie,   Freiheit und einen angemessenen Lebensstandard f&#252;r alle garantieren kann.<\/p>\n<h4>  Eine Region im Aufruhr<\/h4>\n<p>  Dieser Artikel kann keinen umfassenden &#220;berblick &#252;ber die Entwicklungen   des Klassenkampfs in allen arabischen L&#228;ndern geben, sondern muss sich   auf einige beispielhafte Entwicklungen der Geschichte der Region bis   1989 konzentrieren. Die arabische Welt ist seit dem Kampf um Befreiung   von kolonialer Herrschaft nie zur Ruhe gekommen. Immer wieder versuchten   die Massen f&#252;r ihre Rechte zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  Die revolution&#228;ren Bewegungen in der arabischen Welt sind vor allem   durch zwei Besonderheiten gepr&#228;gt.<\/p>\n<p>  Erstens durch die besondere Form der nationalen Frage. Die Vereinigung   der arabischen Nation, die durch den Imperialismus in &#252;ber zwanzig   verschiedene Staaten aufgeteilt ist, besteht immer noch als Aufgabe.   Damit muss auch eine b&#252;rgerlich-revolution&#228;re Bewegung in einen viel   h&#228;rteren Konflikt mit dem Imperialismus kommen als irgendwo sonst. Das   hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder best&#228;tigt.<\/p>\n<p>  Zweitens war ein Gro&#223;teil der arabischen Welt, insbesondere im Nahen   Osten, w&#228;hrend des Zweiten Weltkriegs von Gro&#223;britannien besetzt. Da die   Sowjetunion von 1941 bis 1945 Verb&#252;ndeter des britischen Imperialismus   war, sabotierten die stalinistischen Parteien in der Region den   Befreiungskampf der arabischen Massen. Sie wollten, dass die arabischen   Massen gemeinsam mit dem britischen Imperialismus k&#228;mpfen. Dies,   verbunden mit der stalinistischen Etappentheorie (erst die   b&#252;rgerlich-demokratische Revolution und dann irgendwann sp&#228;ter die   sozialistische Revolution, siehe unten), bedeutete in der Praxis   Anbiederung und Unterwerfung unter die Bourgeoisie. Und in der Folge   massive Niederlagen f&#252;r kommunistische Kr&#228;fte und die Arbeiterklasse.   Heute gibt es kaum noch relevante kommunistische Kr&#228;fte im arabischen   Raum und keine Parteien der Arbeiterklasse.<\/p>\n<h4>  Algerien<\/h4>\n<p>  1830 begann die Besetzung Algeriens durch Frankreich. Mit massiver   Gewalt wurden Araber und Berber unterdr&#252;ckt. Zum Aufschwung der   Unabh&#228;ngigkeitsbewegung kam es, als 1945 nach Unruhen in Setif und   Guelma etwa 40.000 Algerier von der franz&#246;sischen Armee get&#246;tet wurden.   Im September 1947 wurde dann zwar allen Algeriern mit dem   Algerien-Statut die franz&#246;sische Staatsb&#252;rgerschaft zuerkannt, doch   diese Reaktion auf das Erstarken der, seit Ende der 30er Jahre   bestehenden, algerischen Unabh&#228;ngigkeitsbewegung konnte den Kampf um die   Losl&#246;sung von Frankreich nicht aufhalten.<\/p>\n<p>  Denn die Lebensbedingungen verbesserten sich nicht. Die   durchschnittlichen Verdienste der europ&#228;ischen Algerier waren sieben mal   so hoch wie der einheimischen Bev&#246;lkerung. Zwei Drittel des Landes   geh&#246;rte den gro&#223;en franz&#246;sischen Konzernen und anderen   Gro&#223;grundbesitzern. 1954 waren eine Million AlgerierInnen st&#228;ndig   arbeitslos und zwei Millionen teilweise besch&#228;ftigt. Nicht weniger als   82 Prozent waren AnalphabetInnen, w&#228;hrend allen Europ&#228;erInnen in   Algerien Lesen und Schreiben beigebracht wurde. Die Kindersterblichkeit   war eine der h&#246;chsten auf der Welt &#8211; 284 auf 1000 &#8211; vier mal so hoch wie   bei den europ&#228;ischen AlgerierInnen.<\/p>\n<p>  Die algerische Rebellion brach am 1. November 1954 aus. Als es klar   geworden war, dass die traditionellen nationalistischen Bewegungen in   einer Sackgasse waren und der parlamentarische Weg keine M&#246;glichkeiten   zur Erlangung der Unabh&#228;ngigkeit bot, wurde der bewaffnete Kampf   aufgenommen.<\/p>\n<p>  Die Freiheitsk&#228;mpfer waren zuerst primitiv bewaffnet und k&#228;mpften gegen   eine m&#228;chtige Industrienation und eine rassistische europ&#228;ische   Minderheit im Land. Sie gewannen die Unabh&#228;ngigkeit wegen der   &#252;berw&#228;ltigenden Unterst&#252;tzung der Bev&#246;lkerung und des zunehmenden   Widerstands der Arbeiterklasse, vor allem der Jugend, in Frankreich   gegen den Krieg in Algerien.<\/p>\n<p>  1962 wurde die Unabh&#228;ngigkeit unter der Befreiungsbewegung FLN erk&#228;mpft.   Nach einem Krieg, der bis zu 1,5 Millionen Menschen (etwa zehn Prozent   der Bev&#246;lkerung) das Leben kostete. Nachdem eine Million franz&#246;sische   Siedler (&#8222;colons&#8221; genannt) &#8211; in der Regel Kapitalisten, Ingenieure,   Beamte, Techniker &#8211; nach Ende des Krieges das Land verlie&#223;en, schien es   so, dass keine einhemische Bourgeoisie in der Lage ist, die Entwicklung   der algerischen Wirtschaft zu &#252;bernehmen.<\/p>\n<p>  In der FLN hatte das radikale Kleinb&#252;rgertum die F&#252;hrung &#252;bernommen,   st&#252;tzte sich dabei allerdings auf die Arbeiterklasse und die   Bauernschaft. Die FLN hatte unter dem Druck der Massen sozialistische   Ideen aufgegriffen. Wenn sie diese konsequent umgesetzt h&#228;tte, h&#228;tte der   Druck der Massen Gro&#223;grundbesitz und Kapitalismus in Algerien   hinwegfegen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die FLN-F&#252;hrung ging aber nicht so weit: Im Evian-Abkommen von 1962   wurden den franz&#246;sischen Firmen und der franz&#246;sischen Regierung   garantiert, dass ihre wirtschaftlichen Interessen gewahrt w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Es folgte, wie wir auch in anderen L&#228;ndern beobachteten, die Entwicklung   einer Partei aus der Guerilla. Unter dem Druck der Massen mussten   Ma&#223;nahmen gegen die Kapitalisten ergriffen werden. Im Sommer und Herbst   1962 wurden die verbleibenden, in ausl&#228;ndischem Besitz befindlichen   Landg&#252;ter verstaatlicht. Im M&#228;rz 1963 legalisierten Dekrete die   Arbeiterkomitees, die den Betrieb vieler der verlassenen europ&#228;ischen   Landg&#252;ter &#252;bernommen hatten. Mehr als die H&#228;lfte des bebaubaren Landes   war jetzt in Staatseigentum. 1963 wurde ein System mit Namen   &#8216;autogestion&#8217; [Selbstverwaltung] die Grundlage des &#8222;algerischen   Sozialismus&#8221;, in dem die ArbeiterInnen ihren eigenen Vorstand w&#228;hlten,   der mit dem staatlich ernannten Direktor zusammenarbeitete.<\/p>\n<p>  Aber all diese Ma&#223;nahmen wurden per Verordnung durchgef&#252;hrt, ohne   Mitbestimmung und die demokratische Kontrolle der Arbeiter und Bauern.   Das legte die Grundlage f&#252;r Korruption und Fehlplanung.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem war nur die politische Unabh&#228;ngigkeit erreicht worden,   wirtschaftlich blieb Algerien abh&#228;ngig von den imperialistischen   Staaten, insbesondere Frankreich.<\/p>\n<p>  Der Staat, der aus dem Unabh&#228;ngigkeitskrieg hervorging, war daher ein   b&#252;rgerlich-bonapartistisches Regime, dass zwar sozialistische Rhetorik   gebrauchte, aber von der kleinb&#252;rgerlichen Elite beherrscht wurde, die   die FLN f&#252;hrte.<\/p>\n<p>  Damit wurden die letztlichen Entscheidungen nicht mehr demokratisch   getroffen und die Grundlage f&#252;r autorit&#228;re Herrschaft gelegt. 1965 wurde   Ben Bella, unter dem die FLN eine antikapitalistische sozialistische   Ausrichtung eingenommen hatte, durch einen Milit&#228;rputsch gest&#252;rzt. Die   wirtschaftliche und soziale Not zwang aber auch das Regime unter Houari   Boumedienne zu weiteren Ma&#223;nahmen gegen den Kapitalismus. Das Regime   erh&#246;hte die Staatsbeteiligung auf Feldern, die bisher dem   Privatunternehmertum gelassen worden waren. Eine staatseigene Baufirma   wurde errichtet und im Mai 1966 wurde die Verstaatlichung von elf   Bergwerken in ausl&#228;ndischem Eigentum und des Verm&#246;gens von abwesenden   Eigent&#252;mern angek&#252;ndigt. Alle Versicherungst&#228;tigkeiten wurden unter   staatliche Kontrolle gestellt. Die Nationalbank von Algerien wurde   gegr&#252;ndet.<\/p>\n<p>  1971 geriet der lang andauernde Konflikt zwischen der algerischen   Regierung und f&#252;hrenden franz&#246;sischen &#214;lgesellschaften &#252;ber den &#214;lpreis   in eine Sackgasse und im Februar &#252;bernahm die Regierung einen   51-Prozent-Anteil an zwei franz&#246;sischen Firmen und Gas und Pipelines   wurden vollst&#228;ndig verstaatlicht.<\/p>\n<p>  Im selben Jahr wurde eine Programm f&#252;r die Umverteilung von Land, das   als &#8222;Agrarrevolution&#8221; bekannt war, eingeleitet und eine Form von   gew&#228;hlten &#8222;Arbeiterr&#228;ten&#8221; wurde in der ganzen verstaatlichten Industrie   gef&#246;rdert. Die Nahrungsmittelverteilung wurde verstaatlicht.<\/p>\n<p>  Die zweite Phase 1973 ging die Frage der nicht auf ihren G&#252;tern lebenden   Grundeigent&#252;mer an und verpflichtete sie, das Land zu bebauen oder es an   b&#228;uerliche P&#228;chter zu &#252;bergeben. Ein Programm f&#252;r den Bau   &#8222;sozialistischer D&#246;rfer&#8221; wurde begonnen. Junge Leute wurden ermutigt,   ihre Ferien arbeitend und lehrend in l&#228;ndlichen Gebieten zu verbringen.   1976 wurde die private Bildung abgeschafft.<\/p>\n<p>  Nach dem Tod von Boumedienne 1978 &#252;bernahm das Zentralkomitee der FLN   die Macht. Unter Boumedienne und seinen Verstaatlichungen hat es in   Algerien eine enorme wirtschaftliche Entwicklung gegeben. Die   Kindersterblichkeit wurde halbiert, die Zahl der &#196;rzte stieg von 1279   auf 29.506. Die Alphabetisierungsrate unter Frauen stieg von 12 auf 80   Prozent.<\/p>\n<p>  Aber auch in Algerien zeigte sich, dass eine vom weltweiten Kapitalismus   unabh&#228;ngige Entwicklung auf Dauer nicht m&#246;glich ist. Mit der weltweiten   Rezession Anfang der 80er Jahre und dem Zusammenbruch der &#214;lpreise in   der Folge wurde Algerien hart getroffen. In der Folge reagierte das   Regime mit Liberalisierung. Unter anderem wurden staatliche Farmen zur   Pacht ausgeschrieben.<\/p>\n<p>  Der fortgesetzte wirtschaftliche Niedergang f&#252;hrte zum Aufschwung von   Protesten gegen das Regime. 1988 gab es &#8222;Hungerrevolten&#8221; in Algerien.   Hohe Verschuldung, Abbau von Subventionen und so weiter hatten dazu   gef&#252;hrt, dass die Mehrheit der Bev&#246;lkerung Hunger litt. &#220;ber 500   Menschen, meist Jugendliche, wurden bei den Protesten get&#246;tet. Den   Revolten vorausgegangen war ein Streik der Arbeiter in der algerischen   Autoindustrie f&#252;r Lohnerh&#246;hungen, dem sich erst Postbesch&#228;ftigte, sp&#228;ter   weitere Teile der Arbeiterklasse anschlossen. Rasch kamen Forderungen   wie ein Ende der wirtschaftlichen Not und die Aufhebung des   Einparteienregimes auf die Tagesordnung.<\/p>\n<p>  Die Ruhe wurde um einen hohen Preis wiederhergestellt &#8211; zuerst brutale   Unterdr&#252;ckung, dann Zugest&#228;ndnisse. Nahrungsmittel wurden in die L&#228;den   gekarrt, L&#246;hne wurden erh&#246;ht und politische Reformen wurden versprochen.   Diese letztliche Niederlage war mit verantwortlich f&#252;r das Wachstum der   islamistischen Bewegung. In Algerien holte die Islamische Heilsfront   (FIS) bei den Kommunalwahlen 1990 nach ihrer Umwandlung in eine Partei   auf Anhieb 54 Prozent der Stimmen. Bei den Parlamentswahlen ein Jahr   sp&#228;ter kam die FIS im ersten Wahlgang auf 47 Prozent. Da die regierende   Nationale Befreiungsfront (FLN) um ihre Macht f&#252;rchtete, und auch das   Milit&#228;r Sorge vor der Errichtung eines fundamentalistischen Regimes   hatte, griff der b&#252;rgerliche Staatsapparat in Algerien ein, untersagte   den zweiten Wahlgang und verh&#228;ngte ein Verbot gegen die FIS. Dies f&#252;hrte   zu einem B&#252;rgerkrieg mit &#252;ber 100.000 Toten.<\/p>\n<h4>  &#196;gypten<\/h4>\n<p>  In &#196;gypten hatte die milit&#228;rische Niederlage 1948 im ersten   israelisch-arabischen Krieg die Korruption und F&#228;ulnis des Systems   gezeigt. Au&#223;erdem war die Regierung unf&#228;hig, die Briten zum Abzug aus   &#196;gypten zu bringen und eine Antwort auf die Massenarbeitslosigkeit und   den Verfall der Baumwollpreise zu geben.<\/p>\n<p>  Im Ersten Weltkrieg und mit der Errichtung des britischen Protektorats   &#252;ber &#196;gypten forderten die nationalen b&#252;rgerlichen Parteien zunehmend   die Unabh&#228;ngigkeit von Gro&#223;britannien. So bildete sich 1919 eine   Delegation (arabisch: &#8222;Wafd&#8221;, aus dieser bildete sich sp&#228;ter eine   &#228;gyptisch-nationalistische Partei, die nach der formalen Unabh&#228;ngigkeit   die st&#228;rkste Kraft im Parlament war), die auf der Pariser   Friedenskonferenz ihre Forderungen vorbringen wollte, was die Briten   aber durch die Verhaftung der F&#252;hrer verhindern konnten. Ausbrechende   Unruhen und der Boykott britischer Waren f&#252;hrten aber 1922 zur   Entlassung &#196;gyptens in die formale Unabh&#228;ngigkeit. Das anglo-&#228;gyptische   Abkommen von 1936 sicherte aber die Pr&#228;senz britischer Truppen. Von den   Briten wurde ein K&#246;nig eingesetzt, der ihre Interessen vertrat.<\/p>\n<p>  Der Druck der Massen f&#252;r wirkliche Unabh&#228;ngigkeit hielt aber an. Nach   dem Ende des Zweiten Weltkrieges verschlechterte sich die &#246;konomische   Lage zunehmend und eine neue Welle von Massenprotesten brach sich Bahn.<\/p>\n<p>  In den 1940er Jahren konnte die 1928 gegr&#252;ndete Muslimbruderschaft, auch   mangels linker Alternativen, sich von einer kleinen Gruppe von wenigen   hundert Mitgliedern auf etwa 500.000 Mitglieder 1948 vergr&#246;&#223;ern. Sie   besetzte wichtige Posten in Milit&#228;r und Gewerkschaften.<\/p>\n<p>  Unter dem Druck von Massenstreiks war die Wafd-Regierung 1950 gezwungen,   eine Erh&#246;hung der Teuerungszulage (Lohnzuschuss zur Ausgleichung der   Inflation) um f&#252;nfzig Prozent durch ein besonderes Gesetz zu bewilligen.   Aber dieses Zugest&#228;ndnis versch&#228;rfte die Arbeiterk&#228;mpfe. Ein Streik nach   dem anderen wurde ausgerufen, um die Arbeitergeber zu zwingen, sich an   das neue Gesetz tats&#228;chlich zu halten.<\/p>\n<p>  Schlie&#223;lich wurde 1951 das anglo-&#228;gyptische Abkommen, welches die   Pr&#228;senz britischer Truppen in &#196;gypten sicherte, gek&#252;ndigt. Spontan   str&#246;mten etwa 60.000 ArbeiterInnen und Studierende auf die Stra&#223;en von   Kairo und forderten von Nahas Pascha, dem b&#252;rgerlichen   Ministerpr&#228;sidenten, Waffen. Eine &#228;hnliche Demonstration fand in   Alexandria statt mit Parolen wie &#8222;Von jetzt an kein Imperialismus mehr!&#8221;   und &#8222;Die Arbeiter sind die Armee der Revolution!&#8221;<\/p>\n<p>  Unter den ArbeiterInnen der Suez-Kanal-Zone entwickelte sich ein   politischer Streik gegen die britischen Besatzungstruppen. Die Mehrheit   der Besch&#228;ftigten trat in den unbefristeten Streik und legte so die   Arbeit in der Kanalzone lahm. Es gab auch umfangreiche   Solidarit&#228;tsaktionen anderer Arbeitergruppen; aber sie litten unter dem   Fehlen einer zentralisierten F&#252;hrung und hatten den Charakter von Teil-   und sporadischen Aktionen.<\/p>\n<p>  Den Auftakt machten die Eisenbahner mit einem Vollstreik am 9. November   1951, der zur Durchsetzung der gewerkschaftlichen Forderungen f&#252;hrte.   Dadurch ermutigt traten die Besch&#228;ftigten der britischen Milit&#228;rdepots   am Suezkanal in den Streik und trotz Verbots fanden   Massendemonstrationen im gesamten Land statt.<\/p>\n<p>  Es waren dann die b&#252;rgerlichen Kr&#228;fte um die Wafd, die die Bewegung   verrieten. Die &#228;gyptischen Gewerkschaften waren als Ergebnis der   Unterdr&#252;ckungsma&#223;nahmen der &#228;gyptischen Regierung zersplittert. Es gab   keine politische F&#252;hrung der Arbeiterklasse, so das sich das Regime   retten konnte.<\/p>\n<p>  Das bereitete den Boden f&#252;r einen Milit&#228;rputsch der &#8222;Freien Offiziere&#8221;   am 23. Juli 1952. In der Armee g&#228;rte es massiv. Viele junge Offiziere   waren davon &#252;berzeugt, dass die schlechte Versorgung der Front aufgrund   der Korruption der herrschenden Kreise f&#252;r die milit&#228;rische Niederlage   im ersten arabisch-israelischen Krieg verantwortlich war.<\/p>\n<p>  Nach seinem Sturz von 1952 ging K&#246;nig Faruq am 26. Juli 1952 ins Exil.   Am 18. Juni 1953 wurde die Republik &#196;gypten ausgerufen und fortan hatte   der Revolution&#228;re Kommandorat, wie sich der F&#252;hrungsrat der &#8222;Freien   Offiziere&#8221; nun nannte, das Sagen. Ali Muhammad Nagib wurde zum ersten   Pr&#228;sidenten ernannt und viele Mitglieder des revolution&#228;ren Kommandorats   wurden zu Ministern; Gamal Abdel Nasser bekleidete den Posten des   Innenministers.<\/p>\n<p>  Die Muslimbruderschaft unterst&#252;tzte den Staatsstreich der &#8222;Freien   Offiziere&#8220;, einige der Offiziere, darunter Anwar as-Sadat, waren sogar   Muslimbr&#252;der. Bald jedoch nahmen die Spannungen zwischen der   Bruderschaft und der neuen Regierung unter Pr&#228;sident Nasser zu und 1954   wurde die Muslimbruderschaft f&#252;r zwei Monate verboten. Als sie am 26.   Oktober 1954 ein Attentat auf Nasser ver&#252;bte, wurde sie jedoch in der   Folge komplett unterdr&#252;ckt.<\/p>\n<p>  Die Nasser-Regierung spielte von Anfang an eine widerspr&#252;chliche Rolle.   Als im August 1952 die Arbeiter der Fine Spinning and Weaving Mill in   Kafr ad-Dawwar in den Streik traten, jubelten sie General Muhammad   Naguib und dem Majlis Qiyadat al-Thawra, dem Revolution&#228;ren Kommandorat,   zu, da sie glaubten, von der neuen Staatsf&#252;hrung Unterst&#252;tzung zu   erhalten. Die Hoffnung wurde entt&#228;uscht, als die Regierung dem Streik   ein gewaltsames Ende bereitete und zwei der Anf&#252;hrer hinrichten lie&#223;. Es   folgte eine antikommunistische Repressionswelle, die mit dem Verbot   aller politischen Parteien und der Verhaftung von 101   Oppositionspolitikern am 17. Januar 1953 ihr Ende fand.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig f&#252;hrte die Nasser-Regierung unter dem Druck der Massen eine   Landreform durch und verstaatlichte 1956 den Suez-Kanal. Das f&#252;hrte zu   einer milit&#228;rischen Intervention Gro&#223;britanniens und Frankreichs, die   ihre &#246;konomischen Interessen bedroht sahen. So wurde zum Beispiel mehr   als die H&#228;lfte allen Roh&#246;ls, das in Westeuropa verbraucht wurde, durch   den Suez-Kanal transportiert. Die Intervention scheiterte in erster   Linie wegen des Drucks der Arbeiterklasse in Frankreich und   Gro&#223;britannien (und auf Druck des US-Imperialismus).<\/p>\n<p>  Inzwischen gewann Nassers antiimperialistische Politik, des Kampfes   gegen Israel und f&#252;r die nationalistische Vereinigung des arabischen   Ostens vom Atlantik bis zum persischen Golf immer mehr Unterst&#252;tzung in   der Region.<\/p>\n<p>  Unter Nasser wurden die Einnahmen aus dem verstaatlichten Suezkanal zur   F&#246;rderung der Infrastruktur und der Einf&#252;hrung eines kostenlosen   Bildungssystems genutzt. Ebenso f&#252;hrte er das Frauenwahlrecht ein und   die kostenlose medizinische Versorgung. Popularit&#228;t verschaffte ihm   zudem die Zuteilung von Land an Kleinbauern, nach der von Nagib   eingeleiteten Bodenreform. In der Folge wurden Banken und   Schl&#252;sselindustrien in &#196;gypten verstaatlicht.<\/p>\n<p>  Nach der Gr&#252;ndung der Republik &#196;gypten im Jahr 1953 verfolgte Abdel   Nasser eine Politik des Zusammenschlusses aller arabischer L&#228;nder   (Panarabismus). Ziel dieser Politik war die Zur&#252;ckdr&#228;ngung des   amerikanischen, britischen und franz&#246;sischen Einflusses im Nahen Osten   und in Nordafrika und die Eroberung Pal&#228;stinas. Dem standen die   konservativen Marionetten-Monarchien Saudi-Arabien, Irak und Jordanien   gegen&#252;ber. Mit Beginn des Jahres 1958 dr&#228;ngte Syrien auf einen   Unionsvertrag. Grund f&#252;r das syrische Dr&#228;ngen waren die Kriegsdrohungen   der T&#252;rkei, nachdem es bereits im Dezember 1957 zu heftigen K&#228;mpfen an   der gemeinsamen Grenze gekommen war. Syrien f&#252;hlte sich auch durch den   Bagdad-Pakt bedroht. &#196;gypten, das seit der Sueskrise international   isoliert war, sah die Vereinigung beider L&#228;nder als ersten Schritt f&#252;r   die Vereinigung aller arabischen Staaten an.<\/p>\n<p>  Am 1. Februar 1958 schlossen sich &#196;gypten und Syrien zur Vereinigten   Arabischen Republik zusammen, der Nordjemen schloss sich am 8. M&#228;rz 1958   an. Nasser wurde ihr Staatspr&#228;sident. Dieser Schritt sollte der erste   zur Schaffung eines vereinigten arabischen Staates sein. Infolge dieser   Entwicklungen schlossen Irak und Jordanien am 22. Februar 1958 ein   Abkommen &#252;ber die Vereinigung beider L&#228;nder ab. Die Arabische F&#246;deration   wurde jedoch infolge des Sturzes der irakischen Monarchie am 2. August   1958 wieder aufgel&#246;st. Gro&#223;britannien entsandte Luftstreitkr&#228;fte nach   Jordanien, um eine &#228;hnliche Entwicklung zu verhindern. Die staatliche   Einheit Syriens und &#196;gyptens zerbrach 1961, als die syrische Bourgeosie   gegen die Politik Nassers putschte.<\/p>\n<p>  Nach der Niederlage im &#8222;6-Tage-Krieg&#8221; (Juni 1967) gegen Israel, spielte   Nasser mit dem Gedanken, gest&#252;tzt auf die &#228;gyptischen Massen, den   Kapitalismus abzuschaffen und einen Staat nach dem Vorbild der   Sowjetunion zu errichten. Als Reaktion darauf schickte die sowjetische   B&#252;rokratie den damaligen Vorsitzenden des Pr&#228;sidiums des Obersten   Sowjets (damit Staatsoberhaupt der Sowjetunion) Nikolai Podgorny nach   &#196;gypten, um das zu verhindern, weil sie ihre Beziehungen zum   US-Imperialismus nicht belasten wollten.<\/p>\n<p>  Zum Dank warf Nassers (der im September 1970 starb) Nachfolger Anwar   as-Sadat die sowjetischen Berater aus dem Land. Die Tatsache, dass die   Arbeiterklasse keine starke Organisationen hatte und so keine   unabh&#228;ngige Rolle spielen konnte, f&#252;hrte dazu, dass die Macht letztlich   in den H&#228;nden einer kleinen Elite blieb, was den Boden f&#252;r die sp&#228;tere   reaktion&#228;re Politik von Sadat und Mubarak bereitete.<\/p>\n<p>  Das er&#246;ffnete auch wieder der Muslimbruderschaft neue M&#246;glichkeiten, vor   allem an den Universit&#228;ten und unter verarmten Landarbeitern, zu   wachsen. Ihre Zahl wurde in den 1970er Jahren auf etwa eine Million   Aktive gesch&#228;tzt.<\/p>\n<p>  Die Entwicklung des Kapitalismus in einem Land wie &#196;gypten bringt neue   Probleme mit sich. Der &#228;gyptische Kapitalismus war nicht in der Lage   sich gegen die etablierten kapitalistischen M&#228;chte zu behaupten und das   Land zu entwickeln.<\/p>\n<h4>  Sudan<\/h4>\n<p>  Der Sudan wurde vom osmanischen Reich erobert und fiel so in der Folge   an Gro&#223;britannien. Der britische Imperialismus nutze &#228;gyptische   Soldaten, um das Land zu besetzen. Zuvor bestanden im Zentralsudan die   Sultanate Darfur und Sannar &#252;ber etwa 300 Jahre.<\/p>\n<p>  Seit den 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine neue   Unabh&#228;ngigkeitsbewegung, nachdem im 19. Jahrhundert der Mahdi-Aufstand   (eine von 1881 bis 1899 dauernde Rebellion gegen die anglo-&#228;gyptische   Herrschaft, angef&#252;hrt vom islamisch-politischen F&#252;hrer Muhammad Ahmad,   der sich zum Mahdi (einer Art islamischem Messias) erkl&#228;rt hatte. Er   gilt als der erste erfolgreiche Aufstand einer afrikanischen   Bev&#246;lkerungsgruppe gegen den Kolonialismus und f&#252;hrte am Ende des 19.   Jahrhunderts zur zeitweiligen Bildung des &#8222;Kalifats von Omdurman&#8220;.)   letztlich brutal niedergeschlagen wurde. In ihr dominierten vor allem   b&#252;rgerliche Kr&#228;fte, wie die Aschigga-Partei oder die Umma-Partei.<\/p>\n<p>  Unabh&#228;ngig von diesen zwei Lagern hatte sich im Sudan seit 1947 eine   m&#228;chtige, k&#228;mpferische und gut organisierte Gewerkschaftsbewegung   entwickelt, deren Kern die Gewerkschaft der EisenbahnarbeiterInnen war.   Diese &#8222;F&#246;deration der Gewerkschaften&#8221; hat eine Reihe gro&#223;er Streiks   gef&#252;hrt, deren beide H&#246;hepunkte die Generalstreiks vom April und August   1951 waren, die praktisch alles Leben in den St&#228;dten des S&#252;dsudan zum   Erliegen brachten.<\/p>\n<p>  Die &#8222;F&#246;deration der Gewerkschaften&#8221; forderte die Unabh&#228;ngigkeit des   Sudan, die Beseitigung der gemeinsamen Herrschaft (von Gro&#223;britannien   und &#196;gypten) und die Entfernung aller ausl&#228;ndischen Truppen. Sie nahm   aktiv an den gro&#223;en Demonstrationen vom April 1948 gegen den Plan f&#252;r   eine &#8222;Gesetzgebende Versammlung&#8221; teil, die die Fremdherrschaft mit einer   neuen Verfassung legitimieren sollte<\/p>\n<p>  Nach dem Sturz K&#246;nig Faruks von &#196;gypten 1952 war f&#252;r den Sudan der Weg   in die Unabh&#228;ngigkeit frei. Am 1. Januar 1956 wurde nach einer   Volksabstimmung die Republik Sudan ausgerufen. Nachdem erst b&#252;rgerliche   Kr&#228;fte die Mehrheit bei Wahlen erzielt hatten, kam das Land nicht zur   Ruhe. Die Kommunistische Partei konnte auf der Basis von Bewegungen   massiv aufbauen und hatte in den 60er Jahren rund eine Million   Mitglieder.<\/p>\n<p>  Fatalerweise unterst&#252;tzte die F&#252;hrung der Partei 1969 die milit&#228;rische   Macht&#252;bernahme unter der Leitung des Generals Numeiri, da sie sich davon   eine Regierungsbeteiligung versprach. Nachdem Numeiri seine Herrschaft   gefestigt hatte, lie&#223; er die f&#252;hrenden AktivistInnen der   Gewerkschaftsbewegung und der KP inhaftieren. Viele von ihnen wurden   unmittelbar im Anschluss daran hingerichtet. Aber auch Numeiri musste   auf den Druck der Massen reagieren. Er orientierte sich an seinem   &#228;gyptischen Vorbild Gamal Abdel Nasser und f&#252;hrte einige   antikapitalistische Reformen durch.<\/p>\n<p>  In den 1980er Jahren wurde Numeiri zunehmend von den Muslimbr&#252;dern   beeinflusst. Er vollzog er eine Hinwendung zu einer islamistischen   Regierung. 1983 f&#252;hrt er die Scharia im ganzen Land, auch im jetzt   autonomen S&#252;dsudan, ein. Mit dem Vorgehen gegen den damals weitgehend   autonomen S&#252;dsudan wurde ein neuer B&#252;rgerkrieg er&#246;ffnet, in dessen Folge   mehr als 5 Millionen Menschen vertrieben wurde.<\/p>\n<p>  Am 6. April 1985 wurde Numeiri selbst durch einen Milit&#228;rputsch   gest&#252;rzt, da Teilen der Armee seine Islamisierungspolitik zu weit ging.   Numeiri lebte von 1985 bis 1999 im &#228;gyptischen Exil.<\/p>\n<h4>  Syrien<\/h4>\n<p>  Seit 1949 hatte es in Syrien eine Folge von milit&#228;rischen Putschen   gegeben. In den F&#252;nfziger Jahren gewannen die Baath-Partei und die   Stalinisten mit ihren Parolen gegen Imperialismus und Zionismus   Anh&#228;nger. Der F&#252;hrer der Syrischen Kommunistischen Partei (diese hatte   in Folge des Widerstand gegen den franz&#246;sischen Imperialismus gro&#223;e   Anziehungskraft entwickelt) Khalid Bakdash war der wichtigste Ideologe   der &#8222;kommunistischen&#8221; Parteien in der arabischen Welt. Er verk&#252;ndete auf   Stalins Befehl die so genannte Etappentheorie (erst die   b&#252;rgerlich-demokratische Revolution und dann irgendwann sp&#228;ter die   sozialistische Revolution, siehe unten) bedeutete in der Praxis   Anbiederung und Unterwerfung unter die Bourgeoisie. Wenn die   kommunistischen Parteien keine stalinistische, sondern eine   revolution&#228;re marxistische Politik betrieben h&#228;tten, dann w&#228;re in   Syrien, aber auch dem Irak, die Errichtung von sozialistischen   Demokratien m&#246;glich gewesen.<\/p>\n<p>  Trotz Bakdashs Politik hatte die syrische Bourgeoisie Angst vor einer   Macht&#252;bernahme der Kommunistischen Partei und f&#252;rchtete gleichzeitig   eine Intervention der T&#252;rkei. Sie suchte daher Schutz beim &#228;gyptischen   Nasser-Regime. Als die &#8222;Gefahr&#8221; vorbei war, waren die syrischen   Kapitalisten nicht l&#228;nger bereit, sich von &#196;gypten bevormunden zu lassen   (auch wegen der von Nasser vorgenommenen Verstaatlichungen) und l&#246;sten   mit einem Milit&#228;rputsch 1961 die Union mit &#196;gypten auf.<\/p>\n<p>  1963 gab es einen weiteren Putsch mit dem die Baath-Partei die Macht in   Syrien &#252;bernahm. Anfang Januar 1965 verstaatlichte die Regierung der   Ba&#8216;ath-Partei dann 106 der gr&#246;&#223;ten Industriekonzerne und Banken mit   einem Kapital von &#252;ber 25 Millionen Pfund.<\/p>\n<p>  Als es innerhalb der Baath-Partei zu Konflikten zwischem dem Gr&#252;nder   Aflaq und einem radikalerem Fl&#252;gel aus j&#252;ngeren Offizieren kam, schlug   sich die Armee auf die Seite der &#8222;Linken&#8221;. Im Februar 1966 schaltete die   &#8222;Neo-Baath&#8221; den rechten Fl&#252;gel durch einen Putsch aus. Aber schon bald   kam es zu Spannungen in der F&#252;hrung. Der damalige Verteidigungsminister   Hafiz al-Assad widersetzte sich einigen radikalen Ma&#223;nahmen. 1970   versuchte die Parteif&#252;hrung ihn zu st&#252;rzen, aber al-Assad blieb der   Sieger in diesem Machtkampf. Sein Nachfolger im Pr&#228;sidentenamt wurde   2000 sein Sohn Baschar al-Assad.<\/p>\n<p>  Das Assad-Regime st&#252;tzte sich vor allem au&#223;enpolitisch auf die   Sowjetunion, aber griff auch im Land zu Verstaatlichungen, und hat sich   erst nach dem Zusammenbruch des Stalinismus im ersten Golfkrieg auf die   Seite des US-Imperialismus geschlagen. In der Region spielte es aber von   Anfang an eine reaktion&#228;re Rolle. 1976 marschierte Syrien in den Libanon   ein, um den Sieg der PLO und der linken Milizen gegen das rechte   Maroniten-Regime zu verhindern. Dabei wurden auch pal&#228;stinensische   Fl&#252;chtlingslager, wie zum Beispiel Tal el-Zataar, bombardiert<\/p>\n<p>  1982 wurde die syrische Stadt Hama angegriffen, dabei wurden 20.000 bis   30.000 Menschen get&#246;tet. Diese galt als Zentrum der Muslimbr&#252;der. Das   Massaker von Hama war H&#246;hepunkt einer jahrelangen Unterdr&#252;ckung der   Organisation durch die syrische Regierung in den sp&#228;ten 1970er und   fr&#252;hen 1980er Jahren.<\/p>\n<p>  Syrien hat weder im Libanon noch in irgendeinem anderem Land versucht,   die soziale Revolution voranzutreiben. Stattdessen verfolgte das   syrische Regime eine nationalistische Politik, die der baathistischen   panarabischen Ideologie widersprach.<\/p>\n<p>  Der Baathismus war eine weitgehend kleinb&#252;rgerliche,   antiimperialistische Bewegung, die in verschiedenen arabischen L&#228;ndern,   vor allem dem Irak und Syrien bestand. In den 50er Jahren hatte sie   sich, zum Beispiel in Syrien, mit sozialistischen Kr&#228;ften   zusammengeschlossen. Nachdem der &#252;berwiegend sunnitische Panislamismus   damit gescheitert war, den Kolonialismus zu verhindern, trat der   Panarabismus mit &#228;hnlicher Motivation an seine Stelle. Statt religi&#246;ser   Einheit aller (sunnitischen) Muslime &#252;ber nationale Grenzen hinweg,   fordert der Baathismus nationale Einheit aller Araber &#252;ber religi&#246;se   Grenzen hinweg &#8211; einschlie&#223;lich Schiiten, Christen usw. &#8211; mit der   ausschlie&#223;lichen Beteiligung von T&#252;rken und Persern. Anfangs als   einheitliche Partei entstanden hat sich der Baathismus ab den 60er   Jahren in verschiedene politische Str&#246;mungen aufgespalten.<\/p>\n<h4>  Irak<\/h4>\n<p>  1921 setzte der britische Imperialismus dem k&#252;nstlichen Staat Irak einen   ausw&#228;rtigen Monarchen (K&#246;nig Faisal) vor &#8211; in den Worten eines   B&#252;rokraten des britischen Au&#223;enministeriums einen &#8222;K&#246;nig, der sich damit   begn&#252;gen wird, zu herrschen, und nicht zu regieren&#8220;. Dies provozierte   einen Massenaufruhr, der mit brutalen Massakern 1920-24 unterdr&#252;ckt   wurde. 1932 wurde dann dem Irak eine Art &#8222;Unabh&#228;ngigkeit&#8220; zugestanden.   &#214;l, Eisenbahnen, H&#228;fen und die meisten Industrien blieben unter   britischer Kontrolle, ebenso wurden die britischen Milit&#228;rst&#252;tzpunkte   beibehalten. Die Rechte am Erd&#246;l des Landes teilten Gro&#223;britannien, die   Niederlande, Frankreich und die USA (je 23,75 Prozent) unter sich auf;   f&#252;nf Prozent gingen an ein privates Unternehmen. An die irakische   Regierung zahlten sie Abgaben, die jedoch nur einen geringen Prozentsatz   der Gewinne ausmachten.<\/p>\n<p>  Gewerkschaften und politische Parteien waren weiterhin verboten.   Oppositionsf&#252;hrer wurden ins Exil getrieben und viele hingerichtet. Die   Polizei z&#246;gerte nie, auf DemonstrantInnen zu schie&#223;en und gelegentlich   schoss Artillerie auf Arbeiterviertel.<\/p>\n<p>  Die Massenproteste nahmen daher kein Ende. Die irakische kommunistische   Partei wurde dabei zur Massenkraft. 1947 wurde der von der KP angef&#252;hrte   Aufstand von Al-Wathbah blutig unterdr&#252;ckt, was 400 Menschenleben   kostete. Im Januar 1948 organisierte die KP deshalb eine   Protestdemonstration mit 100.000 TeilnehmerInnen.<\/p>\n<p>  Ersch&#252;ttert durch die Suez-Krise und die Auswirkungen der   Linksentwicklung des &#228;gyptischen Nasser-Regimes auf die ganze Region,   nutzte der Imperialismus 1958 die irakische Monarchie, um die Bedrohung   durch den Nasserismus zur&#252;ckzudr&#228;ngen. Der Befehl zum Einmarsch   irakischer Truppen nach Jordanien f&#252;hrte zum Ausbruch der irakischen   Revolution 1958. Die Armee meuterte und marschierte auf den K&#246;nigspalast   zu. Der K&#246;nig, der Kronprinz und der Premierminister wurden gelyncht.   Wenn die Kommunistische Partei nicht in Folge der Politik der   Etappentheorie (siehe oben) den Milit&#228;r Kassem unterst&#252;tzt h&#228;tte, dann   h&#228;tte sie selbst die Macht &#252;bernehmen k&#246;nnen. Am 1. Mai konnte die   Kommunistische Partei in Bagdad eine halbe Million Menschen zur 1.   Mai-Demonstration mobilisieren.<\/p>\n<p>  Ihre Massenbasis nutzten sie allerdings in keiner Weise, um den Kampf   f&#252;r lebenswichtige soziale Reformen mit dem Kampf f&#252;r eine grundlegende   Ver&#228;nderung der Wirtschafts- und Gesellschaftsverh&#228;ltnisse zu verbinden.   Stattdessen st&#228;rkten sie der b&#252;rgerlichen Regierung unter Kassem den   R&#252;cken, die 1958 im Irak an die Macht gekommen war, und die repressive   Ma&#223;nahmen gelockert hatte. Kassem selber wurde bereits 1963 durch einen   Milit&#228;rputsch aus seinem Amt vertrieben. Kurz darauf wurden 5.000   Anh&#228;ngerInnen der KP durch die neue Milit&#228;rdiktatur umgebracht.<\/p>\n<p>  1964 sehen sich die Milit&#228;rs im Irak aber wegen der katastrophalen   wirtschaftlichen Lage dazu gezwungen, Ma&#223;nahmen gegen die Kapitalisten   zu ergreifen. Die Banken und ein Teil der Industrie (Zement, &#214;l,   Zigaretten, Papier, teilweise Textilien) wurden verstaatlicht.<\/p>\n<p>  1968 gibt es einen neuen Milit&#228;rputsch im Irak, an dem Saddam Hussein   beteiligt ist. Die irakische Kommunistische Partei (IKP) wird Teil der   neuen Regierung. In der Folge gab es weitere Verstaatlichungen. 1972   wurde die &#8222;Iraqi Petroleum Company&#8220;, ein Konsortium britischer,   franz&#246;sischer, amerikanischer und deutscher Konzerne, verstaatlicht.   Gleichzeitig wurde die KP in die Regierung einbezogen, wobei sich das   Regime au&#223;enpolitisch mehr an die Sowjetunion anlehnte. Als sich das   OPEC-Kartell herausbildete und die &#214;lpreise stiegen, sah sich das Regime   darin ermutigt weitere demagogische &#8222;anti-imperialistische&#8220; Schritte   einzuleiten.<\/p>\n<p>  Der Eintritt der IKP in die Regierung bedeutete zwar ihre Legalisierung,   allerdings verlor die Partei damit auf Dauer ihre Glaubw&#252;rdigkeit,   insbesondere da sie auch w&#228;hrend des Krieges gegen die kurdische   Opposition in den Jahren 1974 und 1975 weiterhin die Regierung   unterst&#252;tze. Letztlich f&#252;hrte die Beteiligung der IKP an der Regierung   zu einer St&#228;rkung der Baath-Partei.<\/p>\n<p>  Ende der siebziger Jahre versch&#228;rfte sich mit der zunehmenden Machtf&#252;lle   Saddam Husseins auch wieder die innenpolitische Repression und es kam   zum Bruch des Saddam-Regimes mit der IKP und in der Folge zur Ermordung   von rund 10.000 Kommunisten.<\/p>\n<p>  Mit dem Ausbruch des Krieges gegen den Iran im September 1980   versch&#228;rfte das Regime die Unterdr&#252;ckung noch einmal. Die au&#223;erhalb des   Sudan st&#228;rkste organisierte Arbeiterbewegung der arabischen Welt wurde   fast v&#246;llig zerschlagen. Saddam Husseins S&#228;uberungsaktionen der   folgenden Jahre machten auch vor innerparteilichen Kritikern nicht mehr   Halt und f&#252;hrten zur totalit&#228;ren Kontrolle der Bev&#246;lkerung des Irak.<\/p>\n<h4>  Fazit<\/h4>\n<p>  Wir haben also gesehen, wie die arabischen Massen immer wieder   versuchten, die Verh&#228;ltnisse grundlegend zu ver&#228;ndern. Aber all diese   Versuche endeten mit Niederlagen. Der Hauptgrund daf&#252;r ist das Versagen   der Kommunistischen Parteien in allen L&#228;ndern des arabischen Raums durch   ihre Anbindung an die stalinistische Sowjetunion.<\/p>\n<p>  Die B&#252;rokratie in der Sowjetunion f&#252;rchtete nichts mehr als ihre   Herrschaft zu verlieren. Dem ordnete sie ihre gesamte Politik unter. Ihr   Ziel war stabile internationale Verh&#228;ltnisse und keine revolution&#228;ren   Bewegungen. Denn eine erfolgreiche revolution&#228;re Bewegung in irgendeinem   anderen Land, die zur Bildung von R&#228;ten und einer demokratischen   Einbeziehung aller in die Diskussions- und Entscheidungsprozesse einer   geplanten Wirtschaft gef&#252;hrt h&#228;tte, h&#228;tte ihre eigene Diktatur in der   Sowjetunion direkt in Frage gestellt.<\/p>\n<p>  Kernst&#252;ck der stalinistischen Ideologie f&#252;r die Politik der   kommunistischen Parteien in der ehemals kolonial besetzten Welt war die   Idee der Etappentheorie. Auf den Sturz eines r&#252;ckst&#228;ndigen halbfeudalen   Regimes sollte zun&#228;chst eine erste Etappe b&#252;rgerlich-demokratischer   Herrschaft folgen, und sehr viel sp&#228;ter, in ferner Zukunft, eine zweite   &#8222;sozialistische&#8220; Etappe.<\/p>\n<p>  Aron Amm schreibt in &#8222;Befreiungsbewegungen und islamischer   Fundamentalismus&#8221; (im November 2001) dazu: &#8222;Es ist unumstritten, dass in   den halben Agrarstaaten der (ex-)kolonialen Welt zuallererst die   Aufgaben der b&#252;rgerlichen Revolution anstehen: Landreform, Schaffung   eines Nationalstaates, &#220;berwindung der feudalen Hindernisse einer   wirtschaftlichen Entwicklung. Aber sp&#228;testens die russische Revolution   von 1917 hatte bewiesen, dass die Kapitalisten in den unterentwickelten   L&#228;ndern die B&#252;hne der Geschichte zu sp&#228;t betreten haben, und auf Grund   ihrer Verflechtung mit dem Gro&#223;grundbesitz unf&#228;hig sind, die Aufgaben   der b&#252;rgerlichen Revolution zu l&#246;sen. Dazu ist nur die Arbeiterklasse   mit der Unterst&#252;tzung der Bauernschaft in der Lage. Die Arbeiterklasse   kann jedoch nicht bei den b&#252;rgerlich-demokratischen Aufgaben stehen   bleiben, sondern muss sofort weitergehen zu den Aufgaben der   sozialistischen Revolution. Dies ist im Kern die Theorie der Permanenten   Revolution, die der russische Revolution&#228;r Leo Trotzki bereits unter dem   Eindruck der russischen Revolution von 1905 entwickelt hatte.&#8221;<\/p>\n<p>  Die Politik der Etappentheorie schuf den Platz, dass b&#252;rgerliche Kr&#228;fte   oder die Armee in vielen L&#228;ndern die f&#252;hrende Rolle beim Kampf gegen den   Imperialismus einnahmen. Es war immer wieder der Druck der Massen, der   dazu f&#252;hrte, dass die Entwicklungen in einzelnen L&#228;ndern weitergingen,   als es der stalinistischen B&#252;rokratie lieb war. In einigen L&#228;ndern wie   dem S&#252;d-Jemen wurden Staaten nach dem Vorbild der UdSSR errichtet,   allerdings in diesen F&#228;llen von Anfang an deformierte Arbeiterstaaten   (eine Planwirtschaft, mit der Macht in den H&#228;nden einer privilegierten   B&#252;rokraten-Kaste).<\/p>\n<p>  Aufgrund der Unf&#228;higkeit von Gro&#223;grundbesitz und Kapitalismus in der   Region reichte massenhafter Druck von unten, dass einzelne Gener&#228;le und   Regierungsvertreter dazu getrieben wurden, Teile der Wirtschaft zu   verstaatlichen und Ma&#223;nahmen gegen die Feudalherren zu ergreifen. Aber   in keinem Land des arabischen Raums f&#252;hrte dies zu einer erfolgreichen   sozialistischen Revolution und der Errichtung eines demokratischen   Arbeiterstaates. Dennoch entstanden in der arabischen Welt, wie im   Jemen, besondere Staaten, die Marxisten als   proletarisch-bonarpartistisch bezeichnen. Oder vor allem Staaten, die   einen hohen Grad staatlicher Wirtschaft hatten und den Einfluss des   Imperialismus zumindest zeitweise zur&#252;ckdr&#228;ngen konnten. Mit dem   Zusammenbruch des Stalinismus wurden allerdings Reformen zur&#252;ckgenommen,   die Ausbeutung der arabischen Massen durch den Imperialismus versch&#228;rft   und eine neue Phase von auch milit&#228;rischen Interventionen eingeleitet.<\/p>\n<h4>  Kapitalismus unf&#228;hig<\/h4>\n<p>  Auch heute stellen sich damit die Aufgaben der b&#252;rgerlich-demokratischen   Revolution weiterhin. Wie Marx aber erkl&#228;rte, erfordert Sozialismus ein   technisches und kulturelles Niveau, das hoch genug ist, Knappheit und   Mangel abzuschaffen. Unter kapitalistischen Bedingungen ist das, wie die   Geschichte zeigt, aber nicht zu erreichen.<\/p>\n<p>  In Russland st&#252;tzte sich die von Lenin und Trotzki gef&#252;hrte   bolschewistische Partei auf die kleine, aber konzentrierte und gut   organisierte Arbeiterklasse, die durch ihr Programm die Unterst&#252;tzung   der armen Bauernschaft gewann. Die Aufgaben der Revolution wurden durch   die Sowjets der ArbeiterInnen-, Soldaten-, Matrosen- und   B&#228;uerInnen-Deputierten durchgef&#252;hrt, die demokratischste Einrichtung,   die jemals geschaffen wurde. Dies allein garantierte die Niederlage der   Konterrevolution und der Intervention der ausl&#228;ndischen Kapitalisten in   der ersten Periode nach 1917.<\/p>\n<p>  Im arabischen Raum gibt es heute keine Arbeitermassenparteien mehr, die   der Macht des Imperialismus etwas entgegensetzen k&#246;nnen. Aber auch der   Stalinismus besteht als gro&#223;es Hindernis beim Aufbau revolution&#228;rer und   sozialistischer Kr&#228;fte nicht mehr. Es gilt, die Lehren aus den Fehlern   der Stalinisten zu ziehen. Aber auch aus dem Versagen   b&#252;rgerlich-nationalistischer Kr&#228;fte wie der PLO m&#252;ssen   Schlussfolgerungen gezogen werden. Die Arbeiterklasse ist in den L&#228;ndern   des arabischen Raums die wichtigste Kraft f&#252;r Ver&#228;nderungen. Zusammen   mit den verarmten b&#228;uerlichen Massen ist sie die Kraft, die die   Gesellschaft ver&#228;ndern und den Kampf f&#252;r eine sozialistische   Gesellschaft f&#252;hren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Zur Geschichte der arabischen Welt von 1945 bis 1989\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37,90],"tags":[259],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14192"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14192"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14192\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}