{"id":14187,"date":"2011-04-18T00:00:00","date_gmt":"2011-04-18T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14187"},"modified":"2011-04-18T00:00:00","modified_gmt":"2011-04-18T00:00:00","slug":"14187","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/04\/14187\/","title":{"rendered":"Griechenland: &#8222;Wir k&#246;nnen und wir werden nicht zahlen!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Bewegung f&#252;r einen Bezahlboykott widerspiegelt die explosive Situation   in Griechenland<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Wir ver&#246;ffentlichen hier eine Zusammenstellung mehrerer &#220;bersetzungen   von &#252;berarbeiteten Texten, deren Grundlage verschiedene Artikel auf der   Webseite von Xekinima sind. Xekinima spielt in der Massenbewegung f&#252;r   einen Bezahlboykott, die sich erst k&#252;rzlich in Griechenland entwickeln   konnte, eine wichtige Rolle. Weil die organisierte Arbeiterbewegung ihre   M&#246;glichkeiten &#8211; wie unten beschrieben &#8211; bisher nicht ausgereizt und die   Bewegung in vollem Umfang unterst&#252;tzt hat, konnte diese ihr Potential   bis dato auch nicht voll entfalten. Dennoch zeigt dieser Kampf, wie gro&#223;   der Widerstand gegen K&#252;rzungen und Angriffe auf die Lebensstandards in   der griechischen Gesellschaft ist.<\/i><\/p>\n<h4>  <i>Die Redaktion von www.socialistworld.net &#8211; Webseite des Komitees f&#252;r   eine Arbeiterinternationale<\/i><\/h4>\n<p>  Ende 2010 begann sich in Griechenland eine Bezahlboykott-Bewegung zu   entwickeln. Eine betr&#228;chtliche Anzahl von Menschen lehnt es ab, die   Stra&#223;enmaut zu bezahlen. Sie haben einfach genug von den fortgesetzten   Angriffen der Regierung auf ihre Lebensbedingungen. Die Menschen haben   sich daf&#252;r entschieden zu handeln und Widerstand zu leisten.<\/p>\n<p>  Unterdessen hat sich die Bewegung ausgebreitet. Mittlerweile ist auch   das &#246;ffentliche Transportwesen betroffen, wo die Leute sich weigern, die   Fahrpreise f&#252;r Busse, U- und Stra&#223;enbahnen zu entrichten. In den   vergangenen vier Monaten sind immer mehr Menschen zu dieser Bewegung   hinzu gekommen. Sie haben &#246;rtliche Komitees in ihren Betrieben und   Nachbarschaften gegr&#252;ndet, organisieren &#246;ffentliche Treffen und   Aktionstage. Die Kampagne gewinnt zunehmend an Popularit&#228;t &#8211; vor allem   unter den jungen Leuten. Sie ist allm&#228;hlich zu einer breiten Bewegung   des massenhaften Ungehorsams herangewachsen. Dies alles geschieht unter   dem Slogan: &#8222;Wir k&#246;nnen und wir werden nicht zahlen!&#8220;.<\/p>\n<p>  Am 9. April organisierte der Koordinierungskreis der &#246;rtlichen Komitees   der Bezahlboykott-Bewegung einen Aktionstag: In allen Bahnh&#246;fen sowie U-   und Stra&#223;enbahnstationen der Region Attica wurden die   Fahrscheinautomaten dicht gemacht und am Ende eine offene Zusammenkunft   auf dem zentralen Platz von Athen abgehalten.<\/p>\n<p>  Der Nachrichtenagentur Reuters zu folge stellt die   Bezahlboykott-Bewegung &#8222;eine enorme Bedrohung f&#252;r die griechische   Regierung&#8220; dar (10\/03\/2011). Schlie&#223;lich unterst&#252;tzen 56 Prozent der   griechischen Bev&#246;lkerung diese Kampagne und nur 39 Prozent sind nicht   mit ihr einverstanden (Meinungsforschungsinstitut MRB, 27\/02\/2011). Die   Zahl der AutofahrerInnen, die sich jeden Tag weigert, die Stra&#223;enmaut zu   bezahlen, ist auf 8.000 angestiegen &#8211; ein signifikanter Anstieg von   sechs Prozent auf 18 Prozent innerhalb eines Jahres. Zudem sind es   vierzig Prozent der PendlerInnen im &#246;ffentlichen Nahverkehr, die es   t&#228;glich ablehnen, Bef&#246;rderungsentgelte zu zahlen (inews.gr, 22\/02\/2011).<\/p>\n<h4>  Wir werden nicht f&#252;r ihre Schulden bezahlen<\/h4>\n<p>  Die Regierung f&#228;hrt Angriffe auf den &#246;ffentlichen Sektor und somit auch   auf den &#246;ffentlichen Personenverkehr und f&#252;hrt die momentane   Wirtschaftskrise als Entschuldigung daf&#252;r an. Die Menschen in   Griechenland werden wieder und wieder zur Kasse gebeten, um durch   direkte und indirekte Steuern f&#252;r einen angeblich verbesserten und   qualitativ hochwertigen &#246;ffentlichen Transport zu bezahlen. Und alles,   was sie daf&#252;r bekommen, sind um vierzig Prozent h&#246;here Fahrkartenpreise,   die Streichung zahlreicher Buslinien und gro&#223;e Probleme durch   Streckenstilllegungen bei der Bahn im Athener Zentrum!<\/p>\n<p>  Die Regierung begr&#252;ndet die K&#252;rzungen im &#246;ffentlichen Nahverkehr damit,   dass dies der einzige Weg sei, um die Schulden zur&#252;ckzahlen zu k&#246;nnen.   Die Frage lautet aber: Wer hat diese Schulden zu verantworten? In den   vergangenen zw&#246;lf Jahren hat jede Regierung daf&#252;r gesorgt, dass der   st&#228;dtische Nahverkehr unterfinanziert blieben. Es wurde immer nur ein   Bruchteil von dem bereitgestellt, was eigentlich an Investitionen n&#246;tig   gewesen w&#228;re.<\/p>\n<p>  Doch die Menschen beginnen zu realisieren, dass sie dies nicht l&#228;nger   hinnehmen k&#246;nnen. Indem sie die Bezahlboykott-Bewegung ins Leben gerufen   und immer mehr ausgeweitet haben, k&#246;nnen die Leute tats&#228;chlich   mitbestimmen, wie der &#246;ffentliche Verkehr zu funktionieren hat: Zum   Nutzen aller und nicht im Interesse der gro&#223;en Konzerne, die &#8211; in enger   Verbindung mit der Regierung &#8211; Privatisierungen in jedem Teil des   &#246;ffentlichen Dienstes in Griechenland durchboxen wollen.<\/p>\n<p>  Die Bezahlboykott-Bewegung ruft a) dazu auf, keine erh&#246;hten Preise f&#252;r   den Transport zu bezahlen, b) dass der Nahverkehr in den Morgenstunden   zwischen f&#252;nf Uhr und acht Uhr (wie in den 1980er Jahren) kostenlos ist   und c), dass Erwerbslose, Behinderte, Niedrigl&#246;hnerInnen und Studierende   gratis bef&#246;rdert werden. Viele Besch&#228;ftigte des &#246;ffentlichen   Transportwesens unterst&#252;tzen die Bewegung auf stille Art und Weise: So   lassen sie z.B. Gruppen von AktivistInnen der Kampagne in die Busse und   erlauben es auch, dass diese den Rest der Fahrg&#228;ste dazu auffordern,   ihre Fahrscheine nicht abzustempeln. Auch fahren sie des&#246;fteren einfach   weiter, wenn Kontrolleure, die AktivistInnen mit Strafen belegen wollen,   sie zum Anhalten auffordern. Weil die BusfahrerInnen permanent von   Entlassung bedroht sind, sind sie bisher noch nicht in der Lage, sich   offen mit der Bewegung zu solidarisieren. Trotzdem ist das Hauptziel der   Bewegung zur Zeit, sich mit den Besch&#228;ftigten im Transportwesen zu   verbinden und gemeinsam f&#252;r ein kostenloses, sicheres und   umweltfreundliches &#246;ffentliches Transportwesen zu k&#228;mpfen. Der   wichtigste Vorteil der Bezahlboykott-Bewegung ist, dass sie unabh&#228;ngig   von der landesweiten Gewerkschaftsb&#252;rokratie ist. Aus diesem Grund ist   sie viel freier, um sich entfalten zu k&#246;nnen und weitere Branchen des   &#246;ffentlichen Dienstes mit einzubeziehen, die &#8211; wie etwa bei der Strom-   und Wasserversorgung der Fall &#8211; von Privatisierungen bedroht sind.<\/p>\n<h4>  Versuche, die Kampagne zu stoppen<\/h4>\n<p>  Seit ihrer Entstehung hat die Regierung versucht, die Bewegung durch   eine Einsch&#252;chterungstaktik zu brechen. Man begann damit zu drohen, dass   man sie f&#252;r &#8222;illegal&#8220; erkl&#228;ren w&#252;rde, und in einigen F&#228;llen sind Leute   zur Polizei gebracht worden (allerdings ohne nennenswerte Folgen). Jetzt   hat man damit begonnen, eine neue &#8222;Art&#8220; von Kontrolleuren einzuf&#252;hren,   die eng mit der Polizei zusammenarbeiten. Au&#223;erdem wurde angek&#252;ndigt,   dass ein neuer elektronischer Fahrschein eingef&#252;hrt wird, der alle   SchwarzfahrerInnen vom Einsteigen abhalten wird. Das ist ihre Art, wie   sie versuchen, die Bewegung zu entmutigen und schlie&#223;lich g&#228;nzlich zu   stoppen!<\/p>\n<p>  Die Antwort darauf sollte der gemeinsame Widerstand sein. Und   organisieren sollten ihn die &#246;rtlichen Komitees der   Bezahlboykott-Bewegung. Die Regierung kann keine ganze Bewegung vor   Gericht stellen, wenn diese ein noch gr&#246;&#223;eres Ausma&#223; annimmt und zu   einer Massenkampagne angewachsen ist an der sich Hunderttausende   beteiligen. Eine vereinte Massenkampagne kann auch gewinnen!<\/p>\n<p>  Xekinima (Schwesterorgansiation der SAV in Griechenland) hat die   Kampagne von Anfang an unterst&#252;tzt, ihr zur Seite gestanden und auch   darauf gedr&#228;ngt, dass sie sich ausweitet auf den Kampf gegen steigende   Wasser- und Stromgeb&#252;hren. Xekinima hat fortw&#228;hrend die Bedeutung und   das gro&#223;e Potential einer massenhaften Bezahlboykott-Bewegung   hervorgehoben, die den Weg weisen kann zum Sturz der PASOK-Regierung.   Dabei beziehen wir uns auf das Beispiel der Thatcher-Regierung, die in   den sp&#228;ten 1990er Jahren durch die Anti-Kopfsteuer-Kampagne in   Gro&#223;britannien zu Fall kam.<\/p>\n<p>  Xekinima ruft dazu auf, &#252;berall und auf demokratischer Grundlage   Bezahlboykott-Komitees zu gr&#252;nden. Wir sind f&#252;r die Vernetzung der   Bewegung mit den Besch&#228;ftigten im &#246;ffentlichen Nahverkehr und der   Gewerkschaftsbasis. Wir m&#252;ssen mit dem Verst&#228;ndnis an die Sache   herangehen, dass die ArbeiterInnen in den Betrieben des &#246;ffentlichen   Transportwesens gemeinsame Interessen haben mit den Menschen, die den   Nahverkehr nutzen (ArbeiterInnen, RentnerInnen, Studierende etc.). Wir   rufen dazu auf, die Bezahlboykott-Bewegung auf eine h&#246;here Ebene zu   bringen. Dazu muss der Kampf gegen s&#228;mtliche K&#252;rzungsprogramme   aufgenommen werden, die die Regierung f&#252;r die sogenannte Rettung der   Banken aufgelegt hat und noch auflegen wird &#8211; aufoktroyiert von EU und   Internationalem W&#228;hrungsfonds. Wir rufen dazu auf, den Widerstand der   Bezahlboykott-Kampagnen zu st&#228;rken und zu verst&#228;rken: durch wiederholte   24-st&#252;ndige und 48-st&#252;ndige Generalstreiks in den verschiedenen   Branchen, die in wiederholten dreit&#228;gigen Generalstreiks zusammengefasst   werden m&#252;ssen.<\/p>\n<h5>  Homepage von Xekinima: <a href=\"http:\/\/www.xekinima.org\">www.xekinima.org<\/a><\/h5>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bewegung f&#252;r einen Bezahlboykott widerspiegelt die explosive Situation<br \/>\n      in Griechenland\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44,46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14187"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14187"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14187\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14187"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14187"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14187"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}