{"id":14177,"date":"2011-04-14T00:00:00","date_gmt":"2011-04-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14177"},"modified":"2011-04-14T00:00:00","modified_gmt":"2011-04-14T00:00:00","slug":"14177","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/04\/14177\/","title":{"rendered":"&#8222;Eine andere Welt als vor vier Monaten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Erfolgreiches Treffen des Europ&#228;ischen B&#252;ros des Komitees f&#252;r eine   Arbeiterinternationale<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Vom 4. bis 7. April kamen in London VertreterInnen der meisten   europ&#228;ischen Sektionen des Komitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale   (engl. Abk&#252;rzung CWI) zu einer Tagung des Europ&#228;ischen B&#252;ros zusammen.   Au&#223;erdem anwesend waren Vertreter aus Israel und Pakistan.<\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic<\/i><\/h4>\n<p>  &#8222;Das ist eine andere Welt als zum Zeitpunkt unseres Weltkongresses im   Dezember letzten Jahres.&#8220; Mit diesen Worten er&#246;ffnete der   Generalsekret&#228;r der Socialist Party in England und Wales, Peter Taaffe,   die erste Debatte zu den Revolutionen in den arabischen L&#228;ndern und der   allgemeinen Weltlage.<\/p>\n<p>  Die arabische Revolution, die Fortsetzung der Staatsschuldenkrise in   Europa und die Ereignisse in Japan seien daf&#252;r die wesentlichen   Faktoren, die auch weitreichende Auswirkungen auf das Bewusstsein in der   Arbeiterklasse weltweit haben.<\/p>\n<h4>  Arabische Revolution<\/h4>\n<p>  Die Auswirkungen der revolution&#228;ren Bewegungen in Tunesien, &#196;gypten und   anderen L&#228;ndern auf das Bewusstsein von ArbeiterInnen, die in den Kampf   treten, zeigte sich nicht zuletzt bei der Massenbewegung gegen K&#252;rzungen   und die Einschr&#228;nkung gewerkschaftlicher Rechte in Wisconsin, wo die das   Parlamentsgeb&#228;ude besetzenden DemonstrantInnen sich direkt auf die   Revolution vom Tahrir-Platz in Kairo bezogen. Peter Taaffe betonte, dass   die Ereignisse in der arabischen Welt Revolutionen sind, wenn dies auch   von verschiedenen Kommentatoren auf der Linken bezweifelt wird. Das   Eintreten der Massen in die direkte Aktivit&#228;t und die Entschlossenheit   bis zum Ende zu k&#228;mpfen, seien daf&#252;r wesentliche Merkmale. Das Ergebnis   in Tunesien und &#196;gypten bezeichnete Taaffe als eine &#8222;teilweise   politische Revolution&#8220;, w&#228;hrend die Ereignisse im Kern eine &#8222;soziale   Revolution&#8220; darstellen. John Singleton, der mehrere Wochen w&#228;hrend der   revolution&#228;ren K&#228;mpfe in Tunis war, berichtete von der verzweifelten   Entschlossenheit der DemonstrantInnen und zitierte eine Mutter, deren   Sohn von Sicherheitskr&#228;ften erschossen worden war, mit den Worte: &#8222;Wir   haben einen Sohn verloren, aber drei weitere stehen bereit, um den Kampf   fortzusetzen.&#8220;<\/p>\n<p>  Ausf&#252;hrlich wurde der aktuelle Stand der Revolutionen und die Ereignisse   in Libyen diskutiert. Khalid Batti aus Pakistan bereicherte die   Diskussion mit Analysen zu den K&#228;mpfen in Bahrain und Jemen und   berichtete von einem Besuch in Oman. Das CWI war, anders als andere   linke Organisationen, von dem Ausbruch der Revolutionen nicht   &#252;berrascht, sondern hatte schon bei dem Weltkongress im Dezember 2010   betont, dass keines der arabischen Regimes stabil ist und f&#252;r &#196;gypten   eine Massenbewegung, die zum Sturz Mubaraks f&#252;hren k&#246;nne, vorhergesehen.   Auch hinsichtlich der westlichen Intervention in Libyen sticht die   Analyse und Position des CWI im Vergleich zu anderen Kr&#228;ften auf der   Linken hervor.<\/p>\n<h4>  Europa<\/h4>\n<p>  Die sich seit 2007 entwickelnde Weltwirtschaftskrise sei nicht beendet   und die europ&#228;ische Schuldenkrise habe sich weiter intensiviert, so Tony   Saunois, der die Debatte zur Lage in Europa einleitete. Es gebe keinen   Ausweg aus dieser Krise f&#252;r L&#228;nder wie Irland, Griechenland und Portugal   ohne, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt Schuldenstreichungen   vorgenommen werden m&#252;ssen. Damit steht Europa am Rande einer neuerlichen   Bankenkrise. Andros Payiatsos aus Griechenland berichtete von den   massiven K&#252;rzungen im Lebensstandard, die der griechischen Bev&#246;lkerung   aufgezwungen wurden &#8211; 20 Prozent im Durchschnitt! W&#228;hrend es seit Beginn   des letzten Jahres schon zu neun Generalstreiks kam, nehmen jetzt vor   allem intensive betriebliche Streiks zu, an denen die griechische   CWI-Sektion Xekinima beteiligt ist. Au&#223;erdem berichtete er von der   massenhaften Zahlungsboykottkampagne gegen Autobahngeb&#252;hren und vom   Kampf gegen den Bau einer M&#252;lldeponie in Keratea, der   B&#252;rgerkriegs&#228;hnliche Ausma&#223;e angenommen hat und wo sogar der   sozialdemokratische &#246;rtliche B&#252;rgermeister in einem Fernsehinterview   sein Verst&#228;ndnis f&#252;r den Gebrauch von Molotow-Cocktails durch   DemonstrantInnen ge&#228;u&#223;ert hat!<\/p>\n<h4>  Irland<\/h4>\n<p>  Einen gro&#223;en Raum nahmen die Entwicklungen in Irland und in   Gro&#223;britannien ein. In beiden L&#228;ndern haben die Sektionen des CWI ein   hohes spezifisches Gewicht auf der Linken. Die Socialist Party in Irland   konnte als Teil des Vereinigten Linksb&#252;ndnisses (United Left Alliance)   bei den Parlamentswahlen mit zwei der f&#252;nf gew&#228;hlten ULA-KandidatInnen   in den Dail, das nationale Parlament, einziehen. Die beiden Angeordneten   Joe Higgins und Clare Daly nahmen am Treffen des Europ&#228;ischen B&#252;ros   teil. Kevin McLoughlin, Sekret&#228;r der Socialist Party und einer der   Koordinatoren der ULA, referierte ausf&#252;hrlich &#252;ber die Lage in Irland.   Angesichts der dramatischen Staatsschuldenkrise sprach er von dem   Potenzial f&#252;r revolution&#228;re Entwicklungen in den n&#228;chsten Jahren. Dass   es in den letzten Monaten nicht zu gr&#246;&#223;eren Mobilisierungen der   Arbeiterklasse gekommen ist, lag im Wesentlichen an der bremsenden Rolle   der Gewerkschaftsf&#252;hrungen und an den Neuwahlen im Februar. Die   Socialist Party und das Vereinigte Linksb&#252;ndnis sind in einer guten   Ausgangsposition, um auf der Basis zwangsl&#228;ufig kommender Bewegungen   gegen wachsende Arbeitslosigkeit und gegen die K&#252;rzungen, die der   irischen Arbeiterklasse aufgezwungen werden, zu einer starken Kraft zu   werden. Die Umwandlung der ULA in eine breite linke Mitgliederpartei   (statt eines B&#252;ndnisses, das im wesentlichen aus verschiedenen   Organisationen und einer recht kleinen Schicht von unabh&#228;ngigen   Einzelmitgliedern besteht) d&#252;rfe jedoch auch nicht &#252;berst&#252;rzt werden.   F&#252;r einen solchen Schritt sei der richtige Zeitpunkt abzuwarten, wenn   die Bereitschaft zur Selbstaktivit&#228;t, die zur Zeit in der irischen   Arbeiterklasse nicht stark ausgepr&#228;gt ist, wieder gewachsen sein wird   und wenn das Vereinigte Linksb&#252;ndnis selber mehr Substanz gewonnen hat.<\/p>\n<h4>  Gro&#223;britannien<\/h4>\n<p>  In Gro&#223;britannien fand am 26. M&#228;rz die gr&#246;&#223;te Gewerkschaftsdemonstration   seit Jahrzehnten statt. &#220;ber 700.000 Menschen, vor allem Lohnabh&#228;ngige,   aus ganz Gro&#223;britannien gingen in London gegen die K&#252;rzungen der   konservativ-liberaldemokratischen Regierung auf die Stra&#223;e. Hannah Sell,   stellvertretende Generalsekret&#228;rin der Socialist Party in England und   Wales, berichtete von der sehr erfolgreichen Beteiligung der   SP-Mitglieder bei dieser Demonstration und der Erfahrung, dass viele   ehemalige Mitglieder auf sie zukamen, Geld spendeten oder sich spontan   die Zeitung zum Weiterverkaufen nahmen. Sie erkl&#228;rte die Lage der   Anti-K&#252;rzungsbewegung in England, wo drei verschiedene nationale   Kampagnen existieren &#8211; Right to Work (RTW), Coalition of Resistance   (CoR) und die Antik&#252;rzungskampagne des Nationalen Netzwerks der   gewerkschaftlichen Vertrauensleute (NSSN). In letzterer ist die   Socialist Party engagiert, deren Mitglieder dort gemeinsam mit anderen   k&#228;mpferischen GewerkschafterInnen eine Politik der Opposition gegen alle   K&#252;rzungen durchgesetzt haben. Das ist in der Bewegung nicht   selbstverst&#228;ndlich, denn RTW und CoR sprechen sich f&#252;r die Integration   von Stadtr&#228;ten der Labour Party in Antik&#252;rzungskampagnen aus, die selber   lokalen K&#252;rzungen zustimmen. Dem stellen die Socialist Party und andere   eine Strategie entgegen, die sich an der Politik des marxistische   gef&#252;hrten Labour-Stadtrates in Liverpool in der Mitte der 1980er Jahre   orientiert. Dieser hatte sich geweigert die Einnahmek&#252;rzungen der   Kommune an die Bev&#246;lkerung durch K&#252;rzungen oder Geb&#252;hrensteigerungen   weiterzugeben und sich f&#252;r eine Strategie eines &#8222;illegalen&#8220;, weil nicht   ausgeglichen, aber an den Bed&#252;rfnissen der Bev&#246;lkerung orientierten   Haushalts entschieden und daf&#252;r die Liverpooler Arbeiterklasse in   Generalstreiks und Massendemonstrationen erfolgreich mobilisiert.<\/p>\n<p>  Bei den im Mai anstehenden Kommunalwahlen tritt die SP als Teil der   Trade Union And Socialist Coalition (TUSC &#8211; B&#252;ndnis von   GewerkschafterInnen und SozialistInnen) in 154 Wahlkreisen an. Auch wenn   aufgrund der Wut &#252;ber die Politik der konservativ-liberaldemokratischen   Zentralregierung, die Labour Party wieder wird zulegen k&#246;nnen, so gibt   es doch eine wichtige Schicht in der Arbeiterklasse und der Jugend, die   auf der Suche nach einer Alternative links von Labour ist. Phil Stott   von der Socialist Party Scotland berichtete den Aktivit&#228;ten der   Schottischen Anti-K&#252;rzungs-B&#252;ndnisses, das sich auch f&#252;r eine Politik   gegen alle K&#252;rzungen ausgesprochen hat. Phil betonte, dass nach der   gro&#223;en Demonstration vom 26. M&#228;rz betriebliche Aktionen und Streiks auf   der Tagesordnung stehen. Er erw&#228;hnte auch die anstehenden Wahlen zum   schottischen Parlament. Hier ist die Linke nicht gut aufgestellt. Die   Spaltung der Schottischen Sozialistischen Partei (SSP) vor einigen   Jahren hatte zur Gr&#252;ndung von Solidarity gef&#252;hrt, an dem sich die SP   Scotland beteiligt. Tommy Sheridan, die wichtigste F&#252;hrungsfigur von   Solidarity wurde nun jedoch in einem Akt der Klassenjustiz zu einer   dreij&#228;hrigen Gef&#228;ngnisstrafe wegen Meineids verurteilt. Das wird   wahrscheinlich zur Folge haben, dass das Wahlergebnis schwach ausfallen   wird. In Glasgow wurde um den bekannten (und exzentrischen) linken   Politiker George Galloway ein Wahlb&#252;ndnis gebildet, das sich auch gegen   alle K&#252;rzungen ausspricht, an dem die SP Scotland sich beteiligt.<\/p>\n<h4>  Pakistan<\/h4>\n<p>  Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Lage in Pakistan, zu der Khalid   Batti von der Socialist Movement Pakistan sprach. Er betonte einerseits,   dass die Darstellung der Situation in seinem Heimatland in den   westlichen Medien nicht der Realit&#228;t entspricht. Denn die Islamisten   genie&#223;en bei weitem nicht die Unterst&#252;tzung in der Masse der   Bev&#246;lkerung, wie dies im Westen oftmals dargestellt wird. Tats&#228;chlich   ist die Unterst&#252;tzung f&#252;r die pakistanischen Taliban in den letzten zwei   Jahren sogar zur&#252;ck gegangen. Trotzdem ist der Alltag in Pakistan von   den t&#228;glich stattfindenden Selbstmordanschl&#228;gen islamistischer   Fundamentalisten gepr&#228;gt. Das f&#252;hrt in einigen Teilen des Landes, in   denen die Taliban faktisch die Kontrolle &#252;bernommen haben, sogar zu   wachsender Unterst&#252;tzung f&#252;r die pakistanische Armee, die gegen die   Islamisten vorgeht und von vielen als einzige das Land stabilisierende   Kraft angesehen wird.<\/p>\n<p>  Khalid Batti berichtete von der allgemeinen Krise, in der sich die   linken Organisationen des Landes befinden. F&#252;r das Socialist Movement   Pakistan ist es unter diesen schwierigen Umst&#228;nden ein Erfolg die   Mitgliedszahlen zu halten und den Aufbau des vor zwei Jahren gegr&#252;ndeten   unabh&#228;ngigen Gewerkschaftsverbands Progressive Workers&quot; Federation   fortzusetzen.<\/p>\n<h4>  Au&#223;erhalb Europas<\/h4>\n<p>  Im Bericht des Internationalen Sekretariats stellte Tony Saunois die   Arbeit der Sektionen au&#223;erhalb Europas dar. Er erw&#228;hnte die bisher   gr&#246;&#223;te und erfolgreichste Lateinamerika-Schulung, die im Februar in   Brasilien stattgefunden hatte und betonte wichtige Fortschritte, die die   bolivianische CWI-Sektion in der Zusammenarbeit mit k&#228;mpferischen   GewerkschafterInnen in Cochabamba erzielt hat. Ein CWI-Magazin f&#252;r ganz   Lateinamerika soll erstmals zum 1. Mai erscheinen.<\/p>\n<p>  Unter sehr schwierigen Bedingungen konnte die United Socialist Party auf   Sri Lanka bei den k&#252;rzlich abgehaltenen Kommunalwahlen ihre Stellung als   st&#228;rkste Kraft auf der Linken verteidigen.<\/p>\n<p>  Tony berichtete auch von der sehr erfolgreichen Intervention der   Socialist Alternative in den USA bei den Massenprotesten in Wisconsin,   aus der heraus eine Ortsgruppe in der Stadt gebildet werden konnte.<\/p>\n<h5>  <i>Sascha Stanicic ist Bundessprecher der SAV und Mitglied des   Internationalen Exekutivkomitees des CWI. Er nahm zusammen mit Lucy   Redler an der Tagung des Europ&#228;ischen B&#252;ros f&#252;r die SAV teil.<\/i><\/h5>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Erfolgreiches Treffen des Europ&#228;ischen B&#252;ros des Komitees f&#252;r eine<br \/>\n      Arbeiterinternationale\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[102],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14177"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14177"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14177\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}