{"id":14165,"date":"2011-04-10T00:00:00","date_gmt":"2011-04-10T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14165"},"modified":"2011-04-10T00:00:00","modified_gmt":"2011-04-10T00:00:00","slug":"14165","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/04\/14165\/","title":{"rendered":"Ein Vierteljahr Revolution in der arabischen Welt"},"content":{"rendered":"<p>  Widerspr&#252;chliche Prozesse in Tunesien, &#196;gypten und der ganzen Region<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Im Januar wurde der tunesische Diktator Zine el-Abidine Ben Ali   gest&#252;rzt, im Februar der &#228;gyptische Diktator Hosni Mubarak. Seitdem ist   die Entwicklung komplizierter geworden.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein, Plochingen bei Stuttgart<\/i><\/h4>\n<p>  In &#196;gypten ging die Streikwelle, die Mubarak zu Fall gebracht hatte,   nach dessen Sturz weiter. Oft wurden konkrete &#246;konomische Forderungen   gestellt, die h&#228;ufig schnell zugestanden wurden.<\/p>\n<p>  Zugleich fand eine politische Umgruppierung statt. Nachdem Liberale,   Moslembr&#252;der und Linke gemeinsam f&#252;r den Sturz Mubaraks eingetreten   waren, erkl&#228;rten jetzt Liberale und Moslembr&#252;der und die bisherigen   Anh&#228;nger Mubaraks gemeinsam den Sturz des Diktators f&#252;r den Sieg der   Revolution und forderten eine R&#252;ckkehr zur Normalit&#228;t.<\/p>\n<h4>  Revolutionen in &#196;gypten und Tunesien schon vorbei?<\/h4>\n<p>  Auf den ersten Blick haben die linken Kr&#228;fte, die meinen, dass die   Revolution weiter gehen muss, wenig Gewicht. Tats&#228;chlich k&#246;nnen sie sich   jedoch auf die Interessen der Massen st&#252;tzen, die sich mit dem Austausch   von Personen an der Spitze nicht abspeisen lassen wollen. Wenn die   Streikwelle von wirtschaftlichen zu politischen Forderungen zur&#252;ckkehrt   beziehungsweise damit zusammenkommt, kann das der Beginn einer neuen   Phase der Revolution werden. Der Versuch des &#228;gyptischen Milit&#228;rregimes,   Streiks (und generell Proteste, die die Wirtschaft behindern) zu   verbieten, k&#246;nnte bewirken, dass wieder politische Fragen ins Zentrum   r&#252;cken.<\/p>\n<p>  In Tunesien fanden nach dem Sturz Ben Alis im Januar &#228;hnliche Prozesse   statt. Am 25. Februar erreichte die zweite Phase der Revolution einen   neuen H&#246;hepunkt mit riesigen Demonstrationen, die Ministerpr&#228;sident   Mohammed Ghannouchi zum R&#252;cktritt zwangen. Die Proteste in Tunesien sind   danach vorl&#228;ufig abgeflaut. Aber w&#228;hrend man fr&#252;her auch im   Freundeskreis Angst haben musste, &#252;ber Politik zu reden, wird jetzt im   ganzen Land diskutiert.<\/p>\n<h4>  Proteste nicht nur in arabischen L&#228;ndern<\/h4>\n<p>  Man kann kaum noch den &#220;berblick behalten, so gro&#223; ist die Zahl der   L&#228;nder, die in Aufruhr sind. Im Jemen kam es zu Massenprotesten von bis   zu vier Millionen. Vielleicht ist Jemens Pr&#228;sident Ali Abdullah Saleh   bereits gest&#252;rzt, wenn diese Zeilen erscheinen. Unter anderen in   Marokko, Algerien, Jordanien, Syrien, im Irak, Bahrain, Saudi-Arabien,   Oman gibt es Rebellionen.<\/p>\n<p>  Die Proteste dehnten sich auch nach Kurdistan aus (sowohl den zu Irak   als auch den zu Iran geh&#246;rigen Teil). Im Iran kam es nach dem Abflauen   der revolution&#228;ren Bewegung von 2009 zu neuen Massenprotesten. Selbst im   fernen China fanden Protestaktionen statt. Die panischen Reaktionen der   Regierung zeigten, wie gro&#223; deren Angst vor einem &#220;berschwappen der   revolution&#228;ren Welle ist.<\/p>\n<p>  Angesichts der Versuche der israelischen Regierung, Angst vor den   Auswirkungen der Revolutionen in den Nachbarl&#228;ndern zu sch&#252;ren, ist es   bedeutsam, dass bei Protesten in Israel, zum Beispiel gegen   Preiserh&#246;hungen, immer wieder positiv auf die Bewegungen in &#196;gypten und   Libyen Bezug genommen wurde.<\/p>\n<h4>  Teile und herrsche&#8230;<\/h4>\n<p>  Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate helfen bei der   Unterdr&#252;ckung der Demokratiebewegung in Bahrain. Dieses Eingreifen   sunnitischer Regime gegen &#252;berwiegend schiitische Proteste erh&#246;ht die   Gefahr, dass der Kampf gegen diktatorische Regime durch einen   sektiererischen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten verkompliziert   wird. Die st&#228;ndigen israelischen Angriffe auf Gaza und ein   Selbstmordanschlag in Jerusalem zeigen die Gefahr eines neuen   israelisch-pal&#228;stinensischen Krieges. Und der Angriff auf Libyen   demonstriert die Bereitschaft der westlichen imperialistischen L&#228;nder,   ihre Interessen in der &#246;lreichsten Region der Welt mit Gewalt   durchzusetzen.<\/p>\n<h4>  &#8230;oder gemeinsamer Kampf<\/h4>\n<p>  Es gibt aber auch gegenl&#228;ufige Trends. In &#196;gypten traten die   revolution&#228;ren AktivistInnen sehr bewusst allen Spaltungen zwischen   Muslimen und Kopten entgegen. Anfang M&#228;rz fanden blutige   Auseinandersetzungen statt, die gezielt vom alten Staatsapparat gesch&#252;rt   wurden &#8211; aber in dem Ort, in dem die Konflikte losgebrochen waren, kamen   am 9. M&#228;rz Tausende EinwohnerInnen zusammen, um die Solidarit&#228;t zwischen   beiden Religionsgruppen zu bekr&#228;ftigen. In Pal&#228;stina gab es am 15. M&#228;rz   Massenproteste von unten gegen die Spaltung in Fatah und Hamas, in   Israel streikten 10.000 j&#252;dische und pal&#228;stinensische Sozialarbeiter   gemeinsam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Widerspr&#252;chliche Prozesse in Tunesien, &#196;gypten und der ganzen Region\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[236],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14165"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14165"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14165\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}