{"id":14155,"date":"2011-03-26T00:00:00","date_gmt":"2011-03-25T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14155"},"modified":"2012-07-18T15:55:17","modified_gmt":"2012-07-18T13:55:17","slug":"14155","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/03\/14155\/","title":{"rendered":"Sofort-Alternativen zum Atomkraft-Wahnsinn"},"content":{"rendered":"<p>  F&#252;r eine weltweite umwelfreundliche und sozialistische Energieplanung<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Nehmen wir an, man w&#252;rde entdecken, dass das Haus, in dem man wohnt,   auf einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg steht. Niemand w&#252;sste, ob und   wann der Z&#252;nder durchrostet und die Bombe explodiert, nur dass sie   prinzipiell jederzeit explodieren kann &#8211; in den n&#228;chsten Jahren oder den   n&#228;chsten Sekunden. Wie lange w&#252;rde man in diesem Haus wohnen bleiben?   Wie schnell w&#252;rde man umziehen, wenn in der N&#228;he eine vergleichbares,   aber sicheres Haus als Alternative st&#252;nde? Erst in zehn, zwanzig Jahren   oder sofort?<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Georg K&#252;mmel, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Alle Atomkraftwerke sind Megabomben, die jederzeit hochgehen k&#246;nnen.   Deshalb m&#252;ssen sie abgeschaltet werden, alle, sofort. Zu den unz&#228;hligen   L&#252;gen von Atomkonzernen und Regierung geh&#246;rt auch die Behauptung, man   k&#246;nne nicht s&#228;mtliche Atomkraftwerke in Deutschland sofort abschalten.   Es geht, wenn man es will.<\/p>\n<h4>  Strom im &#220;berfluss<\/h4>\n<p>  Betrachten wir die Fakten: Der Spitzenwert beim Stromverbrauch in   Deutschland betr&#228;gt rund 82 Gigawatt (GW). Die Gesamtkapazit&#228;t aller   Kraftwerke in Deutschland betr&#228;gt 156 GW. Davon sind 19,6 GW Atomkraft,   78 GW Kohle, Gas, &#214;l und Wasserstoff, 9,4 GW Wasserkraft (davon 4,4 GW   Laufwasserkraftwerke, 5 GW Pumpspeicherkraftwerke), 27,7 GW Wind, 17 GW   Photovoltaik und 5 GW Biomasse (Quelle: spiegel-online, 17. M&#228;rz, 2011).<\/p>\n<p>  Nimmt man den ung&#252;nstigsten Fall an: An einem kalten Januartag um die   Mittagszeit w&#252;rden 82 GW Strom ben&#246;tigt, die Sonne w&#228;re hinter dunklen   Wolken und in ganz Deutschland w&#252;rde kein Wind wehen.<\/p>\n<p>  Wenn alle Atomkraftwerke abgeschaltet w&#228;ren, w&#252;rden immer noch 92,4 GW   Leistung zur Verf&#252;gung stehen, n&#228;mlich aus Kohle-, Gas, &#214;l, Wasserstoff,   Wasserkraft und Biomasse, also aus Quellen, die wetterunabh&#228;ngig sind.   Das hei&#223;t: Selbst im ung&#252;nstigsten Fall gibt es auch ohne Atomstrom noch   gen&#252;gend Kapazit&#228;ten um den Strombedarf zu decken. Das ist heute schon   so, ohne jede zus&#228;tzliche Energiesparma&#223;nahme.<\/p>\n<p>  Nachteil beim verst&#228;rkten Einsatz von Kohle- und Gaskraftwerken w&#228;re,   dass entsprechend mehr klimasch&#228;dliches CO2 entstehen w&#252;rde. Um das zu   vermeiden, m&#252;sste man in einen Bereich eingreifen, der in der   energiepolitischen Diskussion allgemein tabu ist: In die Produktion.   Industrie, Handel und Gewerbe verbrauchen n&#228;mlich 61 Prozent des Stroms.   (Private Haushalte 27 Prozent, Verkehr 3 Prozent, &#246;ffentliche   Einrichtungen 8 Prozent, Quelle: wikipedia).<\/p>\n<p>  Dort liegen also die gr&#246;&#223;ten Einsparpotenziale und zwar ohne Verlust an   Lebensstandard &#8211; im Gegenteil. Energie k&#246;nnte gespart werden, Mensch und   Umwelt w&#252;rden gewinnen. Teilweise sogar von heute auf morgen. Beispiel   Werbung: Die Produktion der unz&#228;hligen Prospekte und Werbebeilagen   k&#246;nnte sofort gestoppt werden. Leuchtreklame sofort abgestellt werden.   Beispiel R&#252;stung: Die R&#252;stungsproduktion k&#246;nnte sofort eingestellt   werden. Das w&#252;rde ebenfalls Energie und Ressourcen sparen.<\/p>\n<p>  Um zu einer L&#246;sung zu kommen, muss man aufh&#246;ren, im Rahmen des   Kapitalismus zu denken und zu handeln. Dieses System bietet uns nur zwei   Alternativen: Kurzfristig weiter das sehr hohe Risiko f&#252;r Menschen und   Umwelt bei einer Reaktorkatastrophe get&#246;tet beziehungsweise vergiftet zu   werden, langfristig die sichere Zerst&#246;rung der nat&#252;rlichen   Lebensgrundlagen durch die Klimakatastrophe. Genau genommen beschert uns   der Kapitalismus eine Kombination von beiden.<\/p>\n<h4>  Alternativen sind machbar<\/h4>\n<p>  Seit Jahrzehnten existieren die technischen M&#246;glichkeiten, um aus der   W&#228;rmestrahlung der Sonne den Bedarf der ganzen Welt an Strom, Heizung   und sonstiger Energie zu decken. Die Energie, die die Sonne jeden Tag   auf die Erde einstrahlt, ist 7.000 bis 10.000 Mal so gro&#223; wie der   derzeitige Weltenergieverbrauch, (f&#252;r Strom, Heizung, Verkehr etc.   zusammen). Nat&#252;rlich kann man nur eine kleinen Teil davon technisch   nutzen, aber weniger als ein Tausendstel ist ja auch mehr als   ausreichend.<\/p>\n<p>  Aber warum wird weiter jeden Tag &#214;l und Gas verbrannt, als ob es kein   Morgen g&#228;be? Im Kapitalismus geht es nicht um die Erzeugung von Energie   sondern um die Erzeugung von Profit. Konsequenterweise wird die Art der   Energieerzeugung gew&#228;hlt, mit der sich ein Maximum an Profit erzielen   l&#228;sst. Die Kapitalbesitzer wollen ihr Kapital vermehren und ihren Profit   maximieren. Dabei handeln sie nach dem Motto &#8222;Nach uns die Sintflut&#8220;,   und es ist eine bittere Ironie der Geschichte, dass man das inzwischen   w&#246;rtlich verstehen muss.<\/p>\n<h4>  Profitlogik<\/h4>\n<p>  Aber der Kapitalismus ist zur Not auch flexibel, in Deutschland gibt es   zu wenig billige heimische Kohle- und &#214;lvorkommen. Deshalb hat man   aufgeh&#246;rt, die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie zu verteufeln und zu   verhindern. Im Gegenteil: Man wittert ein Gesch&#228;ft und investiert sogar.   Aber weil es wiederum nur ums Gesch&#228;ft geht, bleibt die Umwelt wieder   auf der Strecke: Statt vieler, kleiner Windr&#228;der, die sich in die   Umgebung einf&#252;gen, wird gleich die ganze Landschaft mit Windparks   zugestellt. Statt Stromkabel in die Erde zu verlegen, wird die   Landschaft mit gigantischen Strommasten verschandelt. Das gro&#223;e Kapital   ruft nach gro&#223;en Investitionen und noch gr&#246;&#223;eren Profiten. Ergebnis: Es   entstehen gigantische Biogasanlagen, die mit Mais oder anderen Pflanzen   beschickt werden. J&#252;ngste &#8222;Errungenschaft&#8220;: &#214;fen, in denen im gro&#223;en   Stil Getreide verbrannt wird, um Strom zu erzeugen. F&#252;r das Wachstum von   Mais und Getreide werden die B&#246;den mit Stickstoff &#252;berd&#252;ngt und mit   Spritzmitteln getr&#228;nkt, was in der Konsequenz zur Verseuchung des   Trinkwassers f&#252;hrt.<\/p>\n<h4>  Wie w&#252;rde eine sozialistische Energiepolitik aussehen?<\/h4>\n<p>  Erstes Ziel einer sozialistischen Energiepolitik w&#228;re: Energie sparen.   Die Einsparpotenziale sind gewaltig, heute werden G&#252;ter um den halben   Erdball transportiert, nur um Lohnunterschiede zwischen verschiedenen   Standorten auszunutzen. Die gesamte Produktion w&#252;rde umgestellt:   Langlebige G&#252;ter statt Wegwerfartikel, optimale D&#228;mmung aller H&#228;user und   Geb&#228;ude, Umstellung des Verkehrssystems. Alle verf&#252;gbaren Ressourcen der   Gesellschaft w&#252;rden sinnvoll und planm&#228;&#223;ig eingesetzt. Heute br&#252;stet   sich die Regierung damit, dass in Deutschland 380.000 Menschen im   Bereich erneuerbare Energien arbeiten. Offiziell zehnmal, tats&#228;chlich   zwanzigmal mehr Menschen sind gleichzeitig auf der Suche nach sinnvoller   Arbeit!<\/p>\n<p>  Was nach Aussch&#246;pfung aller Sparpotenziale an Energiebedarf &#252;brig   bliebe, m&#252;sste aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden: Windkraft,   Wasserkraft, W&#228;rmestrahlung (Sonnenkollektoren, Solarzellen), Biomasse   (Holz, Pflanzenreste), Erdw&#228;rme, Ausnutzung von Ebbe und Flut durch   Gezeitenkraftwerke<\/p>\n<p>  Sozialistische Energiepolitik hei&#223;t, alle M&#246;glichkeiten miteinander zu   kombinieren, lokal und global. Sonnenkollektoren und Solarzellen,   Wasserstoffgas aus Sonnenkraftwerken in der Sahara, Erdw&#228;rme aus   geologisch g&#252;nstigen Regionen&#8230;<\/p>\n<p>  Wichtig w&#228;re dabei, dass in der Gesellschaft demokratisch diskutiert und   entschieden werden k&#246;nnte, welche Arten in welcher Kombination am   geeignetsten w&#228;ren. Das Wissen und die Initiative der Menschen als   ProduzentInnen und VerbraucherInnen w&#252;rden eingesetzt, um die   intelligentesten L&#246;sungen zu finden.<\/p>\n<h4>  Stalinismus unf&#228;hig<\/h4>\n<p>  Aber warum wurden in den Staaten des Ostblocks, in denen der   Kapitalismus schon abgeschafft war, in der Energieversorgung &#228;hnlich   umweltzerst&#246;rende Wege gegangen wie im Westen? Weil in diesen L&#228;ndern   die Wirtschaft nicht demokratisch, sondern b&#252;rokratisch geplant wurde.   Mit b&#252;rokratischen Kommando-Methoden kann man es gerade noch schaffen,   den Bau von wenigen aber riesigen Kohle- und Atomkraftwerken zu   organisieren. Demgegen&#252;ber ist die Sonnenenergie ihrer Natur nach   dezentral, sie scheint f&#252;r jeden, der Wind bl&#228;st &#252;berall. Um dieses   Potenzial zu nutzen, bedarf es zwar zum Teil einer zentralen Planung,   zum Beispiel um die Verteilung der Ressourcen und Arbeitskr&#228;fte f&#252;r den   Bau von Windr&#228;dern und Sonnenkollektoren zu organisieren, gleichzeitig   erfordert die optimale Nutzung der Unterschiede bei den lokalen oder   regionalen M&#246;glichkeiten die Beteiligung und Initiative der gesamten   Gesellschaft. Gleiches gilt f&#252;r das Energiesparen. Das ist mit der   Herrschaft einer Minderheit &#252;ber die Mehrheit in der Gesellschaft   unvereinbar, dies gilt sowohl im Stalinismus als auch im Kapitalismus.<\/p>\n<h4>  Sozialismus weltweit<\/h4>\n<p>  Wir brauchen also eine Umstellung der gesamten Produktion, radikal und   schnell. Umstellen kann man aber nur, was einem geh&#246;rt. Die   Energiekonzerne, aber auch die Auto-, Chemie-, Werbeindustrie, usw..   m&#252;ssen deshalb in Gemeineigentum &#252;berf&#252;hrt, demokratisch kontrolliert   und verwaltet werden. Nicht nur in Deutschland sondern international.<\/p>\n<p>  Angesichts von weltweit 438 Atomkraftwerken und der ungebremst   fortschreitenden Aufheizung des Klimas schauen die Menschen in jedem   Land mit Angst und Sorge in die Zukunft. Ein gemeinsamer,   internationaler Kampf gegen den kapitalistischen Wahnsinn ist n&#246;tig.   Jetzt sofort.<\/p>\n<h4>  Forderungen der SAV<\/h4>\n<p>  * Sofortige Stilllegung aller AKWs<\/p>\n<p>  * Atomm&#252;lltransporte stoppen<\/p>\n<p>  * &#220;berf&#252;hrung aller Energiekonzerne in Gemeineigentum<\/p>\n<p>  * Rauswurf aller Vorst&#228;nde und Aufsichtsr&#228;te<\/p>\n<p>  * Keine Arbeitsplatzvernichtung bei der Schlie&#223;ung von AKWs, bei der   Rekommunalisierung oder Umstellung auf erneuerbare Energien. Garantierte   unbefristete Ersatzarbeitspl&#228;tze f&#252;r alle Besch&#228;ftigte ohne Lohnverluste   und Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohnausgleich.<\/p>\n<p>  * Umstellung auf regenerative Energien. Massive Steigerung der   &#246;ffentlichen Forschungsausgaben<\/p>\n<p>  * &#214;ffentliches Investitionsprogramm zur Energieeinsparung durch   W&#228;rmed&#228;mmung, Erneuerung von Heizungsanlagen, W&#228;rmer&#252;ckgewinnung,   Kraft-W&#228;rme-Kopplung<\/p>\n<p>  * Energiesparende Umstellung der gesamten Produktion und des   Verkehrssystem. Ausbau des Schienennetzes, &#214;PNV zum Nulltarif<\/p>\n<p>  * Demokratische Verwaltung und Kontrolle der gesamten Wirtschaft durch   demokratisch gew&#228;hlte Belegschaftsvertreter sowie Vertretern von   Verbrauchern und Umweltschutzorganisationen. Diese gew&#228;hlten Vertreter   d&#252;rfen nur einen Durchschnittslohn f&#252;r ihre T&#228;tigkeit bekommen und   m&#252;ssen jederzeit rechenschaftspflichtig und abw&#228;hlbar sein.<\/p>\n<p>  * Aufstellung eines weltweiten gesamtgesellschaftlichen,   umweltfreundlichen Energieplans<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      F&#252;r eine weltweite umwelfreundliche und sozialistische Energieplanung\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[115],"tags":[270,236],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14155"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14155"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14155\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}