{"id":14148,"date":"2011-03-16T15:00:00","date_gmt":"2011-03-16T14:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14148"},"modified":"2012-05-15T14:51:27","modified_gmt":"2012-05-15T12:51:27","slug":"14148","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/03\/14148\/","title":{"rendered":"Biskys gef&#228;hrliches Irrleuchten"},"content":{"rendered":"<p>  Der B&#252;rgerkrieg in Libyen dauert nun schon mehrere Wochen. Wie soll sich   die politische Linke dazu verhalten?<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Nach dem Sturz der Diktatoren Ben Ali in Tunesien und Mubarak in &#196;gypten   zog der Sturm Richtung Libyen. Auch die Herrschaft von Muammar   al-Gaddafi schien nach &#252;ber vierzig Jahren durch eine Massenbewegung   beendet zu werden. Dem selbsternannten &#8222;Revolutionsf&#252;hrer&#8220; von einst,   gelang es jedoch wichtige Teile der Streitkr&#228;fte bei der Stange zu   halten. Neben den Elitetruppen auch den Gro&#223;teil der Luftwaffe. Zudem   machte er sich die verzweifelte Lage von vielen Schwarzafrikanern zu   nutze und rekrutierte sie als S&#246;ldner f&#252;r sein Regime. Mit diesen   Kr&#228;ften gelang es Gaddafi in der letzten Woche Boden gut zu machen.   Massive Luftangriffe spielen dabei eine zentrale Rolle. <\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Zu Beginn der revolution&#228;ren Welle im arabischen Raum, waren die   Gro&#223;m&#228;chte von dieser Entwicklung vollkommen &#252;berrascht. Nur sehr   z&#246;gerlich distanzierte man sich von den alten Weggef&#228;hrten, zu gut hatte   man in der Vergangenheit zusammengearbeitet. Dieses Vorgehen ramponierte   das Ansehen des &#8222;Westens&#8220; in der arabischen Welt noch mehr und f&#252;hrte in   der Heimat zu unangenehmen Fragen. Nach und nach realisierten die   Imperialisten, dass man sich der neuen Realit&#228;t stellen musste, um   zumindest ein wenig Einfluss auf den Gang der Ereignisse aus&#252;ben zu   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Gaddafi war zumindest in den letzten Jahren, ebenso wie Ben Ali und   Mubarak ein zuverl&#228;ssiger Gehilfe der USA und EU. Mit seinem brutalen   Vorgehen gegen die Aufst&#228;ndischen, wurde es aber zunehmend schwierig   Gaddafi zu unterst&#252;tzen. Hinzu kommt, dass er nie so berechenbar war,   wie die anderen Verb&#252;ndeten in der Region und noch immer wichtige Teile   der Wirtschaft (z.B. &#214;lindustrie) sich in staatlicher Hand befinden.   Unter diesen Vorzeichen, wuchs die Bereitschaft der Herrschenden sich   auf einen Regimewechsel vorzubereiten. In diesem Zusammenhang stehen   auch die Berichte der hiesigen Medien. Auff&#228;llig war die h&#228;ufige   Verwendung des Wortes &#8222;V&#246;lkermord&#8220;. &#196;hnlich wie im Vorfeld des Krieges   gegen Jugoslawien im Jahre 1999, soll damit die Grundlage f&#252;r eine   m&#246;gliche Intervention in Libyen gelegt werden. Hierbei sind sich die   Gro&#223;m&#228;chte allerdings nicht einig, die Erfahrungen mit den Kriegen im   Irak und in Afghanistan mahnen zur Vorsicht. Eine Art Kompromiss ist   hierbei die Forderung nach Einrichtung einer Flugverbotszone f&#252;r die   libysche Luftwaffe, um so den Vormarsch der regimetreuen Truppen zu   stoppen. Am 10. M&#228;rz verabschiedete das EU-Parlament eine Resolution in   der u.a. diese gefordert wird. Als einzige Fraktion hat die Vereinte   Europ&#228;ische Linke\/Nordische Gr&#252;ne Linke (GUE\/NGL) diesem Ansinnen nicht   zugestimmt. Drei Abgeordnete taten dies davon abweichend, einer davon   war der ehemalige Vorsitzende der LINKEN, Lothar Bisky.<\/p>\n<h4>  Einen Gedanke zu Ende denken&#8230;<\/h4>\n<p>  &#8230;ist nicht die St&#228;rke von Bisky. In einem Interview mit der   Hauspostille der Parteivorstandes, &#8222;Neues Deutschland&#8220; gibt er folgendes   zum Besten: &#8222;Wir sind eine konf&#246;derale Fraktion, da ist es durchaus   normal, dass nicht alle gleich abstimmen. Bei dieser Entschlie&#223;ung haben   sich einige daf&#252;r und andere dagegen ausgesprochen.&#8220; Der Herr spricht   dar&#252;ber, als ob es hierbei um irgendeine x-beliebige Sache gehen   w&#252;rde&#8230;! Seine H&#228;nde weiter in Unschuld waschend, erg&#228;nzt er, dass es   &#8222;wichtig ist, dass sich die Fraktion ganz eindeutig gegen jegliche   Milit&#228;reins&#228;tze gewandt hat. Dazu w&#252;rden wir nie Ja sagen. Wer anderes   behauptet, l&#252;gt einfach. Wir haben uns allerdings bei dieser Resolution,   die viele Punkte umfasst, darauf verst&#228;ndigt, dass einige durchaus   zustimmen k&#246;nnen. Das hei&#223;t ja nicht, dass sie einem Milit&#228;reinsatz   zustimmen. Einen Milit&#228;reinsatz hat das Europ&#228;ische Parlament &#252;brigens   auch nicht beschlossen.&#8220; Nat&#252;rlich nicht, stellt sich nur die Frage, wie   denn eine Flugverbotszone durchgesetzt werden k&#246;nnte. Dies w&#252;rde   bedeuten, dass mit Zwang, die Luftwaffe von Gaddafi daran gehindert   werden m&#252;sste zu starten und in die Luft aufzusteigen etc.   US-Verteidigungsminister Gates brachte es auf den Punkt, als er sich wie   folgt &#228;u&#223;erte: &#8222;Lasst uns die Dinge beim Namen nennen: Die Einrichtung   einer Flugverbotszone bedeutet einen Angriff auf Libyen&#8220;. Auch wenn   Bisky mit seiner Position isoliert ist und es einigen Widerspruch aus   den Reihen der Partei gibt, sollte diese Entwicklung hellh&#246;rig stimmen.   Dr&#252;ckt sich doch in dieser Position eine Anpassung an die b&#252;rgerlichen   Parteien und den Kapitalismus aus. Dies wiederum steht in der Logik des   rechten Fl&#252;gels der Partei, der sich zum Ziel setzt, perspektivisch Teil   einer SPD gef&#252;hrten Regierung zu werden. Eine Aufweichung der   Antikriegsposition wird daher fr&#252;her oder sp&#228;ter von Teilen der   LINKEN-Spitze gefordert werden. Die Aufgabe der Parteilinken ist es   dagegen anzuk&#228;mpfen und eine Alternative darzulegen.<\/p>\n<p>  1. Wir leben in einer Klassengesellschaft. Die Kapitalisten haben andere   Interessen als die lohnabh&#228;ngige Bev&#246;lkerungsmehrheit. Dies dr&#252;ckt sich   bei allen politischen Fragen aus, auch und gerade im Falle von Krieg und   Frieden. Egal in welchem Konflikt, geht es den Herrschenden um den   besten Weg ihre Profitinteressen durchzusetzen. Auch im Falle von Libyen   geht es darum, wie die imperialistischen M&#228;chte dazu beitragen k&#246;nnen   ein Regime zu formen, dass ihre Interessen vertritt. Konkret bedeutet   das: Zugang zu den &#214;lquellen, Verhinderung von Fl&#252;chtlingsstr&#246;men gen   Europa.<\/p>\n<p>  Allen moralischen Reden zum trotz, sind die Kapitalisten unf&#228;hig die   Lebensbedingungen der Massen zu verbessern. Im Gegenteil: Die   kapitalistische Krise wird auch in Nordafrika weiter den Lebensstandard   sinken lassen. Die ArbeiterInnen Libyens und au&#223;erhalb des Landes haben   das Interesse ihre Situation zu verbessern. Dies ist nur m&#246;glich, wenn   Rohstoffe und die gro&#223;en Betriebe g&#228;nzlich in gesellschaftliches   Eigentum &#252;berf&#252;hrt und durch die arbeitenden Menschen demokratisch   kontrolliert werden. Voraussetzung ist hierbei die &#220;berwindung des   kapitalistischen Systems. Der gesellschaftliche Reichtum k&#246;nnte so allen   Menschen zu gute kommen und nicht nur einer kleinen Clique. Um dies   erreichen zu k&#246;nnen, m&#252;ssen sich die ArbeiterInnen organisieren, eigene   Gewerkschaften und sozialistische Arbeiterparteien aufbauen. Eine wie   auch immer geartete Intervention der Gro&#223;m&#228;chte w&#252;rde dies versuchen zu   verhindern.<\/p>\n<p>  2. Gaddafi und seine Bande muss gest&#252;rzt werden. Wie k&#246;nnen sich die   Aufst&#228;ndischen erfolgreich wehren? Es f&#252;hrt kein Weg daran vorbei, dass   sich im ganzen Land Selbstverteidigungskomitees &#252;ber Stammesgrenzen   hinweg bilden und sich vernetzen. Nat&#252;rlich ist die Bewaffnung eine   wichtige Frage, jedoch nicht die alles entscheidende. Einige   erfolgreiche Revolutionen (z.B. Russland 1917) waren davon gepr&#228;gt, dass   die Aufst&#228;ndischen &#252;ber wenig Waffen verf&#252;gten. Zentral war es, dass die   Bewegung eine revolution&#228;re F&#252;hrung und ein sozialistisches Programm   hatte, mit dem es gelang, die Mehrheit der Bev&#246;lkerung auf ihre Seite zu   ziehen, den Staatsapparat zu spalten und letztlich den Kapitalismus zu   st&#252;rzen.<\/p>\n<p>  3. Internationale Solidarit&#228;t von Unten ist n&#246;tig. Bisky sollte sich   z.B. in der europ&#228;ischen Linken daf&#252;r einsetzen, dass politische und   materielle Hilfen f&#252;r die Bewegungen im arabischen Raum organisiert   werden. Zusammen mit den Gewerkschaften sollte es eine Initiative geben,   mit der der Aufbau der Arbeiterbewegung unterst&#252;tzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der B&#252;rgerkrieg in Libyen dauert nun schon mehrere Wochen. Wie soll sich<br \/>\n      die politische Linke dazu verhalten?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14148"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14148"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14148\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}