{"id":14142,"date":"2011-03-14T00:00:00","date_gmt":"2011-03-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14142"},"modified":"2011-03-14T00:00:00","modified_gmt":"2011-03-14T00:00:00","slug":"14142","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/03\/14142\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir erwarten franz&#246;sische und griechische Verh&#228;ltnisse.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Rob Williams aus Gro&#223;britannien.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Die Cameron-Regierung har massive K&#252;rzungen angek&#252;ndigt. Was genau plant   sie und wie unterscheiden sich die angedrohten K&#252;rzungen von Angriffen   in der Vergangenheit?<\/h4>\n<p>  Am 20. Oktober 2010 k&#252;ndigte die Regierung K&#252;rzungen in H&#246;he von 81   Milliarden Pfund an. Das ist ein Frontalangriff gegen Alles, wof&#252;r   Generationen von ArbeiterInnen gek&#228;mpft haben. Zus&#228;tzlich zu diesen   K&#252;rzungen hat Cameron sein &#8222;Big Society&#8220;-Programm dargelegt &#8211; ein   extremes neoliberales Programm von weitgehenden Privatisierungen   &#246;ffentlicher Dienstleistungen und der Sozialsysteme. Kurz gesagt, bei   den aktuell geplanten Angriffen handelt es sich um eine weitaus gr&#246;&#223;ere   Attacke, als wir sie aus der Vergangenheit kennen &#8211; selbst im Vergleich   zu den arbeiterfeindlichen Angriffen unter der Premierministerin   Margaret Thatcher in den 1980er Jahren.<\/p>\n<h4>  Betreibt nur die nationale Regierung eine K&#252;rzungspolitik oder auch die   Kommunen?<\/h4>\n<p>  Die K&#252;rzungen haben ihre Wurzel in der Politik der nationalen Regierung,   aber sie werden an die Kommunen weiter gereicht, denn die Koalition der   Konservativen und Liberaldemokraten (die ConDem-Koalition genannt wird)   verkleinert deren Haushalte. Wir sind der Meinung, dass die Kommunen,   die vielfach von der Labour Partei gef&#252;hrt werden, sich weigern sollten,   diese K&#252;rzungen umzusetzen und stattdessen zu einer massenhaften   Kampagne der Verweigerung aufrufen sollten. Sie sollten dem Beispiel des   sozialistischen Liverpooler Stadtrats der 1980er Jahre folgen. In diesem   spielten die Unterst&#252;tzerInnen der Militant-Str&#246;mung (Vorg&#228;ngerin der   heutigen Socialist Party) eine entscheidende Rolle. Der Liverpooler   Stadtrat konnte mit einer Politik der Massenmobilisierung gegen die   durch die damalige Zentralregierung geforderten K&#252;rzungen nicht nur   K&#252;rzungen verhindern, sondern auch wichtige Zugest&#228;ndnisse von der   Thatcher-Regierung erzwingen.<\/p>\n<h4>  Im Dezember gab es in Gro&#223;britannien auch gro&#223;e Demonstrationen von   Studierenden. Welche Auswirkung hatten diese auf die britische   Gesellschaft und was ist seitdem geschehen?<\/h4>\n<p>  Die Studierendenbewegung spielte eine entscheidende Rolle dabei,   ArbeiterInnen zu zeigen, dass es m&#246;glich ist, sich gegen K&#252;rzungen zur   Wehr zu setzen. Das gab ihnen Selbstbewusstsein. Das war sehr wichtig,   denn die F&#252;hrungen der Gewerkschaften hatten es vers&#228;umt zu gro&#223;en   Demonstrationen oder sogar Streiks gegen die K&#252;rzungen aufzurufen.   Au&#223;erdem ist eine neue Schicht von Jugendlichen in die politische   Aktivit&#228;t gebracht worden. Einige von ihnen wurden durch das brutale   Vorgehen der Polizei gegen DemonstrantInnen in ihrer Entschlossenheit   nur gest&#228;rkt. Die Studierendenproteste wirkten auch wie eine Warnung an   die Regierung, dass noch ganz andere Proteste der Arbeiterklasse folgen   k&#246;nnen. Seit Dezember hat es einen gewissen R&#252;ckgang in der   Studierendenbewegung gegeben, weil das Bildungsgesetz verabschiedet   wurde. Hinzu kommt, dass der Januar ein Pr&#252;fungsmonat ist. Aber die   Studierenden sind weiterhin sehr w&#252;tend und sie nehmen an Protesten teil.<\/p>\n<h4>  Was machen denn die Gewerkschaften?<\/h4>\n<p>  Die F&#252;hrungen der Gewerkschaften haben es bisher vers&#228;umt ihre   Mitglieder auf die n&#246;tigen Streiksaktionen vorzubereiten, um die   Regierungspl&#228;ne zur&#252;ckzuschlagen. Stattdessen versuchen sie durch   Verhandlungen auf lokaler Ebene die schlimmsten Folgen der K&#252;rzungen   abzufedern. Ihre Reaktion auf die Ank&#252;ndigung des K&#252;rzungspakets am 20.   Oktober 2010 war zu einer Demonstration f&#252;r den 26. M&#228;rz 2011   aufzurufen. Nun wird dies aber zu einer riesigen Demonstration werden,   die das Selbstbewusstsein unter ArbeiterInnen, Widerstand zu leisten,   steigern wird. Wegen ihrer engen Verbindungen zur Labour Partei haben   die Gewerkschaftsf&#252;hrungen keinen wirklichen Druck auf die   Labour-Stadtr&#228;te, die auch K&#252;rzungen durchf&#252;hren, ausge&#252;bt. Aber wenn in   den Kommunen die Haushalte beschlossen werden und klarer wird, wo genau   K&#252;rzungen anstehen, werden die Gewerkschaftsf&#252;hrer vor Ort und auch   national unter wachsenden Druck geraten, Streiks durchzuf&#252;hren.<\/p>\n<h4>  Es gibt verschiedene Anti-K&#252;rzungsgruppen in Gro&#223;britannien &#8211; Right to   Work (RTW), Coalition of Resistance (CoR) und das Nationale   Vertrauensleute-Netzwerk (NSSN) hat eine Kampagne gegen die K&#252;rzungen   beschlossen. Warum gibt es keine Einheit und was sind die Unterschiede   zwischen den Gruppen?<\/h4>\n<p>  Die Bewegung gegen die K&#252;rzungen hat sich nicht organisch von unten   entwickelt. Das war bei der gro&#223;en Bewegung gegen die Kopfsteuer (Poll   Tax) Anfang der 1990er Jahre der Fall, als die natinale   Anti-Poll-Tax-F&#246;deration durch viele lokale Anti-Poll-Tax-Gruppen   gebildet wurde. Bevor dies in der aktuellen Bewegung gegen die K&#252;rzungen   m&#246;glich gewesen w&#228;re, haben RTW und CoR versicht sich als DIE   Anti-K&#252;rzungs-Organisationen auszurufen. Aus unserer Sicht haben sich   beide jedoch zu nah an der Gewerkschaftsf&#252;hrung positioniert und dadurch   eine zu unkritische Haltung gegen&#252;ber der Labour Partei und vor allem   gegen&#252;ber Labour-Stadtr&#228;ten eingenommen. Mitglieder der Socialist Party   haben dann im NSSN eine Debatte &#252;ber eine Anti-K&#252;rzungskampagne   losgetreten, um sicherzustellen, dass es landesweit ein klares Banner   des Widerstands gegen wirklich alle K&#252;rzungen geben wird. Dazu muss man   aber auch sagen, dass schon vor dieser Entscheidung, das NSSN eine   wichtige Rolle in der Anti-K&#252;rzungsbewegung gespielt hat und es das NSSN   schon weitaus l&#228;nger gibt, als RTW und CoR.<\/p>\n<p>  Andererseits w&#228;re es falsch zu sagen, dass es keine Einheit gibt. In der   Anti-K&#252;rzungs-Bewegung vor Ort sind Unterst&#252;tzerInnen aller drei   Organisationen vertreten. Das NSSN hat eine Rolle in den gemeinsamen   Aktivit&#228;ten mit RTW und CoR gespielt, aber wir sind auch der Ansicht,   dass eine Debatte &#252;ber die richtige Strategie und Taktik in der Bewegung   n&#246;tig ist.<\/p>\n<h4>  Was ist das Programm der Socialist Party gegen die K&#252;rzungen?<\/h4>\n<p>  Vor allem lehnen wir alle K&#252;rzungen ab. Labour Stadtr&#228;te sollten keine   K&#252;rzungen beschlie&#223;en und stattdessen bedarfsgerechte Haushalte   aufstellen, die die kommunalen Dienstleistungen aufrechterhalten, keine   Besch&#228;ftigten des &#246;ffentlichen Dienstes entlassen oder kommunale Steuern   und Abgaben &#252;ber die Inflationsrate erh&#246;hen. Das w&#228;re in der arbeitenden   Bev&#246;lkerung extrem popul&#228;r und k&#246;nnte die Basis f&#252;r eine Massenkampagne   legen, in der Stadtr&#228;te, kommunale Besch&#228;ftigte und die breitere   Arbeiterklasse zusammen k&#228;mpfen, um die Regierung dazu zu zwingen, das   n&#246;tige Geld zur Verf&#252;gung zu stellen. Das k&#246;nnte landesweit koordiniert   werden.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich jedoch setzen Labour Stadtr&#228;te die K&#252;rzungen um, also treten   wir f&#252;r eine Massenkampagne gegen alle K&#252;rzungen auf lokaler und   nationaler Ebene ein. Diese sollte die Gewerkschaften umfassen, aber   auch NachbarschaftsaktivistInnen, Jugendliche und auch die   unorganisierten Teile der Arbeiterklasse. Das k&#246;nnte Streiks, Proteste,   Besetzungen beinhalten, aber die Gewerkschaftsdemo am 26. M&#228;rz muss   daf&#252;r der Ausgangspunkt sein, koordinierte Streikaktionen durchzuf&#252;hren.   Diese k&#246;nnten mit einem 24-st&#252;ndigen Streik im &#246;ffentlichen Dienst   beginnen und zu einem eint&#228;gigen Generalstreik f&#252;hren, um die Regierung   zum R&#252;ckzug zu zwingen.<\/p>\n<h4>  Was wird in diesem Jahr in Grobritannien geschehen?<\/h4>\n<p>  Als im Oktober 2010 die Haushaltsk&#252;rzungen angek&#252;ndigt wurden, fragte   ein BBC-Reporter den Gewerkschaftsvorsitzenden: &#8222;Warum sind die   britischen Arbeiter nicht wie die franz&#246;sischen?&#8220; Wir sind   zuversichtlich, dass nicht nur franz&#246;sische, sondern auch griechische   und &#228;gyptische Verh&#228;ltnisse nach Gro&#223;britannien kommen werden. Die   Attacke der Regerung ist einfach zu heftig, als dass sie ohne gr&#246;&#223;eren   Widerstand &#252;ber die B&#252;hne gehen k&#246;nnte. Gleichzeitig bereiten auch die   privaten Arbeitgeber &#196;hnliches vor und die Regierung will die   Anti-Gewerkschaftsgesetze versch&#228;rfen, die heute schon die   undemokratischsten in Westeuropa sind. Das alles ist ein hochexplosives   Gemisch.<\/p>\n<p>  Es wird unweigerlich eine Reaktion der ArbeiterInnen geben, einen   Versuch, Widerstand zu leisten. Wir m&#252;ssen aufpassen, dass dies von den   Gewerkschaftsf&#252;hrern nicht gebremst wird, sondern daraus eine starke   Streikbewegung entsteht, die die Regierung und ihr K&#252;rzunsgpaket zu Fall   bringen kann.<\/p>\n<h5>  <i>Rob Williams arbeitet in der Abteilung f&#252;r Betriebs- und   Gewerkschaftsfragen in der Socialist Party in England und Wales. Er war   lange Zeit Vorsitzender der gewerkschaftlichen Vertrauensleute beim   Automobilzulieferer Visteon und ist aktiv im Nationalen   Vertrauensleute-Netzwerk (NSSN). Die Fragen stellte Sascha Stanicic<\/i><\/h5>\n<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Rob Williams aus Gro&#223;britannien.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14142"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14142"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14142\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}