{"id":14139,"date":"2011-03-07T13:00:00","date_gmt":"2011-03-07T13:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14139"},"modified":"2011-03-07T13:00:00","modified_gmt":"2011-03-07T13:00:00","slug":"14139","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/03\/14139\/","title":{"rendered":"L&#228;ndertarifrunde: Streiks ausweiten!"},"content":{"rendered":"<p>  Erste Warnstreiks waren erfolgreich<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  In der aktuellen Tarifrunde im &#246;ffentlichen Dienst ist man auch nach der   zweiten Verhandlungsrunde keinen Schritt weiter. Wut und Zorn wachsen   daher. Beim Warnstreik in NRW am 1. M&#228;rz gab es eine starke Beteiligung.   Kein Wunder, geht es doch diesmal nicht nur um Prozente sondern um die   erstmalige tarifliche Eingruppierung von rund 200.000 Lehrkr&#228;ften   bundesweit! &#8211; Doch was muss passieren, damit die Verluste seit 2006   endlich wettgemacht werden?<\/p>\n<h4>  <i>von Max H&#246;he, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Der erste Warnstreik, den die GEW in diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen   (NRW) ausgerufen hat, war erfolgreich gewesen. Waren es bei der letzten   Tarifrunde im Mai 2010 noch rund 2.500 KollegInnen, die ihre Arbeit   niedergelegt hatten, so z&#228;hlte man jetzt am 22. Februar 2011 landesweit   immerhin 3.000 LehrerInnen, sozialp&#228;dagogische Fachkr&#228;fte etc., die sich   am ersten Warnstreik dieses Jahres beteiligten. Und: Darunter waren   diesmal mehr BeamtInnen als noch 2010.<\/p>\n<h4>  Worum geht es?<\/h4>\n<p>  Trotz mangelhafter Mobilisierung seitens der Gewerkschaften (es gab noch   nicht einmal einen offiziellen Streikaufruf f&#252;r verbeamtete   LehrerInnen!) zeigen die KollegInnen Kampfbereitschaft. Verwundern kann   das allein deshalb nicht, weil seit Abl&#246;sung des alten   Bundesangestelltentarifs (BAT) durch den Tarifvertrag Land (TV-L) im   Jahr 2006 die Ungleichbezahlung im &#246;ffentlichen Dienst zwischen   verbeamteten und angestellten KollegInnen nicht nur manifestiert sondern   drastisch versch&#228;rft wurde. Alles in allem kann man sagen, dass die   Schere zwischen Einkommen und Geh&#228;ltern seither bei gut 30 Prozent liegt!<\/p>\n<p>  Die offizielle, viel zu bescheidene Forderung der Gewerkschaften des   &#246;ffentlichen Dienstes (ver.di, GdP, GEW und dbb) nach 50,- &#8364; Zulage f&#252;r   alle plus drei Prozent wird bei den Streikaktionen von den KollegInnen   weniger bis gar nicht erw&#228;hnt. Im Vordergrund steht f&#252;r die LehrerInnen   ohne Zweifel die Forderung nach einer tariflich festgeschriebenen   Eingruppierungsregelung innerhalb des TV-L, die die Schere verringern   wenn nicht gar schlie&#223;en kann.<\/p>\n<h4>  TV-L ist kein Tarifvertrag<\/h4>\n<p>  Weil seit Einf&#252;hrung des TV-L vor mittlerweile mehr als vier Jahren   &#252;berhaupt nicht tariflich festgelegt ist, welcheR KollegIn mit welchen   T&#228;tigkeitsmerkmalen wie in der Entgelttabelle eingruppiert werden muss,   &#8222;regelt&#8220; dies jedes der 14 Bundesl&#228;nder, die in der Tarifgemeinschaft   der L&#228;nder (TdL) vertreten sind, eigenst&#228;ndig. Oder anders formuliert:   Es herrscht ein Verg&#252;tungssystem f&#252;r angestellte LehrerInnen nach   Gutsherrenart. Ein Tarifvertrag ohne festgelegte Eingruppierung ist als   solcher seinen Namen nicht wert!<\/p>\n<p>  Das hat dazu gef&#252;hrt, dass ein Lehrer mit denselben T&#228;tigkeitsmerkmalen   und derselben Qualifikation z.B. in Niedersachsen noch einmal zwei   Entgeltgruppen (EG) niedriger eingruppiert wird als in NRW.<\/p>\n<h4>  Rolle der GEW<\/h4>\n<p>  Die GEW ist bundesweit mit einer guten Forderung ins Rennen gegangen.   Nach der Devise &#8222;Gleiches Geld f&#252;r gleiche Arbeit&#8220; wurde die Forderung   nach schulformunabh&#228;ngiger gleicher Bezahlung und &#8222;EG 14 f&#252;r alle&#8220;   aufgestellt. Mit dieser Forderung identifizieren sich heute immer noch   die KollegInnen an der Basis. Und diese Forderung ist der Hauptgrund f&#252;r   die alles in allem gute Mobilisierungsf&#228;higkeit in den Schulen insgesamt.<\/p>\n<p>  Der gro&#223;e Schwachpunkt hingegen ist, dass mittlerweile nicht mehr &#8222;EG 14   f&#252;r alle&#8220; propagiert wird, sondern nur noch von &#8222;einem Schritt in   Richtung tariflich fixierter Eingruppierungsregelung&#8220; gesprochen wird.<\/p>\n<h4>  Gr&#252;nde f&#252;r das Einknicken<\/h4>\n<p>  Doch wie kann das sein? &#8211; Am 22. Februar 2011 sagte die   Bundestarifkommissionsvorsitzende der GEW, Ilse Schaad bei der   Warnstreik-Kundgebung in K&#246;ln: &#8222;Der TV-L hat uns in die Schei&#223;e   geritten!&#8220;. Ihr und dem Rest der GEW-F&#252;hrung scheint klar zu sein, dass   man den KollegInnen nicht mehr vermitteln kann, warum ein neu   eingestellter Lehrer in NRW bspw. 1.600,- &#8364; netto als Angestellter   jedoch 2.100,- &#8364; netto als Beamter mit nach Hause bringt &#8211; f&#252;r dieselbe   Arbeit mit denselben Sch&#252;lerInnen.<\/p>\n<p>  Ein Hindernis sind die Zwistigkeiten zwischen den beiden   DGB-Gewerkschaften GEW und ver.di. So wurde beim zweiten Warnstreiktag   in NRW am 1. M&#228;rz 2011 bei der zentralen Kundgebung in D&#252;sseldorf die   GEW einfach von der Redeliste genommen &#8211; trotz gro&#223;er Beteiligung der   LehrerInnen? KollegInnen, die vor Ort waren, berichten, dass der   Hauptredner Frank Bsirske (Vorsitzender von ver.di) fast ausschlie&#223;lich   von &#8222;f&#252;nfzig Euro und drei Prozent mehr&#8220; gesprochen hat &#8211; also das   wichtige Anliegen der LehrerInnen nicht zur Sprache brachte.<\/p>\n<p>  Die Rheinische Post vom 1. M&#228;rz 2011 schreibt zudem:   &#8222;Gewerkschaftsinternen Unmut gibt es vor Streikbeginn &#252;ber einen Aufruf   der GEW, wonach sich ganze Lehrerkollegien und damit auch Beamte an den   Streiks beteiligen sollen. Der dbb [Deutscher Beamtenbund; Anm. d.   Verf.] lehnt einen Arbeitskampf verbeamteter Lehrer kategorisch ab.&#8220;   Das, obwohl es einen solchen Streikaufruf f&#252;r verbeamtete LehrerInnen in   NRW bisher leider immer noch nicht gibt.<\/p>\n<h4>  Wende ist m&#246;glich!<\/h4>\n<p>  Hoffnung macht jedoch, dass beim zweiten Streiktag, der am 1. M&#228;rz 2011   in NRW organisiert wurde, 10.000 KollegInnen den Weg zum zentralen   Kundgebungsort nach D&#252;sseldorf fanden. Und davon war die H&#228;lfte   zweifelsfrei durch die GEW mobilisiert worden. Unter den LehrerInnen   wiederum gab es eine gut sichtbare Menge an Mitgliedern von SchaLL, der   &#8222;Schutzgemeinschaft angestellter Lehrerinnen und Lehrer&#8220;. Hierbei   handelt es sich um eine Gruppe zumeist ehemaliger GEW-Mitglieder, die   sich eben wegen der Einf&#252;hrung des TV-L von ihrer GEW nicht mehr   ausreichend vertreten gef&#252;hlt und eine eigene Organisation gegr&#252;ndet   haben.<\/p>\n<p>  Wenn sich die kritischen Kr&#228;fte vereinen und gemeinsam zeigen, dass auch   am Arbeitsplatz Schule alle R&#228;der still stehen k&#246;nnen, dann ist es f&#252;r   die KollegInnen des &#246;ffentlichen Dienstes &#252;berhaupt kein Problem, 14   hochn&#228;sige Landesfinanzminister in die Knie zu zwingen! Und diese   kritischen Kr&#228;fte werden auch in der GEW mehr und st&#228;rker.<\/p>\n<p>  Am Ende muss allen klar sein: Das Ziel der tariflich festgelegten   Eingruppierung zur Erreichung gleicher Bezahlung von Angestellten und   BeamtInnen darf nur ein Etappenziel sein. Denn die politischen   Entscheidungstr&#228;ger haben die n&#228;chsten Angriffe auf die Gesamtheit der   KollegInnen schon beschlossen. So soll in NRW durch eine &#8222;reformierte&#8220;   Pr&#252;fungsordnung jedeR ReferendarIn drei Monate fr&#252;her aus dem   Vorbereitungsdienst entlassen werden. Was zur Folge hat, dass man   k&#252;nftig nach Abschluss des Referendariats und bis zum n&#228;chsten   Einstellungstermin per se drei Monate komplett ohne Einkommen dasteht!   Nach eigenen Angaben bringt diese Ma&#223;nahme dem Land NRW j&#228;hrliche   Einsparungen von 77 Millionen Euro!<\/p>\n<p>  Die Losung muss folglich lauten: Kritik offen &#228;u&#223;ern, sich aktiv   einbringen, gemeinsame Kampfstrategien erarbeiten, Streiks ausweiten bis   hin zum Erzwingungsstreik und das Ganze sehen &#8211; nicht &#8222;nur&#8220; die   Bezahlung sondern auch die Arbeitsbedingungen von Angestellten UND   BeamtInnen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Erste Warnstreiks waren erfolgreich\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14139"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14139"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14139\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14139"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14139"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14139"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}