{"id":14136,"date":"2011-03-02T08:00:00","date_gmt":"2011-03-02T08:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14136"},"modified":"2011-03-02T08:00:00","modified_gmt":"2011-03-02T08:00:00","slug":"14136","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/03\/14136\/","title":{"rendered":"Libyen: Gaddafi muss weg! Es ist ein Kampf bis zum Ende"},"content":{"rendered":"<p>  Massen lehnen ausl&#228;ndische Intervention ab, w&#228;hrend erste St&#228;dte in   H&#228;nden der Opposition sind.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  &#220;bersetzung des Artikels von Niall Mulholland, erschienen am 28. Februar   auf socialistworld.net<\/h4>\n<p>  &#220;ber das Wochenende hat Muammar al Gaddafi&quot;s Kontrolle mit dem Fall von   Zawiyah an die Opposition schwere R&#252;ckschl&#228;ge erlitten. Die Stadt liegt   nur 30 Kilometer von der Hauptstadt Tripolis entfernt. &#220;ber zwanzig   Menschen wurden in dem viert&#228;gigen Kampf umgebracht. Die Stadt Zawiyah,   &#214;lhafen und Raffinerie, ist von Gaddafis Armeekr&#228;ften umstellt, die aber   bislang keine Versuche machten, die Stadt zur&#252;ck zu erobern.<\/p>\n<p>  Der zehnt&#228;gige Aufstand hat bislang zu mindestens 1000 Toten und   tausenden Fl&#252;chtlingen gef&#252;hrt. Zehntausende MigrantInnen sind n&#228;he der   Libysch-Tunesischen Grenzen gestrandet.<\/p>\n<p>  Andere St&#228;dte in Libyen sind in den letzten Tagen in die H&#228;nde der   Opposition gefallen. Aus Misrata wird berichtet, dass die Opposition am   Wochenende einen Gegenangriff des Regimes zur&#252;ckgeschlagen h&#228;tte.   Tripolis, dass das Regime teilweise noch im Griff hat, ist zunehmend umzingelt.   An den gro&#223;en Stra&#223;en in die Haupstadt gibt es Panzer und   Kontrollpunkte. Doch in der Stadt wird die Situation zunehmend chaotisch   und hoffnungslos. Es gibt Schlangen an den gro&#223;en L&#228;den, um die Vorr&#228;te   lebensnotwendiger G&#252;ter aufzustocken und Banken werden belagert, um   Konten zu lehren.<\/p>\n<p>  Durch einen letzten bewaffneten Angriff auf Gaddafi&quot;s verbleibende Basis   wollen schwer bewaffnete Oppositionskr&#228;fte laut Berichten nach   West-Libyen marschieren, um sich dort mit Oppositionsmilizen n&#228;he   Tripolis zu verb&#252;nden. Die Gruppen bestehen gr&#246;&#223;tenteils aus   Jugendlichen und ehemaligen Mitgliedern der Sicherheitskr&#228;fte, die sich   w&#228;hrend der heftigen K&#228;mpfe in Benghazi der Opposition angeschlossen   hatten. Ein Mitglied der neu verk&#252;ndeten &#8222;&#220;bergangsregierung&#8220; in   Bengasi, Ramadan, Faitoura, sagte, die bewaffneten Gruppen seien kein   Teil eines &#8222;offiziellen&#8220; Angriffs auf Tripolis, auch wenn sie die   Unterst&#252;tzung der &#220;bergangsregierung haben.<\/p>\n<p>  Gaddafis Tage scheinen gez&#228;hlt zu sein und sich zu verk&#252;rzen, auch wenn   der Niedergang des Regimes durch weiteres Blutvergie&#223;en begleitet und   verl&#228;ngert werden kann. Ein potentiell gro&#223;es Hindernis f&#252;r die Milizen   der Opposition ist traditionelle Hochburg von Gaddafis Familie in der   Stadt Sirte, was in der Mitte von Bengasi und Tripolis liegt. Obwohl   sich Mitglieder des Milit&#228;rs und der Sicherheitskr&#228;fte in Sirte der   Opposition angeschlossen haben, nahm es noch nicht die gleiche   Gr&#246;&#223;enordnung wie im Osten des Landes an. Doch diese Unterst&#252;tzung kann   schnell fallen, wenn die gr&#246;&#223;ten St&#228;mme der Gegend zu dem Schluss   kommen, dass Gaddafi verloren ist.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich k&#252;ndigen jeden Tag mehr St&#228;mme, ehemalige Gaddafi-Minister,   hochrangige Beamte und Diplomaten Gaddafi die Gefolgschaft und stellen   sich auf die Seite der Revolution. Armee Gener&#228;le haben sich verweigert   Schie&#223;befehle auf Demonstranten zu erteilen und Flugzeuge gegen   friedliche Protestierende zu kommandieren.<\/p>\n<p>  Gaddafi&quot;s letzte Reden zeigen einen Diktator, der die Kontrolle verloren   hat. Er mischt blutige Drohungen mit anti-imperialistischen Phrasen und   Teile und Herrsche Taktiken, wo er manchen St&#228;mmen viel Geld und Land   verspricht. Alles scheitert. Trotz seiner manchmal &#8222;revolution&#228;ren&#8220;   Rhetorik und den Ver&#228;nderungen, die es seit dem Putsch 1969 gegeben hat,   stellte Gaddafi sicher, dass die Kontrolle in seinen eigenen H&#228;nden   liegt und damit auch der luxuri&#246;se Lebensstil und Reichtum von ihm und   seinen Kindern.<\/p>\n<p>  Die westlichen Regierungen, die sp&#252;ren in welches Ende der Kampf in   Libyen nehmen wird, beenden schnell &#246;ffentlich ihre Mauscheleien mit dem   brutalen Gaddafi-Regime. Sie nutzen ihre fr&#252;here Feindschaft mit   Gaddafi, um sich selbst auf der Seite des &#8222;Volkes&#8220; stehend zu   pr&#228;sentieren. Etwas, was sie in Bezug auf die halbfeudalen Regime in   Saudi-Arabien und den Golfstaaten nicht tun. Die Imperialisten dr&#228;ngeln   sich um den Einfluss auf das Post-Gaddafi Regime, um den lukrativen und   privilegierten Zugang der westlichen Konzerne zu Libyens &#214;lfeldern zu   gew&#228;hrleisten und die imperialistischen Interessen in dieser   geostrategisch lebenswichtigen Region zu sichern. Insbesondere die USA   ist in Panik, dass die Ereignisse in Libyen im &#246;lreichen Saudi-Arabien   nachgeahmt werden k&#246;nnten, wo die Jugend f&#252;r den 11. M&#228;rz zum Tag der   &#8222;Revolution&#8220; aufruft.<\/p>\n<h4>  Imperialismus schl&#228;gt andere T&#246;ne an<\/h4>\n<p>  Westliche Herrschende haben mit gro&#223;er Versp&#228;tung entdeckt, dass sie   ernsthafte Bedenken &#252;ber die fehlende Demokratie in Libyen haben und den   Diktator aufgefordert zur&#252;ckzutreten. Der UN Generalsekret&#228;r Ban Ki-Moon   verk&#252;ndete, die Sanktionen des UN Sicherheitsrates w&#228;ren verh&#228;ngt   worden, zur &#8222;Beschleunigung des Prozess des &#220;bergangs zu einem neuen   Regierungssystem.&#8220; Sogar Gaddafi&quot;s guter Freund, Italiens   Premierminister Berlusconi, hat seinen Au&#223;enminister angewiesen das   &#8222;Freundschafts-Abkommen&#8220; von 2008 defakto zu beenden, das eine   &#8222;Nicht-Angriffs&#8220;-Klausel enth&#228;lt.<\/p>\n<p>  Berichten zufolge hat Gaddafi 3 Mrd. Pfund nach Gro&#223;britannien   transferiert. Letzte Woche hat die Cameron-Regierung die Einlagen vom   Libyschen Diktator und seiner Familie eingefroren. Britische Beamte   sollen auch Mitarbeiter des libyschen Staates kontaktiert und ihnen   geraten haben sich abzusetzen, damit das Regime kollabiert, statt bis   zum letzten Blutstropfen zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  Unter dem Deckmantel der &#8222;humanit&#228;ren&#8220; Hilfe, fordern einige westliche   Politiker eine Flugverbotszone &#252;ber Libyen und sogar eine milit&#228;rische   Intervention in Libyen und Saudi-Arabien, wenn hier auch eine   Massenrevolte ausbricht. Die USA hat sich &#246;ffentlich hinter anti-Gaddafi   Gruppen in Ost-Libyen gestellt.<\/p>\n<p>  Unter den libyschen Massen, die sich ihrer Geschichte des Kolonialismus   sehr bewusst sind, gibt es Ablehnung einer weiteren imperialistischen   Intervention in der Region. &#8222;Trotz der gro&#223;en Opfer, die sie jeden Tag   bringen, lehnen die Libyer eine ausl&#228;ndische Intervention vollkommen ab,   selbst wenn sie f&#252;r ihre Verteidigung und ihren Schutz ist.&#8220; schreibt   der libysche Autor Mahmoud Al-Nakou (Guardian 28\/02\/11). &#8222;Das Volk ist   unerbittlich, dass diese Revolution ihre ist, ihre allein.&#8220;<\/p>\n<p>  Berichte aus Zawiyah zeigen weite Unterst&#252;tzung f&#252;r den Aufstand und   strafen Gaddafis Propaganda L&#252;gen, dass die Rebellen nur drogenabh&#228;ngige   Jugendliche und ausl&#228;ndische Al-Qaida K&#228;mpfer w&#228;ren. &#8222;&#8230;es waren die   Menschen dieser Stadt &#8230; die DoktorInnen und TechnikerInnen, &#246;rtliche   Jugendliche und alte Menschen&#8230;&#8220; berichtet der Guardian (28\/02\/11).<\/p>\n<p>  Verschiedene &#8222;Nachbarschaftskomitees&#8220; und &#8222;&#196;ltestenr&#228;te&#8220; wurden in   Bengasi, Musrata und Zawiyah gegr&#252;ndet, um &#8222;die Ordnung wieder   herzustellen&#8220; und die Oppositionskr&#228;fte, welche die &#246;stlichen St&#228;dte   kontrollieren, haben einen &#8222;Nationalen Rat&#8220; gegr&#252;ndet in der Erwartung,   dass Tripolis f&#228;llt.<\/p>\n<p>  Der ehemalige Justizminister, Mustafa Abdel-Jalil, k&#252;ndigte an, den   Vorsitz einer &#220;bergangsregierung zu &#252;bernehmen und suggerierte, er h&#228;tte   die Unterst&#252;tzung der USA. Westliche Politiker wiederholend, sagte er   au&#223;erdem , dass eine &#220;bereinkunft mit Gaddafis S&#246;hnen erreicht werden   k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Obwohl Mustafa Abdel-Jalil&quot;s Kommentare unter anderen Oppositionskr&#228;ften   umstritten sind, wollen sie ihn in eine &#220;bergangsregierung einbeziehen.   Das sollte eine Warnung an die libyschen Massen sein: Ihre Revolution   k&#246;nnte geraubt werden, durch &#220;berbleibsel des Gaddafi-Regimes,   b&#252;rgerliche Oppositions &#8222;F&#252;hrer&#8220;, reaktion&#228;re Stammesf&#252;hrer und durch   imperialistische Interessen.<\/p>\n<h4>  Komitees entscheidend<\/h4>\n<p>  Damit die Revolution ihre Ziele erreichen kann &#8211; wirkliche demokratische   Rechte und eine Umgestaltung des Lebensstandards &#8211; braucht es   demokratisch gew&#228;hlte Komitees in Nachbarschaften, Betrieben und   Schulen, die wirklich die Interessen der Masse der Arbeitenden,   Jugendlichen und Armen repr&#228;sentiert und auf lokaler, regionaler und   landesweiter Ebene verbunden sind. Komitees im Staatsapparat aufzubauen   ist ebenso entscheidend. In dem sie demokratische Forderungen und   Forderungen, die einen anst&#228;ndigen Lebensstandard garantieren, kann so   eine Bewegung an die Massen von Tripolis appellieren, gegen Gaddafis   letzte Hochburg aufzustehen.<\/p>\n<p>  Unter demokratischer Kontrolle bewaffnete Massen k&#246;nnen sich selbst   gegen Gaddafis Kr&#228;fte verteidigen, auf seine letzten Festungen von   Unterst&#252;tzung marschieren und den Diktator und sein ganzes Regime   wegfegen und damit verhindern, dass das Land wieder unter ausl&#228;ndische   Kontrolle f&#228;llt.<\/p>\n<p>  So eine Bewegung w&#252;rde unmittelbar volle demokratische Rechte einf&#252;hren   und Wahlen zu einer revolution&#228;ren Verfassungsgebenden Versammlung   durchf&#252;hren. Eine Regierung, welche die Interessen der ArbeiterInnen und   kleinen Bauern repr&#228;sentiert, w&#252;rde die &#214;lfelder in &#246;ffentliches   Eigentum unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung &#252;bernehmen. Das   w&#252;rde sicherstellen, dass die gewaltigen nat&#252;rlichen Ressourcen des   Landes der Mehrheit der Bev&#246;lkerung dienen und nicht einer Elite herum   um die korrupte Gaddafi-Familie und um multinationale Konzerne.<\/p>\n<p>  Um das sicherzustellen, m&#252;ssen Massenorganisationen der Arbeiterklasse   formiert werden, unabh&#228;ngige Gewerkschaften und Massenarbeiterparteien   mit sozialistischem Programm. Solche Massenorganisationen der   Arbeiterklasse w&#252;rden nicht nur Gaddafi und die &#220;berbleibsel seines   Regimes bek&#228;mpfen sondern alle pro-kapitalistischen und reaktion&#228;ren   Kr&#228;fte in Libyen und den sich einmischenden Imperialismus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Massen lehnen ausl&#228;ndische Intervention ab, w&#228;hrend erste St&#228;dte in<br \/>\n      H&#228;nden der Opposition sind.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36,37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14136"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14136"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14136\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14136"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14136"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14136"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}