{"id":14107,"date":"2011-02-22T00:00:00","date_gmt":"2011-02-22T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14107"},"modified":"2011-02-22T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-22T00:00:00","slug":"14107","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/02\/14107\/","title":{"rendered":"Gestatten: Von und zu Plagiat"},"content":{"rendered":"<p>  Der Verteidigungsminister steht wegen einer abgekupferten Doktorarbeit   unter Druck.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Er ist der Strahlemann der Berliner Republik. Der Farbtupfer in einer   grauen Politlandschaft und Liebling der Springer-Presse. Die Rede ist   von Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph   Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<h4>  Wurzeln<\/h4>\n<p>  Der Mann entstammt einem stolzen, fr&#228;nkischen Adelsgeschlecht und ist,   egal ob im Bundestag oder an der Front am Hindukusch, immer top gestylt.   Politik hat Tradition Im Hause Guttenberg, sein Gro&#223;vater war   Staatssekret&#228;r zwischen 1967 und 1969. Die holde Gattin &#8211; ebenfalls   einem edlen Hause entsprungen &#8211; steht ihm in nichts nach. Stephanie   Gr&#228;fin von Bismarck-Sch&#246;nhausen ist die Urenkelin Otto von Bismarcks,   dem &#8222;Eisernen Kanzler&#8220; und entschiedenen Gegner der Arbeiterbewegung.   Das traute Heim wird durch zwei Nachkommen und eine Burg abgerundet. F&#252;r   den Boulevard ein Traum. Wie die Geburtsumst&#228;nde es wollten, wurde &#8222;KT&#8220;   wie Parteifreunde ihn liebevoll kosen, mit dem goldenen L&#246;ffel im Mund   geboren. Laut SPIEGEL (11\/2009) wird das Familienverm&#246;gen des feschen   Freiherrn auf ca. 600 Millionen Euro gesch&#228;tzt. Sie geh&#246;ren damit zu den   300 reichsten Familien bzw. Personen Deutschlands. Als Mitglied der CSU   vertritt er ihren konservativen Kurs und die damit verbundenen Angriffe   auf den Lebensstandard der Bev&#246;lkerungsmehrheit. Als   Verteidigungsminister steht er wie kein anderer f&#252;r den Krieg in   Afghanistan.<\/p>\n<h4>  Popularit&#228;t<\/h4>\n<p>  Warum in aller Welt, steht nun dieser Klasse(n)politiker des Geldadels   unangefochten an der Spitze der Beliebtheitsskala? Viele sehen in ihm   eine willkommene Abwechslung zu den austauschbaren Figuren der   etablierten Parteien. Guttenberg ist rhetorisch begabt und mit einem   Talent f&#252;r Selbstinszenierung ausgestattet. Er konnte bisher den   Eindruck erwecken, dass er ein &#8222;anderer&#8220; Politiker sei: J&#252;nger und   glaubw&#252;rdiger. &#8222;KT&#8220; war das erste Regierungsmitglied, welches den Krieg   am Afghanistan auch beim Namen nannte. Das brachte ihm Pluspunkte.   Undenkbar w&#228;ren die H&#246;hen seiner Popularit&#228;t aber ohne die massive   Unterst&#252;tzung durch die meisten Medien, insbesondere die &#8222;Bild&#8220;.   Springers Kampfblatt l&#228;sst keine Gelegenheit aus um den Franken &#252;ber den   gr&#252;nen Klee zu loben. Wie sich aber noch zeigen wird, ist dies eine sehr   oberfl&#228;chliche Unterst&#252;tzung durch die Masse der Menschen. Im Gegensatz   zu pr&#228;genden und popul&#228;ren, politischen Figuren der Nachkriegszeit wie   Brandt oder Strau&#223;, basiert sie nicht auf einem stabilen Fundament. Im   Gegenteil: Seine Politik steht im Widerspruch zu den Interessen seiner   (bisherigen) Unterst&#252;tzer.<\/p>\n<h4>  Alles Plagiat, oder was?<\/h4>\n<p>  Nachdem der Minister schon im Januar aufgrund verschiedener Aff&#228;ren   unter massiven Druck geriet, kam er nun von g&#228;nzlich unerwarteter Stelle   in die Bredouille. Findige Leser hatten seine Doktorarbeit unter die   Lupe genommen und kamen zu einem erstaunlichen Ergebnis. Auff&#228;llig viele   Textpassagen waren anderen Artikeln oder wissenschaftlichen Arbeiten   &#8222;entliehen&#8220;, ohne dass dies kenntlich gemacht wurde. Die FAZ &#8211;bisher   Teil des &#8222;KT&#8220; Fanclubs&#8220;- stellte in ihrer Ausgabe vom 22. Februar   schockiert fest: &#8222;Auf siebzig Prozent aller Seiten der Doktorarbeit von   Karl-Theodor zu Guttenberg finden sich Plagiate&#8220;. Die Beweislast ist   erdr&#252;ckend, wie dies verschiedenen websites (z.B. <a href=\"http:\/\/de.guttenplag.wikia.com\">http:\/\/de.guttenplag.wikia.com<\/a>)   entnommen werden kann.<\/p>\n<h4>  Bedeutung<\/h4>\n<p>  Viele arbeitende und erwerbslose Menschen in Deutschland fragen sich   dieser Tage: &#8222;Meine G&#252;te, haben wir denn keine anderen Probleme?!&#8220; Die   Frage ist &#8211;gerade angesichts historischer Umst&#252;rze im arabischen Raum   und dr&#228;ngender sozialer Probleme hierzulande &#8211; mehr als berechtigt und   mit &#8222;Ja&#8220; zu beantworten. Dennoch: In diesem Land ist es normal geworden,   dass ArbeiterInnen wegen vermeindlichem Diebstahl eines Pfandbons oder   dem Verzehren einer Maultasche, trotz jahrzehntelanger   Betriebszugeh&#246;rigkeit gefeuert werden und sich ihr Recht erk&#228;mpfen   m&#252;ssen. Zudem: Jede Sch&#252;lerin und jeder Student bekommt massiven &#196;rger &#8211;   bis hin zum Ausschluss aus der Uni &#8211; wenn sie oder er beim Abschreiben   erwischt wird. Warum soll ein privilegierter Typ wie Guttenberg   ungeschoren davon kommen? Er hat nicht nur abgekupfert sondern auch   h&#246;chst wahrscheinlich einen Gro&#223;teil seiner Arbeit nicht selber   geschrieben. Als Mitglied des Bundestages hat er sich der Zuarbeit von   etlichen Mitarbeitern des &#8222;hohen Hauses&#8220; bedient. Was bitte sch&#246;n ist   das, wenn nicht Betrug?!<\/p>\n<p>  Mit seiner Entscheidung, auf den Doktortitel g&#228;nzlich zu verzichten, ist   der Verteidigungsminister seinen Kritikern entgegengekommen und versucht   nun seine Haut zu retten. Trotzdem ist der Adelige angeschlagen. Es   sollte die Aufgabe der Partei Die LINKE sein, die Situation zu nutzen um   klarzustellen, welchen Klasseninteressen Guttenberg verpflichtet ist und   seine Politik noch massiver zu bek&#228;mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der Verteidigungsminister steht wegen einer abgekupferten Doktorarbeit<br \/>\n      unter Druck.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14107"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14107"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14107\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}