{"id":14101,"date":"2011-02-16T15:00:00","date_gmt":"2011-02-16T15:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14101"},"modified":"2011-02-16T15:00:00","modified_gmt":"2011-02-16T15:00:00","slug":"14101","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/02\/14101\/","title":{"rendered":"Lokf&#252;hrer-Protestveranstaltung in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>  Kein Streik f&#252;r eine Schachtel Zigaretten!<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der Saal war voll: &#252;ber tausend Lokf&#252;hrerInnen aus ganz Deutschland   waren zur Protestveranstaltung der GDL in Berlin gekommen. Zu Anfang gab   es stehende Ovationen f&#252;r den Vorsitzenden der GDL (Gewerkschaft   Deutscher Lokomotivf&#252;hrer), Claus Weselsky. <\/p>\n<h4>  <i>von Angelika Teweleit, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Man konnte sp&#252;ren, dass die KollegInnen noch vom Streik 2007\/2008   angespornt sind. Darauf konnte Weselsky in seiner knapp halbst&#252;ndigen   Rede aufbauen. Er habe den Arbeitgebern gesagt, es w&#228;re besser, zu einem   Verhandlungsergebnis zu kommen &#8211; das sei f&#252;r sie wesentlich   kosteng&#252;nstiger. Mit 75 Prozent Organisationsgrad bei den Lokf&#252;hrerInnen   ist die GDL in einer guten Position f&#252;r einen Arbeitskampf. Dazu kommt,   dass ohne Lokf&#252;hrerInnen nun mal kein Zugverkehr funktioniert. Welche   Kampfkraft dadurch entsteht, wurde beim letzten Streik deutlich. Mit   Warnstreiks soll nun ab Montag n&#228;chster Woche begonnen werden.<\/p>\n<h4>  Streikeskalation<\/h4>\n<p>  Weselsky betonte zwar mehrfach, dass die GDL &#8222;verantwortungsbewusst&#8220; und   &#8222;sorgsam&#8220; mit ihrer Tarifmacht umgehen werde, er versprach den   Anwesenden jedoch, dass die GDL keinen Streik f&#252;hren werde, bei dem am   Ende eine Schachtel Zigaretten herauskomme. Daher sollte allerdings auch   keine falsche R&#252;cksichtnahme genommen werden. Insbesondere die   Angleichung der L&#246;hne bei den Privatbahnen an das DB-Niveau &#8211; wo diese   zur Zeit bis zu 30 Prozent darunter liegen &#8211; d&#252;rfte eine harte Nuss   sein. Ein Erfolg w&#228;re aber bahnbrechend und k&#246;nnte ein Beispiel auch f&#252;r   andere Branchen setzen, in denen durch Private Lohndumping betrieben   wird. Dazu kommt, dass die DB AG gerne den Einfluss und die St&#228;rke der   GDL untergraben w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Wie weit die Konzernleitung bereit ist zu gehen, wird sich zeigen. Klar   ist aber, dass die Forderungen der GDL sind nicht im Spaziergang   durchzusetzen sind. Daher t&#228;te die GDL-F&#252;hrung gut daran,   fl&#228;chendeckende Vollstreiks nicht auszuschlie&#223;en, sondern ganz bewusst   in die Eskalationsstrategie einzubeziehen.<\/p>\n<h4>  Bahnchaos durch Profitorientierung<\/h4>\n<p>  Zurecht wies der GDL-Vorsitzende darauf hin, dass das Berliner   S-Bahn-Chaos wohl kaum in der Verantwortung der Gewerkschaft liege. Er   bekam tosenden Applaus, als er aussprach, dass dies die Folge von   Missmangement und dem Zwang zum B&#246;rsengang sei. Leider bleibt die GDL   beim Thema Privatisierung bei der verbalen Kritik. Zwar w&#252;rde ein   einheitlicher Lokf&#252;hrerInnen-Tarifvertrag den Privaten die Suppe   gr&#252;ndlich versalzen. Dennoch w&#252;rde das den B&#246;rsengang der Bahn und die   Ausschreibungen im G&#252;ter- und Schienennahverkehr nicht stoppen. Zudem   stellt der Hauptslogan der GDL f&#252;r die diesj&#228;hrige   Tarifauseinandersetzung &#8222;Faire L&#246;hne, fairer Wettbewerb&#8220; das Prinzip der   Konkurrenz auf der Schiene nicht grunds&#228;tzlich in Frage.<\/p>\n<h4>  B&#246;rsengang stoppen &#8211; Private raus aus dem Schienenverkehr<\/h4>\n<p>  Weselsky k&#252;ndigte an, dass die KollegInnen der Berliner S-Bahn weniger   an den Streiks beteiligt werden sollten. Sicher steckt dahinter die   Sorge, dass die Fahrg&#228;ste das nicht mitmachen w&#252;rden. Es w&#228;re jedoch   sinnvoll, gerade hier den Kampf f&#252;r h&#246;here L&#246;hne und bessere   Arbeitsbedingungen mit der Forderung nach einem Stop der   Profitorientierung zu verbinden &#8211; bei der S-Bahn sowie bei der Bahn   insgesamt. Mit weitergehenden Forderungen nach einem Stop des   B&#246;rsengangs der Bahn, der Re-Verstaatlichung der Privatbahnen und f&#252;r   eine Bahn unter demokratischer Kontrolle von Besch&#228;ftigten, NutzerInnen,   Gewerkschaften und Staat, k&#246;nnten Millionen von Bahn-NutzerInnen als   Verb&#252;ndete gewonnen werden. Und es w&#228;re ein Kampf gegen die Ursachen von   st&#228;ndig steigender Arbeitshetze und Lohndumping sowie von immer   schlechterem Service und mangelnder Sicherheit.<\/p>\n<h4>  Jetzt Solidarit&#228;t organisieren<\/h4>\n<p>  Die KollegInnen stehen vor einer harten Auseinandersetzung. Sicher wird   es einen Platzregen von Kritik und Angriffen &#252;ber die Medien sowie aus   Politik und Wirtschaft geben. In den DGB-Gewerkschaften sollten   KollegInnen alles daran setzen, Solidarit&#228;t zu organisieren und Druck   auf die F&#252;hrungen der DGB-Gewerkschaften auszu&#252;ben, sich nicht an der   Gegenpropaganda gegen die Streikenden zu beteiligen. Entsprechende   Resolutionen sollten bei gewerkschaftlichen und betrieblichen   Versammlungen eingebracht werden. Die Partei DIE LINKE sollte ebenfalls   ihre Verantwortung wahrnehmen und sich &#8211; weniger z&#246;gerlich als 2007\/2008   &#8211; klar auf die Seite der KollegInnen stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Kein Streik f&#252;r eine Schachtel Zigaretten!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,17,20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14101"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14101"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14101\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}