{"id":14098,"date":"2011-02-14T14:00:00","date_gmt":"2011-02-14T14:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14098"},"modified":"2011-02-14T14:00:00","modified_gmt":"2011-02-14T14:00:00","slug":"14098","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/02\/14098\/","title":{"rendered":"Berlin: Voller Erfolg f&#252;r den Wasservolksentscheid"},"content":{"rendered":"<p>  Heftige Schlappe f&#252;r Rot-Rot<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Einen bahnbrechenden Erfolg feierten die Initiatoren des   Volksentscheids &#8222;Unser Wasser&#8220; und mit ihnen viele Berlinerinnen und   Berliner am Sonntag abend, als klar wurde, dass 665.713 BerlinerInnen   f&#252;r die Offenlegung aller Geheimvertr&#228;ge im Zuge der Teilprivatisierung   der Wasserbetriebe zwischen Berliner Senat und den privaten Investoren   Veolia und RWE gestimmt haben.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Lucy Redler, Mitglied der SAV und der LINKE Berlin-Neuk&#246;lln<\/i><\/h4>\n<p>  98 Prozent aller TeilnehmerInnen am Volksentscheid sagten &#8222;Ja&#8220; zur   Offenlegung der Vertr&#228;ge und damit gegen die Position des rot-roten   Senats, der auf dem Abstimmungszettel mit fadenscheinigen Argumenten   daf&#252;r argumentiert hatte, mit Nein zu stimmen.<\/p>\n<h4>  Anstieg der Wasserpreise um 35 Prozent<\/h4>\n<p>  Die hohe Zustimmung l&#228;sst sich vor allem mit den gestiegenen   Wasserpreisen seit der Teilprivatisierung im Jahr 1999 erkl&#228;ren. Damals   wurde unter der Gro&#223;en Koalition 49,9 Prozent der Wasserbetriebe an   Veolia und RWE verkauft und im Zuge dessen Geheimvertr&#228;ge abgeschlossen,   die den privaten Investoren lukrative Renditegarantien in H&#246;he von acht   Prozent f&#252;r 28 Jahre sicherten. Das Teilprivatisierungsgesetz wurde 2004   unter dem SPD\/PDS-Senat novelliert. Allein im Jahr 2004 brachte es RWE   auf einen Gewinn von mehr als 1,6 Milliarden Euro bundesweit.<\/p>\n<p>  Zahlen mussten daf&#252;r die Berlinerinnen und Berlinen: Seit 1999 stiegen   die Wasserpreise um mehr als ein Drittel. Tausend Arbeitspl&#228;tze wurden   abgebaut, Investitionen im Leitungsnetz gek&#252;rzt.<\/p>\n<p>  Am eigenen Leib konnten die BerlinerInnen erfahren, dass Privatisierung   Diebstahl &#246;ffentlichen Eigentums bedeutet.<\/p>\n<p>  Damit, dass das notwendige Quorum von 25 Prozent Ja-Stimmen aller   Wahlberechtigten am Volksentscheid erfolgreich erf&#252;llt wurde, hatten   wohl die Wenigsten gerechnet angesichts weniger Plakate in der Stadt,   einem Etat der Initiative von nur 12.000 Euro und der Verwirrung, die   auch die Spitze der DIE LINKE Berlin mit der Behautptung, der   Volksentscheid sei &#252;berfl&#252;ssig, im Vorhinein gestiftet hatte.<\/p>\n<h4>  Alles schon offengelegt?<\/h4>\n<p>  Der Senat und allen voran Wirtschaftsminister Harald Wolf (DIE LINKE)   hatten argumentiert, dass die Offenlegung der Vertr&#228;ge gar nicht n&#246;tig   sei, weil der Senat ja bereits die wichtigsten Vertr&#228;ge ver&#246;ffentlicht   habe. Dass dies nur aufgrund des Druck geschah, den der Berliner   Wassertisch und viele AktivistInnen durch das erfolgreiche Volksbegehren   im Oktober 2010 ausge&#252;bt hatten, verschweigen Wolf und Wowereit gern.   Doch selbst wenn Wolf und Wowereit Recht h&#228;tten: Warum stimmten sie dann   nicht mit Ja? Harald Wolf war sich nicht zu schade, kurz vor dem   Volksentscheid &#246;ffentlich zu verk&#252;nden, dass er nicht an der Abstimmung   teilnehmen werde. Von der SPD mal ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>  Die Initiatoren des Volksentscheids argumentieren dagegen, dass es alles   andere als sicher ist, dass die Vertr&#228;ge vollst&#228;ndig inklusive aller   Nebenabreden offengelegt wurden. Diese Sorgen wurden zwei Tage vor dem   Volksentscheid nochmal best&#228;tigt, als die Nachrichtenagentur dapd   verlautbarte, dass f&#252;nf Vertr&#228;ge immer noch nicht einsehbar seien.<\/p>\n<p>  Der Berliner Wassertisch kommentiert: &#8222;Der Bericht der   Wirtschaftspr&#252;fungsgesellschaft KPMG zum Jahresabschluss der   Berlinwasser Holding AG aus dem Jahr 1999 listet unter dem Kapitel   &quot;Wichtige Vertr&#228;ge des Gesch&#228;ftsjahres&quot; &#8211; neben dem vom Senat   ver&#246;ffentlichten Konsortialvertrag &#8211; unter anderem einen   &quot;Nachgr&#252;ndungsvertrag&quot; aus 1999 auf. Darin werden etwa Kapitalerh&#246;hungen   und sogenannte Gewinnbezugsrechte geregelt. Ein &quot;Entnahmevertrag&quot; legte   &quot;Dividendenbezugsrechte&quot; fest, die dem Land Berlin zust&#252;nden.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Senat konterte diese Argumente mit der Behauptung, bei den noch   nicht ver&#246;ffentlichten Vertr&#228;gen handele es sich um &#8222;rein konzerninterne   Unterlagen&#8220;.<\/p>\n<p>  Doch auch wenn das juristisch stimmt: Politisch ist es ein Skandal, dass   immer noch Geheimvertr&#228;ge existieren, die dazu f&#252;hren, dass die Berliner   Bev&#246;lkerung f&#252;r die Gewinngarantien der privaten Investoren blechen &#8211;   egal ob das in einem konzerninternen Vertrag steht oder nicht.<\/p>\n<h4>  Position der LINKEN<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend einige Bezirksverb&#228;nde der LINKE Berlin wie Neuk&#246;lln, Spandau,   Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf die Kampagne zur   Offenlegung der Wasservertr&#228;ge aktiv unterst&#252;tzt hatten, argumentierte   die LINKE-Spitze daf&#252;r, sich bei der Abstimmung zu enthalten. Manche   Regierungsbef&#252;rworter wie Halina Wawzyniak (stellvertretende   Parteivorsitzende und dem Forum demokratischer Sozialismus zugeh&#246;rig)   waren sich nicht zu schade daf&#252;r, mit Nein zu stimmen und das auch im   Nachhinein zu rechtfertigen:<\/p>\n<p>  &#8222;Ich habe dennoch mit &#8220;Nein&#8221; gestimmt und das hat einen einfachen Grund.   Ich gehe davon aus, dass alle Staatsgewalt von der Bev&#246;lkerung ausgeht   und deshalb alle Vertr&#228;ge offengelegt werden sollen. Daf&#252;r hat Berlin   das Informationsfreiheitsgesetz ge&#228;ndert. Mit dem erfolgreichen   Volksentscheid wird die Offenlegung allerdings nur f&#252;r die   Wasserbetriebe erreicht und nicht f&#252;r alle zuk&#252;nftigen Vertr&#228;ge auch in   anderen Bereichen. Das ergibt sich aus &#167; 1 des Gesetzentwurfes und das   finde ich inkonsequent.&#8220; (http:\/\/blog.wawzyniak.de\/?p=3467)<\/p>\n<p>  So ein Unsinn: Als wenn die Zustimmung f&#252;r die Offenlegung der   Wasservertr&#228;ge irgend jemanden davon abhalten w&#252;rde, auch Vertr&#228;ge in   anderen Bereichen offen zu legen.<\/p>\n<p>  Anders herum wird ein Schuh daraus, liebe Halina: Der erfolgreiche   Wasservolksentscheid wird den Druck in anderen Bereichen erst richtig   erh&#246;hen. So kann der Schwung des Erfolgs genutzt werden, um   beispielsweise eine Kampagne f&#252;r eine S-Bahn im Interesse der   Berlinerinnen und Berliner zu starten.<\/p>\n<h4>  F&#252;r die Rekommunalisierung der Wasserbetriebe<\/h4>\n<p>  Vor allem erh&#246;ht der Wasservolksentscheid jedoch den Druck daf&#252;r, die   Wasserbetriebe endlich wieder vollst&#228;ndig zu rekommunalisieren. Der   erfolgreiche Volksentscheid ist ein wichtiger Schritt in die richtige   Richtung. Um die Rekommunalisierung durchzusetzen, wird aber mehr n&#246;tig   sein als die Beschreitung des juristisch-parlamentarischen Wegs. Es ist   davon auszugehen, dass mindestens die privaten Investoren den Weg vors   Berliner Verfassungsgericht einschlagen werden.<\/p>\n<p>  Wenn der Kampf f&#252;r die Rekommunalisierung erfolgreich sein soll, muss   der Schulterschluss zu den Gewerkschaften und Besch&#228;ftigten geschlagen   werden und ein gemeinsamer Kampf im Interesse von VerbraucherInnen und   Besch&#228;ftigten gef&#252;hrt werden. Dass kommunales Eigentum nur eine   notwendige, aber keine hinreichende Bedingung f&#252;r transparente Betriebe   im Interesse der Bev&#246;lkerung darstellt, sehen wir am Beispiel der BVG.   Deshalb ist nicht nur die Rekommunalisierung, sondern auch die   demokratische Kontrolle und Verwaltung der Wasserbetriebe durch   VertreterInnen von Besch&#228;ftigten und VerbraucherInnen, von gew&#228;hlten   GewerkschaftsvertreterInnen, Umweltverb&#228;nden und der Landesregierung   n&#246;tig.<\/p>\n<p>  Die antikapitalistischen Kr&#228;fte in der LINKEN Berlin sollten den Ausgang   des Volksentscheids nutzen, um lautstark einen Kurswechsel der Partei in   Berlin und die Beendigung der Regierungsbeteiligung mit der SPD   einzufordern.<\/p>\n<p>  Wieviel mehr an Druck k&#246;nnte eine Partei entfachen, die mit den   R&#252;ckenwind des Volksentscheids eine politische Kampagne f&#252;r   Rekommunalisierung starten w&#252;rde anstatt im Senat das linke Feigenblatt   f&#252;r Privatisierung und Sozialabbau zu geben und dadurch den   au&#223;erparlamentarischen Widerstand zu schw&#228;chen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Heftige Schlappe f&#252;r Rot-Rot\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14098"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14098"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14098\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14098"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14098"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14098"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}