{"id":14094,"date":"2011-02-10T14:00:00","date_gmt":"2011-02-10T14:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14094"},"modified":"2011-02-10T14:00:00","modified_gmt":"2011-02-10T14:00:00","slug":"14094","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/02\/14094\/","title":{"rendered":"&#196;gypten: Wo steht die Revolution?"},"content":{"rendered":"<p>  Aufbau einer Massenpartei notwendig, um die Ziele der ArbeiterInnen und   Kleinb&#228;uerInnen zu verwirklichen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#8222;Lenin sagte &#252;ber Revolutionen, dass sie zwei Dinge zeigen. Erstens,   dass die Bev&#246;lkerung nicht weiter beherrscht werden kann wie bisher.   Zweitens, dass die Herrschenden nicht weiter herrschen k&#246;nnen wie   bisher.&#8220; (Guardian-Leitartikel, 4. Februar 2011). Wenn die   kapitalistische Presse (die untereinander im allgemeinen zu den gleichen   Schlussfolgerungen kommt) positiv &#252;ber Revolution spricht, muss es wohl   so sein!<\/p>\n<h4>  <i>von Peter Taaffe, Generalsekret&#228;r der Socialist Party in England&amp;Wales<\/i><\/h4>\n<p>  Trotzdem hat der Guardian uns bisher gemeinsam mit allen anderen   kapitalistischen Medien erz&#228;hlt, dass Ausbr&#252;che der Art, die wir in   &#196;gypten gesehen haben &#8222;der Vergangenheit angeh&#246;ren&#8220;. Der Zusammenbruch   des Stalinismus &#8211; insbesondere der Planwirtschaften, die in Russland und   Osteuropa existierten &#8211; habe das &#8222;Ende der Geschichte&#8220; bedeutet. Aber   eine revolution&#228;re Welle der Massen bedroht die Despoten und die   wirtschaftlichen und sozialen Regime, &#252;ber die sie in der ganzen   [arabischen] Region wachen &#8211; zuerst in Tunesien und jetzt in &#196;gypten.<\/p>\n<p>  Die Dominotheorie, zuerst in Bezug auf die &#8222;ansteckende Wirkung&#8220; der   vietnamesischen Revolution in S&#252;dostasien verwendet, ist wieder in Mode   gekommen. Das ist ein popul&#228;rer Ausdruck f&#252;r einen wichtigen Aspekt von   Leo Trotzkis zutreffender Theorie der &#8222;Permanenten Revolution&#8220;, die   vorraussagte, dass eine revolution&#228;re Explosion in Russland zu einem   europaweiten revolution&#228;ren Aufstand f&#252;hren w&#252;rde. Diese Prognose trat   mit der Bewegung, die auf die Oktoberrevolution in Russland 1917 folgte   tats&#228;chlich ein. Diese wurde aber von den sozialdemokratischen F&#252;hrern   der Massenorganisationen in Europa verraten.<\/p>\n<p>  Sie erf&#252;llt sich erneut, mit der Flutwelle der Revolution die den   tunesischen Pr&#228;sidenten zur Flucht gezwungen hat, die den Pr&#228;sidenten   Jemens gezwungen hat, seinen R&#252;ckzug binnen zwei Jahren anzuk&#252;ndigen und   die andere Diktaturen bedroht. Die arabischen Massen k&#246;nnen ihr jetziges   Dasein nicht weiter ertragen, das kam mit dem Slogan &#8222;Genug ist genug!&#8220;   auf dem Tahrir-Platz in Kairo zum Ausdruck. Die Massenbewegung in   &#196;gypten hat die Angst vor der Diktatur verloren, die in der letzten   Phase die einzige verbleibende St&#252;tze des Regimes war.<\/p>\n<p>  Auch die &#252;berw&#228;ltigende Mehrheit der Mittelklasse in &#196;gypten war und ist   in Opposition zum Mubarak-Regime. Gro&#223;e Teile von ihr nehmen an den   explosiven Bewegungen auf dem Tahrir-Platz teil. Der linke Journalist   Seamus Milne schrieb am Tag vor dem oben zitierten Leitartikel in der   selben Zeitung zutreffenderweise: &#8222;Es gibt eine revolution&#228;re Situation   in &#196;gypten, aber es hat noch keine Revolution stattgefunden.&#8220;<\/p>\n<h4>  Warum stagniert die Revolution?<\/h4>\n<p>  Warum hat die Revolution dann in den letzten Tagen eindeutig stagniert?   Um erfolgreich zu sein, muss eine Revolution; auch ein spontaner   Aufstand oder eine Erhebung, wie wir sie in Tunesien und jetzt in   &#196;gypten sehen, ihre Vorw&#228;rtsbewegung beibehalten, indem sie von Sieg zu   Sieg voranschreitet. Aber nach vier dunklen Jahrzehnten der Diktatur war   die Masse der Bev&#246;lkerung noch nicht in der Lage, das zu bilden, was   MarxistInnen den &#8222;subjektiven Faktor&#8220; nennen: eine entschlossene F&#252;hrung   einer Massenorganisation, die in der Lage ist ein Aktionsprogramm zu   formulieren, um das Regime und die Herrschaft von Kapitalismus und   Gro&#223;grundbesitz zu st&#252;rzen.<\/p>\n<p>  Die gr&#246;&#223;tenteils spontane Februarrevolution in Russland 1917 wurde   haupts&#228;chlich von ArbeiterInnen in Petrograd gef&#252;hrt, die in   Klassenk&#228;mpfen vor dem Ersten Weltkrieg von Lenins Bolschewistischer   Partei trainiert worden waren. Sie f&#252;hrten die Bewegung binnen acht   Tagen zum Sturz des Zaren. Aber sogar damals glitt der Masse der   ArbeiterInnen und B&#228;uerInnen, die auf die politische B&#252;hne traten, durch   einen Mangel an politischem Verst&#228;ndnis und Bewusstsein die Macht aus   den H&#228;nden. Sie wurde von einer kapitalistischen Koalition ergriffen, an   der auch Reste des alten zaristischen Regimes beteiligt waren.<\/p>\n<p>  Die &#228;gyptischen Massen haben anders als ihre russischen Vorg&#228;ngerInnen   1917 noch keine Massenpartei. Wenn die Revolution erfolgreich sein soll,   ist der Aufbau einer solchen Partei notwendig. Alle Bauteile f&#252;r ein   Werkzeug der Massen, das die Tr&#228;ume der ausgebeuteten &#228;gyptischen   ArbeiterInnen und B&#228;uerInnen erf&#252;llen kann, sind in der gro&#223;artigen   Bewegung schon vorhanden.<\/p>\n<p>  Die Demonstrationen auf dem Platz, die beeindruckende Verteidigung gegen   Mubaraks Polizei und Schl&#228;gertrupps, waren wirklich inspirierend. Wie   wertvoll sind heute die modernen Kommunikationsmittel, mit denen   Millionen in der ganzen Welt Schritt f&#252;r Schritt die Entwicklung einer   Revolution per Live&#252;bertragung verfolgen k&#246;nnen, in Gro&#223;britannien durch   die BBC-Website, die &#8211; welch eine &#220;berraschung &#8211; Murdoch und seine   Unterst&#252;tzer in den gro&#223;en Unternehmen zerst&#246;ren wollen.<\/p>\n<p>  Das Mubarak-Regime glaubte, dass sie die Bewegung nach der ersten Welle   der Opposition zerschlagen k&#246;nnten. Aber die Bereitschaftspolizei wurde   am Freitag, der &#8222;Tag der Wut&#8220; genannt worden war, zur&#252;ckgeschlagen.   Dar&#252;ber hinaus konnte die Armee nicht gegen die DemonstrantInnen   eingesetzt werden, gerade weil die einfachen Soldaten in den Panzern und   anderswo nicht bereit waren, auf ZivilistInnen zu schie&#223;en. Das lieferte   einen deutlichen Hinweis auf die Spaltung im Staatsapparat. Sogar die   Mehrheit der Gener&#228;le war gezwungen, &#8222;Sympathie&#8220; f&#252;r die Revolution zu   &#228;u&#223;ern, obwohl viele von ihnen durch finanziell Gesch&#228;fte mit dem   Mubarak-Regime verbunden sind. Sie sind in dieser Phase nicht bereit   oder in der Lage offen zu handeln.<\/p>\n<p>  Dadurch war Mubarak gezwungen, die &#8222;Peitsche der Konterrevolution&#8220; in   Form der besiegten Polizei, der Schl&#228;gerbanden aus den Slums und   aktuellen und ehemaligen Polizisten, die in der vorherigen Periode von   den Stra&#223;en verschwunden waren zu mobilisieren und am Mittwoch, dem 2.   Februar auf die DemonstrantInnen zu hetzen. Es folgte eine Situation,   die Element des B&#252;rgerkriegs beinhaltete, in der Mubaraks Kr&#228;fte   zur&#252;ckgeschlagen wurden. Aber als das Kr&#228;ftegleichgewicht klar zugunsten   der DemonstrantInnen war und das Mubarak-Regime am seidenen Faden hing   wurde der Vorteil nicht genutzt, zum Beispiel durch einen Marsch zu   Mubaraks Palast, um ihn zu st&#252;rzen<\/p>\n<p>  Selbst wenn Millionen ArbeiterInnen und Menschen aus der Mittelschicht   auf die Stra&#223;e gehen, um ihre Ziele durchzusetzen, kann das &#8211; wie sogar   bei einem erfolgreichen Generalstreik &#8211; nur eine Demonstration mit   verschr&#228;nkten Armen sein, wenn es keinen bewussten Plan zum Sturz der   Diktatur gibt. Die DemonstrantInnen waren, gewisserma&#223;en zu Recht, in   einer Festival-artigen Atmosph&#228;re wie berauscht, als sie ihre Macht   sahen. Aber der Anfangserfolg wurde nicht genutzt. Ein erfolgreicher   Aufstand h&#228;tte Mubarak von der Macht entfernen und so eine neue,   ernsthaftere und zielgerichtetere Phase der Revolution er&#246;ffnen k&#246;nnen.   Zudem waren in &#196;gypten und international alle Kr&#228;fte der besitzenden   Klassen mit voller Kraft dabei, Druck auf die Bewegung auszu&#252;ben, &#8222;nicht   zu weit zu gehen&#8220;.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend es in der ersten Stufe der Bewegung viele &#196;hnlichkeiten mit   Tunesien gab, vor allem hinsichtlich der gewaltigen Kraft der Bewegung.   gab es und gibt es in der &#228;gyptischen Revolution wichtige Unterschiede.   In Tunesien war die herrschende Klasse im Land und international von der   Kraft der Bewegung &#252;berrascht, Polizei und Armee wurden zun&#228;chst an den   Rand gedr&#228;ngt. Ben Ali, seine Familie und einige seiner Getreuen waren   gezwungen ins Exil zu fliehen, sonst h&#228;tten die w&#252;tenden Massen sie   schnell einer revolution&#228;ren Justiz zugef&#252;hrt. &#196;gypten ist allerdings   das Herz der despotischen Regime, die die arabische Welt verunstalten.   Es ist ein Land mit 80 Millionen EinwohnerInnen und einer Armee von   mindestens einer halben Million Angeh&#246;rigen, der zehntgr&#246;&#223;ten weltweit.<\/p>\n<h4>  Mubarak-Regime vor dem Ende<\/h4>\n<p>  Aber selbst diese &#8222;m&#228;chtige&#8220; Armee h&#228;tte besiegt werden k&#246;nnen und wird   es vielleicht noch werden. Sie spiegelt in ihrem Aufbau die &#228;gyptische   Gesellschaft wieder. Sie besteht aus Menschen aus der Arbeiterklasse,   der Bauernschaft und allgemein den Armen. 40 Prozent der &#196;gypterInnen   leben von weniger als zwei US-Dollar am Tag. Die Massenarbeitslosigkeit,   die in der ganzen Region stark angestiegen ist, hat uns letztes Jahr im   Oktober zu folgender Vorhersage gebracht: &#8222;Erdrutschartige Ver&#228;nderungen   stehen in diesem Land bevor. Die drei&#223;igj&#228;hrige Herrschaft des   Mubarak-Regimes neigt sich dem Ende zu. Tats&#228;chlich vergleichen manche   KommentatorInnen die aktuelle Situation in &#196;gypten mit der Lage vor dem   Sturz der Monarchie 1952. Die Streiks der letzten Zeit sind ein Symptom   der wachsenden Unzufriedenheit der Massen&#8230; Ein Massenaufstand k&#246;nnte   das Regime hinwegfegen&#8230; Aber ein neuer starker Mann aus dem Umfeld des   Regimes, etwa der aktuelle Chef des Inlandsgeheimdienstes [Suleiman],   k&#246;nnte die Macht &#252;bernehmen, wenn Mubarak verschwindet.&#8220; (aus der   Resolution des CWI-Weltkongresses zum Thema Weltbeziehungen).<\/p>\n<p>  Ein k&#252;hner revolution&#228;rer Aufruf h&#228;tte die Armee gespalten, und kann es   noch tun, wie wir in der tunesischen Revolution gesehen haben. Aber um   sicherzustellen, dass die Armee sich auf die Seite der Revolution   stellt, ist es notwendig einen klassenk&#228;mpferischen Aufruf an die   einfachen Soldaten zu richten. &#8222;Liebeserkl&#228;rungen&#8220; an die Armee sind   nicht genug. Hinter den gew&#246;hnlichen Soldaten, selbst denen in den   Panzern, die eindeutig mit der Revolution sympathisierten, stehen die   Offiziere, bewaffnet mit Gewehren und anderen   Unterdr&#252;ckungsinstrumenten, bereit um die zu erschie&#223;en, die &#252;berlegen   aktiv auf die Seite der Revolution &#252;berzugehen und sich einer Bewegung   zum sofortigen Sturz von Mubarak anzuschlie&#223;en.<\/p>\n<p>  Hinzu kommt, dass das Mubarak-Regime, anders als Tunesien, f&#252;r die   Wahrung der Interessen des Imperialismus und auch des israelischen   Staates, und jedes diktatorischen Regimes in der Region absolut zentral   ist. Mubarak selbst wird als &#8222;Berliner Mauer&#8220; der arabischen Diktaturen   gesehen. Wenn er gest&#252;rzt w&#252;rde, besonders in einem direkten   revolution&#228;ren Aufstand, w&#228;re der daraus entstehende ansteckende Effekt   f&#252;r die besitzenden und herrschenden Klassen in der Region katastrophal.   Daher arbeiten der Imperialismus und die Reaktion in &#196;gypten verzweifelt   an einem &#8222;kalten &#220;bergang&#8220; um die Situation zu stabilisieren und alle   weiteren revolution&#228;ren Entwicklungen zu verhindern.<\/p>\n<p>  Sie sehen die direkte Gefahr in den andauernden Unruhen in Tunesien   besonders in der sich entwickelnden Welle von Streiks und K&#228;mpfen von   unten. Wie es ein Kommentator ausdr&#252;ckte: &#8222;Der 25-j&#228;hrige Arbeitslose   ist heute der starke Mann geworden&#8220; (FT, 4. Februar 2011) und bisher hat   &#8222;die Stra&#223;e&#8220; das Tempo der Bewegung vorgegeben. Die Jugend ist die   treibende Kraft der Revolution. In Nordafrika bilden Menschen zwischen   15 und 30 ein Drittel der Bev&#246;lkerung. Daher werden die sozialen   Probleme, die sich unter den kranken kapitalistischen Regimes in der   Region noch weiter verst&#228;rken werden, die weitere Entwicklung der   Revolution antreiben, unabh&#228;ngig von der bestehenden Pattsituation.<\/p>\n<p>  Die &#228;gyptische herrschende Klasse dr&#228;ngt gemeinsam mit dem   amerikanischen Imperialismus &#8211; der den Ereignissen am Anfang v&#246;llig   hilflos gegen&#252;berstand &#8211; zur Bildung eines &#8222;&#220;bergangs-&#8220;Regimes um den   Vizepr&#228;sidenten Suleiman, mit dem Versprechen sp&#228;terer Wahlen. Sie   werden zur Umsetzung ihrer Ziele von selbsternannten Gruppen aus   &#252;berwiegend Mittelklasse-Figuren unterst&#252;tzt und profitieren von der   Einbeziehung von Vertretern der Muslimbruderschaft und einiger kleiner   Organisationen, die an Verhandlungen &#252;ber passende &#8222;Arrangements&#8220;   beteiligt werden.<\/p>\n<p>  Es ist eine schreiende Notwendigkeit, dass die Massen in &#196;gypten ihre   eigenen unabh&#228;ngigen Kr&#228;fte und eine Organisation bilden. Die   improvisierten Komitees zur Verteidigung gegen die Welle von Raub und   Gewalt (die offensichtlich zum Teil von Mitgliedern des Regimes   ausgel&#246;st wurde) k&#246;nnen die Basis einer echten bewaffneten   demokratischen Massenkraft werden, die nicht nur Nachbarschaften   verteidigt, sondern auch Individuen die immer noch von der Geheimpolizei   verhaftet und gefoltet werden k&#246;nnten. Nachbarschaftskomitees und R&#228;te   in den Fabriken sollten sofort organisiert werden, um den Massen eine   Stimme und eine Organisation zu geben.<\/p>\n<p>  Sofortige Aufl&#246;sung von Mubaraks Sicherheitsapparat, der tausende   RegimegegnerInnen gefoltert und eingesperrt hat und damit weitermachen   wird, wenn er intakt gelassen wird!<\/p>\n<p>  F&#252;r die Strafverfolgung derer, die das &#228;gyptische Volk unterdr&#252;ckt und   den Reichtum des Landes systematisch gepl&#252;ndert haben, vor einem Gericht   aus echten Repr&#228;sentantInnen der ArbeiterInnen und armen B&#228;uerInnen!<\/p>\n<p>  Freilassung aller politischen Gefangenen, keine Verfolgung von   TeilnehmerInnen der Revolution!<\/p>\n<h4>  F&#252;r eine revolution&#228;re Verfassunggebende Versammlung<\/h4>\n<p>  Die Abhaltung freier und fairer Wahlen ist im Interesse der &#228;gyptischen   Massen, aber ihre Durchf&#252;hrung sollte nicht Figuren aus dem Regime oder   ihren imperialistischen Herren anvertraut werden. Eine revolution&#228;re   Verfassunggebende Versammlung, einberufen von einer Massenbewegung der   &#228;gyptischen ArbeiterInnen und Kleinb&#228;uerInnen, ist die einzige L&#246;sung.   F&#252;r eine Arbeiter- und Bauernregierung mit einem demokratischen   sozialistischen Programm! Beaufsichtigung der Wahlen durch   Massenkomitees der ArbeiterInnen und B&#228;uerInnen!<\/p>\n<p>  Die sofortige Abschaffung der Arbeitslosigkeit durch ein Programm   &#246;ffentlicher Arbeiten, Lohnerh&#246;hungen und die Schaffung unabh&#228;ngiger   Gewerkschaften, die f&#252;r die Interessen der Massen k&#228;mpfen sind absolut   dringend. Vor allem brauchen die besitzlosen und stimmlosen Massen   &#196;gyptens ihre eigene politische Waffe. Daher sollten die   fortgeschrittensten, politisch bewusstesten Schichten der Arbeiterklasse   zusammenkommen und eine neue Massenpartei der Arbeiterklasse schaffen.<\/p>\n<p>  Die internationalen Kapitalisten und ihre Kohorten in &#196;gypten versuchen   die Arbeiterklasse mit dem Gespenst unaussprechlicher &#8222;revolution&#228;rer   Exzesse&#8220; einzusch&#252;chtern, um sie dazu zu bringen den Repr&#228;sentanten des   Kapitalismus zu folgen, besonders den sogenannten &#8222;liberalen&#8220;   Kapitalisten. Der Terror der franz&#246;sischen Revolution wird   heraufbeschworen. Die Angst vor einem neuen Iran wird gesch&#252;rt. Die   Perspektive eines diktatorischen islamistischen Regimes unter F&#252;hrung   der Muslimbruderschaft stand in der Propaganda der Reaktion im   Vordergrund.<\/p>\n<p>  Die Wahrheit ist, dass der rechte politische Islam keine Unterst&#252;tzung   der Mehrheit hat und wahrscheinlich in naher Zukunft auch keine bekommen   wird, wie in Pakistan, einem schon etablierten islamischen Staat. Dort   haben trotz des Horrors des islamistischen Terrorismus die Islamisten   bei Wahlen nie mehr als 10 bis 15 Prozent bekommen. Es ist   unwahrscheinlich, dass die &#228;gyptische Muslimbruderschaft bei freien und   fairen Wahlen mehr als 10 oder 15 Prozent der Stimmen bekommen wird.   Robert Fisk, Reporter des Independent, sch&#228;tzt die Mitgliederzahl der   Bruderschaft auf 125.000. Zus&#228;tzlich gibt es beginnende   Klassenspaltungen in ihren Reihen, die sich im Verlauf der Revolution   zeigten. Die &#228;lteren Sektionen der Bruderschaft versuchten die Bewegung   zur&#252;ckzuhalten, aber die Jugend ging auf die Stra&#223;e und k&#228;mpfte   gemeinsam mit dem Rest der Massenbewegung um die Diktatur zu st&#252;rzen.<\/p>\n<p>  Die Revolution in &#196;gypten hat Lohnabh&#228;ngige und Arme weltweit   inspiriert. Zudem hat sie die Idee des &#8222;arabischen Sonderwegs&#8220;   zerschlagen, die &#252;berwiegend von westlichen kapitalistischen ExpertInnen   vertreten wird: &#8222;Demokratie&#8220; sei in der &#8222;entwickelten&#8220; Welt gut, aber   nicht f&#252;r die arabischen Massen. Diese unterdr&#252;ckten Opfer der   Mubarak-Diktatur des Kapitalismus und Gro&#223;grundbesitzes haben   ArbeiterInnen weltweit ein Beispiel gegeben, auch in der &#8222;entwickelten&#8220;   Welt. Die Revolution ist nicht zu Ende, sie hat gerade erst begonnen.<\/p>\n<h4>  &#8222;Torw&#228;chter&#8220; der Revolution<\/h4>\n<p>  Manchmal ist beim Sturz einer Diktatur die herrschende Klasse in der   Lage die Karten neu zu mischen und den diskreditierten Despoten durch   eine &#8222;liberalere&#8220; Figur aus ihren Reihen zu ersetzen. Das passierte 1930   in Spanien, wo Berenguer den Diktator Primo de Rivera ersetzte. Aber   Berenguer war nur der &#8222;Torw&#228;chter&#8220; der spanischen Revolution, die sich   von 1931 bis 1936 sechs Jahre lang entwickelte.<\/p>\n<p>  Keine Revolution entwickelt sich exakt wie eine fr&#252;here. Aber der   &#228;gyptische Gro&#223;grundbesitz und Kapitalismus wird mit seinem eigenen   &#8222;Torw&#228;chter&#8220;, Suleiman, weitere revolution&#228;re Explosionen ebenso wenig   verhindern k&#246;nnen wie Berenguer in Spanien vor 80 Jahren. Die   grundlegenden sozialen Probleme, die den Aufstand hervorgerufen haben   bleiben ungel&#246;st, was weitere Unruhen garantiert.<\/p>\n<p>  Die Kr&#228;fte der Revolution und der Konterrevolution werden in der   n&#228;chsten Periode getestet werden. &#196;gypten ist ein wichtiges Beispiel   daf&#252;r, wie Lohabh&#228;ngige weltweit gegen die kapitalistische   Ungerechtigkeit handeln k&#246;nnen. Entschlossene Massenbewegungen werden   notwendig sein, um Errungenschaften zu verteidigen, ihre   Lebensbedingungen zu verbessern und die Perspektive ungeahnten   &#220;berflusses zu er&#246;ffnen. Das ist nur durch die Schaffung eines   demokratischen, sozialistischen &#196;gypten m&#246;glich, verbunden mit einer   sozialistischen Konf&#246;deration der ganzen Region.<\/p>\n<h5>  <i>Dieser Artikel erschien zuerst in &#8222;The Socialist&#8220;, Wochenzeitung der   Socialist Party in England &amp;Wales<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Aufbau einer Massenpartei notwendig, um die Ziele der ArbeiterInnen und<br \/>\n      Kleinb&#228;uerInnen zu verwirklichen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36,37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14094"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14094"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14094\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14094"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14094"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14094"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}