{"id":14087,"date":"2011-02-04T10:00:00","date_gmt":"2011-02-04T10:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14087"},"modified":"2011-02-04T10:00:00","modified_gmt":"2011-02-04T10:00:00","slug":"14087","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/02\/14087\/","title":{"rendered":"Solidarit&#228;t mit der Revolution in &#196;gypten, Tunesien, Jordanien, &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>  Weg mit Mubarak und dem gesamten Regime &#8211; jetzt sofort! Schluss mit der   Herrschaft von Banken, Konzernen und korrupten Machthabern!<\/p>\n<p>  (Flugblatt der SAV)<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <a href=\"\/media\/2011\/2011-02-04-massen-arabische-welt.pdf\">auch   als PDF<\/a><\/h4>\n<p>  Endlich ist der f&#252;nffache tunesische Milliard&#228;r Ben Ali gest&#252;rzt.   Endlich wankt der Despot Mubarak. Endlich haben die jahrzehntelang   unterdr&#252;ckten Massen in der arabischen Welt die Chance, ihr Geschick in   die eigenen H&#228;nde zu nehmen.<\/p>\n<p>  In atemberaubender Geschwindigkeit erfasst die &#8222;Tunis-ami&#8220;-Welle ein   Regime nach dem anderen. Tunesien, &#196;gypten, Jemen, Jordanien&#8230; &#220;berall   bieten Jugendliche, ArbeiterInnen, Erwerbslose und die verarmte   Bev&#246;lkerungsmehrheit bis an die Z&#228;hne bewaffneten Regimen die Stirn.   Damit ist schon viel erreicht &#8211; aber noch keine grundlegende Ver&#228;nderung   der Verh&#228;ltnisse gesichert.<\/p>\n<h4>  &#8222;Brot und Freiheit&#8220;<\/h4>\n<p>  Die Lebensbedingungen in Nordafrika k&#246;nnen niemand kalt lassen. Der   Ausgangspunkt f&#252;r die Revolution in Tunesien sagt alles: V&#246;llig   verzweifelt z&#252;ndete sich Mohamed Bouazizi am 17. Dezember in der Stadt   Sidi Bouzid selber an. Warum? Er hatte studiert, keinen Job gefunden und   schlug sich als Gem&#252;seh&#228;ndler durch. Als die Polizei dann seine Waren   konfiszierte, wusste er nicht mehr weiter. Dieser individuelle   Verzweiflungsakt schlug in kollektive Gegenwehr um, die Menschen in Sidi   Bouzid &#252;berwanden ihre Angst und l&#246;sten einen Fl&#228;chenbrand aus.<\/p>\n<p>  Als in Algerien Zucker und Speise&#246;l auf einen Schlag um 20 Prozent   teurer wurden, begann zum Jahresanfang eine Hungerrevolte, die sich auf   die ganze Region ausbreitete. In der jordanischen Hauptstadt Amman   gingen die Menschen f&#252;r &#8222;Brot und Freiheit&#8220; auf die Stra&#223;e.<\/p>\n<p>  Laut Weltbank ist jeder dritte &#196;gypter arbeitslos. Die meisten   Jugendlichen haben keine Perspektive. 40 Prozent der Bev&#246;lkerung leben   in Armut. Gleichzeitig werden demokratische Rechte mit F&#252;&#223;en getreten.   Seit 1982 kommandiert Mubarak die zehntst&#228;rkste Armee der Welt.<\/p>\n<h4>  Nicht nur K&#246;pfe austauschen, sondern die alten Machtstrukturen komplett   beseitigen<\/h4>\n<p>  Ben Ali ist gest&#252;rzt, aber Angeh&#246;rige seines Clans sind weiter an der   Macht: in der Regierung, im Milit&#228;r, im Polizeiapparat, in den   Chefetagen. Wenn in Tunesien und in den Nachbarl&#228;ndern nur die alten   Despoten ausgewechselt werden, dann wird sich nichts grundlegend &#228;ndern.<\/p>\n<p>  In &#196;gypten k&#246;nnte Mubarak schon bald zur&#252;cktreten. Wenn aber   Vizepr&#228;sident Omar Suleiman ans Ruder kommen sollte, dann hat der eigens   von Mubarak auserkorene Stellvertreter und langj&#228;hriger Chef des   gef&#252;rchteten Geheimdienstes Mukhabarat das Sagen. Wenn &#8211; mit oder ohne   Suleiman an der Spitze &#8211; das Milit&#228;r &#8222;&#252;bergangsweise&#8220; die Macht   &#252;bernehmen sollte, dann wird es nur einen &#8222;&#220;bergang&#8220; vom Volksaufstand   zur&#252;ck zur alten Ordnung geben. Schlie&#223;lich kommen Mubarak und auch sein   Vorganger Sadat aus der Armee.<\/p>\n<p>  Es geht nicht um einzelne K&#246;pfe, sondern um die herrschenden Strukturen.   In &#196;gypten und in ganz Nordafrika existieren &#246;bsz&#246;ner Reichtum auf der   einen und unermessliche Armut auf der anderen Seite. Es ist eine kleine   Minderheit, der die Konzerne und Banken geh&#246;ren und die &#252;ber den   Staatsapparat bestimmt. Diese haben sich mit den multinationalen   Unternehmen und m&#228;chtigen Regierungen in den USA und anderswo arrangiert   &#8211; um den Reichtum der Region auf Kosten der ausgebeuteten Massen   pl&#252;ndern zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Auch ein Mohamed El-Baradei will daran nichts &#228;ndern. Das gilt ebenfalls   f&#252;r die Muslimbruderschaft, die die Protestbewegung anfangs sogar   ablehnte.<\/p>\n<h4>  Merkel und Obama &#8211; auch an ihren H&#228;nden klebt Blut<\/h4>\n<p>  Auf die Regierungen in den USA oder Europa k&#246;nnen die Millionen, die   sich jetzt erheben, nicht bauen. Der franz&#246;sische Pr&#228;sident Nicolas   Sarkozy bot Ben Ali, kurz bevor dieser die Flucht antreten musste, noch   die eigenen Polizei-Sondereinheiten zur Hilfe an. Die USA hat dem   Mubarak-Regime Jahr f&#252;r Jahr zwei Milliarden Dollar &#252;berwiesen &#8211; 1,3   Milliarden davon zur Aufr&#252;stung der &#228;gyptischen Armee. Und die   Bundesregierung? Diese hat seit dem Jahr 2000 R&#252;stungsexporte nach   &#196;gypten im Wert von &#252;ber 270 Millionen Euro geliefert.<\/p>\n<p>  F&#252;r die USA und die EU war Mubarak ein jahrelanger Verb&#252;ndeter in der   Region &#8211; auch um die unterdr&#252;ckten Pal&#228;stinenser in Schach zu halten und   den Regierenden in Israel den R&#252;cken zu st&#228;rken.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend viele Jugendliche und Besch&#228;ftigte hier begeistert dar&#252;ber sind,   dass die benachteiligten Menschen in der arabischen Welt sich zur Wehr   setzen, sieht der Chef des Energiekonzerns E.ON, Johannes Teyssen, das   ganz anders. Er warnte davor, &#8222;nun einen Fl&#228;chenbrand in den arabischen   L&#228;ndern herbeizureden&#8220; (&#8222;Welt Online&#8220; vom 31. Januar). Nat&#252;rlich, weil   es ihm und seinen Freunden in den Vorst&#228;nden von Daimler und Co. nur   darum geht, Profit zu machen. Sie alle haben Werke in &#196;gypten: BASF,   BMW, RWE&#8230; Und sie haben lange die Augen verschlossen vor der   Repression.<\/p>\n<h4>  F&#252;r Selbstverteidigung und Generalstreik<\/h4>\n<p>  Die ArbeiterInnen und verarmten Massen k&#246;nnen sich nicht auf   irgendwelche &#8222;Reformer&#8220; in den alten Regimen oder auf pro-westliche   Politiker verlassen. Auf ihre eigene Kraft vertrauend haben sie viel   mehr erreicht. Sie haben Ben Ali gest&#252;rzt und die Herrscher in &#196;gypten,   im Jemen und anderswo ins Wanken gebracht. Jetzt gilt es daf&#252;r zu   k&#228;mpfen, dass ihnen ihre Revolution nicht gestohlen wird.<\/p>\n<p>  Es ist beeindruckend, wie in Tunesien Tausende von &#8222;B&#252;rgerwehren&#8220; und   Nachbarschaftskomitees entstanden sind, um sich gegen die Gewalt der   Polizei, gegen Pl&#252;nderer und regimetreue Schl&#228;gertrupps zu sch&#252;tzen. Ein   &#228;hnliches Bild bietet sich in &#196;gypten. Auf dem Tahrir-Platz werden   medizinische Versorgung, Verpflegung und kollektive Diskussionen   organisiert. Diese Ans&#228;tze sollten ausgebaut werden. Die Nachbarschafts-   oder Selbstverteidigungskomitees genauso wie betriebliche Strukturen   sollten auf allen Ebenen weiterentwickelt und miteinander vernetzt   werden &#8211; um sich gegen die Repression zu sch&#252;tzen &#8211; und um die Macht zu   erobern, Wahlen zu einer revolution&#228;ren verfassungsgebenden Versammlung   durchzuf&#252;hren und die Grundlage f&#252;r eine Regierung von ArbeiterInnen und   der verarmten Bev&#246;lkerungsmehrheit zu schaffen. Alle VertreterInnen   sollten jederzeit abw&#228;hlbar sein und keine Privilegien bekommen. Auch in   der Polizei und in der Armee m&#252;ssen solche Komitees aufgebaut und die   alten Befehlshaber verjagt werden.<\/p>\n<p>  Die entscheidende Kraft liegt in den Betrieben. Die Generalstreiks in   Tunesien und die Arbeitsniederlegungen in &#196;gypten haben die Machthaber   an die Wand gedr&#252;ckt. Damit die Revolution in &#196;gypten erfolgreich   weitergef&#252;hrt werden kann, ist ein unbefristeter Generalstreik zum Sturz   des ganzen Regimes zentral. Wenn der Suez-Kanal bestreikt wird, dann ist   der &#214;l-Transport lahmgelegt. Wenn die Hafenarbeiter und die   Besch&#228;ftigten im &#214;ffentlichen Dienst streiken, dann zeigt sich, wer das   &#246;ffentliche Leben tats&#228;chlich tagt&#228;glich organisiert. Daf&#252;r sollten in   allen Betrieben Komitees aufgebaut werden. Au&#223;erdem ist es n&#246;tig, die   Ans&#228;tze f&#252;r den Aufbau unabh&#228;ngiger Gewerkschaften weiterzuf&#252;hren.<\/p>\n<h4>  Kapitalismus st&#252;rzen &#8211; Sozialismus erk&#228;mpfen<\/h4>\n<p>  Es gibt jetzt die reale Chance, Presse- und Meinungsfreiheit, das   Streikrecht, gewerkschaftliche Rechte, ein Ende der Diskriminierung von   Frauen, gut bezahlte Arbeitspl&#228;tze und Bildung und Soziales f&#252;r alle zu   erk&#228;mpfen. Dazu reicht es jedoch nicht, die alten Machthaber in die   W&#252;ste zu schicken. Auf kapitalistischer Basis wird es &#8222;Brot und   Freiheit&#8220; f&#252;r alle nicht geben. Selbst in den reichsten L&#228;ndern der Welt   hat der Kapitalismus uns heute nichts mehr anzubieten. Die   Weltwirtschaftskrise hat zum Beispiel dazu gef&#252;hrt, dass in den USA neun   Millionen ArbeiterInnen entlassen wurden. In Deutschland und ganz Europa   droht derzeit ein massiver Bildungs- und Sozialabbau.<\/p>\n<p>  Darum gilt es jetzt in Nordafrika, den revolution&#228;ren Schwung zu nutzen,   nicht nur die Stra&#223;e, sondern auch die Betriebe zu erobern. Der Reichtum   der Region darf nicht l&#228;nger einer kleinen Minderheit zu gute kommen.   Wirtschaft und Staat sollten von den unterdr&#252;ckten Massen &#252;bernommen,   die Unternehmen verstaatlicht und demokratisch geplant werden (nicht wie   im Ostblock, wo eine privilegierte B&#252;rokratie sich an die Spitze   schwang, und diktatorisch herrschte).<\/p>\n<p>  F&#252;r eine sozialistische F&#246;deration der Staaten in Nordafrika, mit   umfassenden demokratischen Rechten f&#252;r alle religi&#246;sen oder ethnischen   Minderheiten! F&#252;r den Aufbau von Arbeiterparteien! F&#252;r den Aufbau einer   starken sozialistischen Kraft, um international f&#252;r diese Ideen   einzutreten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Weg mit Mubarak und dem gesamten Regime &#8211; jetzt sofort! 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