{"id":14084,"date":"2011-02-01T19:00:00","date_gmt":"2011-02-01T19:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14084"},"modified":"2011-02-01T19:00:00","modified_gmt":"2011-02-01T19:00:00","slug":"14084","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/02\/14084\/","title":{"rendered":"Massendemonstrationen in Kairo und Alexandria"},"content":{"rendered":"<p>  Protestierende verlangen das Ende von Mubarak und seinem Regime<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>Gek&#252;rzte &#220;bersetzung eines Artikel von socialistworld.net<\/i><\/h4>\n<p>  In Kairo, Alexandria und anderen &#228;gyptischen St&#228;dten fanden heute   Massendemonstrationen statt, um das Mubarak-Regime zu st&#252;rzen. Mit den   Massenprotesten diese Woche sind alle Banken und Gesch&#228;fte des Landes   geschlossen, die Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen.<\/p>\n<p>  Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Berichts sind rund 2 Millionen   Menschen in Kairo versammelt und zeigen damit ihre St&#228;rke. Sie wurden   ermutigt durch die Stellungnahme des Milit&#228;rs &#8211; der zehntgr&#246;&#223;ten Armee   weltweit &#8211; das es nicht gegen die Demonstrationen vorgehen wird. Dies   war ein harter Schlag f&#252;r das Mubarak-Regime. Auch die USA, eine der   engsten Verb&#252;ndeten des Regimes, haben sich von Mubarak distanziert und   verlagen einen &#8222;geordneten &#220;bergang&#8220; und &#8222;freie und gerechte Wahlen&#8220;.<\/p>\n<h4>  &#8222;Geh! Geh! Geh!&#8220;<\/h4>\n<p>  Mubarak hat noch versucht mit einer Regierungsumbildung seinen Kopf zu   retten. Sein neuer Vize-Pr&#228;sident Omar Suleiman sprach davon, dass er   &#8222;partei&#252;bergreifende Gespr&#228;che&#8220; f&#252;hren will. Aber f&#252;r die Massen ist   dies zu wenig und zu sp&#228;t. Ein junger Demonstrant dr&#252;ckte dies wie folgt   aus: &#8222;Wir wollen, dass Mubarak und seine M&#228;nner gehen. Alles andere   reicht nicht!&#8220;<\/p>\n<p>  &#196;gypten steht an einem Wendepunkt. Seit mehr als einer Woche finden   Massenproteste im Land statt, die ein Ende der 30-j&#228;hrigen Herrschaft   Hosni Mubaraks fordern. Die Protestierenden k&#228;mpfen f&#252;r demokratische   Rechte, Arbeit, geringere Lebensmittelpreise und Ende von Korruption und   Repression. Sie haben das Regime Mubaraks durch und durch ersch&#252;ttert   und damit die Herrschenden in Washington und London alarmiert, deren   wichtigster Verb&#252;ndeter in der Region &#196;gypten ist.<\/p>\n<p>  ArbeiterInnen, Studierende, Mittelschichten und Arme, selbst Richter,   haben sich gemeinsam auf die Stra&#223;e begeben. Tagelang widerstanden sie   der Polizeibrutalit&#228;t. Mehr als 150 Menschen wurden get&#246;tet, tausende   verletzt. Dennoch sandten Hunderttausende &#196;gypter eine klare Botschaft   aus: &#8222;Geh! Geh! Geh!&#8220;<\/p>\n<p>  In St&#228;dten wie Alexandria und Suez hat die Bewegung den Charakter eines   Aufstands angenommen. Polizei und Sondereinheiten mussten sich aus   Teilen der St&#228;dte zur&#252;ckziehen.<\/p>\n<p>  In einigen Teilen des Landes sehen wir, dass die Menschen selber die   Kontrolle &#252;bernommen haben. Protestierende haben sich instinktiv mit   einfachen Soldaten verb&#252;ndet. Mubarak h&#228;ngt noch an der Macht, als diese   Zeilen ver&#246;ffentlicht werden. Es ist immer noch nicht ausgeschlossen,   dass er um seine Macht zu verteidigen ein Blutbad anrichten wird. Aber   wenn Mubarak dies versucht, werden die Konsequenzen in &#196;gypten und der   gesamten Region gewaltig sein.<\/p>\n<p>  Die Stellungnahme der Armeef&#252;hrung macht deutlich, dass diese sich nun   als &#8222;Vermittler&#8220; zwischen Mubarak und den Massen zu pr&#228;sentieren und   einen &#8222;geordneten &#220;bergang&#8220; zu gew&#228;hrleisten versucht. Damit will sie   die Interessen der gesamten herrschenden Klasse, ohne Mubarak, sichern.<\/p>\n<p>  Die Massen bewegen sich, um Mubarak aus dem Amt zu jagen, w&#228;hrend die   herrschenden Eliten versuchen sich neu zu organisieren, m&#246;glicherweise   um eine neue &#8222;Regierung&#8220; gr&#252;nden zu k&#246;nnen, die ihre Interessen vertritt.<\/p>\n<p>  Bisher sind alle Versuche des Mubarak-Regimes, die Massen   einzusch&#252;chtern, gescheitert. Auch die Warnung, dass eine Ende des   Mubarak-Regimes nur noch gr&#246;&#223;eres Chaos und Instabilit&#228;t bedeuten   wurden, brachte keinen Erfolg. In einigen Gebieten kam es zu   Pl&#252;nderungen. Aber die Antwort der Massen war die Bildung von   Selbstverteidigungskomitees.<\/p>\n<p>  In einer solchen Situation m&#252;ssen solche Komitees demokratisch   organisiert werden und in allen Stadtvierteln, Betrieben, Schulen und   Universit&#228;ten aufgebaut werden.<\/p>\n<p>  Das Mubarak-Regime war der gr&#246;&#223;te Empf&#228;nger von Geldzuweisungen der USA   in der Region. Damit wurde ein enormer Unterdr&#252;ckungsapparat finanziert.   Mubarak war ein Z&#246;gling der US-Politik in der Region. Seine Aufgabe war   unter anderem die Bewachung des Gaza-Streifens zu &#252;bernehmen und   Allierter gegen den Iran sein. In Washington gibt es die Sorge, dass ein   Nach-Mubarak-&#196;gypten, m&#246;glicherweise unter Einbeziehung der   Muslimbruderschaft, nicht so folgsam sein wird.<\/p>\n<p>  Die westlichen Staaten haben akzeptiert, dass ein Wechsel in &#196;gypten   unvermeidlich ist. Sie wollen aber nicht, dass dies durch eine   Massenbewegung geschieht, da dies ein Signal in die gesamte Region   senden w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Hillary Clinton, die noch vor kurzem das Mubarak-Regime als &#8222;stabil&#8220;   bezeichnete, spricht nun von einem &#8222;geordneten &#220;bergang&#8220;. Damit meint   sie die Wahrung der Interessen des US-Imperialismus in der Region.<\/p>\n<p>  Unter der &#8222;F&#252;hrung&#8220; von Washington stehend, kann eine   &#8222;&#220;bergangsregierung&#8220; gebildet werden. Dabei werden auch einige kleinere   pro-kapitalistische Oppositionsparteien eingebunden werden, die   keinerlei Massenunterst&#252;tzung haben. M&#246;glicherweise bleibt Mubarak auch   formal im Amt, w&#228;hrend Suleiman mehr Vollmachten bekommt. Wird Mubarak   aus dem Amt gejagt, kann zum Beispiel Mohammed El-Baradei einer   &#8222;&#220;bergangsregierung&#8220; vorstehen, die alles in allem aber dennoch   pro-westlich und pro-kapitalistisch sein wird.<\/p>\n<p>  Die gr&#246;&#223;te Oppositionskraft, die Muslimbruderschaft, hat erst sp&#228;t die   Proteste unterst&#252;tzt. Sie haben nun El-Baradei den Auftrag gegeben, mit   Mubarak und der Armee zu verhandeln und dann eine Regierung zu bilden.<\/p>\n<p>  Die Tatsache, dass die Massenbewegung bisher einen nicht-religi&#246;sen   Charakter hat, zeigt das Potential f&#252;r eine sozialistische Alternative.   Aber eine solche Massenkraft muss noch aufgebaut werden. In Abwesenheit   einer solchen Alternaive k&#246;nnen andere Kr&#228;fte, wie die   Muslimbruderschaft, Erfolge erzielen.<\/p>\n<p>  Die Massenbewegung zeigt Elemente eines Aufstands. In seiner ersten   Phase, nach Jahrzehnten von Diktatur, ist es verst&#228;ndlich, dass   demokratische Forderungen im Vordergrund stehen. Noch hat die   Arbeiterklasse der Bewegung nicht in ihren Stempel aufgedr&#252;ckt. Dazu   w&#228;re auch eine Arbeitermassenpartei mit einem sozialistischen Programm   notwendig.<\/p>\n<p>  Das Ende des Mubarak-Regimes w&#228;re ein gro&#223;er Schritt nach vorne f&#252;r die   arbeitenden Menschen in &#196;gypten. Aber das allein reicht nicht, um ihr   Bed&#252;rfnis nach einem besseren Leben zu stillen. Ein sozialistisches   Programm von Verstaatlichungen aller Banken und Gro&#223;konzerne unter   demokratischer Arbeiterkontrolle w&#252;rde die Basis daf&#252;r legen, dass die   Ressourcen &#196;gyptens mit einer geplanten Wirtschaft im Interesse der   Mehrheit eingesetzt w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Das Potential f&#252;r Massenbewegungen in der gesamten Region wurde mit der   Bewegung in Tunesien entfacht. Die Herrschenden in Nordafrika und dem   Nahen Osten sind in gro&#223;er Sorge vor Massenprotesten. Wir sehen diese   bereits in Jemen, Jordanien, dem Sudan, Syrien, Lybien und anderswo. Ein   Regime nach dem anderen wird zu Zugest&#228;ndnissen gezwungen, vor allem bei   den Preisen f&#252;r Lebensmittel. In der gesamten Region werden wir noch f&#252;r   eine lange Zeit eine Fortsetzung von Protesten sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Protestierende verlangen das Ende von Mubarak und seinem Regime\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14084"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14084"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14084\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14084"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14084"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14084"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}