{"id":14083,"date":"2011-02-01T05:00:00","date_gmt":"2011-02-01T04:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14083"},"modified":"2012-07-02T18:45:15","modified_gmt":"2012-07-02T16:45:15","slug":"14083","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/02\/14083\/","title":{"rendered":"Albanien: Trotz Terror und Gewalt Massenerhebung"},"content":{"rendered":"<p>  <i>von Max Brym<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die Ereignisse in Tirana vom 21. Januar ersch&#252;ttern nach wie vor die   albanische &#214;ffentlichkeit. Die &#8222;Sozialistische Partei&#8220; (SP) unter Edi   Rama hatte zum Protest gegen die Regierung Berisha aufgerufen. Die   300.000 Menschen, welche auf die Stra&#223;e gingen, taten dies, um ihr   soziales Elend zu beseitigen und die Freiheit zu erleben.<\/b><\/p>\n<h4>  <b>Armut und Massenarbeitslosigkeit<\/b><\/h4>\n<p>  Albanien hat nach Kosova den schlechtesten Lebensstandard in Europa.   Gro&#223;e Teile der albanischen Arbeiter gehen nach Griechenland, um dort   als Billigarbeiter eingesetzt zu werden. Die offizielle Zahl der   Arbeitslosen, angegeben mit 16 %, ist ein schlechter Witz &#8211; in   Griechenland gibt es 500.000 albanische Migranten. Viele Arbeitslose,   vor allen Dingen Jugendliche, haben es aufgegeben, sich bei den   Arbeits&#228;mtern zu melden. Die Armut und die Not dominieren das Leben in   Albanien.<\/p>\n<p>  Der Protest am Freitag, den 21. Januar war absolut gerechtfertigt.   Einige Tage vor der Demonstration brachte eine Fernsehsendung das Fass   zum &#252;berlaufen. In einer Sendung wurde Au&#223;enminister lir Meta dabei   gezeigt, wie er 700.000 Euro kassierte wegen dem Verkauf eines   Wasserkraftwerkes.<\/p>\n<h4>  <b>Berisha und Rama<\/b><\/h4>\n<p>  Dennoch sollten die Massen offiziell nur Spieler auf einem Schachbrett   bleiben. Zwei korrupte Parteien stehen sich in Albanien gegen&#252;ber: der   Berisha-Clan und der Clan um Edi Rama. Beide politischen Parteien stehen   f&#252;r Neoliberalismus, Privatisierung und Korruption.<\/p>\n<p>  Berisha sieht sein Land auf dem Weg nach Europa. Dies sieht in der   Realit&#228;t so aus: Die ausl&#228;ndischen Investoren in Albanien zahlen   keinerlei Steuern, die ausl&#228;ndischen Kapitalisten genie&#223;en den Status   der Immunit&#228;t. Ergo kein Arbeitsgesetz, keinerlei Mindestlohn, keinerlei   Tarifvertrag existiert in diesen Fabriken. Die internationalen   Kapitalisten m&#252;ssen keinerlei Staatskontrolle in Betriebsangelegenheiten   bef&#252;rchten. Sie genie&#223;en diplomatische Immunit&#228;t. Nachdem dies   gesetzlich unter Dach und Fach war, kamen viele italienische   Textilfabrikanten ins Land.<\/p>\n<p>  Zudem soll in der N&#228;he von Vlora ein italienisches AKW gebaut werden.   Der Atomkraftwerksbetreiber hat in Italien Probleme wegen Verst&#246;&#223;en   gegen die dortigen Sicherheitsauflagen.Daraufhin beschloss das   Unternehmen, das AKW nach Albanien zu verlagern. Allerdings gibt es   zahlreiche Initiativen im Raum Vlora ,welche gegen das Atomkraftwerk   k&#228;mpfen.<\/p>\n<h4>  <b>&#8222;Sozialistische Partei&#8220; &#8211; b&#252;rgerliche Opposition<\/b><\/h4>\n<p>  Jetzt zur&#252;ck nach Tirana, wo die Polizei bei der Demonstration der   &#8222;Sozialistischen Partei&#8220; am 21. Januar drei Personen erschoss. Es sei   aber darauf verwiesen, dass auch die &#8222; Sozialistische Partei&#8220; keine   Alternative darstellt. Eine gro&#223;e Zahl ihrer Abgeordneten sind   Gesch&#228;ftsleute. Der Publizist Lulzim Hoxha schrieb auf der linken   Website &#8222;Saktavista&#8220; (die dem Institut Antonio Gramsci nahesteht) einen   Artikel unter der &#220;berschrift: &#8222;Ein Schlag ins Gesicht der rotierenden   Diktatoren&#8220;. Damit meinte er, dass sich die Massen sowohl von Berisha   als auch von Edi Rama trennen werden. In der Tat, seit 1997 wechseln   sich &#8222;Sozialisten&#8220; und &#8222;Demokraten&#8220; in der Regierung ab. Beide machen   jeweils die gleiche Politik, wobei Berisha noch durchsichtiger seine   komplette Familie profitieren l&#228;sst. Von Lulzim Hoxha stammt auch ein   Artikel, in dem er in der &#220;berschrift vom &#8222;verdrehten Willen zur   Freiheit&#8220; schreibt. Damit meint er die beginnende Rebellion in Albanien,   welche sich allerdings von beiden Lagern l&#246;sen muss. Lulzim Hoxa   schreibt weiter: &#8222;Die Politiker sind Verbrecher! Nieder mit dem   Klientelsystem! Vorw&#228;rts gegen Elend und Not! F&#252;r die Freiheit!&#8220;<\/p>\n<h4>  <i>von wem geht Gewalt aus?<\/i><\/h4>\n<p>  In &#8222;Saktavista&#8220; stellt Arb&#235;r Zaimi (Mitglied vom Institut Antonio   Gramsci) am 22. Januar, dem Tag nach den Ereignissen in Tirana, die   Frage: &#8222;Welche Gewalt ist legitim?&#8220; Diese Frage hat nicht nur mit   Albanien und Kosova zu tun, sondern sie ist nach Zaimi eine   &#8222;internationale Frage&#8220;. Am Anfang seines Artikels schreibt Zaimi:   &#8222;Gestern und heute brachten Analysten, Kolumnisten, Medienleute,   Politiker, internationale Journalisten ihre abgestandenen Formeln vor,   wonach Gewalt, die R&#252;ckst&#228;ndigkeit der albanischen Nation demonstriere.&#8220;   In der Tat, diese Meute hat immer dieselben Argumente. Die Leute, welche   abstrakt von &#8222;Demokratie&#8220; in Albanien reden, reden nach Arb&#235;r Zaimi   dummes Zeug. Zaimi schreibt: &#8222;Am 21. Januar war die genuine Auff&#252;hrung   der Demokratie. Dieser Akt war der ehrlichste Akt in den letzten 20   Jahren.&#8220;<\/p>\n<h4>  Wer demonstrierte am 21. Januar?<\/h4>\n<p>  Es gibt bez&#252;glich des 21. Januar das banale Argument, dass nur Leute von   der &#8222;Sozialistischen Partei&#8220; protestiert h&#228;tten. Nichts ist aber weniger   wahr als diese Behauptung. Auch wurden keine Drogenh&#228;ndler, Kriminelle   usw. gesichtet. Auf der Stra&#223;e waren zumeist einfache Menschen, denen   Gewalt widerfuhr. Arb&#235;r Zaimi schreibt dazu: &#8222;Ich war unter den   Demonstranten, ich war nie ein Mitglied der SP. Ich bin kritisch   gegen&#252;ber der Partei-Elite der SP einschlie&#223;lich Rama. Ich habe keine   Vorstrafen, die Hygiene meiner Kopfhaut hat die besten Werte seit meiner   Kindheit.&#8220; Kurz zusammengefasst: Die Leute von der PD l&#252;gen, um den   staatlichen Terror zu legitimieren.<\/p>\n<p>  Wieder Arb&#235;r Zaimi: &#8222;Die Geometrie der Logik ist keine Waffe, die gegen   Berisha, Meta, Basha, Patozi, Truma Olldashi verwendet werden kann.   Ebenso nicht gegen ihre servilen Medien. Auf der Demonstration waren   zumeist ungl&#252;ckliche Leute, Menschen, die aus den unteren sozialen   Schichten kommen, diese Menschen waren schlecht gekleidet, oft roch man   Alkohol, diese Leute haben keine Angst vor dem Gef&#228;ngnis.&#8220;<\/p>\n<p>  Diese Menschen wurden konfrontiert mit Gummikn&#252;ppeln von Polizisten mit   gepanzerten Westen. Diese sogenannten Unterklassen, die Proletarier,   wehrten sich. Diese Gewalt war gerechtfertigt und kann nicht mit dem   Staatsterror gleichgesetzt werden. Diese Menschen setzten sich zur Wehr.   Zu dieser &#8222;Gegengewalt&#8220; schreibt Zaimi: &#8222;Aber gerade diese elende Masse   verleiht der gesamten Veranstaltung gestern Legitimit&#228;t. Diese Menschen   sind verlassen, sie haben keine Nation, keine Arbeit, kein Brot, keine   Schule, kein Mindeststandard bez&#252;glich ihrer Lebensbedingungen, sie sind   eine hoffnungslose Masse, f&#252;r ein Versprechen gehen sie in den Tod.&#8220; Die   tyrannische Herrschaft in Albanien lie&#223; letztendlich auf diese Masse   schie&#223;en. Get&#246;tet wurden drei wertvolle Menschenleben.<\/p>\n<h4>  21. Januar: Rebellion gegen Unterdr&#252;ckung und Ausbeutung<\/h4>\n<p>  Die Gewalt ist hingegen das Recht der Menschen zum Aufstand. In dem   Artikel von Arb&#235;r Zaimi steht: &#8222;Rebellion gegen einen Tyrannen, der   routinem&#228;&#223;ig den Gesellschaftsvertrag verletzt, die Straflosigkeit der   T&#228;ter des Massakers von Gerdec, die Verbindung mit der Korruption,   welche unter der Regierung Berisha zur Routine geworden ist, ist legal.   Die fehlende Gerechtigkeit und Arbeitslosigkeit, die wirtschaftliche   Degeneration der Haushalte gegen&#252;ber dem bl&#252;henden Wohlstand von   Unternehmen ist die entscheidende Ursache f&#252;r den Massenprotest, die   besondere Ausbeutung in ausl&#228;ndische Unternehmen. In einem Wort, die   extreme Ungleichheit ist die Ursache der Gewalt.&#8220; Diese Aussage hat   entscheidende Bedeutung. Das System der Ausbeutung in Albanien, die   Hoffnungslosigkeit vieler Menschen, l&#228;sst sie vom Pfad der   &#8222;pazifistischen Tugend&#8220; abkommen, sie erheben sich gegen das   Unterdr&#252;ckungsregime.<\/p>\n<h4>  Aussichten<\/h4>\n<p>  &#8222;Was am 21. Januar in Tirana geschah, hat p&#228;dagogischen Wert, sie lehrt   allen, dass die Albaner noch protestieren und k&#228;mpfen k&#246;nnen. Sie, die   Menschen, werden sich unter einer anderen F&#252;hrung neuerlich erheben.&#8220;   Soweit nochmal Arb&#235;r Zaimi Diese Feststellung ist absolut richtig.   Albanien kommt nicht zur Ruhe. Am 21. Januar waren in Tirana 300.000   Menschen auf der Stra&#223;e in einer Stadt mit 600.000 Bewohnern. Die   Regierung Berisha versucht, mit diktatorischen Mitteln an der Macht zu   bleiben. Premierminister Berisha setzte die Generalstaatssekret&#228;rin   Albaniens ab mit der merkw&#252;rdigen Begr&#252;ndung: &#8222;Diese Frau war an einem   Staatstreich beteiligt.&#8220; In Wahrheit wollte sie die Befehlshaber der   Pr&#228;sidentengarde festnehmen lassen.<\/p>\n<p>  F&#252;r Freitag, den 28. Januar rief die &#8222;Sozialistische Partei&#8220; neuerlich   zu einem Protestmarsch in Tirana auf. Berisha hat zwar Ilir Meta fallen   lassen, aber nicht seine Pr&#228;sidentengarde. Gleichzeitig beginnt diese   Regierung damit, S&#228;uberungsaktionen im Staatsapparat vorzunehmen.<\/p>\n<p>  In den meisten Zeitungen des Landes werden die Demonstranten als   Drogendealer, Kriminelle und serbische Agenten tituliert. Einige   Zeitungen suchen gar nach griechischen und serbischen Genen bei dem Chef   der &#8222;Sozialistischen Partei&#8220; Edi Rama. Gleichwohl oder gerade deswegen   stehen Tirana hei&#223;e Tage bevor.<\/p>\n<h4>  <b>Quelle: <a href=\"http:\/\/saktivista.com\/2011\/01\/cila-dhune-ishte-legjitime\/\">http:\/\/saktivista.com\/2011\/01\/cila-dhune-ishte-legjitime\/<\/a><\/b><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <i>von Max Brym<\/i>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14083"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14083"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14083\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14083"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14083"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14083"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}