{"id":14079,"date":"2011-01-28T15:00:00","date_gmt":"2011-01-28T15:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14079"},"modified":"2011-01-28T15:00:00","modified_gmt":"2011-01-28T15:00:00","slug":"14079","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/01\/14079\/","title":{"rendered":"Tunesien: &quot;Karawanen&quot; der Revolution n&#228;hern sich Tunis"},"content":{"rendered":"<p>  Das Milit&#228;r gibt den Befehl die Stra&#223;en zu blockieren, als die Polizei   sich der Bewegung anschlie&#223;t &#8211; Augenzeugenbericht eines CWI Reporter in   Tunis vom 25.01.2011<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>In dem Moment, als wir diesen neuen Bericht &#252;ber die Entwicklungen   der tunesischen Revolution ver&#246;ffentlichen wollten, werden Szenen   wachsenden Widerstands gegen die &#8222;&#220;bergangs&#8220;-Regierung aus den Stra&#223;en   von Tunis &#252;bertragen. Das Milit&#228;r wurde beordert, die Karawanen von   Demonstranten, die sich aus allen m&#246;glichen Teilen des Landes der   Hauptstadt n&#228;herten, um der wankenden Ghannouchi-Regierung, die Macht   aus den H&#228;nden zu rei&#223;en, zu blockieren. Die Demonstranten, die bereits   am Sonntag angekommen waren, verbrachten die ganze Nacht vor   Regierungsgeb&#228;uden, trotz der ausgerufenen<\/i> <i>Sperrstunde. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Nachdem wichtige Teile der Polizei sich der Bewegung angeschlossen   haben, soll nun das Milit&#228;r die &#8222;dreckige Arbeit&#8220; f&#252;r das &#228;ngstliche   Regime verrichten. Trotz General Rachid Ammars Behauptung, dass &#8222;die   Armee die Revolution besch&#252;tzen wird&#8220; sollte die Bewegung einen   deutlichen Appell an die Soldaten richten, die Revolution zu   unterst&#252;tzen. Sie sollten aufgefordert werden, die Bildung eigener   gew&#228;hlter Komitees, das Recht auf Befehlsverweigerung und auf die Wahl   der<\/i> <i>Vorgesetzten zu fordern. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Das &#8222;&#220;bergangs-Regime&#8220; ordnete an, die Schulen ab Montag wieder zu   &#246;ffnen; doch die Lehrer begannen sofort mit einer erfolgreichen   Streikaktion. Die Beteiligung lag bei 100 Prozent in Medenine, Sidi   Bouzid, Kasserine, Beja, Jendouba and Kairouan, 90 Prozent in Zaghouan   (nahe Tunis), wo es keine Gewerkschaftstradition gibt und eine solide   Beteiligung gab es auch in der Hauptstadt. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Der &#220;bergangsregierung wird sehr wenig Vertrauen<\/i> <i>gegen&#252;ber   gebracht, trotz Ghannouchis Versprechen der Politik zu entsagen und die   herrschende Partei (RCD) aufzul&#246;sen. Sechs Monate ist eine zu lange Zeit   f&#252;r diejenigen, die die Revolution gemacht haben, um auf Wahlen f&#252;r eine   neue Regierung zu warten. Sie sollten das Recht haben, Repr&#228;sentanten   f&#252;r eine revolution&#228;re Versammlung zu w&#228;hlen, die entscheiden kann, wann   und wie Neuwahlen durchzuf&#252;hren sind und auch welches die Ziele der   neuen Regierung sein sollten. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Es kann jedoch keine Unterst&#252;tzung f&#252;r eine neue Regierung geben, die   lediglich darauf aus ist einige der<\/i> <i>unbeliebteren Figuren, die   mit der Ben Ali-&#196;ra in Verbindung standen, zu entlassen, um das   Fortbestehen des Kapitalismus sicher zu stellen. Auch sollte es keine   Unterst&#252;tzung f&#252;r eine Regierung geben, an der Personen und   Organisationen beteiligt sind, die<\/i> <i>der sogenannten &#8222;Opposition&#8220;   (innerhalb sowie au&#223;erhalb Tunis) angeh&#246;ren, auch wenn sie sich als   &#8222;links&#8220; bezeichnen, wenn diese nicht das System in Frage stellen und   argumentieren, dass man zuerst Demokratie etablieren m&#252;sse. Denn auf der   Basis von Kapitalismus und unter der Vorherrschaft von imperialistischen   M&#228;chten wie Frankreich, die, auch in dem Moment, als sich eine   Massenbewegung in den Stra&#223;en gegen ihn formierte, auf der Seite Ben Alis<\/i>   <i>standen, kann keine echte und anhaltende Demokratie in Tunesien   erreicht werden. Die Idee, erst einmal eine &#8222;nationale demokratische   Revolution&#8220; gegen die Diktatur, auf der Basis einer kapitalistischen   Gesellschaft durchzuf&#252;hren, ist ein Irrtum. Es w&#252;rde die Arbeiterklasse   zur&#252;ckhalten und der herrschenden Klasse, sowie den imperialistischen   M&#228;chten Zeit verschaffen, um ihre Kontrolle &#252;ber das Land   wiederherzustellen und dessen Ausbeutung unbehelligt weiterzuf&#252;hren.<\/i><\/p>\n<p>  <i>Die Situatipon, dassArbeiter ihre Arbeitspl&#228;tze besetzen und ihre   Chefs &#8222;rausschmei&#223;en&#8220;, eigene Komitees errichten und in Richtung eines   Generalstreiks dr&#228;ngen, wirft viele wichtige Fragen auf. Eine Form von   Arbeiterkontrolle f&#228;ngt an sich zu entwickeln. Die Frage nach Besitz und   F&#252;hrung der verschiedenen Industrien und der Banken &#8211; nicht nur derer,   die mit der alten herrschenden Clique in Verbindung gebracht werden &#8211;   steht auf der Tagesordnung, neben der Notwendigkeit einer demokratischen   Kontrolle und F&#252;hrung durch die Arbeiter.<\/i><\/p>\n<p>  <i>Wie der nachstehende Augenzeugenbericht aufzeigt, entwickeln sich   Elemente einer sozialistischen Revolution. Eine sozialistische   Revolution, die in der Lage ist, das kapitalistische System umzuw&#228;lzen,   ist der einzige Weg aus der sozialen Misere, die Menschen zu solch   verzweifelten Taten zwang, wie sich selbst anzuz&#252;nden und die dann die   Massen zu revolution&#228;ren Aufst&#228;nden brachte, die jetzt &#252;berall in der   arabischen Welt aufflammen.<\/i><\/p>\n<p>  <i>Ein Verst&#228;ndnis f&#252;r die Notwendigkeit, das kapitalistische System   endg&#252;ltig zu &#252;berwinden muss sich innerhalb der arbeitenden Massen und   der Jugend erst noch entwickeln. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Illusionen in einen demokratischen Wandel ohne die soziale Basis der   Ben Ali-Diktatur zu ver&#228;ndern k&#246;nnten f&#252;r eine Weile eine fragile   Stabilit&#228;t schaffen und der alten herrschenden Elite Raum geben ihre   Macht zu<\/i> <i>erhalten. Nichtsdestotrotz werden diese in der Zukunft   zerschlagen werden. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Eine revolution&#228;re sozialistische Partei wird dringend gebraucht, um   sich f&#252;r die Angelegenheiten der Arbeiter und der armen   Bev&#246;lkerungsteilen einzusetzen und diese darin zu unterst&#252;tzen die Dinge   in die eigenen H&#228;nde zu nehmen. Die Komitees, die in den Fabriken<\/i>   <i>errichtet wurden, m&#252;ssen einen Weg finden sich regional und national   zu verkn&#252;pfen, Seite an Seite mit demokratisch gew&#228;hlten Repr&#228;sentanten   der UGTT (Gewerkschaften) und das auf allen Ebenen. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Wie der nachstehende Bericht argumentiert, wird dringend eine   demokratisch gew&#228;hlte Dringlichkeitskonferenz der UGTT gebraucht. Die   aktuelle Situation k&#246;nnte auf einer solchen gr&#252;ndlich<\/i>   diskutiert und Ma&#223;nahmen vorgeschlagen werden, um <i>die   Gewerkschaften auf demokratische Weise umzugestalten und diese von   Anf&#252;hrern zu befreien, die mit dem alten Regime verkn&#252;pft sind. Da, wo   Arbeiter darin blockiert werden, werden diese gezwungen sein, neue   demokratische Gewerkschaften aufzubauen, um f&#252;r ihre Interessen zu   k&#228;mpfen. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Nicht einmal die geringste Unterst&#252;tzung sollte den Ideen der   Gewerkschaften oder jedweden linken Parteien gegeben werden, die   Allianzen mit Parteien oder Organisationen, welche das privates Eigentum   und<\/i> <i>private Kontrolle an bzw. &#252;ber die Produktionsmitteln und die   Industrie erhalten wollen. Die Anf&#252;hrer der UGTT sollten unter Druck   gesetzt werden, einen sofortigen Generalstreik auszurufen, mit dem   vorrangigen Ziel die Regierung aus dem Amt zu hebeln und den Weg f&#252;r die   Etablierung einer Regierung bestehend aus Arbeitern und der armen   Bev&#246;lkerung, zu ebnen.<\/i><\/p>\n<h4>  <i>Redaktion von Socialistworld.net<\/i><\/h4>\n<p>  Die Jugend, die arbeitenden und arbeitslosen Massen in Tunesien haben   die &#196;ngste der Vergangenheit hinter sich gelassen und sich erhoben, um   das verhasste Ben Ali-Regime zu st&#252;rzen.<\/p>\n<p>  Die Geschwindigkeit mit der die Revolution in diesem einen Land   vorangeschritten ist, hat den Massen der ganzen Region vor Augen   gef&#252;hrt, wie wackelig der Boden tats&#228;chlich ist, auf dem die jeweiligen   grausamen Regime stehen.<\/p>\n<p>  Beliebte Witze in Tunesien zeigen dies besser als irgendetwas anderes:   &#8222;Wir sind so motiviert, lass uns Morgen gegen 09:00 Uhr nach Tripoli   aufmachen, um Gaddafi gegen 09:30, sp&#228;testens 10:00 Uhr, zu Fall zu   bringen und danach gehen wir zur&#252;ck, um unsere eigene Revolution   fortzuf&#252;hren!&#8220;<\/p>\n<p>  W&#228;hrend den j&#252;ngsten Protesten in Algier, trugen Personen die tunesische   Flagge und riefen: &#8222;Bouteflika und Ben Ali sind M&#246;rder!&#8220;, als ob sie   sagen wollten: &quot;Unsere tunesischen Br&#252;der und Schwestern haben es dort   gemacht, warum nicht auch hier?&quot;. Die Zeit zum Abrechnen ist gekommen!<\/p>\n<h4>  Ein Hauch von Freiheit<\/h4>\n<p>  Die tunesischen Massen haben vom einen auf den anderen Monat gelernt,   was zu verstehen manchmal ein Vierteljahrhundert dauert. Die Zuversicht   wird in ganz Tunesien aufrechterhalten und tendiert zu wachsen. Die   Stimmungslage in der Bev&#246;lkerung r&#252;hrt von dem Erfolg, durch spontane   Aufst&#228;nde, mit den blo&#223;en H&#228;nden, einen Diktator zu zwingen aus dem   eigenen Land zu fliehen. Dies gibt ein Gef&#252;hl der Unverwundbarkeit.   &#8222;Lasst uns realistisch sein, fordern wir das Unm&#246;gliche!&#8220; ist ein   Ausspruch den Ch&#233; Guevara, Anf&#252;hrer der kubanischen Revolution, einst   sagte. In Tunesien ist heute m&#246;glich geworden, was gestern noch   unm&#246;glich erschien. Ch&#233;s Bild wird dort von vielen jungen Leuten auf   ihren Pullovern oder als Banner in Demonstrationen getragen.<\/p>\n<p>  In der Hauptstadt Tunis liegt, als Resultat eines enormen Kampfes der   Massen, ein Hauch von Freiheit in der Luft &#8211;. trotz der Panzer und   Soldaten in den Stra&#223;en und der Helikopter, die t&#228;glich, immer und   andauernd &#252;ber die K&#246;pfe der Leute fliegen. &#8222;Die Menschen haben die Luft   von Freiheit geatmet und die Dinge haben sich ge&#228;ndert. Das ist eine   Revolution und nicht nur ein Aufstand&#8220;, sagte Hammady Ben Saleh, ein   Wartungsarbeiter, der in einer Zeitschrift zitiert wurde.<\/p>\n<p>  In der Tat kann die Revolution in den Stra&#223;en gesp&#252;rt werden. Der Autor   John Reed beschrieb in seinem ber&#252;hmten Buch &#252;ber die Russische   Revolution, &#8222;Zehn Tage, die die Welt ersch&#252;tterten&#8220;, wie &#8222;jede   Stra&#223;enecke einer &#246;ffentlichen Trib&#252;ne glich&#8220;. Heute stehen in Tunis   &#252;berall Gruppen von Menschen, die &#252;ber Politik diskutieren und ihre   Meinungen &#252;ber die aktuelle Lage austauschen. Durch die M&#246;glichkeit ihre   das erste Mal Meinung offen auszusprechen, f&#252;hlen sie sich zutiefst   verwandelt. B&#252;cherl&#228;den pr&#228;sentieren in ihren Schaufenstern B&#252;cher, die   w&#228;hrend der Ben Ali-&#196;ra verboten waren. Der Kanal des staatlichen   Fernsehens, der nur eine Woche zuvor, noch so aussah wie der   &#8222;Bildschirm&#8220; von George Orwell&#180;s bekanntem Roman &#8222;1984&#8220; und nur &#252;ber die   gro&#223;artigen Aktivit&#228;ten vom &#8222;Gro&#223;em Bruder&#8220;, Ben Ali und seiner Frau,   Bericht erstattete, berichtet nun ausf&#252;hrlich von der Revolution und den   Demonstrationen, die &#252;berall im Land von statten gehen.<\/p>\n<p>  Der revolution&#228;re Prozess betrifft nun tats&#228;chlich alle   gesellschaftlichen Ebenen. Untergrund-Rapper tragen &#246;ffentlich ihre   pr&#228;gnanten Texte gegen die Diktatur vor und die Menschen &#228;u&#223;ern   ausschweifend ihre Ansichten, nach Jahrzehnten voller Restriktionen und   Zensur. &#8222;Sous les pav&#233;s, les jasmins&#8220; (Unter dem Asphalt bl&#252;ht der   Jasmin&#8220;) war auf einem Banner auf einer Demonstration letzten Samstag in   Tunis zu lesen &#8211; eine Anspielung auf den ber&#252;hmten Slogan des   franz&#246;sischen revolution&#228;ren Mai im Jahr 1968: &#8222;Sous les pav&#233;s, la   plage&#8220; (Unter dem Asphalt ist der Strand&#8220;). Der Begriff   &#8222;Jasmin-Revolution&#8220; wird von einigen wenig inspirierten Kommentatoren   gebraucht, um die tunesische Revolution zu beschreiben.<\/p>\n<p>  Anti-RCD-Bilder florieren bei tausenden von Facebook-Profilen. Der   Gebrauch des Internet, um den Protest zu organisieren und zu publizieren   ist mittlerweile, vor allem unter jungen Leuten, sehr verbreitet. Das   bewegte die neue Regierung, die nach Ben Ali&#180;s Sturz eingerichtet wurde,   in einem versuch Akzeptanz zu finden, dazu Slim Amamou, einen bekannter   Blogger-Aktivisten, der eine Woche zuvor verhaftet wurde, aus dem   Gef&#228;ngnis zu entlassen und ihn dazu zu bewegen, sich die Haare zu   schneiden als neuer &quot;Staatssekret&#228;r f&#252;r Jugend und Sport&quot; in das neue   Kabinett einzutreten!<\/p>\n<h4>  &quot;D&#233;gage!&quot; (&#8222;Raus!&#8220;)<\/h4>\n<p>  Auf den Stra&#223;en Tunesiens ist ein zwiesp&#228;ltiges Gef&#252;hl zu sp&#252;ren: Zum   Einem, dass sich Alles und zum Anderen, dass sich Nichts ver&#228;ndert hat.   In der Tat: das Huhn l&#228;uft immer noch herum, obwohl ihm der Kopf   angeschnitten wurde. Die neue &#220;bergangsregierung, angef&#252;hrt von   Ministerpr&#228;sident Ghannouchi, in der alle Schl&#252;sselpositionen von   Anf&#252;hrern des alten Regimes besetzt sind (einschlie&#223;lich dem   Verteidigungsminister, Innenminister, Finanzminister und Au&#223;enminister)   befindet sich auf Messerschneide seit ihrer Amts&#252;bernahme. Ihre blo&#223;e   Existenz wird als eine Beleidigung der Revolution angesehen. Politiker,   die Blut an ihren Fingern kleben haben, haben es gewagt eine dreit&#228;tige   &#8222;nationale Trauer f&#252;r die M&#228;rtyrer der Revolution&#8220; auszurufen, was   unertr&#228;glich erscheint.<\/p>\n<p>  Die wenigen sogenannten &#8222;Oppositionsparteien&#8220;, die Ministerposten in   dieser Regierung akzeptiert haben &#8211; die PDP und Ettajdid &#8211; wurden in den   Stra&#223;en in &quot;opposition de carton&quot; (Pappkarton-Opposition) umbenannt und   jeder zus&#228;tzliche Tag, den sie als Teil dieser Regierung verbringen,   zerst&#246;rt ihre politische Zukunft. Doch ver&#228;ngstigt durch die   Massenbewegung, geh&#246;ren sie zu den Politikern, die bereit sind jede Art   von Kompromiss zu akzeptieren, um die kapitalistische Ordnung zu   stabilisieren, selbst wenn sie nur das 5. Rad am Wagen in der   Ghannouchi-Regierung sind.<\/p>\n<p>  Demonstrationen finden weiterhin t&#228;glich &#252;berall im Land statt und   fordern diese Regierung dazu auf, zu verschwinden (&#8222;d&#233;gager&#8220;). Letzten   Freitag demonstrierten mehrere tausend Menschen, ausgehend von der   gro&#223;en Allee Habib Bourguiba in Tunis. Hinzu kamen viele Einwohner auf   ihrem Weg zum Regierungsgeb&#228;ude. Dort angekommen konnte man Slogans   h&#246;ren, wie beispielsweise: &#8222;Stehlt nicht unsere Tr&#228;ume!&#8220;, &#8222;Lasst uns die   Revolution fortf&#252;hren!&#8220;, &#8222;Sie haben unseren Wohlstand gestohlen, aber   unsere Revolution werden sie uns nicht stehlen!&#8220;, &#8222;RCD raus, unsere   Bewegung geht weiter!&#8220;, &#8222;Raus, raus, raus ihr korrupten Leute!&#8220;.<\/p>\n<p>  Es gibt nicht eine Region in Tunesien, wo nicht t&#228;glich Proteste   stattfinden, um das Land von jeder letzten Spur des alten diktatorischen   Regimes zu befreien.<\/p>\n<p>  Wie das altes Sprichwort besagt: &#8222;Der Appetit kommt beim Essen&#8220;. Die   Massen, die eine enorme Schlacht gewonnen haben, sehen nicht ein, auf   halbem Weg aufzugeben und ihren Sieg von genau den Personen, die das   Land &#252;ber Jahre hinweg an Seite von Ben Ali beherrscht haben, in   Beschlag nehmen zu lassen. Sie machen dieser neuen selbsternannten   Regierung eine Kampfansage und wissen, dass wenn sie dieser die Macht im   Land &#252;berlassen, die Revolution ihre Substanz und Bedeutung genommen   w&#252;rde und die Gefahr best&#252;nde, in einen Zustand zur&#252;ckzufallen, den sie   so mutig bek&#228;mpft und mit dem Preis des eigenen Blutes bezahlt haben.<\/p>\n<p>  Seit nun einer Woche, hat diese Regierung alle m&#246;glichen Versuche   unternommen ihre Existenz gegen&#252;ber den Massen zu rechtfertigen, in dem   sie ein Zugest&#228;ndnis nach dem anderen macht. Am Freitag gab der   Ministerpr&#228;sident sogar ein Live-Interview im Fernsehen, und erkl&#228;rte   mit Krokodilstr&#228;nen in den Augen, er w&#228;re bereit sein politisches Amt   &#8222;in dem k&#252;rzesten nur m&#246;glichen Zeitrahmen&#8220; niederzulegen. &#8222;Wie alle   Tunesier&#8220;, so beteuerte dieser, &#8222;hatte er Angst unter Ben Alis   Herrschaft&#8220;. Allerdings war Ghannouchi nicht so ver&#228;ngstigt, als es   darum ging Abmachungen mit dem IWF zu treffen, Privatisierungen f&#252;r den   finanziellen Nutzen des Kapitals zu &#252;berwachen oder der Repression der   Bewegung zuzustimmen, vor der er nun vorgibt ihr politischer Arm zu sein.<\/p>\n<p>  Die Menschen wollen einen wirklichen Bruch mit der Vergangenheit. Ben   Ali hat ein riesiges Netz gesponnen, um jedes Zeichen von Opposition im   Land zu kontrollieren und zu unterdr&#252;cken. Jetzt wo die &#8222;Spinne&#8220;   geflohen ist, ist dieses Netz &#8211; zwar besch&#228;digt &#8211; aber immer noch da und   die Menschen sind entschlossen es loszuwerden. Zu dem Zeitpunkt, als   dieser Artikel geschrieben wurde erreichte die &#8222;Karawane der Freiheit&#8220;   aus den armen Regionen Tunesiens &#8211; dem zentralen Westen &#8211; wo die   Revolution ihren Lauf nahm &#8211; die Hauptstadt mit der Absicht die   Regierung zu st&#252;rzen. &#8222;Das Ziel der Karawane ist die Regierung zu Fall   zu bringen, vor allem die Minister der RCD&#8220;, erkl&#228;rte ein   Gewerkschafter, der sich an dem Marsch beteiligt hatte. Dieser setzte   sich aus tausenden Menschen aller Altersgruppen zusammen. &#196;hnliche   M&#228;rsche mit dem gleichen Ziel sind nun auch von anderen St&#228;dten des   Landes aus geplant.<\/p>\n<p>  Als die Regierung am Montag die Wiederer&#246;ffnung von Schulen und   Universit&#228;ten (die seit dem 10. Januar geschlossen worden waren, aus   Angst vor studentischer Agitation) veranlasste, muss sie sich seitdem   mit den unbefristeten Streikaktionen der Lehrer, auseinandersetzen. Die   Hauptforderung der Streikenden ist die Aufl&#246;sung der &#220;bergangsregierung.   Diese verhasste Regierung wird wohl nicht mehr lange existieren, vor   allem da mittlerweile Teile des Staatsapparates zerbr&#246;ckeln.<\/p>\n<h4>  Die Polizei schlie&#223;t sich der Revolution an.<\/h4>\n<p>  Auf der Demo in Tunis am letzten Freitag gab es ein beispielloses   Ereignis, das seine Bedeutung erst sp&#228;ter zeigte. Einige Polizisten   verbr&#252;derten sich mit den Demonstrierenden und erkl&#228;rten ihre   Unterst&#252;tzung f&#252;r die Revolution. Einige kletterten auf ihre eigenen   Mannschaftswagen oder &#8222;Salatk&#228;sten&#8220; und entschuldigten sich f&#252;r ihre   Rolle in den zur&#252;ckliegenden Ereignissen. Sie schworen den   revolution&#228;ren Massen ihre Solidarit&#228;t und Unterst&#252;tzung, und die   Menschen riefen &#8222;Die Polizei mit uns! Die Polizisten sind Kinder des   Volkes!&#8220;. &#8222;Wir sind auf eurer Seite, wir unterst&#252;tzen die Revolution,   wir wollten nicht auf euch schie&#223;en, das haben unsere Vorgesetzten   getan&#8220;, antworteten die Polizisten. Mehrere von ihnen wurden danach von   Demonstranten auf den Schultern herumgetragen, einige weinten sogar.<\/p>\n<p>  Am n&#228;chsten Tag schlossen sich viel mehr Polizisten den anderen   Protestierenden in der Hauptstadt an, alle trugen aus Solidarit&#228;t rote   Armbinden. &#8222;Wir waren auch jahrelang Opfer von Ben Alis Regime&#8220;,   erkl&#228;rte einer. Ein Demonstrant sagte in einem Interview mit einem   deutschen Fernsehsender: &#8222;Diese Polizisten bekommen 250 bis 300 Dinar   (130 bis 160&#8364;) im Monat. Sie k&#246;nnen nicht einmal ihre Familien ern&#228;hren.   Wir verurteilen sie nicht.&#8220;<\/p>\n<p>  Szenen wie diese gab es auch in vielen anderen Orten. In Sfax   demonstrierten Polizisten am Freitag auf den Hauptstra&#223;en mit roten   Armbinden, sangen die Nationalhymne und forderten mit Sprechch&#246;ren   Freiheit. Der Zug endete vor dem UGTT-Geb&#228;ude, wo einer der   Demonstranten eine Erkl&#228;rung gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und   f&#252;r die Gr&#252;ndung einer Gewerkschaft zur Verteidigung ihrer Rechte   verlas. Auch in Sousse, Gab&#232;s, Sidi Bouzid, Monastir und Bizerte   schlossen sich Polizisten den Demonstrationen f&#252;r die Revolution mit der   Forderung nach Gewerkschaftsrechten und Lohnerh&#246;hungen an, manchmal   streikten Polizisten sogar.<\/p>\n<h4>  Klassenfragen treten in den Vordergrund<\/h4>\n<p>  Eine der Besonderheiten dieser Revolution ist, dass die Familien Ben Ali   und Trabelsi tats&#228;chlich das ganze Land gegen sich aufgebracht hatten,   darunter auch Teile der nationalen Bourgeoisie, die ihre eigenen   Beweggr&#252;nde hatten. Sie f&#252;hlten sich beraubt, weil &#8222;die Familie&#8220;   wichtige Bereiche der Wirtschaft unter ihre Kontrolle gebracht hatte.   Sie hatte &#8222;&#252;berall ihre Finger drin&#8220;: Banken, Versicherungen, Transport,   Medien, Kommunikation, Tourismus, Werbung, Wohnungsbau, Handel,   Autoindustrie usw.. Dieser Konflikt zwischen verschiedenen Teilen der   herrschenden Klasse kam am 18. Januar zu seinem H&#246;hepunkt, vier Tage   nach Ben Alis Flucht nach Saudi-Arabien. Zweihundert Unternehmer   st&#252;rmten das Hauptquartier des Arbeitgeberverbandes UTICA und forderten   den R&#252;cktritt von Hedi Jilani, dem &#8222;Boss der Bosse&#8220;. Er stand den alten   Machthabern nahe und war &#252;ber den Ehemann einer seiner T&#246;chter mit den   Trabelsi-Ben Ali-Familien verbunden.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich konnten sich alle diese Bosse mit einem Regime abfinden, das   ihnen eine attraktive Umgebung f&#252;r ihre auf der Ausbeutung mundtot   gemachter und flexibler Arbeitskr&#228;fte basierenden Gesch&#228;fte bot,   besonders in den Freihandelszonen. Aber jetzt, wo ein Gro&#223;teil der   Familie verhaftet wurde oder geflohen ist, will die nationale   Kapitalistenklasse ihre Konten und Unternehmen in die H&#228;nde bekommen,   ebenso wie ausl&#228;ndische Banken und internationale Konzerne. Sie   betrachten sehr misstrauisch die aufgebrachten arbeitenden Massen, die   jetzt ihre Revolution nicht beenden oder &#8222;zur Normalit&#228;t zur&#252;ckkehren&#8220;   wollen, obwohl die Kapitalisten sich das w&#252;nschen. In diesem Sinne ist   die Frage, wer die Aktien und Unternehmen der alten Familie   kontrollieren wird zu einer strategischen Frage geworden, durch die die   Klassengrenzen im revolution&#228;ren Prozess glasklar sichtbar werden. Die   Verstaatlichung dieses Reichtums nicht unter der bestehenden korrupten   kapitalistischen Regierung, sondern unter direkter Arbeiterkontrolle und   -verwaltung, ist die einzige M&#246;glichkeit diese Ressourcen dahin   zubringen wohin sie geh&#246;ren.<\/p>\n<p>  Verschiedene Arbeitgeberverb&#228;nde haben die TunesierInnen in Aufrufen   angebettelt, wieder zur Arbeit zu gehen. Dieses &#8222;Zur&#252;ck an die   Arbeit&#8220;-Mantra kommt &#252;brigens nicht nur von der herrschenden Klasse. Die   b&#252;rokratischen F&#252;hrer an der Spitze der UGTT sind auch nicht sehr   gl&#252;cklich dar&#252;ber, dass es &#252;berall Demonstrationen und Streiks gibt.   &#8222;Die Stra&#223;e muss zur Ruhe kommen&#8220;, sagt Abid Briki, einer der   Generalsekret&#228;re des Gewerkschaftsverbandes. Im Gegenteil sp&#252;ren die   Armen und die Arbeiterklasse, dass jetzt, nachdem sie sich von den   Ketten der Diktatur befreit haben, der Moment ist ihre Klasseninteressen   in den Mittelpunkt zu stellen. Allerdings ist konkretes Handeln   notwendig, um die Bewegung auf eine neue Stufe voran zu bringen.<\/p>\n<p>  Daf&#252;r werden sie eine F&#252;hrung brauchen, die bereit ist auf ihrer Seite   zu k&#228;mpfen, nicht solche Leute, die an einem Tag Ben Ali unterst&#252;tzen   und am n&#228;chsten Tag von der Revolution reden. Eine Kampagne f&#252;r einen   au&#223;erordentlichen Kongress der UGTT, vorbereitet auf der Grundlage   demokratischer Wahlen in allen Ortsverb&#228;nden, sollte so bald wie m&#246;glich   an der Basis der Gewerkschaft vorangetrieben werden. So k&#246;nnte eine aus   dem revolution&#228;ren Kampf hervorgehende echte F&#252;hrung demokratisch an die   Spitze der Gewerkschaft gew&#228;hlt werden, anstelle von Leuten wie Abid   Briki oder Abdessalem Jerad. Sie haben in der Vergangenheit alles getan   um eine Barriere gegen die Revolution zu errichten, bevor sie gegen   ihren Willen durch den massiven Druck der Gewerkschaftsbasis mitgerissen   wurden.<\/p>\n<p>  Die Forderung nach einem Generalstreik ist &#252;berall zu h&#246;ren. Ein solcher   Schritt w&#228;re ein entscheidender Schlag, um die &#220;bergangsregierung und   jede andere Regierung, die das Bestehende erhalten will, auf den   M&#252;llhaufen der Geschichte zu bef&#246;rdern &#8211; was die &#252;berwiegende Mehrheit   der TunesierInnen aus vollem Herzen bef&#252;rwortet. Am Freitag (21.1.)   versammelten sich viele DemonstrantInnen vor dem UGTT-Hauptquartier in   Tunis und forderten die Ausrufung eines Generalstreiks. Diese Forderung   wurde auch von DemonstrantInnen in Sousse und anderen Orten aufgestellt.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig w&#228;chst in vielen Bereichen die Klassenwut. In Tunis traten   die Busfahrer f&#252;r zwei Tage in einen fast vollst&#228;ndigen Streik.   Zahlreiche Manager, Bosse und hohe Beamte, die mit dem alten Regime   kollaborierten, haben in vielen Unternehmen und im &#246;ffentlichen Dienst   die Rache der Arbeiterklasse zu sp&#252;ren bekommen.<\/p>\n<p>  Ohne auf irgendeiner Initiative von oben gegen die RCD zu warten, haben   ArbeiterInnen selber begonnen, ihre Arbeitspl&#228;tze von solchen verhassten   Figuren zu &#8222;s&#228;ubern&#8220;. Am Mittwoch, w&#228;hrend ihres Streiks, setzten   Angestellte der staatlichen Versicherung STAR ihren Boss ab, der der   Korruption und Unterst&#252;tzung des Ben Ali-Regimes beschuldigt wird. Das   selbe passierte bei der Banque Nationale Agricole (Nationale   Landwirtschaftsbank), bei der Nationalen Gesellschaft f&#252;r &#214;lverteilung,   SNDP, und bei der Fluggesellschaft Tunisair. Komitees von   GewerkschafterInnen haben die Kontrolle &#252;ber die Nachrichten in den   Radio- und Fernsehsendern &#252;bernommen. &#8222;Wir bestimmen jetzt die   politische Linie&#8220;, erkl&#228;rte Fawzia Mezzi, Journalistin der Tageszeitung   &#8222;La Presse&#8220;, die bisher unter dem Kommando von Ben Alis Umfeld stand.   Sogar blinde Menschen haben demonstriert, um den von Ben Ali gekauften   Pr&#228;sidenten ihrer Vereinigung zu st&#252;rzen.<\/p>\n<h4>  Eine erste Schlacht wurde gewonnen, aber nicht der Krieg<\/h4>\n<p>  Die aktuelle Regierung ist wahrscheinlich t&#246;dlich verwundet. Das sp&#252;rt   jeder. Aber die wichtigste Frage ist wer sie ersetzen wird. W&#228;hrend   DemonstrantInnen auf Regierungsb&#252;ros klettern und &#8222;Viva Revolution!&#8220;   oder &#8222;Volksregierung&#8220; an die W&#228;nde schreiben und sich die offizielle   Regierung nicht einmal bewegen kann, weil wichtige Teile ihrer eigenen   Streitkr&#228;fte auf der Seite der Revolution stehen, gibt es ein starkes   Gef&#252;hl, dass eine &#8222;Volksregierung&#8220; in Reichweite ist. Aber w&#228;hrend eine   solche Regierung f&#252;r einige eine Regierung von und f&#252;r Lohnabh&#228;ngige   bedeutet, versuchen andere die Opposition gegen das umbenannte   RCD-Regime in die Richtung einer &#8222;klassenunabh&#228;ngigen&#8220; Regierung der   nationalen Einheit zu lenken, die den Kapitalismus unber&#252;hrt lassen   w&#252;rde. [Ad&#220;: Am 27.1. wurde eine solche Regierung gebildet, in der   RCD-Minister durch &#8222;Unabh&#228;ngige&#8220;, Mitglieder der schon unter Ben Ali   legalen Oppositionsparteien und RCD-B&#252;rokraten ersetzt wurden. Mohammed   Ghannouchi ist weiterhin Ministerpr&#228;sident.]<\/p>\n<p>  Die UGTT spricht von einer &#8220;Regierung der Nationalen Rettung&#8220;, ohne   konkret zu erkl&#228;ren was das wirklich bedeutet. Rettung wovon? In wessen   Interesse? Eine Regierung ohne RCD-Mitglieder w&#252;rde von vielen   wahrscheinlich als ein Schritt vorw&#228;rts begr&#252;&#223;t. Aber die Massen sollten   jeden Deal &#8222;hinter den Kulissen&#8220; ablehnen, durch den eine ungew&#228;hlte   Regierung an die Macht gebracht werden soll. Viele Oppositionsf&#252;hrer   warten darauf in eine neue &#8222;demokratische&#8220; Regierung berufen zu werden,   die ihre Autorit&#228;t nur dazu nutzen wird die alte Klassenordnung   wiederherzustellen, ausl&#228;ndische Investoren zu beruhigen und die gleiche   kapitalistische Politik weiterzuf&#252;hren, die f&#252;r die tunesischen Massen   so viel Leid verursacht hat. Jede Regierung, die nicht mit dem   Kapitalismus bricht wird ihn erhalten; nur eine Regierung der   ArbeiterInnen und armen B&#228;uerInnen kann eine neue, sozialistische   Gesellschaft errichten.<\/p>\n<p>  Rabeh Arfaoui, ein Vertreter von Ettajdid; der ehemaligen   &#8222;Kommunistischen&#8220; Partei, die in der &#220;bergangsregierung das   Bildungsministerium besetzt; wurde vor kurzem mit den Worten zitiert:   &#8222;Die Reden &#252;ber selbstverwaltete Komitees und die Bildung einer   revolution&#228;ren Regierung bringen die Leute zum Tr&#228;umen, aber es ist   nicht machbar. Wir sind nicht im Kontext einer bolschewistischen   Revolution.&#8221;<\/p>\n<p>  W&#228;hrend Arfaoui dem alten Apparat dabei hilft, an der Macht zu bleiben,   verbreiten sich diese &#8222;selbstverwalteten&#8220; Komitees. Sie k&#246;nnten die   Basis f&#252;r einen entscheidenden Bruch mit dem Kapitalismus sein und   ArbeiterInnen, Jugendliche und die Unterdr&#252;ckten in anderen L&#228;ndern   aufrufen, es ihnen gleichzutun. Allerdings gibt es im Moment keine   Kraft, die die Bewegung zusammenbringen und f&#252;r die entscheidenden   Schritte eintreten kann, die notwendig sind um die Macht der   Kapitalisten zu brechen. Die Gr&#252;ndung so einer Kraft, einer   revolution&#228;ren Massenpartei der Arbeiterklasse, ist notwendig um die   Perspektive einer sozialistischen Revolution zu verwirklichen.<\/p>\n<p>  Die verschiedenen Komitees, die an vielen Orten entstanden sind, zeigen   deutlich, dass die tunesischen arbeitenden Massen potentiell bereit sind   die Verwaltung des Landes in ihre H&#228;nde zu nehmen. &#8222;La Presse de   Tunisie&#8220; schrieb am Samstag (22.1.), dass &#8222;in Zarsis [im S&#252;dosten   Tunesiens] direkt nach Ben Alis Flucht Nachbarschaftskomitees gebildet   wurden und begonnen haben zu arbeiten: Tags&#252;ber M&#252;llentsorgung und   Regelung des Stra&#223;enverkehrs, nachts Schutz der Stadt und die Verfolgung   von Ben Alis Milizen und Pl&#252;nderern.&#8221;.<\/p>\n<p>  Es gibt unz&#228;hlige solche Beispiele. Sie geben eine lebendige Antwort auf   alle Behauptungen der Medien, ausl&#228;ndischer Politiker usw., die das   tunesische Volk dazu dr&#228;ngen das Land entweder von Politikern und   Beamten des alten Regimes oder von einer &#8222;technokratischen Regierung&#8220;   verwalten zu lassen. Sie behaupten, sie w&#228;ren &#8222;die einzigen mit genug   Erfahrung, um es zu tun&#8220;. Diese geringsch&#228;tzige Haltung ist eine Million   Meilen entfernt von der Idee, die der bolschewistische F&#252;hrer Lenin 1917   ausdr&#252;ckte &#8211; dass &#8222;jeder Koch in der Lage sein sollte, Premierminister   zu werden&#8220;. Das sind die Argumente einer panischen herrschenden Klasse   die den revolution&#228;ren Prozess in marktorientierte Bahnen lenken wollen,   koste es was es wolle.<\/p>\n<p>  Basisstrukturen und Komitees der Bev&#246;lkerung, demokratisch gef&#252;hrt von   gew&#228;hlten VertreterInnen, m&#252;ssen &#252;berall gegr&#252;ndet und ausgebreitet   werden &#8211; an den Arbeitspl&#228;tzen, in den Nachbarschaften, in den Schulen   und Universit&#228;ten, aber auch in der Armee und der Polizei. Dann m&#252;ssen   diese miteinander durch ein Delegiertensystem auf lokaler, regionaler   und landesweiter Ebene verbunden werden. Das w&#252;rde die Grundlage f&#252;r   eine Regierung neuen Typs schaffen &#8211; eine wirklich demokratische   Regierung als direktem Ausdruck der arbeitenden Massen und ihrer   Revolution, bereit radikale Ma&#223;nahmen zu ergreifen und das Leben der   Menschen zu ver&#228;ndern, mit sozialistischer Planung der Wirtschaft im   Interesse der Arbeiterklasse und der breiten Massen. Die Reaktionen in   der ganzen arabischen Welt zeigen, wie diese Entwicklungen helfen   k&#246;nnten, den Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus zu entwickeln   und die T&#252;r f&#252;r eine sozialistische Transformation der Gesellschaft   weltweit zu &#246;ffnen.<\/p>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Das Milit&#228;r gibt den Befehl die Stra&#223;en zu blockieren, als die Polizei<br \/>\n      sich der Bewegung anschlie&#223;t &#8211; Augenzeugenbericht eines CWI Reporter in<br \/>\n      Tunis vom 25.01.2011\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36,37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14079"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14079"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14079\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14079"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14079"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14079"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}