{"id":14076,"date":"2011-01-26T14:00:00","date_gmt":"2011-01-26T14:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14076"},"modified":"2011-01-26T14:00:00","modified_gmt":"2011-01-26T14:00:00","slug":"14076","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/01\/14076\/","title":{"rendered":"Stuttgart: Polizeiwillk&#252;r gegen Blockade"},"content":{"rendered":"<p>  Widerstand gegen Stuttgart 21 soll eingesch&#252;chtert werden<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am 25. Januar war am Nordausgang des Stuttgarter Hauptbahnhofs wieder   eine Blockade der Bauma&#223;nahmen f&#252;r Stuttgart 21. AktivistInnen hatten   diskutiert, diesmal nur das hinterste der Baufahrzeuge zu blockieren.   Der Hintergrund ist, dass nach h&#246;chstrichterlicher Rechtsprechung die   Blockade einzelner Fahrzeuge keine N&#246;tigung ist. Es gibt aber Urteile,   wonach die Blockade mehrerer Fahrzeuge N&#246;tigung sei. Das bezog sich auf   Autobahnblockaden in einer v&#246;llig anderen Situation. Deshalb sollten   AktivistInnen gegen Stuttgart 21 daran festhalten, dass   Baustellenblockaden bei Stuttgart 21 grunds&#228;tzlich eine legitime   Aktionsform und keine N&#246;tigung sind.<\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein<\/i><\/h4>\n<p>  Als die Polizei anr&#252;ckte, begann sie sofort, die Menschen auf der   Zufahrt zum Parkplatz am Nordausgang einzukesseln. Leute, die gehen   wollten, wurden daran gehindert und von der Polizei im Kessel   festgehalten. Nachdem die Polizei so rabiat vorgegangen war, ohne die   Menschen vorher ein einziges Mal zur Beendigung der Blockade   aufzufordern, zeigte sie jetzt, dass sie doch im Besitz eines Megafons   war: Ein Polizeivertreter teilte mit, dass sie jetzt die Personalien der   Eingekesselten feststellen werde und Platzverweise bis 24 Uhr f&#252;r den   Kiesinger-Platz vor dem Nordfl&#252;gel und beim ehemaligen ZOB, wo ebenfalls   Bauarbeiten f&#252;r Stuttgart 21 (Grundwasser-Management) stattfinden,   erteile. Zu den Eingekesselten geh&#246;rte auch Tom Adler, Betriebsrat bei   Daimler und Gemeinderat der Linken.<\/p>\n<p>  Das Vorgehen ist symptomatisch f&#252;r das ge&#228;nderte Vorgehen der Polizei   bei Blockaden in den letzten Wochen. Bisher war es &#252;blich gewesen, dass   die Polizei die BlockiererInnen dreimal zum Weggehen aufforderte und   dann noch einmal jeden einzelnen vor dem Wegtragen fragte, ob sie gehen   wollten. Das versch&#228;rfte Vorgehen soll offenbar die AktivistInnen gegen   Stuttgart 21 einsch&#252;chtern.<\/p>\n<p>  Das zeigt symptomatisch, wie es um demokratische Rechte im Kapitalismus   bestellt ist: Wenn wir von ihnen ernsthaft Gebrauch machen, auf eine   Weise, die den Profiten der Kapitalisten in die Quere kommt (so wie hier   den Baukonzernen, die von Stuttgart 21 profitieren wollen), dann werden   sie eingeschr&#228;nkt oder ausgehebelt.<\/p>\n<p>  Aber nicht nur BlockiererInnen sollen eingesch&#252;chtert werden: Am 20.   Januar wurde Gangolf Stocker, Sprecher des Aktionsb&#252;ndnisses gegen   Stuttgart 21 und Gemeinderat von Stuttgart &#214;kologisch Sozial (S&#214;S, das   mit der Linken eine gemeinsame Gemeinderatsfraktion bildet) vom   Amtsgericht zu 1.500 Euro Geldbu&#223;e verurteilt, weil er als Anmelder   einer Demonstration f&#252;r die Polizei 20 Minuten auf dem Handy nicht   erreichbar war. Bei der 60. Montagsdemo am 24. Januar wies Gerhard   Pfeiffer vom BUND darauf hin, dass damals von den DemonstrantInnen   nichts Schlimmes geschah. DemonstrantInnen verletzten die Bannmeile und   brachten Aufkleber an der T&#252;r des Landtags an. Im Unterschied dazu war   Polizeipr&#228;sident Stumpf am 30. September eine Dreiviertelstunde nicht   auf Handy erreichbar &#8211; und damals ging die Polizei bekanntlich mit   Pfefferspray und Wasserwerfern auf Sch&#252;lerInnen und RentnerInnen los!<\/p>\n<p>  Wozu diese Einsch&#252;chterungsversuche? Die Bauarbeiten der letzten Wochen   waren nicht sehr provozierend: es wurden keine B&#228;ume gef&#228;llt,   Bahnhofs-Fl&#252;gel abgerissen oder die Mahnwache vom Nordausgang   vertrieben. Es steht zu bef&#252;rchten, dass sich das bald &#228;ndert, zum   Beispiel B&#228;ume am Nordausgang gef&#228;llt werden. Dann ist zu erwarten, dass   Proteste zunehmen. Sollen die aktuellen Einsch&#252;chterungsversche dem   vorbeugen?<\/p>\n<p>  Aber die Einsch&#252;chterung wird keinen Erfolg haben. Das Urteil gegen   Gangolf Stocker hat vor allem zu Emp&#246;rung gef&#252;hrt. Vertreter des   Aktionsb&#252;ndnisses haben sich deutlich zur Legitimit&#228;t von zivilem   Ungehorsam bekannt. Bei den letzten Montagsdemos wurde zum   Blockiererfr&#252;hst&#252;ck aufgerufen.<\/p>\n<p>  Das versch&#228;rfte Vorgehen der Polizei zeigt, dass der &quot;Schwarze   Donnerstag&quot;, der 30. September, kein Ausrutscher war. Es wird   AktivistInnen zum Nachdenken &#252;ber die kapitalistische Demokratie und   ihre Begrenztheit bringen. Der politische Preis f&#252;r das Durchziehen von   Stuttgart 21 gegen den entschlossenen Willen der Bev&#246;lkerung wird f&#252;r   die Herrschenden h&#246;her &#8211; und wird schlie&#223;lich zu hoch werden, wenn der   Widerstand weiter entschlossen bleibt.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=FdAwEownm9E&feature;=youtu.be&a;\">Videointerview   mit Ursel Beck, Aktivistin des Blockiererkreises und SAV-Mitglied<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Widerstand gegen Stuttgart 21 soll eingesch&#252;chtert werden\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14076"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14076"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14076\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}