{"id":14068,"date":"2011-02-08T00:00:00","date_gmt":"2011-02-08T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14068"},"modified":"2011-02-08T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-08T00:00:00","slug":"14068","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/02\/14068\/","title":{"rendered":"Berliner S-Bahn-Chaos dank kapitalistischer Anarchie"},"content":{"rendered":"<p>  Fahrg&#228;ste bleiben auf der Strecke<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Winter 2010\/11: Die S-Bahn-Krise hat sich versch&#228;rft. Wartezeiten von   einer Stunde, vereiste T&#252;ren und dann: Ganze Strecken werden vorl&#228;ufig   stillgelegt, vier Au&#223;enbezirke komplett vom Netz genommen. PendlerInnen   wissen nicht, wie sie zur Arbeit gelangen sollen. Potsdamer StudentInnen   wird vom Verkehrsausschuss der Uni Potsdam nahe gelegt, bis auf Weiteres   m&#246;glichst auf Uni-Besuche zu verzichten.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Anne Engelhardt, Bezirksverordnete Berlin-Mitte f&#252;r DIE LINKE und   Mitglied der SAV<\/i><\/h4>\n<p>  Es ist l&#228;cherlich zu behaupten, der &#8222;pl&#246;tzliche&#8220; Wintereinbruch sei   Schuld an den Problemen der S-Bahn.<\/p>\n<p>  Die S-Bahn Berlin GmbH geh&#246;rt der DB Regio AG, die selbst Tochterfirma   der Deutschen Bahn AG ist, welche noch zu 100 Prozent dem Bund geh&#246;rt.   Seit dem geplanten B&#246;rsengang 1994 wurden bundesweit &#252;ber 140.000   Stellen bei der Bahn abgebaut und ein Drittel der Bundeszusch&#252;sse   gek&#252;rzt. Besonders der Nah- und Regionalverkehr und darunter die   Berliner S-Bahn m&#252;ssen f&#252;r den B&#246;rsengang herhalten. Seit 2003 wurden   laut &#8222;Bahn von unten&#8220; die H&#228;lfte aller Stellen bei der S-Bahn vernichtet.<\/p>\n<h4>  Die Schuldfrage<\/h4>\n<p>  In einem offenen Brief meldete sich nun der ehemalige   S-Bahn-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Ernst-Otto Constantin zu Wort. Er hatte den   damaligen DB-Chef Hartmut Mehdorn schon fr&#252;h gewarnt, dass der   Optimierungsplan zur &#8222;Rationalisierung&#8220; &#8222;die S-Bahn ruinieren&#8220; w&#252;rde.   Constantin f&#252;hrt aus, dass drei von sieben Werkst&#228;tten, die zur Wartung   der S-Bahn und zur Ausbildung neuer TechnikerInnen notwendig sind,   geschlossen wurden. In der Hauptwerkstatt wurden von 800 knapp 600   Stellen abgebaut. Nur drei der ehemals 26 Meister nehmen heute die Wagen   nach der Wartung ab. Zudem gab es vor dem personellen Kahlschlag auf   jedem Bahnsteig KollegInnen, die Fahrg&#228;sten sowohl Auskunft erteilten   als auch im Winter die vereisten Weichen pr&#252;fen und warten konnten. Ohne   sie dauert es jetzt zum Teil Stunden und Tage, bis Streckenabschnitte   wieder befahrbar sind.<\/p>\n<p>  Der Berliner Senat bezuschusst die S-Bahn mit 230 Millionen Euro. Obwohl   sie durch die S-Bahn-Krise 2009 und 2010 insgesamt 300 Millionen Euro   Verluste verbucht hat, f&#252;hrt das Unternehmen 2010 125 Millionen Euro an   die DB AG ab. Laut Tagesspiegel vom 14. Januar will die Deutsche Bahn   auch 2013 wieder Gewinn aus der S-Bahn pressen. Wir m&#252;ssen also damit   rechnen, dass der Rubel rollt, doch die S-Bahn weiter den Bach runter   geht.<\/p>\n<h4>  &#214;ffentlicher Nahverkehr im Kreuzfeuer der Konkurrenz<\/h4>\n<p>  Obwohl etwa 90 Prozent der Z&#252;ge im Regional- und Nahverkehr fahren und   die H&#228;lfte aller Bahnkunden in diesen Z&#252;gen sogar pendelt, flie&#223;en die   Hauptinvestitionen der DB AG in Hochgeschwindigkeitsstrecken,   Prestigeprojekte wie Stuttgart 21 und den Kauf von ausl&#228;ndischen   Transportunternehmen. Damit will die DB AG gegen&#252;ber anderen   Verkehrskonzernen konkurrenzf&#228;hig bleiben und als &#8222;Global Player&#8220;   auftreten.<\/p>\n<p>  Drei Milliarden Euro investierte sie deshalb in das britische   Unternehmen ARRIVA, das europaweit der gr&#246;&#223;te Buslinienbetreiber ist.   Durch diese Investition tr&#228;gt die DB AG mit dazu bei, dass der Verkehr   von der Schiene auf die Stra&#223;e verlagert wird. Hauptprofiteur wird die   Daimler AG sein. Wen wundert es da, dass drei von vier ehemaligen und   aktuellen Bahnchefs aus dem Daimler-Konzern kommen.<\/p>\n<p>  Auch bei den ICEs wurde massiv gek&#252;rzt: W&#228;hrend die Fahrg&#228;ste im Winter   stundenlang mit dem Zug in Schneeverwehungen stecken bleiben, schwitzen   sie im Sommer bei kaputten Klimaanlagen. Zudem presst die DB AG noch die   meist &#246;ffentlichen Betreiber der Nahverkehrsnetze aus, indem sie ihnen   teure Trassen- und Bahnsteiggeb&#252;hren abkn&#246;pft, w&#228;hrend sie dieses Geld   nicht in die Wartung der Streckennetze, sondern in Konkurrenzeink&#228;ufe   steckt.<\/p>\n<h4>  Verantwortung der Landespolitik<\/h4>\n<p>  &#8222;Bei der S-Bahn stellt die Politik die Forderung, die Kunden mit   kostenfreien Fahrmonaten zu &#8218;entsch&#228;digen&#8216;, gestattet aber   Fahrpreiserh&#246;hungen. Das ist reiner Populismus&#8220; (Leserbrief in der   Berliner Zeitung).<\/p>\n<p>  So sehr die SPD\/LINKE-Landesregierung jetzt auch gern L&#246;sungen h&#228;tte:   Tatsache ist, dass sie seit 2003 nichts gegen die sch&#228;dlichen   &#8222;Rationalisierungen&#8220; bei der S-Bahn getan hat.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend SPD-B&#252;rgermeister Klaus Wowereit sich f&#252;r den Wahlkampf warm   l&#228;uft und zwei Monate kostenloses Fahren mit der S-Bahn fordert,   &#252;berdenkt der rot-rote Senat &#8211; allen voran die SPD-Senatorin Ingeborg   Junge-Reyer &#8211; Konzepte zur Teilprivatisierung. Auch die Gr&#252;nen fordern,   die Auswirkungen der Privatisierungvorbereitung mit Privatisierung zu   bek&#228;mpfen und beispielsweise den S-Bahn-Ring auszuschreiben.<\/p>\n<p>  DIE LINKE Berlin hat sich &#8211; nachdem sich ihre verkehrspolitische   Sprecherin Jutta Matuschek bis vor einem Jahr ebenfalls f&#252;r eine   Teilausschreibung ausgesprochen hatte &#8211; gegen eine Privatisierung   entschieden. Eine L&#246;sung zur Krise der S-Bahn pr&#228;sentiert der neue   Spitzenkandidat der LINKEN zur Abgeordnetenhauswahl, Harald Wolf, jedoch   nicht. Gegen&#252;ber dem Tagesspiegel (17. Januar) sagte er nur, dass er   dagegen sei, den Vertrag mit der S-Bahn vorzeitig zu k&#252;ndigen, da es   darum gehen solle, &#8222;in den Vertrag ab 2017 hinein&#8220; zu verhandeln, &#8222;dass   der Senat mehr Einfluss erh&#228;lt&#8220;.<\/p>\n<h4>  Demokratische Kontrolle und Verwaltung<\/h4>\n<p>  In den letzten Jahren ist in Bezug auf die S-Bahn deutlich geworden,   dass es nur komplett gegens&#228;tzliche Interessen zwischen Profitlogik und   &#246;ffentlicher Daseinsvorsorge geben kann. Deshalb darf es keine Teil-   oder Komplettprivatisierung der S-Bahn geben. Die S-Bahn soll das   Bed&#252;rfnis nach Mobilit&#228;t der Berlinerinnen und Berliner befriedigen und   nicht zur Erwirtschaftung von Gewinnen herhalten.<\/p>\n<p>  Der B&#246;rsengang der Deutschen Bahn AG muss gestoppt werden. Die   Steuergelder, die beispielsweise mit Stuttgart 21 verbuddelt werden,   sollten genutzt werden, um die Wartung der Z&#252;ge zu verbessern und neues   Personal einzustellen.<\/p>\n<p>  Das Beispiel der Bahn AG und der S-Bahn zeigt, dass staatliches Eigentum   keine Garantie daf&#252;r ist, dass ein Unternehmen im Interesse der Mehrheit   der NutzerInnen und der Besch&#228;ftigten gef&#252;hrt wird. Deshalb muss die   S-Bahn als auch die Bahn AG unter die demokratische Kontrolle und   Verwaltung von Belegschaften, Gewerkschaften, NutzerInnen und Vertretern   von Bundes- und Landesregierung gestellt werden. Diese Gremium sollte   die Leitung der S-Bahn w&#228;hlen. Zudem d&#252;rfen die Mitglieder der Leitung   nicht mehr als einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn beziehen und   m&#252;ssen jederzeit rechenschaftspflichtig sein und abw&#228;hlbar sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Fahrg&#228;ste bleiben auf der Strecke\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,20],"tags":[234],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14068"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14068"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14068\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14068"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}