{"id":14067,"date":"2011-02-06T00:00:00","date_gmt":"2011-02-05T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14067"},"modified":"2012-06-13T16:42:15","modified_gmt":"2012-06-13T14:42:15","slug":"14067","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/02\/14067\/","title":{"rendered":"Sind MigrantInnen dumm und faul?"},"content":{"rendered":"<p>  Sarrazin und seine Bildungsthesen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Kaum ein Bildungssystem ist so ungerecht wie das deutsche, das stellt   inzwischen auch die Organisation f&#252;r Sicherheit und Zusammenarbeit in   Europa (OSZE) fest. Neben deutschen Arbeiterkindern sind besonders   Kinder mit Migrationshintergrund stark benachteiligt, sie kommen   deutlich seltener aufs Gymnasium, auch erreichen deutlich mehr von ihnen   &#252;berhaupt keinen Schulabschluss. Offensichtlich ist der   Bildungsabschluss extrem abh&#228;ngig von der sozialen Herkunft.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Sophia H&#228;berle, Stuttgart<\/i><\/h4>\n<p>  F&#252;r b&#252;rgerliche Politiker und &#8222;Bildungs- und Migrationsexperten&#8220; wie   Thilo Sarrazin ist der Fall klar: Schuld sind die &#8222;Bildungsversager&#8220;   selbst, vor allem die &#8222;integrationsunwilligen Ausl&#228;nder&#8220;, die dem   deutschen Sozialsystem nur auf der Tasche liegen w&#252;rden.<\/p>\n<h4>  Selektives Bildungssystem<\/h4>\n<p>  Keine Rede ist da von den heutigen Bedingungen im Bildungssystem:   starkem Leistungs- und Notendruck bei verk&#252;rzter Lernzeit (das   ber&#252;hmt-ber&#252;chtigte G8), der Selektion in angeblich Schlaue, Dumme und   ganz Dumme oft gleich nach der 4. Klasse mit kaum einer M&#246;glichkeit, aus   eigener Kraft den Schulwechsel zu schaffen, den gro&#223;en Klassen mit   &#252;berforderten LehrerInnen, die einfach nicht auf individuelle Probleme   der Sch&#252;lerInnen eingehen, ihre F&#228;higkeiten nicht individuell f&#246;rdern   k&#246;nnen, dem fremdbestimmten Lernen von den Inhalten, die &#8222;die   Wirtschaft&#8220; gerade ben&#246;tigt.<\/p>\n<h4>  Diskriminierung von MigrantInnen<\/h4>\n<p>  Unter diesen Bedingungen leiden freilich alle Sch&#252;lerInnen. Doch Kinder   mit Migrationshintergrund haben es oft noch schwerer. Das f&#228;ngt schon   bei den Eltern an: Deutschkurse sind heillos &#252;berf&#252;llt, Arbeit   schlechter bezahlt, daraus resultiert oft weniger Teilhabe am   gesellschaftlichen Leben.<\/p>\n<p>  Kein Wunder also, dass auch die Kinder von Anfang an unter schlechten   Voraussetzungen zu leiden haben: Kindergartenpl&#228;tze sind rar und   Sprachdefizite k&#246;nnen schwer aufgeholt werden. Schule ist teuer: So   wurde zum Beispiel die Lernmittelfreiheit in Berlin abgeschafft, was   dazu f&#252;hrt, dass sich viele Kinder keine Schulb&#252;cher leisten k&#246;nnen.   Woher soll ein Kind also den Anreiz nehmen, sich in der Schule entgegen   aller widrigen Umst&#228;nde anzustrengen, wenn es schon wei&#223;, dass es nur   schlechte Zukunftsperspektiven, vielleicht keinen Ausbildungsplatz oder   zu wenig Geld f&#252;r ein Studium hat?<\/p>\n<h4>  Menschen nach &#246;konomischer Notwendigkeit &#8222;produziert&#8220;<\/h4>\n<p>  Im Kapitalismus ist das Ziel der Bildung nicht, Kinder zu kritisch   denkenden, m&#252;ndigen Menschen zu erziehen, sondern m&#246;glichst billig   &#8222;Humankapital&#8220; zu schaffen, also den Markt mit den Arbeitskr&#228;ften zu   versorgen, die er verlangt. Und das bedeutet eben die Aufteilung in eine   hochqualifizierte Elite, die f&#252;r bessere Bezahlung kompliziertere   T&#228;tigkeiten ausf&#252;hrt und eine schlechter gebildete und leichter   auszubeutende Masse. Das schafft das hiesige Bildungssystem. Die   b&#252;rgerliche Bildungsdebatte und die darauffolgenden Reformen haben diese   Funktion nur noch weiter &#8222;verbessert&#8220;: Das achtj&#228;hrige Gymnasium, der   verst&#228;rkte Leistungsdruck, Elitenf&#246;rderungsprogramme statt mehr Geld f&#252;r   die Bildung der Masse, Studiengeb&#252;hren. Gerade MigrantInnen und   Arbeiterkinder werden dadurch nat&#252;rlich diskriminiert.<\/p>\n<p>  Doch wie kann ein gerechtes Bildungssystem aussehen? Der wichtigste   Punkt w&#228;re die Schaffung eines Bildungssystems f&#252;r alle: Das beinhaltet   kostenlose Kita- und Kindergartenpl&#228;tze, kleine Lerngruppen mit   m&#246;glichst individueller F&#246;rderung, keine Selektion nach der Grundschule   und statt einseitiger Orientierung auf wirtschaftliche &#8222;Kompetenzen&#8220;   selbstbestimmtes Lernen nach Interessen und F&#228;higkeiten. Freilich, all   diese Ma&#223;nahmen kosten nicht nur Geld, sondern w&#252;rden auch das   kapitalistische System gef&#228;hrden, denn sie w&#252;rden die Spaltung der   Arbeiterklasse im Bildungswesen aufheben und solidarische, kritische und   selbstbewusste Menschen f&#246;rdern. Im Kapitalismus kann es kein gerechtes   Bildungssystem geben. Darum bedient man sich weiter der rassistischen   Hetze und Verdrehungen von Leuten wie Sarrazin.<\/p>\n<\/p>\n<h2>  Neuerscheinung:<\/h2>\n<p>  <b>Anti-Sarrazin<\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8211; Argumente gegen Rassismus, Islamfeindlichkeit und Kapitalismus<\/b><\/p>\n<p>  Thilo Sarrazins Buch &#8220;Deutschland schafft sich ab&#8221; hat das Land   polarisiert. F&#252;r die einen spricht er unbequeme Wahrheiten aus, f&#252;r die   anderen verbreitet er dumpfen Rassismus. Aber Sarrazins Buch ist auch   eine Kampfschrift f&#252;r eine Sozialpolitik gegen die Mehrheit der   Bev&#246;lkerung. Er zeigt, dass Rassismus und Sozialabbau zwei Seiten der   selben Medaille sind.<\/p>\n<p>  Dieses Buch liefert nicht nur Argumente gegen Sarrazins Behauptungen und   Forderungen. Es erkl&#228;rt den Hintergrund der so genannten   Integrationsdebatte und stellt Rassismus und Sozialabbau in einen   geschichtlichen und gesellschaftlichen Zusammenhang.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Aus dem Inhalt:<\/b><\/p>\n<p>  * Was sagt Sarrazin?<\/p>\n<p>  * Der Verlauf der Sarrazin-Debatte<\/p>\n<p>  * &#220;ber Intelligenz und Gene<\/p>\n<p>  * Was ist Rassismus?<\/p>\n<p>  * Islamfeindlichkeit als neuer Rassismus<\/p>\n<p>  * Migration und Lebensrealit&#228;t in Deutschland<\/p>\n<p>  * Sarrazins Bildungs- und Sozialpolitik: neoliberal<\/p>\n<p>  * Aussichten f&#252;r Rechtspopulismus in Deutschland<\/p>\n<p>  * Was tun gegen Rassismus, Sozialabbau und Kapitalismus?<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Der Autor:<\/b><\/p>\n<p>  Sascha Stanicic, Jahrgang 1970, ist Bundessprecher der Sozialistischen   Alternative (SAV) und verantwortlicher Redakteur des Internetportals und   gleichnamigen Magazins sozialismus.info. Im Zusammenhang mit seiner   ablehnenden Haltung zur Regierungsbeteiligung in Berlin wurde ihm   gemeinsam mit Lucy Redler und anderen zwei Jahre die Mitgliedschaft in   die Partei DIE LINKE verweigert . Seit August 2010 ist er Mitglied der   Partei in Berlin-Neuk&#246;lln. Er ist seit 1987 aktiv in antirassistischen   und antifaschistischen Bewegungen und war 1992 Mitbegr&#252;nder der Jugend   gegen Rassismus in Europa (JRE).<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Format: <\/b><\/p>\n<p>  Softcover, 12x19cm, 161 Seiten &#8211; Verkaufspreis: 7,50 &#8211; ISBN:   978-3-00-033237-1<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Bezugsquelle: <\/b><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/shop.sozialismus.info\/shop\/article_621\/Anti-Sarrazin.html\">www.shop.sozialismus.info<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Sarrazin und seine Bildungsthesen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6],"tags":[270,234],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14067"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14067"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14067\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14067"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}