{"id":14055,"date":"2011-02-05T00:00:00","date_gmt":"2011-02-05T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14055"},"modified":"2011-02-05T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-05T00:00:00","slug":"14055","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/02\/14055\/","title":{"rendered":"Naher Osten"},"content":{"rendered":"<p>  Dokument Nummer 3 des 10. CWI-Weltkongress im Dezember 2010<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Vorbemerkung:<\/h4>\n<p>  Vom 2. bis zum 9. Dezember 2010 fand im belgischen Nieuwpoort der 10.   Weltkongress des Komitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale (CWI) statt.<\/p>\n<p>  120 Delegierte und G&#228;ste aus &#252;ber 30 L&#228;ndern nahmen daran teil. Im   Mittelpunkt der Diskussionen standen die anhaltende tiefe Krise des   Kapitalismus weltweit und die neue Welle von Massenprotesten, die vor   allem mehrere L&#228;nder Europas erfasst hat. Die Arbeiterklasse, so die   Analyse des Kongresses, hat die B&#252;hne der Geschichte erneut betreten.<\/p>\n<p>  Wir ver&#246;ffentlichen Berichte und die auf dem Kongress beschlossenen   Dokumente.<\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/shop.sozialismus.info\/shop\/article_624\/Welt-im-Aufruhr.html\">Bestellung   als Buch hier<\/a><\/p>\n<h2>  Naher Osten<\/h2>\n<p>  Die Krise des Kapitalismus und die nackte Rolle des Imperialismus sind   im Nahen Osten offensichtlich. Die Region leidet unter imperialistischer   milit&#228;rischer Besatzung, der nationalen Unterdr&#252;ckung der   Pal&#228;stinenserInnen, KurdInnen und anderer, diktatorischen Regimes,   massiver Korruption, religi&#246;sen, nationalen und ethnischen Spaltungen,   Massenarmut und -arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise und sich   verschlechternden Lebensbedingungen. Auf der Grundlage der Fortsetzung   von Kapitalismus und Imperialismus werden weiterhin neue Krisen und   Konflikte die Region plagen. Ein Referendum im Sudan &#252;ber die Abspaltung   des von Schwarzen bewohnten, christlich und animistisch gepr&#228;gten S&#252;dens   vom arabisch und islamisch dominierten Norden droht zu erneuten blutigen   Konflikten zu f&#252;hren (im letzten B&#252;rgerkrieg im Sudan sind 2,5 Millionen   Menschen gestorben).<\/p>\n<p>  Allerdings ist auch Widerstand der Massen gegen autorit&#228;re Regimes und   schlechtere Lebensbedingungen ein deutlicher werdendes Merkmal des Nahen   Ostens, was sich am spektakul&#228;rsten in der massenhaften   Oppositionsbewegung im Iran 2009 zeigt. Aus der Perspektive des CWI   wichtig sind auch die in der letzten Periode zunehmenden K&#228;mpfe der   ArbeiterInnen und Versuche, unabh&#228;ngige Massenorganisationen der   Arbeiterklasse in &#196;gypten, der T&#252;rkei, Libanon, Algerien und anderswo   aufzubauen. In &#196;gypten hat die Arbeiterbewegung in den letzten vier   Jahren unter Bedingungen des Kriegsrechts und der Unterdr&#252;ckung ihre   Kr&#228;fte verst&#228;rkt. In der T&#252;rkei demonstrierten nach dem beeindruckenden   Kampf der TEKEL-ArbeiterInnen am 1. Mai 2010 250.000 Menschen auf dem   Taksim-Platz in Istanbul, zum ersten Mal seit 33 Jahren. Diese   Entwicklungen weisen auf die zuk&#252;nftigen massiven K&#228;mpfe der   ArbeiterInnen in der Region hin, die die Frage einer starken,   unabh&#228;ngigen Arbeiterbewegung und einer klassenk&#228;mpferischen   sozialistischen Alternative zum bestehenden System stellen werden.<\/p>\n<h4>  Wirtschaft<\/h4>\n<p>  Die andauernde Weltwirtschaftskrise wird verheerende Auswirkungen auf   die Lebensumst&#228;nde von Millionen Menschen im Nahen Osten haben. Schon   vor der Krise lebten 23 Prozent der Bev&#246;lkerung der Region von unter   zwei US-Dollar am Tag und sechs Millionen Menschen von einem Dollar am   Tag oder weniger. Obwohl die Folgen der weltweiten Finanzkrise f&#252;r die   Gro&#223;banken der Region heftig waren, hat die eher &#8222;konservative&#8220;   Herangehensweise der Finanzinstitutionen der Region in den Boomjahren   dazu gef&#252;hrt, dass die Region weniger stark getroffen wurde als der   Westen, zumindest in den ersten Phasen der anschlie&#223;enden   Wirtschaftskrise. Den 18 Staaten, die zum Gebiet &#8222;MENA&#8220; (Naher Osten und   Nordafrika) gez&#228;hlt werden, erging es besser als den USA, deren   Produktion 2009 um 2,4 Prozent sank, und Europa, dessen Wirtschaft im   letzten Jahr um 4,1 Prozent schrumpfte. Allerdings gab es in der   wirtschaftlichen Performance gro&#223;e Unterschiede zwischen   &#246;lproduzierenden L&#228;ndern und L&#228;ndern ohne &#214;lreserven.<\/p>\n<p>  Manche &#8222;rohstoffarme&#8220; L&#228;nder haben in der letzten Zeit starkes   Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Libanon, nach   Katar das am zweitschnellsten wachsende Land, wuchs 2008 und 2009 um   neun Prozent, f&#252;r 2010 werden acht Prozent Wachstum angenommen. Aber   diese Zahlen t&#228;uschen. Der Libanon bem&#252;ht sich, einen Schuldenberg in   H&#246;he von 148 Prozent des BIP abzutragen, die drittgr&#246;&#223;te   Staatsverschuldung der Welt. &#214;konomen warnen auch vor einem m&#246;glichen   Platzen der Immobilienblase.<\/p>\n<p>  Der Sturz der &#214;lpreise von 145 Dollar pro Barrel im Juli 2008 auf unter   40 Dollar pro Barrel Anfang 2009 verursachte eine Verlangsamung der   &#214;konomien der sechs &#214;l produzierenden Staaten in der Region, bekannt als   Golf-Kooperationsrat (GCC). Das kombinierte BIP der GCC-Mitgliedsstaaten   (Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten   Arabischen Emirate), darunter mehrere der f&#252;hrenden &#214;lproduzenten der   Welt, fiel von 2008 auf 2009 um atemberaubende 80 Prozent. Die   GCC-Staaten waren gezwungen, ihre Staatsausgaben und somit die   Staatsschulden zu erh&#246;hen.<\/p>\n<p>  Obwohl erwartet wird, dass sich die GCC-Staaten 2010 wegen steigender   &#214;lpreise wirtschaftlich erholen, ist das kein einheitliches Bild und das   allgemeine Wachstum wird durch mehrere Faktoren untergraben. Die   Vereinigten Arabischen Emirate werden voraussichtlich hinter ihren   Nachbarstaaten am Golf zur&#252;ckbleiben, weil in Dubai nach dem   spektakul&#228;ren Zusammenbruch des Immobilien-Booms die Wirtschaft   stagniert. Fortgesetzte &#8222;Risikovermeidung&#8220; des Bankensektors und   Vorsicht unter VerbraucherInnen bedrohen die wirtschaftliche Erholung im   GCC.<\/p>\n<p>  Die schwere Wirtschaftskrise 2000\/2002 in L&#228;ndern wie Israel und der   T&#252;rkei ging der aktuellen weltweiten Wirtschaftskrise voraus und hat zu   einer vorsichtigeren Herangehensweise an die Deregulierung des Finanz-   und Banksektors in diesen L&#228;ndern gef&#252;hrt. Die Folgen der   Weltwirtschaftskrise seit 2007 sind im Nahen Osten bis jetzt relativ   begrenzt (obwohl sich der Lebensstandard der Masse der Bev&#246;lkerung nicht   verbessert hat). Die Rettungspakete in den wichtigsten kapitalistischen   L&#228;ndern hatten Auswirkungen auf die Region. Die &#8222;Erholung&#8220; hat den &#214;l   exportierenden L&#228;ndern und einigen anderen regionalen &#214;konomien   geholfen. Insbesondere Israel wird durch seine Verbindungen zu den USA   und der EU unterst&#252;tzt. Aber die Wirtschaftsregion als Ganze bleibt   kraftlos und gegen&#252;ber der sich entwickelnden globalen Krise sehr   verletzlich. Ein &#8222;Double Dip&#8220; der Weltwirtschaft oder schwaches   Wachstum, W&#228;hrungskriege und wachsender Protektionismus werden alle   katastrophale Auswirkungen auf die &#214;konomien des Nahen Ostens haben.   Saudi-Arabien hat sich bereits anderen L&#228;ndern angeschlossen und neue   protektionistische Ma&#223;nahmen eingef&#252;hrt.<\/p>\n<h4>  Massenarbeitslosigkeit<\/h4>\n<p>  Die Wirtschaftskrise verdeutlicht die Widerspr&#252;che der &#252;berm&#228;&#223;igen   Abh&#228;ngigkeit von fossilen Brennstoffreserven im Nahen Osten. Viele   &#214;konomien der Region basieren fast vollst&#228;ndig auf &#214;l und haben nicht   geschafft, neue Bereiche zu erschlie&#223;en und Lebensstandards zu steigern.   Die daraus folgende hohe Arbeitslosigkeit ist in der ganzen Region   verbreitet &#8211; eine tickende soziale Zeitbombe. Mehr als 30 Prozent der   gesch&#228;tzten 350 Millionen EinwohnerInnen der Region sind 15 bis 29 Jahre   alt, die Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe liegt im Durchschnitt   bei 28 Prozent. Der Nahe Osten hat die gr&#246;&#223;te Jugendarbeitslosigkeit   weltweit und zwei Drittel der Bev&#246;lkerung sind j&#252;nger als 24. Die   Weltbank nimmt an, dass in den n&#228;chsten 20 Jahren 100 Millionen   Arbeitspl&#228;tze in der Region geschaffen werden m&#252;ssen allein um die neu   ins Berufsleben eintretenden Menschen zu versorgen.<\/p>\n<p>  Massenarbeitslosigkeit hat zur Unzufriedenheit der Massen und zu   religi&#246;sen Spannungen in der gesamten Region beigetragen. Besonders in   den Golfl&#228;ndern sind schiitische Muslime in sunnitisch beherrschten   Staaten seit langem eine diskriminierte Minderheit. Das wird verst&#228;rkt   durch die Sorgen der herrschenden Eliten angesichts des steigenden   schiitischen Einflusses im Irak, den Bestrebungen des Iran, zur   dominierenden Macht in der Region zu werden und der relativen St&#228;rke der   schiitischen Hisbollah im Libanon. Im Rahmen einer &#8222;Teile und   Herrsche&#8220;-Strategie haben die Regierungen Kuwaits, Saudi-Arabiens und   Bahrains in den letzten Monaten Ma&#223;nahmen gegen die schiitischen   Bev&#246;lkerungen ergriffen, die mehr Rechte fordern.<\/p>\n<h4>  Irak<\/h4>\n<p>  Religi&#246;se Spaltung zeigt sich auch im monatelangen Scheitern des   Versuchs, nach den Wahlen im M&#228;rz 2010 eine neue irakische Regierung zu   bilden. Nach 30 Jahren Diktatur, Krieg, Sanktionen, imperialistischer   Invasion und Besatzung sowie Aufstand und religi&#246;s motiviertem   B&#252;rgerkrieg (in dem die USA die schiitische Bev&#246;lkerungsmehrheit   unterst&#252;tzen) hat der Irak heute eine &#8222;grausige Form von Stabilit&#228;t&#8220;   erreicht, mit einem andauernd hohen Gewaltniveau und einem enorm   korrupten &#8222;disfunktionalen Staat&#8220;. Die &#8222;Sicherheitslage&#8220; bleibt   schlecht, mit mehr zivilen Opfern als in Afghanistan. In diesem Jahr gab   es eine neue Entwicklung der Gewalt. &#220;ber 700 Menschen, gr&#246;&#223;tenteils   Sicherheitspersonal, wurden gezielt ermordet. Politischer Stillstand an   der Spitze, fortgesetzte imperialistische Besetzung und furchtbare   Lebensbedingungen befeuern die Wut der Massen, gewaltt&#228;tige Opposition   und religi&#246;se Spaltung. In Bagdad gibt es 1.500 Checkpoints und Stra&#223;en,   die mit meilenlangen Betonw&#228;nden abgeriegelt sind. Die religi&#246;se Gewalt   ist zur&#252;ckgekehrt, Anfang November 2010 wurde eine Vielzahl von Schiiten   und Christen in Bagdad umgebracht. Seit der von den USA gef&#252;hrten   Invasion 2003 ist die christliche Bev&#246;lkerung von einer Million auf   500.000 geschrumpft, jetzt ist eine weitere Auswanderungswelle dieser   Minderheit wahrscheinlich. Es &#252;berrascht nicht, dass nur wenige der zwei   Millionen irakischen Fl&#252;chtlinge in Jordanien und Syrien bereit sind,   ihr Leben zu riskieren und nach Hause zur&#252;ckzukehren. Weitere 1,5   Millionen, die w&#228;hrend der religi&#246;s motivierten Pogrome 2006\/2007 ihre   H&#228;user verlie&#223;en, sind &#8222;Binnenfl&#252;chtlinge&#8220;, viele von ihnen m&#252;ssen in   armseligen Camps leben (zu ihnen kommt nun eine wachsende Zahl der   irakischen Wirtschaftsfl&#252;chtlinge, darunter verarmte Kleinbauern).<\/p>\n<p>  Laut Berichten wirkt der Irak &#8222;zunehmend wie der Libanon&#8220;, wo jede   ethnische oder religi&#246;se Gemeinschaft um einen Anteil an Macht und   Rohstoffen k&#228;mpft. Die ungenutzten &#214;lreserven des Landes geh&#246;ren zu den   gr&#246;&#223;ten der Welt und es wird angenommen, dass sich die &#214;lexporte in den   n&#228;chsten zehn Jahren vervierfachen werden. Aus den &#214;leinnahmen kann der   Staatsapparat j&#228;hrlich 60 Milliarden Dollar ausgeben, gr&#246;&#223;tenteils f&#252;r   die L&#246;hne von Sicherheitskr&#228;ften und der zivilen B&#252;rokratie.   Sunnitische, schiitische und kurdische F&#252;hrer wollen alle einen Anteil   am &#214;lgeld und den seltenen Arbeitspl&#228;tzen. Das &#8222;sunnitische Zentrum&#8220; des   Irak f&#252;rchtet ein &#8222;schiitisches Revival&#8220; &#8211; etwa 40 Prozent des   irakischen &#214;ls liegen in der N&#228;he der schiitischen Stadt Basra im S&#252;den.<\/p>\n<p>  Der Iran versucht (unter Beteiligung Syriens und der libanesischen   Hisbollah) einen Deal zwischen Nouri al-Maliki, der eine zweite Amtszeit   als Ministerpr&#228;sident des Irak anstrebt, und dem irakischen   Schiitenf&#252;hrer Muqtada al-Sadr. Die USA haben bisher nicht geschafft,   eine alternative Regierung zusammenzustellen. Ein nicht genannter   westlicher Offizieller erkl&#228;rte, dass eine zweite Regierung Maliki zu   den Bedingungen des Iran &#8222;nicht weniger als eine strategische   Niederlage&#8220; f&#252;r den US-Imperialismus w&#228;re, nach sieben Jahren Krieg, der   &#252;ber 600 Milliarden Dollar gekostet hat, in dem &#252;ber 4.425 US-Soldaten   get&#246;tet und &#252;ber 30.000 verletzt wurden. Die Besatzungsmacht versucht   nicht einmal, genau dokumentierte Zahlen der zivilen Todesf&#228;lle als   direkte Folge des Konfliktes zu erstellen. Sch&#228;tzungen liegen zwischen   100.000 und 600.000. Unabh&#228;ngig von den genauen Zahlen ist es ein   Massenmord an unschuldigen IrakerInnen.<\/p>\n<p>  Trotz Obamas &#8222;R&#252;ckzug&#8220; aus dem Irak werden die USA mindestens 40.000   Soldaten zur&#252;cklassen, die eine Kette von US-Milit&#228;rbasen errichten und   den irakischen Staat schwer bewaffnen. Aber in einer von nationalen,   regionalen und religi&#246;sen Spaltungen gepr&#228;gten Situation das irakische   Milit&#228;r zu st&#228;rken ist mit Gefahren verbunden. Ein US-Milit&#228;rberater,   David Kilcullen, warnte im letzten Jahr, im Irak g&#228;be es die   &#8222;klassischen Bedingungen f&#252;r einen Milit&#228;rputsch&#8220;. Wie bereits vom CWI   beschrieben ist ein m&#246;gliches Ergebnis der Invasion und Besatzung die   Entstehung mehrerer Saddam-&#228;hnlicher Diktatoren.<\/p>\n<h4>  Regionales Kr&#228;ftegleichgewicht<\/h4>\n<p>  Die US-gef&#252;hrte Invasion des Irak heizte Spannungen im Nahen Osten   gewaltig an und schw&#228;chte die Position der am st&#228;rksten   pro-amerikanischen Regimes. Dieser Effekt wurde durch die Wut der   Bev&#246;lkerung &#252;ber Israels milit&#228;rische Angriffe auf den Libanon 2006 und   Gaza 2009, den &#220;berfall israelischer Spezialeinheiten auf ein Schiff mit   Hilfsg&#252;tern f&#252;r Gaza 2010 und die fortdauernde Unterdr&#252;ckung der   Pal&#228;stinenserInnen verst&#228;rkt. Die herrschenden Eliten pro-westlicher   Regimes, wie Jordaniens, &#196;gyptens und Saudi-Arabiens, die von den   arabischen Massen als Komplizen der Unterdr&#252;ckung betrachtet werden,   sind in der eigenen Bev&#246;lkerung zunehmend verhasst. Die regierende   Haschemiten-Familie in Jordanien hat vor den Parlamentswahlen im   November die Wahlkreise neu zugeschnitten, um d&#252;nn besiedelten   l&#228;ndlichen Gebieten mehr Einfluss zu geben als den St&#228;dten, wo   JordanierInnen pal&#228;stinensischer Herkunft dominieren.<\/p>\n<p>  Die Konsequenzen der Besetzung des Irak haben das Kr&#228;ftegleichgewicht in   der Region verschoben, Iran und der sogenannte &#8222;Schiitische Bogen&#8220;   wurden gest&#228;rkt. Au&#223;erdem ist die T&#252;rkei mit 72 Millionen EinwohnerInnen   und den zweitgr&#246;&#223;ten Streitkr&#228;ften in der NATO nach den USA eine   wachsende Regionalmacht und strebt nach einer gr&#246;&#223;eren Rolle im Nahen   Osten. Das herrschende AKP-Regime benutzt die wichtige geostrategische   Position des Landes um zwischen den Regionen und den lokalen und   globalen M&#228;chten zu balancieren.<\/p>\n<p>  Wie im Weltbeziehungen-Dokument beschrieben kann der Imperialismus keine   bleibende L&#246;sung f&#252;r den Irak oder Afghanistan von au&#223;en erzwingen. Nach   den erfolglosen Jahren der Bush-Au&#223;enpolitik musste sich der Charakter   der imperialistischen Intervention der USA &#228;ndern. Dennoch bleiben die   USA mit Abstand die gr&#246;&#223;te Milit&#228;rmacht der Welt, die weiterhin   intervenieren wird um ihre wirtschaftlichen und milit&#228;rstrategischen   Interessen zu sichern.<\/p>\n<p>  Ein US-Angriff auf den Iran, m&#246;glicherweise unter Mitarbeit Israels   (oder ein von Israel &#8222;allein&#8220; durchgef&#252;hrter Milit&#228;rschlag) bleibt   m&#246;glich. Die sozialen, politischen und milit&#228;rischen Folgen so eines   Angriffes w&#228;ren f&#252;r die Region und dar&#252;ber hinaus enorm. Zun&#228;chst w&#252;rde   ein US\/Israelischer Angriff zu einem Anstieg der nationalistischen   Stimmung im Iran f&#252;hren und auch den arabischen Nationalismus,   Antiimperialismus und Anti-Israelische Ressentiments in der ganzen   Region stark anfachen. Die iranischen Revolutionsgarden und die   internationalen Verb&#252;ndeten Teherans, wie die Hisbollah, k&#246;nnten   milit&#228;rische Vergeltungsma&#223;nahmen ergreifen. Unter riesigem Druck ihrer   eigenen Bev&#246;lkerungen k&#246;nnten der Iran und die arabischen &#214;l   produzierenden L&#228;nder ihre &#214;lexporte vor&#252;bergehend stoppen oder   einschr&#228;nken und so der Weltwirtschaftskrise ein neues   destabilisierendes Element hinzuf&#252;gen.<\/p>\n<h4>  Jemen und Somalia<\/h4>\n<p>  Die USA sind in Somalia und Jemen zunehmend verwickelt, ohne jede   Perspektive die Krisen zu l&#246;sen. Die USA finanzieren das &#8222;moderat&#8220;   islamistische Regime von Sharif Ahmed in Somalia, der die Sharia   eingef&#252;hrt hat, allerdings ist sein Machtbereich auf &#8222;ein paar   heruntergekommene Stra&#223;en in der Hauptstadt&#8220; beschr&#228;nkt (&#8222;The   Economist&#8220;, London, 18.9.2010). In Wirklichkeit sind gro&#223;e Teile von   S&#252;d- und Zentralsomalia unter Kontrolle der islamistischen Shabab   (&#8222;Jugend&#8220;) Miliz. Etwa 20.000 ZivilistInnen sind 2010 wegen des   Konfliktes aus Mogadischu geflohen und mehrere Tausend wurden get&#246;tet   oder verletzt. Die USA wollen nach der gescheiterten Intervention 1993   nicht erneut in das Land einmarschieren, aber auch eine aggressivere   US-Politik k&#246;nnte nach hinten losgehen und Somalia zum neuen &#8222;Zentrum   des globalen Dschihad&#8220; machen.<\/p>\n<p>  &#8222;Al-Qaida in der Arabischen Halbinsel&#8220; (AQAP) mit ihren Hauptbasen im   Jemen wird von britischen Geheimdiensten als ebenso gro&#223;e Terrorgefahr   wie die von Pakistan und Afghanistan ausgehende eingesch&#228;tzt. Es ist   nicht schwer zu sehen, warum der Jemen eine Hochburg der &#8222;Dschihadisten&#8220;   geworden ist. Als &#228;rmstes Land im Nahen Osten, dessen Bev&#246;lkerung   beinahe zur H&#228;lfte von zwei Dollar oder weniger am Tag lebt, liegt der   Jemen zwischen einigen der reichsten Staaten der Welt, darunter   Saudi-Arabien. &#214;l stellt 90 Prozent der jemenitischen Exporte und drei   Viertel der Einnahmen, aber das heutige blo&#223;e Rinnsal &#8222;schwarzes Gold&#8220;   wird nach Sch&#228;tzungen 2017 austrocknen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei   35 Prozent, und die Zahl der 23 Millionen EinwohnerInnen, von denen die   H&#228;lfte unter 24 sind, wird sich bis 2035 verdoppeln. Unter der   kleptokratischen Herrschaft des Pr&#228;sidenten Abdullah Salih leidet der   Jemen unter separatistischen Konflikten im Norden und S&#252;den. Pr&#228;sident   Salih nutzt die Bedrohung durch al-Qaida und die &#8222;Sicherheitslage&#8220;, um   jede separatistische Opposition im S&#252;den gnadenlos zu verfolgen und   verst&#228;rkte Unterst&#252;tzung aus Britannien und den USA zu verlangen. Die   USA, die keine Truppen in ein weiteres potentielles milit&#228;risches   Schlamassel schicken wollen, haben 300 Millionen Dollar, &#8222;zur H&#228;lfte   Entwicklungshilfe, zur H&#228;lfte f&#252;r milit&#228;rische Nutzung&#8220; an das   Salih-Regime gezahlt. Presseberichten zufolge plant das Wei&#223;e Haus,   seine &#8222;special operations&#8220;-Intervention im Jemen zu eskalieren, unter   anderem durch mehr Angriffe mit amerikanischen Drohnen. Das wird der   AQAP zweifellos die Rekrutierung erleichtern. Allerdings bekommen die   &#8222;Dschihadisten&#8220; im S&#252;den des Jemens weniger Unterst&#252;tzung. Tats&#228;chlich   interessieren sich die meisten Jemenis &#8222;viel mehr f&#252;r Land und Geld als   f&#252;r Religion oder Ideologie&#8220; (&#8222;Observer&#8220;, London, 31.10.2010).<\/p>\n<p>  Im Kontext der sich verschlimmernden wirtschaftlichen Lage, des   politischen Vakuums an der Spitze der Massenbewegungen, der Verfaulung   der neokolonialen Bourgeoisie und der &#8222;antiimperialistischen&#8220; Rhetorik   der politischen Islamisten wird das heterogene Ph&#228;nomen des politischen   Islamismus und Terrorismus weiterhin eine Anziehungskraft auf Schichten   der am st&#228;rksten entfremdeten Teile der Bev&#246;lkerung der Region aus&#252;ben.   Aber die Massen lernen auch aus ihren unangenehmen Erfahrungen mit dem   &#8222;politischen&#8220; und &#8222;radikalen&#8220; rechten Islam, wie die Massenopposition   gegen die Herrschaft der Mullahs im Iran und die verbreitete Abscheu   gegen die religi&#246;s motivierten Grausamkeiten al-Qaidas im Irak zeigen.   Die Entwicklung von massenhaften K&#228;mpfen der ArbeiterInnen und die   Radikalisierung der Klasse werden zur Entwicklung von   antikapitalistischen und sozialistischen Ideen f&#252;hren, einen m&#228;chtigen   Anziehungspol f&#252;r die Massen und eine dem reaktion&#228;ren politischen Islam   und dem Terrorismus entgegengesetzte Tendenz bilden. W&#228;hrend dieser   Prozess nicht geradlinig verlaufen wird und die Entstehung auch   breiterer verwirrter Str&#246;mungen, wie antiimperialistischem   &#8222;Panarabismus&#8220;, &#8222;Panislamismus&#8220; und m&#246;glicherweise sogar   &#8222;Linksislamismus&#8220; wahrscheinlich ist, werden die bevorstehenden   m&#228;chtigen Klassenk&#228;mpfe die Grundlage f&#252;r das Wiedererstarken der einst   m&#228;chtigen klassenk&#228;mpferischen und sozialistischen Ideen in der Region   sein. Der Arbeiterbewegung zu helfen, die Lehren aus den Fehlern und dem   Verrat der fr&#252;heren F&#252;hrerInnen der kommunistischen Parteien und anderer   Massenorganisationen zu ziehen, ist eine unserer Aufgaben in diesem   Prozess.<\/p>\n<h4>  Pal&#228;stina und Israel<\/h4>\n<p>  Im September 2010 hat Pr&#228;sident Obama mit gro&#223;er Medienaufmerksamkeit   neue &#8222;Friedensgespr&#228;che&#8220; zwischen dem israelischen Ministerpr&#228;sidenten   Netanjahu und Pal&#228;stinenserInnenf&#252;hrer Abbas einberufen. Das &#8222;Ziel&#8220; der   Gespr&#228;che, eine sogenannte &#8222;Zweistaatenl&#246;sung&#8220;, w&#252;rde die Teilungslinien   von 1967 beibehalten, so dass Israel beinahe 80 Prozent des Landes und   Teile der West Bank behalten w&#252;rde. Die Pal&#228;stinenserInnen bek&#228;men ein   kleines, nicht lebensf&#228;higes Gebiet, ohne R&#252;ckkehrrecht f&#252;r Fl&#252;chtlinge.   Netanjahu hat klargestellt dass Jerusalem unter israelischer Herrschaft   bleibt und keine &#8222;geteilte Hauptstadt&#8220; w&#252;rde, und dass jeder   pal&#228;stinensische Staat von Israel &#252;berwacht w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Zweifellos erhofft sich die Obama-Administration einen Deal, der &#8211;   nat&#252;rlich auf Kosten der Pal&#228;stinenserInnen &#8211; den Interessen der USA   dient und langfristig die Position Israels, ihres Hauptverb&#252;ndeten in   der Region, erweitert und st&#228;rkt. Netanjahu; hin- und hergeworfen von   den verschiedenen Fraktionen in der israelischen Koalitionsregierung,   darunter die mit den Siedlern verbundenen Ultrarechten, und seiner   eigenen Partei Likud, ist zu diesem Zeitpunkt nicht bereit US-W&#252;nsche zu   erf&#252;llen. Allerdings k&#246;nnte er sich schlie&#223;lich amerikanischem Druck   beugen, der durch Teile der israelischen herrschenden Klasse gest&#228;rkt   wirkt, die Folgen demografischer Entwicklungen f&#252;rchten und die   regionale und internationale Position des israelischen Kapitalismus   bedroht sehen.<\/p>\n<p>  Die israelische herrschende Klasse sitzt in der Falle. Sie f&#252;rchten die   &#8222;demografische Zeitbombe&#8220;, durch die die pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung   innerhalb Israels irgendwann zur Mehrheit werden k&#246;nnte. Israels   Sicherheitsminister Barak beschrieb das Problem, vor dem die herrschende   Klasse steht, im Februar 2010 so: &#8222;Solange in diesem Gebiet westlich des   Jordan nur ein politisches Gebilde namens Israel existiert, wird sie   entweder nicht j&#252;disch oder nicht demokratisch sein.&#8220; Weiter sagte er:   &#8222;Wenn die in der West Bank lebenden Pal&#228;stinenser bei zuk&#252;nftigen   israelischen Wahlen w&#228;hlen k&#246;nnten, w&#252;rde Israel ein binationaler Staat.   Andererseits, wenn die Pal&#228;stinenser nicht w&#228;hlen k&#246;nnten, w&#252;rden wir   ein Apartheidstaat&#8230; Die Alternativen zwingen uns die Grenze eines   Staates zu ziehen der eine j&#252;dische Mehrheit enth&#228;lt und auf der anderen   Seite ist ein pal&#228;stinensischer Staat.&#8220;<\/p>\n<p>  Die israelische herrschende Klasse f&#252;rchtet, dass jedes Zugest&#228;ndnis an   die pal&#228;stinensischen Massen den Kampf gegen die Unterdr&#252;ckung nur   verst&#228;rken wird. Aber auch eine Verst&#228;rkung der staatlichen   Unterdr&#252;ckung h&#228;tte letztlich einen &#228;hnlichen Effekt.<\/p>\n<p>  Der Aufstieg des Neoliberalismus in Israel hat die traditionelle Basis   der gro&#223;en Parteien der israelischen herrschenden Klasse zerst&#246;rt, was   schlie&#223;lich im totalen Zusammenbruch der &#8222;zionistischen Linken&#8220;   gipfelte. Die Netanjahu-Regierung ist angesichts der historischen Krise   des Zionismus an sich noch mehr als fr&#252;here Regierungen gezwungen, auf   starken israelischen Nationalismus und Militarismus ebenso wie auf   Islamophobie und anti-arabischen Rassismus zu bauen. Das hat zur   Einbeziehung rechtsradikaler Parteien in die Regierung gef&#252;hrt und ihnen   mehr Einfluss auf die traditionellen Hauptparteien des herrschenden   Establishments verschafft. Diese Entwicklung bedeutet, dass diese   Parteien weniger verl&#228;ssliche Werkzeuge im Interesse der herrschenden   Klasse werden.<\/p>\n<p>  Die israelisch-pal&#228;stinensischen &#8222;Gespr&#228;che&#8220; sind momentan ausgesetzt,   nachdem der Bau von &#8222;Siedlungen&#8220; auf pal&#228;stinensischen Gebiet am 27.   September wieder aufgenommen wurde. Selbst wenn Netanjahu unter starkem   Druck der USA die Rechte ausreichend beruhigen kann um die aktuellen   sogenannten Gespr&#228;che &#8222;am Leben&#8220; zu erhalten (sogar mit Einbeziehung der   Partei &#8222;Kadima&#8220; in die Koalition) wird die israelische herrschende   Klasse so wenig wie m&#246;glich abgeben und sicherstellen, dass sich kein   wirklich unabh&#228;ngiger pal&#228;stinensischer Staat entwickelt.<\/p>\n<p>  Unter der j&#252;dischen Bev&#246;lkerung ist eine Schicht, insbesondere von   Jugendlichen, von Netanjahus Politik und den Rechtsradikalen abgesto&#223;en   und beginnt sich in offene Opposition zu begeben. Obwohl zahlenm&#228;&#223;ig   noch schmal, ist diese Entwicklung bedeutend.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend der zionistische Nationalismus benutzt wird, um den Klassenkampf   zu blockieren, besonders gemeinsame K&#228;mpfe &#252;ber die nationale Spaltung   hinweg, haben in den letzten Jahren wichtige K&#228;mpfe der Arbeiterklasse   stattgefunden. Ein massiver LehrerInnenstreik, der die Regierung 2007   herausforderte, gipfelte in der Mobilisierung von 100 000 LehrerInnen,   Sch&#252;lerInnen und Unterst&#252;tzerInnen zu einer Solidarit&#228;tskundgebung, wo   der Gewerkschaftsvorsitzende durch die Stimmung gezwungen war zu   weiteren K&#228;mpfen f&#252;r einen &#8222;Wohlfahrtsstaat&#8220; aufzurufen. Selbst der   Gewerkschaftsbund Histadrut hat seit 2006 mehr Mitglieder gewonnen.   Zwischen 1996 und 2004 war die ehemalige Histadrut-F&#252;hrung gezwungen,   die gr&#246;&#223;ten Streiks in der Geschichte Israels zu f&#252;hren. Nach den   Niederlagen dieser K&#228;mpfe ist es der neuen F&#252;hrung seit 2005 gelungen,   eine beispiellose Ruhe in den Betrieben zu erzwingen (die   LehrerInnengewerkschaft ist nicht Teil der Histadrut). Sie haben unter   dem Deckmantel der &#8222;nationalen Verantwortung&#8220; faule Vertr&#228;ge mit den   Unternehmen und der Regierung geschlossen. Allerdings gab es in   vergangenen Jahren bereits einige kleine aber wichtige Beispiele, in   denen die B&#252;rokratie dazu gezwungen werden konnte, Dampf abzulassen (in   einigen F&#228;llen durch den Einfluss der neuen Arbeiterorganisation &#8222;Die   Macht den Arbeitern&#8220;, an deren Gr&#252;ndung und Aufbau das CWI mitgewirkt   hat), die darauf hinweisen, dass die industrielle Ruhe bald enden und   der Griff der B&#252;rokratie sich lockern wird. Das wird besonders der Fall   sein, wenn die israelische Wirtschaft von der Rezession getroffen wird,   die wahrscheinlich schwerer sein wird als die letzte Verlangsamung   Anfang 2009. Um zuk&#252;nftige K&#228;mpfe gegen die Bosse zu gewinnen, werden   die israelischen ArbeiterInnen ein Programm der Solidarit&#228;t und des   gemeinsamen Kampfes der j&#252;dischen und arabischen ArbeiterInnen annehmen   m&#252;ssen. Das beinhaltet einen Bruch mit der herrschenden Klasse und ihrer   Agenda der nationalen Unterdr&#252;ckung, Besatzung, kolonialisierender   Siedlungen und militaristischer Aggression gegen die Massen in der   Region.<\/p>\n<p>  F&#252;r den Moment versucht die feige &#8222;F&#252;hrung&#8220; der Pal&#228;stinensischen   Autonomiebeh&#246;rde (PA) auf Druck der US-Regierung noch verzweifelt, die   Gespr&#228;che am Laufen zu halten, ebenso wie die kraftlose arabische Liga.   Die Wahrheit ist, dass die aktuelle (Nicht-)Gespr&#228;chsrunde zu nichts   f&#252;hren wird. W&#228;hrend ein sehr begrenzter Schritt zu weiterer   &#8222;Selbstverwaltung&#8220; f&#252;r Pal&#228;stinenserInnen irgendwann zugestanden werden   k&#246;nnte, bis hin zur Ank&#252;ndigung eines sogenannten &#8222;Pal&#228;stinensischen   Staates&#8220;, kann auf kapitalistischer und imperialistischer Grundlage   keine bleibende oder grundlegende L&#246;sung der pal&#228;stinensischen Frage   gefunden oder Frieden in die Region gebracht werden. Zus&#228;tzlich kann so   eine Ank&#252;ndigung als Vorwand f&#252;r eine Eskalation der Unterdr&#252;ckung gegen   die Pal&#228;stinenserInnen in Israel oder einen neuen milit&#228;rischen Angriff   auf die Hamas in Gaza, wo 1,5 Millionen Menschen unter brutaler   Belagerung, mit riesigen Arbeitslosen- und Armutszahlen leben, dienen.   Die Bedingungen in den pal&#228;stinensischen Autonomiegebieten sind kaum   besser. Pal&#228;stinenserInnen, die in Israel leben werden durch die   diskriminierenden Ma&#223;nahmen und die brutale Verfolgung und Repression   gegen jede Form von Protest zunehmend entfremdet. Diese Entwicklung ist   mit physischen Angriffen von Rechtsradikalen, wachsender Armut und   Versuchen des israelischen Staates, das demografische Gleichgewicht zum   Nachteil der Pal&#228;stinenserInnen zu verschieben, verbunden.<\/p>\n<p>  Die israelische Armee droht weiterhin mit milit&#228;rischen Angriffen gegen   die Hisbollah im Libanon. Mehr milit&#228;rische Konflikte und Kriege sind in   der Situation impliziert. Wie die israelischen Angriffe gegen Libanon   und Gaza werden solche Konflikte riesige Wut und Widerstand in der   arabischen Welt und international entz&#252;nden. Statt Gespr&#228;chen die zu   Frieden und Gerechtigkeit f&#252;hren wird die nationale Frage vertrackter,   was zu neuen Massenbewegungen und Revolten der unterdr&#252;ckten   Pal&#228;stinenserInnen f&#252;hrt. Selbst die pal&#228;stinensische herrschende Elite   hat das teilweise anerkannt, sodass einige der nationalen F&#252;hrer die   angesammelte Frustration der Massen wiedergeben, wenn sie vom &#8222;Kampf&#8220;   sprechen. Nat&#252;rlich versuchen diese &#8222;F&#252;hrer&#8220; die Drohung mit erneutem   Kampf der Massen zu benutzen, um den Druck auf Israel und die westlichen   M&#228;chte zu erh&#246;hen, einen Vertrag mit ihnen abzuschlie&#223;en.<\/p>\n<p>  Alle signifikanten Errungenschaften f&#252;r die Pal&#228;stinenserInnen wurden   durch Massenbewegungen erreicht, besonders durch die erste Intifada. Die   aktuellen Entwicklungen sind die Grundlage f&#252;r neue Massenaufst&#228;nde. Der   Kampf um die demokratischen und sozialen Rechte von Pal&#228;stinenserInnen   innerhalb Israels ist der wahrscheinlichste Bezugspunkt einer &#8222;3.   Intifada&#8220;. Der massenhafte Kampf der Pal&#228;stinenserInnen wird wie bei   fr&#252;heren Aufst&#228;nden schnell auf Solidarit&#228;t treffen, sowohl   international als auch in der Region, darunter auch bei einem Teil der   j&#252;dischen ArbeiterInnen und Jugendlichen. Allerdings kann die   Massenbewegung ohne eine klassenk&#228;mpferische F&#252;hrung zu   kontraproduktiven Kampfmethoden gelangen, die ihre F&#228;higkeit die brutale   Repression des israelischen Regimes zu untergraben beschr&#228;nken. Ein   marxistisches Programm zur L&#246;sung der nationalen Frage auf   klassenk&#228;mpferischer und sozialistischer Grundlage ist notwendig um den   Widerstand vorw&#228;rts zu bringen und eine m&#246;gliche Vertiefung der   nationalen Spaltung zu &#252;berwinden.<\/p>\n<p>  Das Hamas-Regime in Gaza kanalisiert weiterhin teilweise die Wut der   Pal&#228;stinenserInnen &#252;ber ihre schrecklichen Lebensbedingungen. Aber ihr   rechtes Programm des politischen Islam bietet keine funktionierende   alternative Strategie f&#252;r die unterdr&#252;ckten Pal&#228;stinenserInnen und wird   von Teilen der Bev&#246;lkerung in Gaza zunehmend in Frage gestellt.   Tats&#228;chlich hat die Hamas hinter den Kulissen mit dem US-Imperialisus   verhandelt und unter ihrer Herrschaft werden Frauen zunehmend   unterdr&#252;ckt, ebenso wie jede Opposition gegen die Hamas.<\/p>\n<p>  Die Befreiung der pal&#228;stinensischen Massen kann nicht auf   kapitalistischer Grundlage erreicht werden. Ihre W&#252;nsche und Hoffnungen   k&#246;nnen nicht durch einen gemeinsamen Kampf mit den korrupten und   reaktion&#228;ren arabischen Regimes befriedigt werden. Schlie&#223;lich ist das   Mubarak-Regime f&#252;r die Blockade der Rafah-Grenze nach Gaza   verantwortlich, w&#228;hrend die libanesische herrschende Klasse weiterhin   die Pal&#228;stinenserInnen in den Fl&#252;chtlingslagern unterdr&#252;ckt und   diskriminiert. Der Kampf f&#252;r Emanzipation muss mit dem Kampf f&#252;r   Sozialismus auf der Basis von Arbeitereinheit in der Region verkn&#252;pft   werden. Nur durch vereinigte Massenbewegungen der Arbeiterklasse und der   Armen in Pal&#228;stina und Israel kann eine L&#246;sung gefunden werden; gegen   nationale Unterdr&#252;ckung, die Parteien der Bosse und den Imperialismus;   die echte Selbstbestimmung f&#252;r Pal&#228;stinenserInnen bringt &#8211; f&#252;r ein   sozialistisches, demokratisches Pal&#228;stina und ein sozialistisches Israel   als Teil einer gleichberechtigten und freiwilligen sozialistischen   Konf&#246;deration des Nahen Ostens.<\/p>\n<p>  Die prinzipienfesten politischen Positionen, die die Kr&#228;fte des CWI in   Israel und Libanon oft unter sehr schwierigen objektiven Bedingungen   erstellt haben, spielen einer Schl&#252;sselrolle in der Vorbereitung gro&#223;er   Schritte vorw&#228;rts f&#252;r den Marxismus in der Region.<\/p>\n<h4>  Libanon<\/h4>\n<p>  Die komplizierte und sehr instabile politische Lage im Libanon &#8211;   dominiert von pro-kapitalistischen, auf Religion basierten Parteien und   der Einmischung regionaler und imperialistischer M&#228;chte &#8211; wurde durch   den Kurswechsel des Ministerpr&#228;sidenten Saad Hariri im letzten September   in der Frage der Ermordung seines Vaters, des f&#252;nfmaligen   Ministerpr&#228;sidenten Rafik Hariri, veranschaulicht. Saad Hariri erkl&#228;rte,   es sei falsch gewesen Syrien f&#252;r den Autobombenanschlag 2005   verantwortlich zu machen. Die Ermordung f&#252;hrte zur vom Westen gest&#252;tzten   &#8222;Zedernrevolution&#8220;, die zum Abzug der syrischen &#8222;Friedenstruppen&#8220; nach   drei Jahrzehnten direkter syrischer Einflussnahme im Libanon f&#252;hrte.   Saad Hariri kam w&#228;hrend der Ereignisse an die Macht, aber er und seine   Verb&#252;ndeten hatten nur knappe parlamentarische Mehrheiten. Die   pro-syrische Hisbollah (deren Ansehen nach dem israelischen Krieg gegen   den Libanon 2006 stieg) und ihre Verb&#252;ndeten zwangen Hariri 2008, die   Macht mit ihnen zu teilen. Seitdem sind Hariris politische B&#252;ndnisse   schw&#228;cher geworden und sein wichtigster ausl&#228;ndischer Unterst&#252;tzer,   Saudi-Arabien, hat seine Beziehungen zu Syrien verbessert. Jetzt   belastet das UN-Tribunal, das das Attentat 2005 untersucht, angeblich   die Hisbollah oder eine &#8222;verbrecherische Gruppe&#8220; aus der Organisation.   Solch ein Ergebnis w&#228;re hochexplosiv und k&#246;nnte eine neue politische   Krise ausl&#246;sen.<\/p>\n<p>  Unabh&#228;ngig von ihren religi&#246;sen und ethnischen Differenzen teilen alle   libanesischen Parteien eine pro-kapitalistische Wirtschafts- und   Sozialpolitik. Der wichtige Kampf der LehrerInnen 2010 hat gezeigt, dass   alle gro&#223;en Parteien nicht den Interessen der Armen und ArbeiterInnen   dienen. Wenn die ArbeiterInnen in neue Arbeitsk&#228;mpfe treten, was   angesichts des Privatisierungs- und K&#252;rzungsprogramms der Regierung   unvermeidbar ist, werden sie erkennen, dass sie sich zusammenschlie&#223;en   und die Arbeiterbewegung gegen neoliberale Politik aufbauen m&#252;ssen und   dass eine einheitliche politische Alternative zu Armut, Spaltung und   Krieg notwendig ist. Indem es sein Programm und seine Kr&#228;fte k&#252;hn   weiterentwickelt, kann das CWI im Libanon eine wichtige Rolle in diesem   Prozess spielen.<\/p>\n<h4>  Iran<\/h4>\n<p>  Der Iran hat von der wachsenden Macht der Schiiten im Irak profitiert   und seinen Einfluss in der Region ausgeweitet, wie Ahmadinedschads   Besuch im Libanon im Oktober 2010 zeigt. Teheran versucht, bei der   Schaffung einer schiitisch dominierten irakischen Regierung zu helfen.   Diese w&#252;rde Handelsverbindungen und wirtschaftliche Abh&#228;ngigkeiten   zwischen Iran und Irak verst&#228;rken und w&#228;re hilfreich, um zu verhindern   dass der Irak wieder eine milit&#228;rische Bedrohung f&#252;r den Iran wird, wie   er sie unter Saddam war, oder als Ausgangspunkt f&#252;r einen US-Angriff   dient.<\/p>\n<p>  Unabh&#228;ngig von den Bedrohungen von Au&#223;en durch den Imperialismus sind   letztlich die Ereignisse im Inland f&#252;r das weitere Schicksal der   herrschenden iranischen Theokratie entscheidend. Wegen dem b&#252;rgerlichen   Charakter der F&#252;hrung der Opposition und dem Fehlen von   Massenorganisationen der Arbeiterklasse wurde die &#8222;Gr&#252;ne&#8220; Massenbewegung   2009 durch die brutale Gewalt des Ahmadinedschad-Regimes unterdr&#252;ckt und   vorerst zerstreut. Aber diese bedeutende Massenbewegung ist nur das   Vorspiel zu den revolution&#228;ren Massenk&#228;mpfen, die sich im Iran   entwickeln werden. Millionen gingen nach den weithin als gef&#228;lscht   angesehenen Wahlen im Juni 2009 trotz brutaler Repression durch die   Basij-Miliz des Regimes auf die Stra&#223;e. Es gab Berichte &#252;ber Soldaten,   die Befehle, Protestierende anzugreifen, verweigerten.<\/p>\n<p>  Im Dezember 2009 entwickelte sich das Bewusstsein der Bewegung weit &#252;ber   das ihrer sogenannten F&#252;hrer hinaus und es gab Berichte &#252;ber zunehmende   Radikalisierung unter Studierenden. Allerdings ist das radikalisierte   Bewusstsein mit dem Niedergang der Massenbewegung etwas zur&#252;ckgegangen   und Mousavi und Karroubi behielten ihre Rolle als &#8222;F&#252;hrung&#8220; der   Opposition. Trotzdem kann sich das auf der Grundlage neuer Massenk&#228;mpfe   schnell &#228;ndern, wie die Ereignisse bereits gezeigt haben.<\/p>\n<p>  Die wichtigste Lektion aus dem gescheiterten Versuch der Massenbewegung,   das Regime zu st&#252;rzen ist, dass unabh&#228;ngige Organisationen der   Arbeiterklasse dringend notwendig sind. Solche Klassenformationen w&#252;rden   demokratische Forderungen (die in einer solchen Situation revolution&#228;ren   Charakter annehmen) und Klassenforderungen aufstellen und die Waffen des   Klassenkampfes anwenden, darunter der Generalstreik, um das Ende des   reaktion&#228;ren Regimes der Mullahs sicherzustellen. Schichten der   Mittelklasse und einige Teile der Arbeiterklasse, insbesondere   Besch&#228;ftigte im &#246;ffentlichen Verkehr, haben sich hinter die   Massenbewegung 2009 gestellt. Aber diesem Potenzial fehlte eine   vorausschauende sozialistische F&#252;hrung, es entwickelte sich nicht zu   einem Generalstreik und einer Klassenbewegung, die stark genug gewesen   w&#228;re das Regime zu st&#252;rzen.<\/p>\n<p>  Obwohl Ahmadinedschad sich knapp an der Macht halten konnte, leidet   seine herrschende Fraktion seither unter internen Spaltungen, die   teilweise eine sich verschlechternde wirtschaftliche und soziale   Situation im Inland widerspiegeln.<\/p>\n<p>  Vom Westen auferlegte Sanktionen wirken sich aus, obwohl der Iran der   f&#252;nftgr&#246;&#223;te Exporteur von Roh&#246;l weltweit bleibt. Die &#214;lproduktion wird   jedoch nach Sch&#228;tzungen des Magazins &#8222;The Economist&#8220; bis 2015 um 15   Prozent fallen, der &#214;lexport um 25 Prozent. Ahmadinedschads Plan,   Verbrauchersubventionen, die ein Viertel des BIP ausmachen, zu k&#252;rzen,   wird zu heftigen Preissteigerungen f&#252;r Nahrungsmittel und Benzin und im   Nahverkehr f&#252;hren. Die Aussicht auf weiteres schwaches   Wirtschaftswachstum, hohe Arbeitslosigkeit und reaktion&#228;re autorit&#228;re   Herrschaft bedeutet, dass die iranischen Massen nach ihrer ersten   Erfahrung mit dem Massenwiderstand diesen Weg wieder einschlagen werden.<\/p>\n<p>  In der nach ihrer brutalen Niederschlagung noch desorientierten   Massenopposition im Iran sind derzeit noch verst&#228;ndlicherweise   Illusionen in die b&#252;rgerliche Demokratie verbreitet. Damit muss   angesichts von drei Jahrzehnten theokratischer unterdr&#252;ckerischer   Herrschaft, des feigen Charakters der Mussawi-Opposition und dem Fehlen   einer revolution&#228;ren sozialistischen Alternative f&#252;r die Massen   gerechnet werden. Mussawi repr&#228;sentiert heute einen Fl&#252;gel der   herrschenden Elite, der unter anderem ein Abkommen mit dem   US-Imperialismus erzielen m&#246;chte. Er m&#246;chte au&#223;erdem die Repression   abschw&#228;chen und einige demokratische Reformen zugestehen, um die soziale   Basis des Regimes zu erweitern und die Massenbewegung aufzuhalten. Die   mit Mussawis Programm und seinen Methoden gemachten Erfahrungen   bedeuten, dass Teile der ArbeiterInnen und Jugendlichen sehr schnell   radikalere Kampfformen und Ideen &#252;bernehmen k&#246;nnen. Teile der   Massenbewegung k&#246;nnen die Grenzen des Mussawi-Programms schnell   &#252;berwinden, das versucht, Deals mit dem Regime zu machen. Wir haben   w&#228;hrend der Bewegung 2009 gesehen wie sich Proteste gegen eine   gef&#228;lschte Wahl zu einem Kampf f&#252;r den Sturz der Diktatur entwickelten.   Die Beerdigung von Ayatollah Hosein Ali Montazeri Anfang 2010   verwandelte sich in gro&#223;e Proteste gegen die Regierung, mit neuen, in   dieser Massivit&#228;t noch nie dagewesenen, Sprechch&#246;ren gegen den Hardliner   und &#8222;Obersten geistigen F&#252;hrer&#8220; Chamenei.<\/p>\n<p>  Auch die nationale Frage bedroht das iranische Regime. In den kurdischen   Gebieten haben gro&#223;e Demonstrationen am 1. Mai und ein Generalstreik,   der nach der Ermordung eines kurdischen Gewerkschaftsaktivisten   ausgerufen wurde (allerdings auf klassen&#252;bergreifender Basis) den   explosiven Charakter der unerf&#252;llten Forderungen der Massen, darunter   auch der nach nationalen demokratischen Rechten, gezeigt.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich ist es unm&#246;glich, den zeitlichen Ablauf zuk&#252;nftiger   Massenbewegungen gegen die herrschenden Mullahs vorherzusagen. Sicher   ist aber, dass die Massen sich, nachdem sie den offenen Widerstand   begonnen haben, wieder bewegen werden um das fundamentalistische Regime   zu beseitigen, obwohl sie vor&#252;bergehend unter Kontrolle gebracht werden   konnten. Wenn die Bewegung f&#252;r demokratische Rechte mit dem   Massenwiderstand der Arbeiterklasse und der Armen verbunden wird, kann   das Regime gest&#252;rzt werden. Die Rolle der Arbeiterklasse wird   entscheidend sein. Obwohl Versuche, unabh&#228;ngige Gewerkschaften oder   Streiks zu organisieren, brutal unterdr&#252;ckt werden haben die   BusfahrerInnen in Teheran und ZuckerfabrikarbeiterInnen in Haft Tapeh in   den letzten Monaten mutige Aktionen durchgef&#252;hrt. Bereits im vergangenen   Jahr gab es Streiks kurdischer ArbeiterInnen.<\/p>\n<p>  Neue Massenbewegungen im Iran werden auch in den benachbarten L&#228;ndern   und weltweit riesigen Einfluss haben. Das unterstreicht die dringende   Notwendigkeit, die Ideen und die Pr&#228;senz des CWI im Nahen Osten zu   entwickeln, auf der Grundlage der gro&#223;artigen Arbeit die getan wurde wo   das CWI schon existiert. SozialistInnen rufen die iranische   Arbeiterklasse und die zunehmend verarmenden Mittelschichten auf,   unabh&#228;ngig von der prokapitalistischen Opposition und den Fraktionen der   herrschenden Elite zu handeln. Es ist notwendig, aus der bitteren   Entt&#228;uschung von 1979\/80 zu lernen, als die neuer Elite &#8222;revolution&#228;re&#8220;   und religi&#246;se Phrasen benutzte, um die Macht zu ergreifen und zu   festigen. Die heutigen Oppositionsf&#252;hrer wollen die potentiell   revolution&#228;re Macht der Massen mit &#8222;b&#252;rgerlich-demokratischen&#8220; Phrasen   und Versprechungen ablenken. Der Wiederaufbau der Arbeiterbewegung ist   eine Schl&#252;sselaufgabe, vor der die iranischen Massen stehen.<\/p>\n<p>  Selbst wenn das Ahmadinedschad-Regime gest&#252;rzt und durch ein   &#8222;prodemokratisches&#8220; b&#252;rgerliches Regime ersetzt wird &#8211; wegen des   prokapitalistischen Charakters der Oppositionsf&#252;hrer, die Illusionen in   die &#8222;westliche&#8220; parlamentarische Demokratie ausnutzen, und vor allem   wegen des Fehlens einer sozialistischen Alternative &#8211; wird sich neuer   Massenwiderstand der ArbeiterInnen und Jugendlichen entwickeln. Eine   neue kapitalistische Regierung w&#252;rde sich wahrscheinlich zun&#228;chst auf   den Illusionen der Massen st&#252;tzen, jedoch schnell zu einer   Krisenregierung werden. Nur eine Regierung der ArbeiterInnen und der   Armen kann demokratische Rechte garantieren und die Transformation des   Landes beginnen, indem sie den Griff der Elite und des Kapitalismus   bricht.<\/p>\n<h4>  &#196;gypten<\/h4>\n<p>  Mit seinen 85 Millionen EinwohnerInnen, seiner geostrategischen Position   in der arabischen Welt, einem gespaltenen Regime, wachsender Opposition   und zunehmenden Arbeitsk&#228;mpfen ist &#196;gypten ein weiteres Schl&#252;sselland   f&#252;r den sich entwickelnden Klassenkampf in der Region. Der alternde   Pr&#228;sident Mubarak hat f&#252;r ein noch unbekanntes Datum Ende November   Parlamentswahlen angesetzt. Das wird von Barrieren, um   Oppositionsparteien am Antreten zu hindern und allgemeiner Repression   gegen AktivistInnen, insbesondere gegen Unterst&#252;tzerInnen der   Muslimbruderschaft, begleitet. Das Regime hat gute Gr&#252;nde, freie Wahlen   zu f&#252;rchten: bei der letzten Parlamentswahl 2005 gewann die   Muslimbruderschaft trotz massiven Betrugs und staatlicher Gewalt ein   F&#252;nftel aller Mandate, obwohl sie nur in einem Drittel der Wahlkreise   angetreten war. Wegen der zunehmenden Radikalisierung der   gesellschaftlichen Opposition gegen die Herrschaft Mubaraks (und die   geplante nepotistische &#220;bergabe der Macht an seinen Sohn Gamal) haben   sich innerhalb der Bruderschaft Spaltungen entwickelt, Oppositionelle   prangern die Entscheidung der Organisation, zur Wahl anzutreten als   Legitimierung der Wahlfarce an. Eine Wahlboykott-Kampagne unter der   F&#252;hrung von Mohammad al-Baradei, einem ehemaligen Chef der   UN-Atomaufsichtsbeh&#246;rde, sammelte fast eine Million Unterschriften.<\/p>\n<p>  Die schlechter werdende wirtschaftliche und soziale Lage &#196;gyptens und   die Streikwelle der letzten Jahre sind die Hauptursachen der zunehmenden   politischen Unruhe und der Spaltungen innerhalb der herrschenden Elite.   ArbeiterInnen und Jugendliche stehen vor eine d&#252;steren Zukunft mit   wachsender Arbeitslosigkeit und steigenden Preisen. Die wachsende   Inflation beeintr&#228;chtigt die Lebensstandards, w&#228;hrend die L&#246;hne   stagnieren. &#220;ber 40 Prozent der Bev&#246;lkerung leben in Armut und fast 30   Prozent sind AnalphabetInnen. Die Spaltung zwischen Arm und Reich ist   gewachsen, die Reichen leben in luxuri&#246;sen &#8222;Gated Communities&#8220; und die   Armen in heruntergekommenen Stadtvierteln.<\/p>\n<p>  Arbeitsk&#228;mpfe und Proteste der ArbeiterInnen begannen im Dezember 2006,   mit einer Besetzung der Textilfabrik Mahalla (mit 28.000 Besch&#228;ftigten   die gr&#246;&#223;te Fabrik im Nahen Osten) durch ArbeiterInnen. Die Bosse und die   Regierung waren gezwungen, L&#246;hne und Bedingungen zu verbessern, Andere   wurden dadurch zum Streiken motiviert. Streiks gegen Privatisierungen   und f&#252;r Wiederverstaatlichung sind sehr bedeutend, ebenso wie Versuche,   unabh&#228;ngige Gewerkschaften zu gr&#252;nden. Das Regime war zu Zugest&#228;ndnissen   gezwungen, so musste es ein Privatisierungsprogramm f&#252;r Teile des   &#246;ffentlichen Dienstes auf unbestimmte Zeit verschieben.<\/p>\n<p>  Mutige und wichtige Schritte zur Gr&#252;ndung unabh&#228;ngiger Gewerkschaften   unter den Bedingungen des Kriegsrechts wurden gemacht. W&#228;hrend der Kern   der Massenstreiks vorwiegend von IndustriearbeiterInnen (zum Beispiel   TextilarbeiterInnen und ArbeiterInnen in Aluminiumfabriken) organisiert   wurde, konnte bis jetzt haupts&#228;chlich eine Schicht von Angestellten   (etwa Immobiliensteuer-EintreiberInnen, die erfolgreich eine   Gewerkschaft gegr&#252;ndet haben, LehrerInnen, Besch&#228;ftigte in der   Bildungsverwaltung und Postbesch&#228;ftigte) erfolgreiche Schritte zur   Schaffung neuer Gewerkschaften machen. Allerdings werden in neuen   Massenstreiks und K&#228;mpfen andere Teile der Arbeiterklasse die Repression   &#252;berwinden, Bewusstsein entwickeln und in die entscheidende Aufgabe   hineingezogen werden, unabh&#228;ngige Klassenorganisationen aufzubauen.<\/p>\n<p>  Der Druck der Arbeiterklasse und die wirtschaftliche und soziale Krise   schlagen sich in den starken internen Differenzen des Regimes &#252;ber die   Nachfolge von Pr&#228;sident Mubarak nieder. Teile des Regimes, insbesondere   die Repr&#228;sentanten der Armee und der Staatsb&#252;rokratie, wollen nicht,   dass Gamal Mubarak die Macht &#252;bernimmt. Die Spaltungen des Regimes geben   den &#228;gyptischen Massen das Selbstbewusstsein, um f&#252;r demokratische   Rechte zu k&#228;mpfen. Die Muslimbruderschaft versucht, von dem Prozess zu   profitieren, aber sie hat sich in den letzten Jahren gegen viele der   Streiks gestellt. In Wirklichkeit sind ihre F&#252;hrer ein Sicherheitsventil   f&#252;r das regierende Establishment, was zu Differenzen mit den Schichten   in der Bewegung gef&#252;hrt hat, die ihre Basis in st&#228;rker radikalisierten   Mittelklassen haben.<\/p>\n<p>  In Abwesenheit von klassenk&#228;mpferischen Massenorganisationen orientieren   sich gro&#223;e Schichten der &#228;gyptischen Bev&#246;lkerung an Mohammad al-Baradei   und seiner Nationalen Vereinigung f&#252;r Ver&#228;nderung. Das Regime betrachtet   al-Baradei als Au&#223;enseiter und blockierte seine Kandidatur zur   Pr&#228;sidentschaftswahl 2012. Als Reaktion st&#252;tzte sich al-Baradei auf   Unzufriedenheit in der Bev&#246;lkerung. Er forderte Reformen um &#8222;eine   Revolution der Hungrigen zu verhindern&#8220;. Er hat eine   Wahlboykott-Kampagne gestartet, die mit demokratischen Forderungen   breite Unterst&#252;tzung aus vielen gesellschaftlichen Schichten bekommt.   Dies zeigt, wie wichtig demokratische &#220;bergangsforderungen, verbunden   mit der sozialistischen Transformation der Gesellschaft, in &#196;gypten und   anderen L&#228;ndern des Nahen Ostens sind.<\/p>\n<p>  Al-Baradei ist eine etwas zuf&#228;llige Figur, und es ist noch nicht klar,   welchen Kurs er unter dem Druck der Ereignisse einschlagen wird. Aber es   ist sicher, dass &#196;gypten in eine neue, f&#252;r den Klassenkampf in der   Region grundlegend wichtige Stufe eingetreten ist. Das Regime ist   zunehmend gespalten und verliert viel von seiner traditionellen   Unterst&#252;tzung durch die unteren R&#228;nge des Fachpersonals und die   Staatsb&#252;rokratie. Nach der Welle von Arbeitsk&#228;mpfen k&#246;nnten die   Pr&#228;sidentschaftswahlen 2012 der Hauptfokus der Opposition gegen das   Regime werden, m&#246;glicherweise mit explosiven Konsequenzen. Wie im Iran   2009 k&#246;nnten versuchte Wahlf&#228;lschung und staatliche Repression der   Ausl&#246;ser f&#252;r Massenk&#228;mpfe werden, die sich schnell in Versuche   verwandeln, das Regime zu st&#252;rzen.<\/p>\n<p>  Alle despotischen und autorit&#228;ren Regimes der Region haben berechtigte   Furcht vor der Entwicklung massiver Oppositionsbewegungen im Iran,   &#196;gypten und anderswo, die als Inspiration f&#252;r ihre eigenen unterdr&#252;ckten   Bev&#246;lkerungen wirken w&#252;rden. Allerdings kann sich die Massenopposition   unterschiedlich entwickeln, wenn die Arbeiterklasse nicht die F&#252;hrung   solcher Bewegungen &#252;bernimmt. Ohne eine sozialistische F&#252;hrung k&#246;nnen   sich Aufst&#228;nde der Unterdr&#252;ckten im Nahen Osten und in der neokolonialen   Welt als Verzweiflungstaten wie Hungerrevolten und Pl&#252;nderungen &#228;u&#223;ern.<\/p>\n<p>  Es ist klar, dass wir im Nahen Osten in einen langwierigen Prozess der   wirtschaftlichen, politischen und sozialen Krise eingetreten sind. Dies   wird mehr Konflikte und Kriege, aber auch Massenk&#228;mpfe der   Arbeiterklasse, revolution&#228;re und konterrevolution&#228;re Bewegungen   bedeuten. Die F&#228;higkeit der Arbeiterklasse unabh&#228;ngige, mit   sozialistischer Politik bewaffnete Massenorganisationen zu gr&#252;nden und   zu entwickeln wird der entscheidende Faktor sein, der das Ergebnis   dieses Prozesses bestimmt. Das CWI in der Region wird in der beginnenden   st&#252;rmischen Periode viele M&#246;glichkeiten haben Einfluss zu gewinnen, wenn   es k&#252;hn und geschickt seine Analyse, sein Programm und seine   zahlenm&#228;&#223;ige St&#228;rke entwickelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Dokument Nummer 3 des 10. 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