{"id":14048,"date":"2011-01-14T00:00:00","date_gmt":"2011-01-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14048"},"modified":"2011-01-14T00:00:00","modified_gmt":"2011-01-14T00:00:00","slug":"14048","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/01\/14048\/","title":{"rendered":"TextilarbeiterInnen in Indien: Mega-Wachstum oder Mega-Ausbeutung?"},"content":{"rendered":"<p>  In Indien ist die Textilindustrie nach der Landwirtschaft zweitgr&#246;&#223;ter   Besch&#228;ftigungsbereich.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Anand Kumar, New Socialist Alternative (Schwesterorganisation von   SAV und SLP und Sektion des CWI in Indien)<\/i><\/h4>\n<p>  Die indische Textilbranche ist nach China die zweitgr&#246;&#223;te der Welt. Die   Politik der Regierung ist darauf ausgerichtet, im Jahr 2010 Waren im   Wert von insgesamt 50 Milliarden US-Dollar zu exportieren. Der Anteil   der Textilbranche daran liegt bei 25 Milliarden US-Dollar.<\/p>\n<p>  Klar ist, dass das &#8211; genau wie in China &#8211; dadurch erreicht wird, dass   die TextilarbeiterInnen einer Mega-Ausbeutung unterliegen. &#8222;Bombay   Rayon&#8220;, eines jener skrupellosen Unternehmen, die auf feudale Art und   Weise betrieben werden, besch&#228;ftigt mehr als 26.000 ArbeiterInnen im   ganzen Land. Man behauptet, sich an die vorbildlichsten Regeln zu   halten, was Arbeits- und Besch&#228;ftigungsbedingungen angeht. Stattdessen   wird allerdings jede Regel aus dem Gesetzbuch gebrochen, um die   ArbeiterInnen auszulaugen und dem Profitdiktat zu unterwerfen.<\/p>\n<h4>  Proteste der Besch&#228;ftigen bei &#8222;Bombay Rayon&#8220;<\/h4>\n<p>  Zwischen 300 und 600 Besch&#228;ftige der Betriebsabteilung &#8222;Bombay Rayon   Fashions&#8220; (hier arbeiten insgesamt 850 Personen, von denen die meisten   weiblich sind) ihre Kinder unter dem Arm mit und begannen am 10.   Dezember vor dem Betriebsgeb&#228;ude eine Sitzblockade gegen die   Gesch&#228;ftsf&#252;hrung des Unternehmens. Das geschah nach Tagen der   Ungewissheit dar&#252;ber, ob sie weiterbesch&#228;ftigt w&#252;rden. Zuvor wurden sie   gezwungen, en bloc K&#252;ndigungsschreiben zu unterzeichnen. Zun&#228;chst hatte   die Abteilungsleitung die ArbeiterInnen &#252;ber die &#220;bernahme dieser   Abteilung durch ein anderes Unternehmen, &#8222;Disha Designs&#8220;, informiert und   Abfindungszahlungen versprochen.<\/p>\n<p>  Die meisten Besch&#228;ftigten wurden mittels fingierter Tricks und Kniffe   dazu gebracht zu k&#252;ndigen &#8211; damit wollte die Unternehmensleitung nur   verhindern, Abfindungen und andere Kompensationen an die ArbeiterInnen   zahlen zu m&#252;ssen, von denen viele jahrelang bei dem Unternehmen   besch&#228;ftigt waren. Die neue Firma bzw. Abteilung namens &#8222;Disha&#8220;, deren   Sitz sich einige Kilometer entfernt vom eigentlichen Betriebsgel&#228;nde   befinden sollte, war nur eine Erfindung der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung! So konnte   sie den ArbeiterInnen die ihnen rechtm&#228;&#223;ig zustehenden Anspr&#252;che   verweigern und gleichzeitig staatliche Subventionen beantragen, da man   es ja angeblich mit einer Betriebserweiterung zu tun gehabt habe.<\/p>\n<p>  Angaben der ArbeiterInnen zufolge sollten die L&#246;hne der Besch&#228;ftigten in   der neuen Abteilung sogar noch unter dem sowieso schon viel zu niedrig   angesetzten Mindestlohn liegen. Dieser betr&#228;gt in Indien unrealistisch   niedrige 3.800 Rupien (~ 64,- &#8364;; Erg. d. &#220;bers.), und die neu   Eingestellten sollten demgegen&#252;ber mit 3.200 bis 3.300 Rupien (~ 54,- &#8364;   bis 56,- &#8364;; Erg. d. &#220;bers.) abgespeist werden. Es war nicht die erste   Unterh&#246;hlung des Mindeslohns bei &#8222;Bombay Rayon&#8220;.<\/p>\n<p>  Vergangenen Monat gab es Proteste in einer weiteren Abteilung derselben   Firma nach einem weiteren illegalen Transfer hin zu einer Abteilung, die   weit entfernt liegt und in der es an grundlegender Ausstattung wie etwa   Versorgung mit ausreichend Trinkwasser oder sauberen sanit&#228;ren   Einrichtungen mangelt. Weit gravierender jedoch sind die Bedingungen,   unter denen die Besch&#228;ftigten der Abteilung 5 seit 2007 fortw&#228;hrend   ihren Kampf f&#252;hren: Sie haben wohl schon jegliche Form von Missbrauch   erlebt, darunter Folter, sexuelle Bel&#228;stigung, physische Z&#252;chtigung,   &#246;ffentliche Dem&#252;tigung und andere abartige Handlungen seitens der   Gesch&#228;ftsf&#252;hrung.<\/p>\n<p>  Im vergangenen August spitzte sich die Lage zu, als das Unternehmen   damit drohte, die Abteilung 5 an einen fast 30 Kilometer vom   urspr&#252;nglichen Standort entfernten Platz zu verlegen. Damit sollte in   erster Linie die Gewerkschaft gebrochen werden, die von den   ArbeiterInnen &#252;ber die Jahre hinweg und mit gro&#223;er Sorgfalt aufgebaut   worden war. Au&#223;erdem sollten die ArbeiterInnen grunds&#228;tzlich entlassen   werden. Doch der Zusammenhalt der KollegInnen hatte offenbar   abschreckende Wirkung auf die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung, die ihre Drohungen   bisher nicht in die Tat umgesetzt hat. Wom&#246;glich liegt das an den zu   erwartenden Negativschlagzeilen, zu denen es im Ausland k&#228;me. Aber auch   die Bef&#252;rchtung, dass sich der Protest der ArbeiterInnen auf weitere   Abteilungen ausweiten k&#246;nnte, spielt dabei sicherlich eine Rolle.<\/p>\n<p>  Bei &#8222;Bombay Rayon&#8220; werden weibliche Besch&#228;ftigte dazu gezwungen, weit   &#252;ber ihren M&#246;glichkeiten zu arbeiten, was die Produktionsziele angeht.   Au&#223;erdem unterliegen sie einer maximalen Ausbeutung, damit die   Profitmargen dieser exportorientierten Firma erreicht werden. Dass das   Arbeitsministerium bei alldem noch nicht eingegriffen hat und still   geblieben ist, mag verwundern. Auch von der Regierung h&#246;rt man in diesem   Zusammenhang nichts, sie konnte nur allzuoft dabei beobachtet werden,   wie sie auf Seiten der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung stand und Polizei zur Verf&#252;gung   stellte.<\/p>\n<p>  Der gegenw&#228;rtige Protest wird von unterschiedlichen Gewerkschaften   unterst&#252;tzt, darunter auch NGOs und die vom AITUC gef&#246;rderte   Organisation der Besch&#228;ftigten in der Textilindustrie namens &#8222;Sangha&#8220;.   Alles in allem wurde die Sache bisher auf Minimalforderungen nach   Kompensation und einem Ende der Schlie&#223;ung der Abteilung reduziert. Wenn   es aber eine Lehre f&#252;r die Gewerkschaften und die Arbeiterorganisationen   zu ziehen gibt, dann ist es die, dass es sich bei den Problemen, denen   die KollegInnen bei &#8222;Bombay Rayons&#8220; ausgesetzt sind, nicht um isolierte   Vorkommnisse handelt, sondern um &#252;berall in der Textilindustrie der   Stadt anzutreffende Unzul&#228;nglichkeiten. Aufgrund der instabilen Weltlage   wird es unweigerlich zu weiteren Vorf&#228;llen dieser Art kommen, wenn die   Gewerkschaften nicht jetzt darauf hinarbeiten, die maximal m&#246;gliche   Anzahl an Mitgliedern zu gewinnen, und sie auf die kommenden   Arbeitgeber-Angriffe vorzubereiten.<\/p>\n<p>  Die New Socialist Alternative unterst&#252;tzt voll und ganz den Sitzstreik   der Besch&#228;ftigten bei &#8222;Bombay Rayon&#8220;.<\/p>\n<p>  Wir fordern die Gewerkschaftsverb&#228;nde CITU, AITUC und NTUI auf,<\/p>\n<p>  &#8211; Zu einem gemeinsamen Aktionstag zur Unterst&#252;tzung der KollegInnen bei   &#8222;Bombay Rayon&#8220; aufzurufen.<\/p>\n<p>  &#8211; Sofort eine Massenkundgebung zur Mobilisierung von Unterst&#252;tzung in   s&#228;mtlichen Berufsbranchen zu organisieren.<\/p>\n<p>  F&#252;r die F&#252;hrungen der Gewerkschaften muss die unumst&#246;&#223;liche Bedingung   lauten, branchen- und gewerkschafts&#252;bergreifende Strukturen zu schaffen,   die auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene organisiert sowie nach den   Prinzipien der Basisdemokratie aufgebaut sind. Das w&#252;rde die   Effektivit&#228;t bei K&#228;mpfen f&#252;r bessere L&#246;hne und Arbeitsbedingungen enorm   steigern. Und es w&#228;re ein Riesenschritt weg von den jetzigen   zerbr&#246;selten, vereinzelten und kleinen Gewerkschaften, bei denen es sich   blo&#223; um die organisierten Pr&#252;gelknaben auf dem Altar der skurrilen   politischen Parteien, der Konzernchefs, NGOs und Mafiabosse handelt.<\/p>\n<p>  <b>Homepage der New Socialist Alternative: <a href=\"http:\/\/www.socialism.in\">www.socialism.in<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      In Indien ist die Textilindustrie nach der Landwirtschaft zweitgr&#246;&#223;ter<br \/>\n      Besch&#228;ftigungsbereich.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14048"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14048"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14048\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}