{"id":14047,"date":"2011-01-13T00:00:00","date_gmt":"2011-01-12T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14047"},"modified":"2012-07-02T18:45:25","modified_gmt":"2012-07-02T16:45:25","slug":"14047","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/01\/14047\/","title":{"rendered":"Rum&#228;nien: B&#259;sescus Unterdr&#252;cker-Regime erkl&#228;rt der Arbeiterklasse den       Krieg"},"content":{"rendered":"<p>  Vor dem Hintergrund zunehmender wirtschaftlicher Turbulenzen kommt es zu   Streiks und Protesten<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Victor Cosmin, Rum&#228;nien<\/i><\/h4>\n<p>  Nach den K&#228;mpfen gegen die K&#252;rzungspolitik der EU im Sommer 2010 kam es   im fr&#252;hen Herbst zu einem Kampf der RentnerInnen, als die Regierung eine   Rentenk&#252;rzung von 15 Prozent sowie eine Lohnsenkung von 25 Prozent in   Erw&#228;gung zog. Am 27. Oktober kam es zu einer ersten gro&#223;en Kundgebung   rum&#228;nischer ArbeiterInnen gegen diese Angriffe. Mehr als 40.000 Menschen   standen f&#252;r ihre Rechte auf und blockierten den Pia&#355;a Victoriei   (Siegesplatz) in Bukarest.<\/p>\n<p>  Das von der Regierung eingebrachte Gesetz zur Rentenk&#252;rzung wurde   verhindert, weil es die verfassungsm&#228;&#223;igen Rechte der Bev&#246;lkerung   ber&#252;hrt h&#228;tte (worin sich die Angst der herrschenden Klasse   widerspiegelt, die ArbeiterInnen in dieser Frage &#252;berzustrapazieren).   Dennoch konnte die regierende Partei eine Erh&#246;hung der Mehrwertsteuer um   f&#252;nf Prozent auf 24 Prozent durchsetzen, L&#246;hne um bis zu 25 Prozent   senken und das Renteneintrittsalter auf 65 Jahre anheben (was zugleich   die durchschnittliche Lebenserwartung im Land ist!).<\/p>\n<p>  Die Finanzkrise hat in Rum&#228;nien, einem schon zu Beginn der Krise   wirtschaftlich schwachen Land (wie die meisten in Osteuropa), zum   &#246;konomischen Kollaps gef&#252;hrt. Die Ma&#223;nahmen der Regierung (die zu &#252;ber   50 Prozent von der &#8222;Liberal-demokratischen Partei&#8220; gestellt wird) sind   nichts anderes als die heftige Ausbeutung der Bev&#246;lkerung in einer noch   brutaleren Variante des Kapitalismus.<\/p>\n<h4>  Wie wird die politische Elite gesehen?<\/h4>\n<p>  Die politische Elite in Rum&#228;nien wurde nie &#252;ber die Ma&#223;en unterst&#252;tzt.   Seit der sogenannten Einf&#252;hrung der &#8222;Demokratie&#8220;, die das Land durch die   &#220;berwindung des Stalinismus erlebte, wurden die Erwartungen der Menschen   niemals erf&#252;llt. Die Wirtschaftskrise hat jetzt dazu gef&#252;hrt, dass das   Verh&#228;ltnis der Menschen zu ihrer Regierung im Vergleich zu den   vergangenen Jahrzehnten auf den Nullpunkt herabgefallen ist. Seit 1989   befindet sich Rum&#228;nien im Prozess nahezu kontinuierlicher   Deindustrialisierung und wachsender Armut. Heute blickt eine gro&#223;e   Anzahl an ArbeiterInnen nostalgisch auf die &#196;ra des Stalinismus zur&#252;ck.   Diese sentimentale Haltung greift sogar unter jungen Leuten um sich &#8211; so   enorm ist das Versagen der kapitalistischen Restauration.<\/p>\n<p>  Momentan liegt das durchschnittliche Einkommen in Rum&#228;nien bei 600   US-Dollar, w&#228;hrend die Preise zum Beispiel f&#252;r Lebensmittel ungef&#228;hr so   hoch sind wie in Deutschland. Mit dem Versuch einer objektiven   Betrachtung: In Rum&#228;nien herrschen praktisch die perfekten Bedingungen,   die es f&#252;r einen Arbeiteraufstand braucht; und zwar schon seit die   enorme wirtschaftliche Ungleichheit, die nach dem Fall von Ceau&#351;escus   stalinistischem Regime im Jahr 1989 immer schon eine offene Wunde   darstellte, ungeahnte Ausma&#223;e annimmt. Heute befindet sich der   Lebensstandard vieler ArbeiterInnen unterhalb des Existenzminimums und   die ganze kapitalistische politische Klasse ist verhasst bei den   Menschen, weil sie unterdr&#252;ckerisch regiert. Der Pr&#228;sident, Traian   B&#259;sescu, Mitglied der &#8222;Liberal-demokratischen Partei&#8220; (PDL), hat sogar   den Schneid zu erkl&#228;ren, dass die B&#252;rgerInnen seines Landes &#8222;mehr   arbeiten und mehr produzieren&#8220; m&#252;ssen, wenn sie unter menschlichen   Bedingungen leben wollen. Seine Beliebtheit sinkt und sinkt &#8211; selbst in   b&#252;rgerlichen Kreisen.<\/p>\n<h4>  Gibt es keine linke Opposition zur PDL in Rum&#228;nien?<\/h4>\n<p>  Im Prinzip nicht. Die einzige Partei, die bei den letzten Wahlen f&#252;r   eine &#8222;staatlich kontrollierte&#8220; Alternative zum Kapitalismus in Rum&#228;nien   eintrat, war die stalinistische, Ceau&#351;escu-treue PAS (&#8222;Partei der   sozialistischen Allianz&#8220;), die rund 0,5 Prozent der Stimmen gewann. Die   meisten Leute wissen nicht einmal, dass es diese Partei &#252;berhaupt gibt.   Wenn man sich die gr&#246;&#223;eren Parteien ansieht, so gibt es nur drei gro&#223;e   Kr&#228;fte, die zusammen stets mehr als 80 Prozent der Stimmen einheimsen:   die &#8222;Liberal-demokratische Partei&#8220; (PDL), die &#8222;National-liberale Partei&#8220;   (PNL) und die Sozialdemokratische Partei (PSD). W&#228;hrend man die ersten   beiden auf der politischen Skala etwa bei &#8222;mitte-rechts&#8220; verorten kann,   behauptet letztere von sich selbst, &#8222;mitte-links&#8220; zu sein.   Nichtsdestotrotz wurde sie von kapitalistischen Konterrevolution&#228;ren des   Jahres 1989 gegr&#252;ndet, und sie ist die Partei, die Rum&#228;nien in den   1990er Jahren in Richtung Deindustrialisierung und Armut vorantrieb.   Politisch gesehen gibt es keine demokratische Alternative f&#252;r die   ArbeiterInnen, die im Sinne ihrer Interessen und gegen die des   Gro&#223;kapitals und die kapitalistische Ausbeutung k&#228;mpfen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Die gro&#223;en Parteien und die korrupten Million&#228;re in Rum&#228;nien, die von   der gegenw&#228;rtigen Krise nicht betroffen sind, priesen im Dezember 1989   die gro&#223;en Ideale &#8222;Demokratie&#8220; und &#8222;Freiheit&#8220; an. Sie taten dies nur, um   die Bev&#246;lkerung daf&#252;r zu nutzen, die Kontrolle &#252;ber das Land zu erringen   und ein kapitalistisches Regime aufzubauen, das ihnen Profite aus dem   Raub des Staatsbesitzes sicherte. Sie wurden somit zu wichtigen   F&#252;hrungsfiguren des Big Business. Die Bev&#246;lkerung Rum&#228;niens ist   unterdessen mehr und mehr angewidert von all den Demagogen, die die   politische Kaste des Landes ausmachen. Es gibt nicht einen unter ihnen &#8211;   weder auf der politischen Linken, noch &#8222;Demokrat&#8220; oder &#8222;Liberaler&#8220;, der   in den letzten 20 Jahren etwas f&#252;r dieses Land und seine Menschen getan   h&#228;tte. Ihre Politik hat die Menschen in Rum&#228;nien zu Opfern der   kapitalistischen Ausbeutung werden lassen, und sie &#8222;exportieren&#8220;   fr&#246;hlich weiter junge gut ausgebildete Rum&#228;nInnen nach Westeuropa, weil   diese den unw&#252;rdigen Lebensbedingungen in ihrem Land entkommen wollen.<\/p>\n<p>  Zahllose qualifizierte AuswanderInnen sind in den letzten Jahren &#252;ber   die Grenzen verschwunden. Ein gro&#223;er Teil derer, die im Land bleiben,   berginnt die stalinistische &#196;ra als &#8222;Goldenes Zeitalter&#8220; zu verkl&#228;ren &#8211;   verglichen mit der kapitalistischen Epoche. Das liegt daran, dass der   Stalinismus den Rum&#228;nInnen in der Tat eine Grundversorgung f&#252;r das   t&#228;gliche Leben sichern konnte, trotz der diktatorischen politischen   Struktur, die nichts mit wirklichem Sozialismus zu tun hatte. In der   stalinistischen &#196;ra haben die Rum&#228;nInnen eine breit greifende   Industrialisierung erlebt und den Bau Tausender Wohnblocks jedes Jahr.   Jetzt erleben wir praktisch das Gegenteil: Ein Prozent der Bev&#246;lkerung   f&#228;hrt Ferrari und besitzt Grundeigentum, gekauft vom Geld der   Bev&#246;lkerung oder dem Geld aus der Zerlegung der Schwerindustrie.<\/p>\n<h4>  Warum ist es in Rum&#228;nien nicht zu Widerstand wie etwa in Griechenland   oder Portugal gekommen?<\/h4>\n<p>  Wir haben keine breite und nachhaltige Bewegung gegen die Verw&#252;stung des   Landes in Rum&#228;nien. Man kann nicht von einem Massenbewusstsein dar&#252;ber   sprechen, dass echter, weil demokratischer, Sozialismus oder   &#8222;Kommunismus&#8220; n&#246;tige Ziele sind. Die Hauptgr&#252;nde daf&#252;r sind diese:<\/p>\n<p>  Es gibt keine k&#228;mpferische F&#252;hrung in den Gewerkschaften und keine   politischen Parteien der Arbeiterklasse, die f&#252;r einen echten Kampf   eintreten w&#252;rden. Wenn man &#252;ber Kommunismus und\/oder Sozialismus   spricht, dann denken die meisten Menschen an den Stalinismus. Das liegt   in erster Linie an der Propaganda im Kalten Krieg. Nat&#252;rlich will   niemand zur&#252;ck in eine Diktatur, in der die meisten im Land   hergestellten Waren in andere L&#228;nder exportiert wurden und die Menschen   von K&#252;rzungen und Lohnsenkungen betroffen waren. Das gilt, obwohl &#8211;   allgemein gesprochen und laut Statistiken &#8211; viele meinen, dass die   stalinistische &#196;ra mit ihrer geplanten Wirtschaft eine bessere Phase   darstellte als die, in der sich das Land heute befindet. Die   kapitalistische Konterrevolution von 1989 ging mit hunderten Toten und   etlichen Verletzten und anders Gesch&#228;digten zu Ende. Heute w&#228;ren nicht   Viele dazu bereit, eine &#228;hnlich heftige Konfrontation mit einem Regime   einzugehen, das bewaffnet, repressiv und brutal ist, ohne Garantie auf   ein besseres Leben danach. Das macht es umso notwendiger zu erkl&#228;ren,   dass es eine Alternative gibt: den internationalen Kampf f&#252;r Sozialismus.<\/p>\n<h4>  Ist Rum&#228;nien bereit f&#252;r eine echte Revolution?<\/h4>\n<p>  Die Chancen f&#252;r einen m&#228;chtigen Gegenschlag seitens der ArbeiterInnen   werden stetig gr&#246;&#223;er. Sie nehmen proportional zu den von der Regierung   umgesetzten brutalen Spar- und K&#252;rzungsma&#223;nahmen zu. In Rum&#228;nien konnten   wir bis vor kurzem eine Phase der Geduldsamkeit auf Seiten der   Arbeiterklasse beobachten. Dies war sowohl der Tatsache geschuldet, dass   die Angst vor neuen B&#252;rgerkriegen vorhanden war. Es lag aber auch daran,   dass es lange Zeit eine wache Erinnerung an die Unterdr&#252;ckung im   Stalinismus gab. Unter den jetzigen Bedingungen wird diese Geduldsamkeit   jedoch auf eine m&#228;chtige Probe gestellt. H&#228;tte es unter den Massen ein   Bewusstsein daf&#252;r gegeben, was &#8222;Kommunismus&#8220; in Wirklichkeit bedeutet   und wie ein grundlegend demokratischer Arbeiterstaat, der auf echter   Demokratie und Arbeiterkontrolle basiert, mit einer demokratisch   geplanten Wirtschaft ausstaffiert ist &#8211; alles in allem: Wie das exakte   Gegenteil von dem aussieht, was das durch den B&#252;rokratismus erw&#252;rgte   stalinistische System immer war, dann w&#228;re eine echte Revolution in   Reichweite, mit der das Herunterwirtschaften und die Angriffe der   kapitalistischen Elite beendet w&#252;rden. Sie m&#252;sste Teil eines   internationalen Kampfes f&#252;r eine sozialistische Alternative sein. Heute   besteht die entscheidende Aufgabe darin, in Rum&#228;nien f&#252;r die Ideen des   wirklichen Sozialismus und Marxismus zu werben und Unterst&#252;tzung daf&#252;r   aufzubauen.<\/p>\n<p>  Der Wind der Revolution nimmt immer dann an St&#228;rke zu, wenn die   kapitalistische Maschinerie an Wucht zulegt, um auf Kosten der   Bev&#246;lkerungsmehrheit mehr Profite herauszuschlagen. Und dieser Wind wird   in absehbarer Zukunft zu einem Sturm anwachsen, der das ganze System   umsto&#223;en und auf den M&#252;llhaufen der Geschichte bef&#246;rdern wird. Die   Rum&#228;nInnen werden sich in zunehmendem Ma&#223;e &#252;ber das Desaster bewusst, zu   dem die Abschaffung der Planwirtschaft und die Einf&#252;hrung des &#8222;freien   Marktes&#8220; gef&#252;hrt haben. Zudem wird man sich immer klarer &#252;ber den   Charakter dieses tyrannischen Regimes, das uns regiert und sich selbst   &#8222;Demokratie&#8220; nennt. Die momentane Krise und die K&#228;mpfe, die sich in   zunehmendem Ma&#223;e entwickeln werden, werden dazu f&#252;hren, dass   ArbeiterInnen auch in zunehmendem Ma&#223;e verstehen, dass wir es hierbei   nicht mit einer Demokratie zu tun haben. Wir m&#252;ssen deutlich machen, was   Demokratie wirklich bedeutet und dass die Freiheit und die   Selbstbestimmung der Menschen nur in einer demokratischen und wirklich   kommunistischen Gesellschaft erreicht werden k&#246;nnen. In diesen durch   Tumult und Aufruhr gekennzeichneten Tagen werden vor unseren Augen   s&#228;mtliche Fehlleistungen des Kapitalismus aufgedeckt, und das ist ein   Zeichen daf&#252;r, dass die Phase der entscheidenden Auseinandersetzung bald   beginnen wird.<\/p>\n<p>  ArbeiterInnen aller L&#228;nder, vereinigt euch!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Vor dem Hintergrund zunehmender wirtschaftlicher Turbulenzen kommt es zu<br \/>\n      Streiks und Protesten\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14047"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14047"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14047\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}