{"id":14045,"date":"2011-01-07T00:00:00","date_gmt":"2011-01-07T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14045"},"modified":"2011-01-07T00:00:00","modified_gmt":"2011-01-07T00:00:00","slug":"14045","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/01\/14045\/","title":{"rendered":"S&#252;dafrika: ArbeiterInnen &#252;bernehmen Fabrik"},"content":{"rendered":"<p>  Seit Monaten halten ArbeiterInnen in S&#252;dafrika ihre Fabrik besetzt.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am Mittwoch, dem 20. Oktober, begannen die Besch&#228;ftigten von &#8222;Mine   Line\/TAP Engineering&#8220; in Krugersdorp, nahe Soweto (und Johannesburg;   Erg. d. &#220;bers.), mit der Besetzung ihres Betriebes, um den vormaligen   Besitzer daran zu hindern, den Maschinenpark oder   Einrichtungsgegenst&#228;nde fortzuschaffen und f&#252;r ihre Arbeitspl&#228;tze zu   k&#228;mpfen.<\/p>\n<h4>  <i>von BerichterstatterInnen des Democratic Socialist Movement, DSM   (Schwesterorganisation von SAV und SLP und Sektion des CWI in S&#252;dafrika)<\/i><\/h4>\n<p>  Die KollegInnen werden von der Gewerkschaft der Elektriker und Metaller   (Metal and Electrical Workers Union of South Africa, MEWUSA)   organisiert, in der das Democratic Socialist Movement eine f&#252;hrende   Rolle spielt. Sie besetzten das Betriebsgel&#228;nde und mobilisieren nun f&#252;r   eine breite Solidarit&#228;tskampagne, in der die staatliche &#220;bernahme des   Betriebes gefordert wird, um sie am Ende als demokratische Kooperative   in der Hand der Besch&#228;ftigten wieder er&#246;ffnen zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  &#8222;Mine Line\/Tap Engineering&#8220;, Hersteller von Ventilen, Antrieben etc. f&#252;r   die Bergbauindustrie, wurde im August dicht gemacht, als der Besitzer,   ein Herr Mulder, versuchte, sich seiner Verantwortung f&#252;r den Tod dreier   Besch&#228;ftigter zu entziehen, die bei einem Unfall am 4. August ums Leben   kamen. Grund war seine ausgepr&#228;gte Missachtung f&#252;r die Gesundheit und   Sicherheit der ArbeiterInnen. Trotz der Wirtschaftskrise war &#8222;Mine Line&#8220;   &#252;berlebensf&#228;hig. Die Pleite ist einzig und allein auf die kriminellen   Pl&#252;nderungshandlungen, den Betrug und Diebstahl des Herrn Mulder   zur&#252;ckzuf&#252;hren. Er hatte 15 Millionen Rand in bar (~ 1,7 Millionen &#8364;;   Erg. d. &#220;bers.) vom Firmenkonto abgehoben, dazu Luxuskarossen und   Hubschrauber von Firmengeldern gekauft, um einen Tag sp&#228;ter dann Pleite   anzumelden. W&#228;hrend er seither mit dem Insolvenzverwalter &#8222;Commonwealth   Trust&#8220; konspiriert, um das Unternehmen weiter auszupl&#252;ndern, dessen   Anlagefonds zu rauben und dann an anderer Stelle ein neues Unternehmen   zu er&#246;ffnen, stehen die 107 ArbeiterInnen und die Familien der drei   get&#246;teten Kollegen mit nichts in den H&#228;nden da. Obwohl sie in fast allen   F&#228;llen seit 25 Jahren f&#252;r den Betrieb gearbeitet haben.<\/p>\n<p>  Daher beschlossen die ArbeiterInnen also am Mittwoch, dem 20. Oktober,   das Betriebsgel&#228;nde zu bewachen, um den ehemaligen Besitzer und seinen   Insolvenzverwalter daran zu hindern, weitere Maschinen oder sonstige   Anlagen aus der Firma fortzuschaffen. Die ArbeiterInnen k&#228;mpfen f&#252;r   sichere Arbeitspl&#228;tze, Renten und Sozialleistungen. Sie k&#228;mpfen aber   auch, um zu zeigen, dass die Produktion und die Gesellschaft im   Allgemeinen ohne kapitalistische Chefs auskommen. Die ArbeiterInnen   fordern, dass der Staat das Eigentum &#252;ber die Firma auf die   Besch&#228;ftigten &#252;bertragen soll und Kapital zur Verf&#252;gung stellt, damit   das Gesch&#228;ft von Neuem beginnen kann. Sie haben eine Kooperative   gegr&#252;ndet, um den Betrieb als Schritt in Richtung Vergesellschaftung   unter Arbeiterkontrolle und -verwaltung in die eigenen H&#228;nde zu nehmen.<\/p>\n<p>  Die Besetzung von &#8222;Mine Line&#8220; ist die erste Aktion dieser Art, die   ArbeiterInnen in S&#252;dafrika zur Verteidigung von Arbeitspl&#228;tzen seit   Beginn der Rezession 2008 durchgef&#252;hrt haben. Mehr als eine Million   Arbeitspl&#228;tze sind seither in S&#252;dafrika verloren gegangen. Laut IWF   handelt es sich dabei um die h&#246;chste Rate weltweit im Verh&#228;ltnis zu den   Wachstumsraten. 55 Prozent der S&#252;dafrikanerInnen im arbeitsf&#228;higen Alter   sind wirtschaftlich nicht aktiv (wobei die offizielle Arbeitslosenquote   bei &#8222;nur&#8220; 25 Prozent liegt).<\/p>\n<p>  Bedauerlicherweise haben die f&#252;hrenden K&#246;pfe der Gewerkschaftsbewegung   auf die Rezession reagiert als handele es sich dabei um ein   Naturereignis, f&#252;r das man keinen Menschen verantwortlich machen kann.   Anstatt Massenaktionen zu koordinieren, mit der die   Arbeitgeber-Offensive zur&#252;ckgeschlagen und Arbeitspl&#228;tze h&#228;tten   verteidigt werden k&#246;nnen, haben sie sich darauf versteift, Abkommen mit   den Chefetagen und der Regierung im &#8222;Sinne des Gemeinwohls&#8220; &#8211; unter&#180;m   Strich also zur Rettung der Chefetagen &#8211; zu unterzeichnen. Die   ArbeiterInnen bei &#8222;Mine Line&#8220; lehnen es ab, f&#252;r die Krise zur Kasse   gebeten zu werden, die von den Chefetagen verursacht wurde. Sie senden   ein lautes und eindeutiges Signal an alle ArbeiterInnen ihren Beispiel   zu folgen. Die Wirtschaftskrise hat Millionen von Menschen deutlich   gemacht, dass das kapitalistische System nicht in der Lage ist, die   Gesellschaft fortzuentwickeln. Dieser Kampf wird wichtige   Schlussfolgerungen f&#252;r die organisierte Arbeiterschaft, k&#228;mpferische   Bastionen der Arbeiterklasse und Jugendorganisationen sowohl in   S&#252;dafrika als auch international dar&#252;ber mit sich bringen, wie man f&#252;r   eine sozialistische Alternative k&#228;mpfen kann und muss.<\/p>\n<p>  Die ArbeiterInnen mobilisieren gerade und rufen dazu auf, dass andere   ArbeiterInnen und Belegschaften ihnen Unterst&#252;tzung zuteil werden   lassen. Das Democratic Socialist Movement, COPAC und das breiter   angelegte B&#252;ndnis &#8222;Conference of the Democratic Left&#8220;, eine neue   Initiative zur Einheitsfront, spielen bei der Unterst&#252;tzung dieser   Besetzungsaktion bereits eine aktive Rolle. Jetzt besteht dringender   Bedarf daran, das Gewicht der gesamten Arbeiterbewegung zu vereinen und   die Massenauseinandersetzungen der einzelnen Communities und   Jugendgruppen in einer gemeinsamen und massenhaften Solidarit&#228;tskampagne   miteinander zu verbinden. Au&#223;erdem muss Druck auf den Hauptgl&#228;ubiger der   Firma, auf die Bank ABSA, ausge&#252;bt werden. Diese muss am Ex-Besitzer und   nicht an der Firma selbst dran bleiben, um ihr Geliehenes zur&#252;ck zu   bekommen. Mulder hatte sich bei ABSA unter Vort&#228;uschung falscher   Sicherheiten 35 Millionen Rand (fast 2 Millionen &#8364;; Erg. d. &#220;bers.)   geliehen und diese niemals ins Unternehmen investiert. Dasselbe gilt f&#252;r   die 15 Millionen Rand, mit denen er bei South African Revenue Services   (SARS) in der Kreide steht.<\/p>\n<p>  Die ArbeiterInnen sind befl&#252;gelt durch die couragierten Beispiele, die   die KollegInnen bei INNSE in Italien und bei &#8222;Vestas&#8220; und &#8222;Visteon&#8220; in   Gro&#223;britannien mit ihren Besetzungaktionen gesetzt haben. Die Socialist   Party (Schwesterorganisation von SAV und SLP und Sektion des CWI in   England und Wales) erkl&#228;rt dem Arbeiterkomitee bei &#8222;Mine Line&#8220; und der   MEWUSA seine Solidarit&#228;t. Wir w&#252;nschen ihnen in ihrem mutigen Kampf das   Allerbeste.<\/p>\n<p>  Link zum dazugeh&#246;rigen (englischsprachigen) <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\/doc\/4740\">Video<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Seit Monaten halten ArbeiterInnen in S&#252;dafrika ihre Fabrik besetzt.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14045"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14045"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14045\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}