{"id":14039,"date":"2010-12-23T00:00:00","date_gmt":"2010-12-23T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14039"},"modified":"2010-12-23T00:00:00","modified_gmt":"2010-12-23T00:00:00","slug":"14039","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/14039\/","title":{"rendered":"Aktionswoche und Generalstreik legen &#246;ffentliches Leben in Griechenland \r\n      lahm"},"content":{"rendered":"<p>  Dritte K&#252;rzungsoffensive der griechischen PASOK-Regierung provoziert   erneut Aufst&#228;nde.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Andreas Payiatsos, Xekinima (griechische Schwesterorganisation   der SAV)<\/i><\/h4>\n<p>  Am Mittwoch, den 15. Dezember wurde Griechenland von einem der gr&#246;&#223;ten   Generalstreiks der letzten Jahre ersch&#252;ttert. In dem Land, das mit einer   dritten K&#252;rzungsoffensive von der sozialdemokratischen PASOK-Regierung,   der Europ&#228;ischen Union (EU) und dem Internationalen W&#228;hrungsfond (IWF)   konfrontiert ist, ging &#8211; abgesehen vielleicht von den &#246;ffentlichen   Verkehrsmitteln, die streikenden ArbeiterInnen zu Demonstrationen in der   Athener Innenstadt brachten &#8211; an diesem Tag nichts mehr.<\/p>\n<p>  Dem Streikaufruf folgten 100 Prozent der Besch&#228;ftigten in den Docks und   H&#228;fen, der Stahlindustrie, bei Coca-Cola und anderen Betrieben, zu 90   Prozent im Energiesektor, bei der Telekom, der Post, den Wasserwerken   und im Bankgewerbe.<\/p>\n<p>  Die Bahn (mit Ausnahme der Athener Metro) kam zu einem v&#246;lligen   Stillstand, alle Fl&#252;ge des Tages wurden gestrichen und es war nirgendwo   eine F&#228;hre finden, die den Hafen verlassen wollte. Alle Bereiche   aufzuz&#228;hlen, die bestreikt wurden, w&#252;rde hier den Rahmen sprengen. Es   gen&#252;gt zu erw&#228;hnen, dass sogar RichterInnen den Streik unterst&#252;tzten und   im Justizwesen die KollegInnen zu der Protesten aufriefen.   TaxifahrerInnen lie&#223;en ihre Autos stehen, Zahn&#228;rztInnen schlossen ihre   Privatpraxen und auch ChemikerInnen r&#252;hrten an diesem Tag keinen Finger.<\/p>\n<p>  Trotz starken Regens und dem kalten Wetter demonstrierten knapp 100.000   Menschen in Athen, weitere zehntausende in anderen St&#228;dten.<\/p>\n<h4>  Eine Woche lang Streiks<\/h4>\n<p>  Der Generalstreik kam inmitten einer Zeit entschlossenen, sich   zuspitzenden Klassenk&#228;mpfen, die ihren H&#246;hepunkt in dieser Woche   gefunden hatten. Die letzten Tage brachten das griechischen   gesellschaftliche Leben zum Erliegen. Die Besch&#228;ftigten des &#246;ffentlichen   Transportwesen streikten fast die ganze Woche hindurch. EisenbahnerInnen   &#252;bernahmen die Hauptgesch&#228;ftsstelle der Bahnbeh&#246;rden und die   Bahngewerkschaft (in der bisher eine PASOK-Fraktion das Sagen hatte)   distanzierte sich &#246;ffentlich von der PASOK-Regierung und allen Anderen,   die diese Politik unterst&#252;tzen. Das zeigt auf, welche Spaltungen in den   PASOK-Gewerkschaften existieren, auch wenn diese Entwicklung noch immer   weit davon entfernt ist, konkretere Formen anzunehmen.<\/p>\n<p>  L&#228;ngere Arbeitsniederlegungen gab es auch in den Banken des Landes. Die   &#196;rztInnen des &#246;ffentlichen Gesundheitswesen schlossen sich die ganze   Woche hindurch den Streiks an. In Athen h&#228;uften sich Berge von M&#252;ll weil   auch die M&#252;llabfuhr sich der Bewegung anschloss.<\/p>\n<p>  Auch im Bildungsbereich g&#228;rt es, viele Universit&#228;ten sind besetzt.   W&#228;hrend eine landesweite Konferenz der Universit&#228;tsleitungen ihre   Ablehnung gegen&#252;ber den &quot;Bildungsreformen&quot; des Wissenschaftsministeriums   erkl&#228;rte, versammelten sich ProfessorInnen und linke Studierende um &#8211;   das erste Mal in der Geschichte &#8211; gemeinsame Bildungsproteste zu   koordinieren.<\/p>\n<p>  Ebenso befinden sich die gro&#223;en Medienagenturen im Aufruhr, denn auch   dieser Bereich ist von der wichtigsten Streikbewegung seit 30 Jahren   erfasst. Nicht nur waren am Mittwoch, den 15. Dezember JournalistInnen   und andere Besch&#228;ftigte des Bereichs im Ausstand, sondern auch am   Freitag und Samstag. Somit sollte dann auch das Allerheiligste der   gro&#223;en Medienmogule bestreikt werden &#8211; die Sonntagszeitung.<\/p>\n<h4>  Dritte Welle der Sparma&#223;nahmen<\/h4>\n<p>  Hintergrund des massiven Widerstands ist die dritte Phase der   K&#252;rzungsorgien der griechischen Regierung, der EU und dem IWF, die diese   seit dem letzten Mai begann, als das Memorandum dieser &quot;Triade&quot;   stattfand. Die Angriffe fingen an mit einem Kahlschlagsprogramm im   &#246;ffentlichen Dienst, was f&#252;r die Besch&#228;ftigten in den letzten eine   Verschlechterung des Lebensstandards von 20 bis 30 Prozent bedeutete.   Diese Sparma&#223;nahmen wirken sich jetzt auf die Privatwirtschaft aus und   werden gefolgt mit einer Aufl&#246;sung von Tarifverhandlungen und einem   zunehmenden Privatisierungswahn, der weiteren Lohnabbau ausl&#246;sen wird.<\/p>\n<p>  Die de facto Abschaffung von Tarifverhandlungen wird die gesamte   Arbeiterklasse Griechenlands in allen Bereichen treffen. Tarife, die   entweder von Einzelgewerkschaften oder dem Dachverband der griechischen   Gewerkschaften ausgehandelt wurden &#8211; also allen Gewerkschaften des   Landes &#8211; werden f&#252;r die Konzernchefs nicht mehr bindend sein. Damit   werden die Unternehmen das Recht haben das bisher geltende Tarifrecht zu   umgehen und nur noch pers&#246;nliche Vertr&#228;ge mit den ArbeiterInnen zu   schlie&#223;en.<\/p>\n<h4>  Gro&#223;e Wut<\/h4>\n<p>  Der Zorn gegen diese neuen Kahlschlag ist enorm. Das dr&#252;ckt sich auch in   Interviews des staatlichen Fernsehen aus, das Leute auf der Stra&#223;e zu   zur aktuellen politische Situation befragt hatte, die in den schlimmsten   T&#246;nen &#252;ber diese &quot;300 L&#252;gner und Diebe&quot; wetterten (gemeint sind die 300   Mitglieder des griechischen Parlaments). Vermutlich ist es gar nicht   m&#246;glich, Menschen zu finden, die dem politischen Establishment noch   positiv gegen&#252;berstehen.<\/p>\n<p>  Hochrangigen VertreterInnen der PASOK-Regierung und der   PASOK-Parteif&#252;hrung ist es nicht mehr m&#246;glich &#252;ber die Stra&#223;en der   gr&#246;&#223;eren St&#228;dte laufen oder sich in eine der vielen traditionellen   Tavernen ihrer Wahlkreise setzen. Nicht nur dass sie Gefahr laufen,   angeschrieen oder bespuckt zu werden &#8211; einmal erkannt, werden diese   PolitikerInnen sofort k&#246;rperlich angegriffen. Als am Mittwoch eine   Mitglied der F&#252;hrung der rechten Oppositionspartei, Nea Dimokratia (ND),   der in der vorhergehenden Regierung von 2004-2009 sa&#223;, den Fehler beging   und das Parlamentsgeb&#228;ude verlie&#223; um in ein Luxusrestaurant einzukehren,   wurde er von ArbeiterInnen sofort als Dieb beschimpft und   zusammengeschlagen. Dieser ND-Abgeordnete wurde letztenendes nur   deswegen nicht schwer verletzt, weil besonnenere DemonstrantInnen die   AngreiferInnen beruhigen konnten, um damit Schaden von der Bewegung   abzuwenden.<\/p>\n<h4>  Die Bewegung wird von der F&#252;hrung gebremst<\/h4>\n<p>  Das Potential f&#252;r eine breite Massenbewegung, die die K&#252;rzungen der   PASOK stoppen und die Regierung des Premierminister Giorgos Papandreou   zu Fall bringen kann, ist offensichtlich. Was fehlt ist eine politische   F&#252;hrung, die die sozialen K&#228;mpfe weiterbringen kann.<\/p>\n<p>  Der Generalstreik wurde von der landesweiten Gewerkschaftsf&#252;hrung als   rein symbolische Aktion vorbereitet, nicht mit dem Ziel, die Politik der   PASOK zu kippen. Ziel war es nur Dampf abzulassen, die Regierung   &quot;einzusch&#252;chtern&quot; und zu einigen Zugest&#228;ndnissen zu bewegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Dritte K&#252;rzungsoffensive der griechischen PASOK-Regierung provoziert<br \/>\n      erneut Aufst&#228;nde.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14039"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14039"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14039\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14039"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14039"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}