{"id":14037,"date":"2010-12-22T00:00:00","date_gmt":"2010-12-22T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14037"},"modified":"2010-12-22T00:00:00","modified_gmt":"2010-12-22T00:00:00","slug":"14037","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/14037\/","title":{"rendered":"Funktionsverbote gegen alternative Metaller"},"content":{"rendered":"<p>  Im Ausschlussverfahren gegen kritische IG Metaller bei Daimler Berlin   hat nun der IG Metallvorstand in Frankfurt entschieden.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Drei Betriebsr&#228;te der &#8222;Alternative &#8211; offene Liste&#8220;, die im M&#228;rz 2010   gegen die Liste &#8222;IG Metall f&#252;r Pers&#246;nlichkeitswahl&#8220; kandidierten, d&#252;rfen   nach diesem Beschluss zwei Jahre lang keine Funktion f&#252;r die IG Metall   aus&#252;ben und nicht an Versammlungen der Gewerkschaft teilnehmen. Gegen   einen Betriebsrat der Liste &#8222;Faire Basis&#8220; wurde ebenfalls ein   Funktionsverbot verh&#228;ngt. Den anderen 15 KandidatInnen der alternativen   Liste (die Mitglieder der IG Metall sind) wurden R&#252;gen erteilt.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Angelika Teweleit (aktiv in der Soli-Kampagne f&#252;r vom Ausschluss   bedrohte IG Metaller in Berlin)<\/i><\/h4>\n<p>  Die &#8222;Alternative&#8220; ist eine Gruppe von KollegInnen, die f&#252;r eine   k&#228;mpferische IG Metall eintritt. Anstatt Co-Management zu betreiben und   Verzicht zu &#252;ben, wollen die KollegInnen eine IG Metall, die konsequent   f&#252;r die Interessen der Besch&#228;ftigten eintritt. Sie fordern vom   Betriebsrat, keinem Verzicht mehr zuzustimmen. Anstatt sich im   Standortwettbewerb erpressen zu lassen und schlechtere   Arbeitsbedingungen gegen vermeintlichen Arbeitsplatzerhalt zu   akzeptieren, schlagen sie vor, den gemeinsamen Kampf und   standort&#252;bergreifende Solidari&#228;t zu organisieren.<\/p>\n<p>  Die drei vom Funktionsverbot betroffenen waren bereits vor 2010 im   Betriebsrat in der Opposition. Allerdings wurden ihnen immer wieder   Informationen vorenthalten. Antr&#228;ge der drei wurden meist ohne   Diskussion von der IG Metall-Mehrheitsfraktion im Betriebsrat   abgeschmettert. Eine konstruktive Zusammenarbeit und Einbeziehung der   Minderheitsposition fand nicht statt.<\/p>\n<h4>  Alternative Liste bei Betriebsratswahl<\/h4>\n<p>  Vor diesem Hintergrund entschied die Gruppe, mit einer eigenen Liste und   auf Grundlage eines eigenen Programms zu den Betriebsratswahlen   anzutreten. Von Anfang an reagierte die IG Metall-Mehrheitsfraktion und   die Vertrauensk&#246;rperleitung mit dem Vorwurf der &#8222;Spaltung&#8220;. Sie zeigten   jedoch keinerlei Reaktion auf die wiederholt vorgebrachte Aufforderung   der &#8222;Alternative&#8220;, die unterschiedlichen Positionen und die   Listenaufstellung f&#252;r eine IG Metall-Liste breit in der Mitgliedschaft   zu diskutieren (beispielsweise bei einer Mitgliederversammlung).<\/p>\n<p>  Bei der Wahl bekam die &#8222;Alternative &#8211; offene Liste&#8220; einen Stimmenanteil   von 25 Prozent und zog mit f&#252;nf KollegInnen in den Betriebsrat, was f&#252;r   den ersten Antritt der Liste ein hervorragendes Ergebnis ist.<\/p>\n<h4>  Ausschlussdrohung<\/h4>\n<p>  Nach der Wahl stellten zwei IG Metallmitglieder den Antrag auf ein   Untersuchungsverfahren gegen alle 18 IG Metall-Mitglieder auf der   alternativen Liste. Im folgenden wurde zun&#228;chst eine   Untersuchungskommission gebildet &#8211; mit je zwei Beisitzern der &#8222;Kl&#228;ger&#8220;   sowie der &#8222;Beklagten&#8220; und einem Vorsitzenden. Diese Kommission empfahl   zun&#228;chst mit drei zu zwei Stimmen den Ausschluss der drei   Betriebsratskollegen Mustafa Efe, Fehmyie Utku und Martin Franke und   R&#252;gen f&#252;r 15 weitere KollegInnen.<\/p>\n<h4>  Breite Soli-Kampagne<\/h4>\n<p>  Schon zu Beginn des Untersuchungsverfahrens hatte sich eine breite   Solidari&#228;tskampagne von IG MetallerInnen und GewerkschafterInnen   gebildet. Auf den Treffen des Solikomitees sammelten sich viele emp&#246;rte   KollegInnen. Auf einer Veranstaltung im Mai kamen 170 TeilnehmerInnen.   Ein Kreis von etwa 90 gewerkschaftsnahen Wissenschaftlern, Journalisten   und Kulturschaffenden hatte in einem offenen Brief gegen das Verfahren   protestiert und vor einem &#8222;R&#252;ckfall in die 70iger Jahre&#8220; gewarnt. Nach   dem Beschluss des Untersuchungsausschusses organisierten KollegInnen bei   Daimler und vom Solikomitee Anfang Juni kurzfristig eine Protestaktion   vor dem IG Metall-Haus, an der sich 150 KollegInnen von Daimler und   anderen IG Metallbetrieben beteiligten. Zudem forderten viele Berliner   IG-Metall-Vertrauensleute und Betriebsr&#228;te eine IG Metall-Versammlung   ein, um das Thema zu diskutieren.<\/p>\n<h4>  Berliner Ortsvorstand kippt Ausschluss-Empfehlung<\/h4>\n<p>  Die Solidari&#228;tskampagne zeigte Wirkung. Auch wenn die Aufforderung nach   breiter Debatte ignoriert wurde, so entschied der Berliner Ortsvorstand   der IG Metall immerhin nach langer Beratung, der Ausschluss-Empfehlung   nicht zu folgen. Die OV-Mitglieder f&#252;rchteten, der Unmut im Daimler Werk   oder auch in anderen Betrieben k&#246;nnte gro&#223; sein. Auf keinen Fall d&#252;rfe   der Eindruck erweckt werden, &#8222;kritische Meinungen w&#252;rden durch das   Verhalten des IG<\/p>\n<p>  Metall-Ortsvorstands mit Ausgrenzung beantwortet&#8220;, hie&#223; es in einer   Stellungnahme des Ortsvorstands. Allerdings bezeichnete die Mehrheit des   Ortsvorstands die Einreichung der Liste als &#8222;gewerkschaftssch&#228;digend&#8220;   und empfahl die drei Funktionsverbote. Zu den Vorw&#252;rfen der Ausgrenzung   der Minderheitenpositionen, dem Vorenthalten von Informationen, &#228;u&#223;erte   sich der Ortsvorstand bis heute nicht.<\/p>\n<h4>  Funktionsverbote: undemokratisch<\/h4>\n<p>  Der IG Metallvorstand in Frankfurt ist im Verfahren das Gremium, das   eine Entscheidung trifft. Es ist ein Teilerfolg der Soli-Kampagne, dass   die Ausschl&#252;sse verhindert wurden. Doch auch die Funktionsverbote sind   ein Skandal. Alle drei &#8222;Alternative&#8220; Kollegen wurden 2008 zur   Delegiertenversammlung der IG Metall gew&#228;hlt. Mustafa Efe bekam bei   dieser Wahl die meisten Stimmen. Da die n&#228;chsten Delegiertenwahlen im   Zeitraum des Funktionsverbotes stattfinden, d&#252;rften die drei Kollegen   laut diesem Beschluss das n&#228;chste Mal nicht kandidieren. Somit wird   weiterhin eine demokratische Debatte innerhalb der IG Metall &#252;ber die   unterschiedlichen Positionen verhindert. Solche administrativen   Ma&#223;nahmen sind abzulehnen. Die Gruppe &#8222;Alternative&#8220; wird &#252;ber die   weiteren Schritte beraten, um gegen diesen Beschluss vorzugehen.<\/p>\n<h4>  Untersuchungsverfahren auch in Kassel<\/h4>\n<p>  Bei Daimler Kassel gibt es ebenfalls ein Untersuchungsverfahren gegen   drei IG Metall-Mitglieder, die auf der Liste der dortigen &#8222;Alternative&#8220;   kandidierten. Es gilt, dagegen ebenfalls Solidari&#228;t zu organisieren und   administrative Ma&#223;nahmen gegen die KollegInnen zu verhindern. Statt   Ausgrenzung ist eine breite demokratische Debatte &#252;ber Programm und   Strategie in der IG Metall n&#246;tig, wie die Spirale nach unten bei   Arbeitsbedingungen und die drohende Vernichtung von Arbeitspl&#228;tzen   gestoppt werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Im Ausschlussverfahren gegen kritische IG Metaller bei Daimler Berlin<br \/>\n      hat nun der IG Metallvorstand in Frankfurt entschieden.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14037"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14037"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14037\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14037"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14037"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14037"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}