{"id":14036,"date":"2010-12-21T10:00:00","date_gmt":"2010-12-21T10:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14036"},"modified":"2010-12-21T10:00:00","modified_gmt":"2010-12-21T10:00:00","slug":"14036","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/14036\/","title":{"rendered":"Alle Jahre wieder&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>  &#8230;wird &#252;berraschend festgestellt, das der Winter da ist und, welch   Zufall, Schnee f&#228;llt.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Fl&#252;ge fallen aus, Z&#252;ge kommen nur &#252;berf&#252;llt und versp&#228;tet an, wenn   &#252;berhaupt. Tausende Reisende sitzen europaweit auf Flugh&#228;fen fest und   die Deutsche Bahn warnt sogar vor Bahnreisen. Den ersten Tankstellen   ging sogar schon der Sprit aus. Doch warum st&#252;rzt der erste Schnee halb   Europa ins Chaos?<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Krischan Friesecke, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Ein gutes Beispiel, warum es zum Winterchaos kommt, liefert die Berliner   S-Bahn. Wurde sie vor gut zehn Jahren noch als Musterbeispiel f&#252;r   gro&#223;st&#228;dtischen Nahverkehr gelobt, so ist die Berliner S-Bahn heute fast   schon ein Sanierungsfall. Um den B&#246;rsengang des Mutterunternehmens   Deutsche Bahn voranzutreiben, wurden der Druck nach Gewinnen von Jahr zu   Jahr erh&#246;ht. F&#252;r das Jahr 2010 plante die Deutsche Bahn aus der Berliner   S-Bahn 100 Millionen Euro Gewinn abzusch&#246;pfen, was allerdings durch das   seit Sommer 2009 anhaltende S-Bahnchaos (sozialismus.info berichtete)   erschwert wurde. F&#252;r den geplanten B&#246;rsengang wurde jahrelang gespart   und gek&#252;rzt bis es im wahrsten Sinne des Wortes quietschte.   Wartungskapazit&#228;ten wurden massiv abgebaut, Personal gestrichen und das   Schienennetz lie&#223; man verrotten.<\/p>\n<p>  So darf es dann nicht wundern, wenn Weichen einfrieren, da die Heizungen   defekt sind. Dasselbe Spiel mit den Z&#252;gen der S-Bahn, etliche Z&#252;ge   fallen aus, weil die Motoren einfrieren oder durch Schmelzwasser   Kurzschl&#252;sse auftreten. Und das bei einer sowieso schon stark   reduzierten Flotte! &#220;bervolle Z&#252;ge sind die Folge, wenn denn &#252;berhaupt   einer kommt. In den Neunzigern (bei wochenlangen Wintern bis Minus 20   Grad), als die Berliner S-Bahn noch nicht dem rigiden Sparkurs der   Deutschen Bahn ausgesetzt war, gab es in den Wintermonaten kaum gr&#246;&#223;ere   Probleme mit den Z&#252;gen oder Gleisanlagen.<\/p>\n<p>  Doch nicht nur bei der Berliner S-Bahn ist momentan Gruppenkuscheln   angesagt. Auch bei der Deutschen Bahn r&#228;cht sich der Sparkurs der   letzten Jahre zugunsten des B&#246;rsengangs. Der vorl&#228;ufige H&#246;hepunkt ist   die Warnung der Deutschen Bahn mit ihren eigenen Z&#252;gen zu fahren, das   gab es in der Geschichte der Deutschen Bahn bisher noch nicht.   Zahlreiche Versp&#228;tungen, teils mehrere Stunden, sorgten f&#252;r &#252;berf&#252;llte   Z&#252;ge. Grund daf&#252;r sind auch hier schlecht gewartete Gleisanlagen und   Z&#252;ge, sowie eine Fahrzeugflotte, die an ihre Kapazit&#228;ten st&#246;&#223;t. Durch   Witterung ausgefallene Z&#252;ge k&#246;nnen nicht mehr ersetzt werden und lassen   die Bahnkunden im Schnee stehen.<\/p>\n<p>  Anhand der Deutschen Bahn kann man eindrucksvoll erfahren, wohin die   Privatisierung &#246;ffentlicher Infrastruktur f&#252;hrt. Hohe Preise und   schlechter Service (wenn es denn &#252;berhaupt noch einen gibt) sind die   unmittelbaren Folgen von Privatisierung und Profitjagd.<\/p>\n<h4>  Chaos nicht nur auf der Schiene<\/h4>\n<p>  Nicht nur die Deutsche Bahn hat Probleme mit dem Winter. Europaweit   fielen bisher tausende Fl&#252;ge aus. Ob in Paris, London oder   Frankfurt\/Main, &#252;berall sitzen Reisende wegen versp&#228;teter oder   ausgefallener Fl&#252;ge fest und verbringen teils mehrere Tage im Airport.   In Frankfurt wurden 1.000 Feldbetten in Reserve gestellt, aber selbst   die reichten am Wochenende kaum aus. Zu den Ausf&#228;llen und   Pistensperrungen kam es, da das Bodenpersonal mit dem R&#228;umen und   Enteisen der Landebahnen und Flugzeuge nicht hinter herkam. Auch hier   r&#228;cht sich die Sparpolitik der letzten Jahre. Ein weiteres Problem im   Flugverkehr ist der Mangel an Enteisungsmitteln. Auf Flugh&#228;fen kann   nicht ohne weiteres Streusalz eingesetzt werden, es bedarf spezieller   Enteisungsmittel. Der Haken an der Sache, es gibt in ganz Europa nur   zwei Unternehmen, die diese Mittel herstellen. Das Chemiewerk im   oberbayrischen Gendorf produziert an der Belastungsgrenze und der   Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant freut sich &#252;ber ordentliche   Profite. Nur ist dieses Werk das einzige auf dem europ&#228;ischen Festland,   und es ist ein logistisches Problem, die Enteisungsmittel &#252;ber   verschneite Autobahnen &#252;ber Europa zu verteilen. Anbei stellt sich hier   die Frage, nicht nur &#246;kologisch, ob der Flugverkehr nicht generell   eingeschr&#228;nkt werden m&#252;sste. Eine ordentlich gewartete Bahn ist immer   noch winterfester als jeder Flughafen. Der &#8222;Immer-Schneller-Wahn&#8220; ist   nicht nur umweltfeindlich, sondern in seiner Struktur (Flugverkehr,   Schnellz&#252;ge) auch st&#246;ranf&#228;lliger als die &#8222;langsame&#8220; Alternative   Fl&#228;chenbahn.<\/p>\n<h4>  Gespannte Lage in Kommunen<\/h4>\n<p>  Schon im Winter taten viele Kommunen als w&#228;re der Winter eine   unvorhersehbare Katastrophe. In vielen Kommunen kamen die R&#228;umdienste   nicht mit der Arbeit hinterher und der Vorrat an Streusalz ging schnell   zu Neige. Ende letzten Winters forderte Verkehrsminister Ramsauer eine   &#8222;nationale Streusalzreserve&#8220;. Von den Versprechen, es n&#228;chstes Mal   besser zu machen ist nichts geblieben, wie man auf den Stra&#223;en sehen und   erleben kann.<\/p>\n<p>  Trauriges Beispiel das rot-rot-regierte Berlin. Neben chaotischer S-Bahn   sind unz&#228;hlige Wege nicht ger&#228;umt oder wenigstens gestreut. F&#252;r   Menschen, die nicht gut zu Fu&#223; sind eine Katastrophe.<\/p>\n<p>  Werner Roepke von ver.di erkl&#228;rte: &#8222;In den vergangenen Jahren haben   Senat und Bezirke tausende von Hausmeister- und Arbeiterstellen   abgebaut. Ihre Aufgaben, darunter auch die Schneebeseitigung, sind an   private Firmen vergeben worden.&#8220;. Die Firmen, die von der Privatisierung   profitiert haben, kommen aber mit dem R&#228;umen und Streuen nicht   hinterher, es fehlt an Personal und Ausr&#252;stung. Doch statt die eigene   Unf&#228;higkeit zuzugeben, denken diese Firmen und die Berliner IHK jetzt   dar&#252;ber nach, noch mehr Geld vom Land Berlin zu fordern. Begr&#252;ndet wird   diese Unversch&#228;mtheit damit, das pl&#246;tzlich mehr Fl&#228;che zu r&#228;umen sei,   Fl&#228;che, die vor der Privatisierung von kommunalen Besch&#228;ftigten erledigt   wurde. Fazit: wichtige Infrastrukturaufgaben wie der Winterdienst haben   in privater Hand nichts zu suchen. Es w&#228;ren massive Neueinstellungen und   Materialanschaffungen notwendig, um ein Schneechaos wie in Berlin zu   bew&#228;ltigen und zuk&#252;nftig zu verhindern. &#8222;Wie sich jetzt zeigt, sind   Hausmeister und Arbeiter im &#246;ffentlichen Dienst keinesfalls   &#252;berfl&#252;ssiger Luxus, sondern notwendig. Vor allem in Krisensituationen   zeigt sich, dass nur auf den &#246;ffentlichen Dienst Verlass ist&#8220;, so Werner   Roepke in Bezug auf die Politik des rot-toten Senats der letzten Jahre.<\/p>\n<p>  Seit 2001, dem Antritt von Rot-Rot, ist die Zahl der Mitarbeiter im   &#214;ffentlichen Dienst Berlins halbiert worden. Bundesweit sieht die   Situation nicht wesentlich besser aus, in den letzten Jahren wurde   massiv Personal im &#214;ffentlichen Dienst abgebaut.<\/p>\n<p>  Anstatt die fatale K&#252;rzungspolitik umzudrehen denken einige Politiker   schon dar&#252;ber nach, einfach gar nicht mehr zu r&#228;umen. Da &#252;berlegt man   schon mal dringend notwendige Aufgaben einfach sein zu lassen anstatt   die Winterdienstkr&#228;fte aufzustocken. Und, was nat&#252;rlich nicht fehlen   darf ist das &#8222;Hartz IV-Bashing&#8220;, von Seiten der FDP kam die Forderung,   Harz-IV-Empf&#228;ngerInnen zum Schneeschippen zu verdonnern. Mit einem nach   dem Bed&#252;rfnissen geplanten Winterdienst in &#214;ffentlicher Hand w&#252;rde es   kein Schneechaos in diesem Ausma&#223; geben<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8230;wird &#252;berraschend festgestellt, das der Winter da ist und, welch<br \/>\n      Zufall, Schnee f&#228;llt.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14036"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14036"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14036\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14036"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14036"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14036"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}