{"id":14030,"date":"2011-01-22T00:00:00","date_gmt":"2011-01-21T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14030"},"modified":"2012-06-13T16:44:25","modified_gmt":"2012-06-13T14:44:25","slug":"14030","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/01\/14030\/","title":{"rendered":"Kopftuchverbot ist Ausgrenzung"},"content":{"rendered":"<p>  Nein zu jeder Form von Frauendiskriminierung!<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Im ersten Teil unserer Artikel-Serie zur sogenannten   &#8222;Integrationsdebatte&#8220; betrachtet Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher und   Autor des in diesem Monat erscheinenden Buchs &#8222;Anti-Sarrazin&#8220;, die   Debatte um das Kopftuch.<\/p>\n<p>  Nachdem in verschiedenen Bundesl&#228;ndern ein Kopftuchverbot f&#252;r   Lehrerinnen eingef&#252;hrt wurde, wird nun verst&#228;rkt ein solches Verbot auch   f&#252;r Sch&#252;lerinnen gefordert. Das wird dann als Ma&#223;nahme gegen   Frauendiskriminierung pr&#228;sentiert. Tats&#228;chlich steckt jedoch hinter   dieser Forderung antimuslimischer Rassismus und sie f&#252;hrt zu keiner   Verbesserung der Lebenssituation von Migrantinnen.<\/p>\n<h4>  Haltung von Verbotsbef&#252;rwortern<\/h4>\n<p>  F&#252;r Thilo Sarrazin dr&#252;ckt das Tragen des Kopftuchs niemals nur   Religiosit&#228;t aus, sondern er sieht es als &#8222;Zeichen daf&#252;r, dass der Islam   eine gesellschaftspolitische Dimension jenseits der Religion hat&#8220; und   als Bekenntnis zu &#8222;einer traditionellen Interpretation des Islam&#8220;.   Pauschal setzt er es auch mit einer Anerkennung der Unterordnung der   Frau unter den Mann gleich. Alice Schwarzer geht weiter und vergleicht   das Kopftuch mit dem Judenstern und r&#252;ckt jede Kopftuch tragende Frau in   die fundamentalistische Ecke.<\/p>\n<p>  Die Argumente der Verbotsbef&#252;rworter zeichnen sich durch   Pauschalisierungen aus. Die Logik ist: Entweder werden Frauen zum Tragen   des Kopftuchs gezwungen oder sie sind fundamentalistische Muslima. Damit   ist die Forderung nach einem Kopftuchverbot Teil der Diskriminierung und   Ausgrenzung der muslimischen Bev&#246;lkerung. Sarrazin sagt in seinem Buch   unverbl&#252;mt, er wolle nicht, dass die Frauen in Deutschland ein Kopftuch   tragen. Hier wird deutlich, dass diejenigen b&#252;rgerlichen Politiker, die   von Integration sprechen, in Wirklichkeit Anpassung an eine   deutsch-christliche Kultur und Assimilierung meinen.<\/p>\n<h4>  Tragen des Kopftuchs hat verschiedene Motive<\/h4>\n<p>  Die Motivation, das Kopftuch anzulegen, ist aber vielf&#228;ltig. W&#228;hrend es   zweifellos Frauen gibt, die durch V&#228;ter oder Ehem&#228;nner dazu gezwungen   werden, ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl von ihnen diese   Entscheidung freiwillig getroffen hat &#8211; wobei Freiwilligkeit nicht   absolut zu verstehen ist, da sie im Rahmen von gesellschaftlichen   Normen, Traditionen und mehr oder weniger direkt ge&#228;u&#223;erten   Erwartungshaltungen im sozialen Umfeld stattfindet. Aber die   Entscheidung von deutschen oder christlichen Frauen, sich die Beine zu   rasieren oder Di&#228;ten durchzuf&#252;hren, um im Bikini eine &#8222;gute Figur&#8220; zu   machen, basieren auf einer &#228;hnlich relativen Freiwilligkeit.<\/p>\n<p>  F&#252;r viele Muslima ist das Kopftuch nicht nur ein Zeichen ihrer   Religiosit&#228;t, sondern ein Symbol kultureller Identit&#228;t, nicht selten   auch f&#252;r eine Abgrenzung von einer Gesellschaft, die sie als rassistisch   und sexistisch wahrnehmen. Es ist f&#252;r viele ein Mittel,   Selbstbewusstsein als Migrantinnen zum Ausdruck zu bringen. Das Bild der   Kopftuch tragenden Frau als unterdr&#252;ckte und unselbstst&#228;ndige Muslima   k&#246;nnte falscher nicht sein. Gerade unter den gebildeteren Muslima ist   das Kopftuch weiter verbreitet. 71 Prozent der muslimischen   Kopftuchtr&#228;gerinnen ist es wichtig, in ihrem Leben etwas zu erreichen.   Das gilt nur f&#252;r 35 Prozent der nichtmuslimischen deutschen Frauen.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich ist das Kopftuch auch ein Symbol f&#252;r eine m&#228;nnerdominierte   Religionsgemeinschaft und die Ablehnung des Kopftuchs durch viele Frauen   aus muslimischen L&#228;ndern ist gerechtfertigt. Aber gegen das Kopftuch zu   sein, bedeutet nicht automatisch, f&#252;r ein Verbot einzutreten, so wie   gegen das Kopftuchverbot zu sein auch nicht bedeutet, das Kopftuch in   dieser Symbolik zu unterst&#252;tzen. Niemand fordert das Verbot der   Lederhose, weil sie als Symbol f&#252;r reaktion&#228;re Deutscht&#252;melei oder   bayrischen Separatismus interpretiert werden kann.<\/p>\n<h4>  Position von SozialistInnen<\/h4>\n<p>  Die SAV ist gegen das Kopftuchverbot, egal wo. Wir sind f&#252;r das Recht   eines jeden Menschen, selber zu bestimmen, was er oder sie f&#252;r eine   Kleidung tr&#228;gt. Das bedeutet auch, dass wir aktiv gegen den Zwang, das   Kopftuch zu tragen, eintreten und Frauen dabei helfen, sich gegen   entsprechende Zw&#228;nge zu organisieren und zu wehren.<\/p>\n<p>  Wenn immer mehr junge Muslima das Kopftuch anlegen, ist das vor allem   Ausdruck davon, dass es keine starke linke Bewegung gibt, die ihnen   einen Lebensrahmen jenseits der allt&#228;glichen Diskriminierung und eine   Perspektive im Kampf gegen Rassismus, Armut und Frauenunterdr&#252;ckung   bietet. Das gilt auch generell f&#252;r die Zunahme von Religiosit&#228;t und die   wachsende Unterst&#252;tzung f&#252;r den rechten politischen Islam. Eine solche   Linke aufzubauen ist das beste Mittel, um tats&#228;chliche Gleichheit   zwischen den Geschlechtern zu erreichen und den rechten politischen   Islam zur&#252;ck zu dr&#228;ngen.<\/p>\n<p>  Hilfe f&#252;r diskriminierte Frauen muss anders aussehen. Ein Kopftuchverbot   w&#252;rde diejenigen Frauen, die zum Tragen desselben gezwungen werden,   ohnehin nur weiter von der Gesellschaft isolieren. Die Frauen, die es   freiwillig tragen, w&#228;ren durch ein Verbot nur von ihrer Freiheit   befreit, also unterdr&#252;ckt und diskriminiert. Frauen, die tats&#228;chlich   h&#228;uslicher Gewalt, Zwang und Unterdr&#252;ckung ausgesetzt sind, brauchen vor   allem gut bezahlte Arbeitspl&#228;tze, um wirtschaftlich selbstst&#228;ndig zu   sein und ausreichende Angebote an Beratungsstellen und Frauenh&#228;usern, in   denen die Betreuung auch in t&#252;rkischer und arabischer Sprache   stattfindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nein zu jeder Form von Frauendiskriminierung!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32,6],"tags":[270,233],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14030"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14030"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14030\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}