{"id":14027,"date":"2011-01-03T00:00:00","date_gmt":"2011-01-03T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14027"},"modified":"2011-01-03T00:00:00","modified_gmt":"2011-01-03T00:00:00","slug":"14027","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/01\/14027\/","title":{"rendered":"Klimakiller am Werk"},"content":{"rendered":"<p>  Beschleunigte Erderw&#228;rmung in den letzten zw&#246;lf Monaten<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Welcher Klimawandel? Fragen sich einige vielleicht schlotternd   angesichts des fr&#252;hen Wintereinbruchs. Tats&#228;chlich hei&#223;t globale   Klimaerw&#228;rmung aber nicht Tropen f&#252;r alle, sondern vor allem extremere   und unberechenbare Wetterbedingungen und einen sehr ungleich verteilten   Temperaturanstieg.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Conny Dahmen, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  W&#228;hrend wir schon im Schnee versanken, war die arktische Eisdecke Anfang   Dezember rund eine Million Quadratkilometer kleiner als der Durchschnitt   der Jahre 1978 bis 2008. Laut Potsdam-Institut f&#252;r Klimafolgenforschung   (PIK) f&#252;hrt die Erw&#228;rmung der Luft &#252;ber dieser Region zum Entstehen von   Tiefdruckgebieten, die kalte arktische Luft nach Nord- und Mitteleuropa   leiten und so die Durchschnittstemperatur im Winter hier um 1,5 Grad   Celsius absenken k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  In einigen Regionen Afrikas oder der arabischen Halbinsel k&#246;nnten   dagegen die extremen Lufttemperaturen (mit gro&#223;en D&#252;rren und   Wasserknappheit als Folge) schon bald bis hin zu lebensbedrohlichen   Werten ansteigen. W&#228;hrend im globalen Mittel jeder Mensch 6.000   Kubikmeter Frischwasser zur Verf&#252;gung hat, w&#252;rden es 2015 in der   arabischen Welt nur noch 500 Kubikmeter sein (Bericht des Arabischen   Forums f&#252;r Umwelt und Entwicklung). 1960 gab es in der Region noch   viermal so viel Wasser. Hinzu kommen wom&#246;glich Zulaufprobleme f&#252;r die   Fl&#252;sse: Vertreter des UN-Umweltschutzprogramms UNEP berichteten beim   UN-Klimagipfel im mexikanischen Canc&#250;n, dass die Gebirgsgletscher vor   allem in Asien, Alaska und S&#252;damerika stark abschmelzen.<\/p>\n<h4>  Die Klimakatastrophe hat bereits begonnen<\/h4>\n<p>  Harte Winter, Rekordhitzewellen, die weltweite Zunahme von verheerenden   D&#252;rren, Waldbr&#228;nden, St&#252;rmen und &#220;berschwemmungen sind der Klimawandel,   der schon heute Millionen von Menschen ins Elend st&#252;rzt. Allein der   letzte Sommer hat mit der Flutkatastrophe in Pakistan, die 14 Millionen   Menschen vor dem Nichts stehen lie&#223;, und den Waldbr&#228;nden in Russland   einen Vorgeschmack auf die Zukunft gegeben, die uns droht, wenn die   Erderw&#228;rmung nicht aufgehalten wird.<\/p>\n<p>  Hungersn&#246;te und kriegerische Konflikte um Wasser und Nahrungsmittel   werden die Folge der D&#252;rren vor allem in unterentwickelten L&#228;ndern   werden &#8211; wie jetzt schon im Sudan. Nahrungsmittelkrisen mit   Getreidepreissteigerungen von &#252;ber 300 Prozent wie im Jahr 2008 werden   wiederkehren und sich versch&#228;rfen.<\/p>\n<p>  Die Auswirkungen der Klimaver&#228;nderungen wird neue Fl&#252;chtlingswellen   ausl&#246;sen und weite Gebiete unbewohnbar machen oder gar vom Erdboden   verschwinden lassen, wie beispielsweise das Urlaubsparadies Malediven,   welches ohne eine Emissionsverringerung von mindestens der H&#228;lfte des   derzeitigen CO2-Aussto&#223;es in den Industriestaaten im Meer versinken   wird. Schon heute m&#252;ssen auf einigen Pazifikinseln wegen des steigenden   Meeresspiegels Siedlungen aufgegeben werden.<\/p>\n<h4>  Zynischer Kapitalismus<\/h4>\n<p>  Alles halb so schlimm, meint Umweltminister Norbert R&#246;ttgen. In Canc&#250;n   sagte er: &#8222;In Deutschland hat in den letzten Jahren ein Umdenken   begonnen. In Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sehen wir den   Klimawandel nicht mehr als Bedrohung, sondern als Chance und   Herausforderung&quot; (SPIEGEL vom 9. Dezember).<\/p>\n<p>  Mit dem Klimawandel l&#228;sst sich n&#228;mlich auch Kasse machen: Durch die   Reduktion der Kohlendioxidemissionen von &#252;ber 25 Prozent bis Ende   letzten Jahres, f&#252;r die sich die deutsche Regierung bei der   Klimakonferenz auf die eigene Schulter klopfte, k&#246;nnen die   Energiekonzerne weniger erfolgreicher L&#228;nder die &#252;bersch&#252;ssigen   Emissionsrechte kaufen und damit ungehindert weiter ihren Dreck in die   Luft pusten. Es ist wenig &#252;berraschend, dass bisherigen Berechnungen   zufolge der Emissionshandel unter den EU-Staaten zwischen 2008 und 2012   wohl nur 0,33 Prozent reale Kohlendioxidreduktionen bringt, zumal viele   Industriekonzerne in der Krise Emissionsrechte sozusagen hamstern   konnten. Mit der Bek&#228;mpfung des Klimawandels hat das nichts zu tun.<\/p>\n<p>  Noch zynischer ist, dass Einnahmen aus dem Emissionshandel zum Teil den   75 Milliarden Euro schweren &#8222;Gr&#252;nen Klimafonds&#8220; finanzieren sollen, &#252;ber   den die Industriestaaten laut Beschluss des mexikanischen   UN-Klimagipfels bis 2020 Klimaschutzma&#223;nahmen in den Entwicklungsl&#228;ndern   finanzieren wollen. Mit dem Waffenverkauf wird also den Mordopfern der   Sarg bezahlt.<\/p>\n<h4>  UN-Klimagipfel in Canc&#250;n<\/h4>\n<p>  Auch sonst hat sich in Canc&#250;n die Serie leerer Versprechungen, Blockaden   und Heuchelei fortgesetzt. Mit ihrem Beschluss, den Anstieg der globalen   Temperatur auf zwei Grad Celsius &#252;ber das vorindustrielle Niveau zu   begrenzen, hat die Klimakonferenz den Klimawandel akzeptiert. Die   Auflage des Kyoto-Protokolls, dem die Industriestaaten, ausgenommen   China und die USA, unterliegen, bis 2020 den CO2-Aussto&#223; um 25 bis 40   Prozent (im Vergleich zu 1990) herunter zu schrauben, reicht dazu noch   nicht einmal aus. Nach Ansicht von WissenschaftlerInnen des   UN-Umweltprogramms w&#252;rde sich damit die Atmosph&#228;re immer noch um 3,5 bis   4,5 Grad gegen&#252;ber 1850 aufheizen. Um gr&#246;&#223;ere Katastrophen zu vermeiden,   d&#252;rfte die Erw&#228;rmung sogar nur 1,5 Grad betragen, was eine 85-prozentige   Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2050 erfordert.<\/p>\n<h4>  Die Welt auf Messers Schneide<\/h4>\n<p>  Trotz aller Konferenzen von Rio bis Canc&#250;n ist der weltweite CO2-Aussto&#223;   kontinuierlich gestiegen. Auch f&#252;r 2010 gilt der oft wiederholte Satz:   Das vergangene Jahr war eines der hei&#223;esten Jahre seit Anbeginn der   Wetteraufzeichnungen 1850 (Analyse der UN-Weltmeteorologieorganisation,   WMO). Gleichzeitig haben die weltweiten Kohlendioxidemissionen im selben   Jahr um circa drei Prozent zugenommen, w&#228;hrend im letzten Jahrzehnt der   Durchschnitt bei 2,5 Prozent lag, in den Neunzigern bei ein Prozent.<\/p>\n<p>  Keine UN-Klimakonferenz wird die Erderw&#228;rmung wirklich stoppen k&#246;nnen.   Dominiert von den f&#252;hrenden imperialistischen M&#228;chten und China stehen   hier am Ende immer die kurzfristigen Profitinteressen der Gro&#223;konzerne   im Vordergrund. Zwar w&#228;chst der Sektor f&#252;r erneuerbare Energie weltweit   um 25 bis 30 Prozent j&#228;hrlich. Die Unternehmen dieses Sektors   profitieren aber sehr von staatlichen Subventionen, welche in der EU um   ein F&#252;nftel im ersten Quartal 2010 zur&#252;ckgegangen sind und im Zuge von   Anti-Krisen-K&#252;rzungsma&#223;nahmen wahrscheinlich weiter zusammengestrichen   werden.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig werden nach wie vor Kohlekraftwerke gebaut und betrieben,   allein in Deutschland sind neun im Bau und elf weitere in Planung   (Greepeace, August 2010). Immer noch werden Autos im &#220;berfluss   produziert und der &#246;ffentliche Personenverkehr eingeschr&#228;nkt. Selbst   wenn Angela Merkel, Barack Obama und andere Regierungschefs den Ernst   der Lage sehen sollten, werden sie keine Ma&#223;nahme treffen, welche die   Profite der Energie-, Auto- und &#214;lkonzerne antasten w&#252;rde. Mit einer   verst&#228;rkten Abschottung der &#8222;Festung Europa&#8220;, einer h&#228;rteren   Anti-Fl&#252;chtlingspolitik, Aufr&#252;stung und Auslandseins&#228;tzen des Milit&#228;rs   bereiten sich die Industrienationen schon heute auf die weltweiten   sozialen Folgen des Klimawandels vor.<\/p>\n<h4>  Forderungen der SAV<\/h4>\n<p>  Emissionshandel stoppen. F&#252;r eine Reduzierung der Emissionen um   mindestens 50 Prozent bis 2020 und um mindestens 90 Prozent bis 2050<\/p>\n<p>  &#214;ffentliches Forschungs- und Investitionsprogramm zum massiven Ausbau   regenerativer Energien<\/p>\n<p>  Bei der Produktion Energie sparen und M&#252;ll vermeiden statt industrieller   Energieverschwendung und Verpackungs-Wahnsinn<\/p>\n<p>  Ausbau des &#246;ffentlichen Nah- und Fernverkehrs. Nulltarif im &#246;ffentlichen   Nahverkehr<\/p>\n<p>  Ausarbeitung eines Plans, um bei s&#228;mtlichen &#246;ffentlichen Geb&#228;uden und   Wohnungen W&#228;rmed&#228;mmung zu betreiben<\/p>\n<p>  Sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke<\/p>\n<p>  &#220;berf&#252;hrung der Auto-, Energie-, Verkehrs- und Lebensmittelkonzerne   sowie weiterer Gro&#223;konzerne und Banken in &#246;ffentliches Eigentum bei   demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch die arbeitende Bev&#246;lkerung<\/p>\n<p>  F&#252;r nachhaltige Lebensmittelproduktion, &#246;kologische Methoden in der   Landwirtschaft und der Wiederaufforstung von W&#228;ldern<\/p>\n<p>  Schluss mit Aufr&#252;stung, Waffenexporten und Kriegseins&#228;tzen. Enteignung   der R&#252;stungsindustrie<\/p>\n<p>  Statt Produktion in Konkurrenz und f&#252;r den Profit: Entwicklung einer   demokratisch geplanten Wirtschaft zur Befriedigung der Bed&#252;rfnisse von   Mensch und Natur<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Beschleunigte Erderw&#228;rmung in den letzten zw&#246;lf Monaten\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[119],"tags":[233],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14027"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14027"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14027\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}