{"id":14011,"date":"2010-12-15T00:00:00","date_gmt":"2010-12-15T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14011"},"modified":"2010-12-15T00:00:00","modified_gmt":"2010-12-15T00:00:00","slug":"14011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/14011\/","title":{"rendered":"Euro am Ende?"},"content":{"rendered":"<p>  Teile des deutschen Kapitals beginnen mit Debatte &#252;ber Zukunft der   europ&#228;ischen W&#228;hrung.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Es d&#252;rfte beim letzten Berufsoptimisten angekommen sein: Der Euro   befindet sich in einer existentiellen Krise. Vor einem Jahr &#252;berwog noch   die Erleichterung. Mochte ein Tsunami die Bankenwelt ins Wanken bringen,   der Euro schien sicher in der Brandung zu stehen. <\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Mit der wundersamen Verwandlung von privaten Bankenschulden in   &#214;ffentliche, begann eine neue Phase der Weltwirtschaftskrise.   Griechenland war sein erstes Opfer im Fr&#252;hjahr, Irland folgte im Winter.   Panik macht sich breit in den G&#228;ngen der Eurokratie. Wer ist der   n&#228;chste? Wahrscheinlich Portugal. Danach kommen aller vorraussicht nach   gr&#246;&#223;ere Kaliber: Spanien, Italien&#8230;<\/p>\n<p>  Im Zuge der Griechenland-Krise wurde ein Krisenfonds eingerichtet, um   zuk&#252;nftig schneller bedr&#228;ngten Staaten (oder besser: deren   Gl&#228;ubigerbanken) helfen zu k&#246;nnen. Stolze 750 Milliarden Euro wurden   eingerichtet. Nach der &#8222;Rettungsaktion&#8220; f&#252;r die irischen Banken stellte   sich bei Einigen die Frage, ob diese Summe ausreicht. Der Eindruck   dr&#228;ngt sich auf, dass der Erhalt der gemeinsamen W&#228;hrung zum ber&#252;hmten   Fass ohne Boden werden kann. Offiziell kommen von den f&#252;hrenden   Staatenlenkern noch Durchhalteparolen. Von &#8222;ich glaube nicht, dass die   Eurozone gef&#228;hrdet ist&#8220; (Kanzlerin Merkel) bis &#8222;manchmal haben Krisen   auch ihr Gutes&#8220; (Kommissionspr&#228;sident Barroso). Doch die Zweifel mehren   sich, ob die europ&#228;ische Einheitsw&#228;hrung eine Zukunft hat.<\/p>\n<h4>  Deutsches Kapital<\/h4>\n<p>  Bei Einf&#252;hrung des Euro gab es nicht nur in der Bev&#246;lkerung   Deutschlands, sondern auch bei Teilen des Kapitals massive Zweifel am   Gelingen des Euro. Die Bef&#252;rchtungen schienen sich bis zum Ausbruch der   aktuellen Krise nicht zu best&#228;tigen. Der Euro war stabil und auch keine   Weichw&#228;hrung wie von Einigen bef&#252;rchtet. Das neue Geld half den   Konzernen der st&#228;rksten europ&#228;ischen &#214;konomie noch mehr zu exportieren,   speziell in EU-Staaten. Von Vorteil war, dass der Euro &#8211; im Gegensatz   zur Deutschen Mark &#8211; keinen regelm&#228;&#223;igen Aufwertungen ausgesetzt war.   Vor dem Hintergrund massiver Rationalisierung in den Betrieben,   Flexibilisierung der Arbeitszeit, Ausweitung der Leiharbeit, Senkung der   Reall&#246;hne und Sozialausgaben konnten die deutschen Kapitalisten ihre   Konkurrenten hinter sich lassen. Die Welt schien f&#252;r Ackermann und Co in   Ordnung zu sein . Als das &#8222;Hilfspaket&#8220; f&#252;r Griechenland geschn&#252;rt wurde,   gab es das erste Murren. Teile der konservativen Presse wagten sich aus   der Deckung und forderten den Ausschluss der hellenischen Republik. Zum   damaligen Zeitpunkt wurde diese Idee von der gro&#223;en Mehrheit des   Kapitals noch verurteilt. Es wurde betont, dass gerade die deutschen   Firmen vom Euro profitieren w&#252;rden. Daher sei es n&#246;tig alle Staaten bei   der Stange zu halten. Mit dem &#8222;Fall Irland&#8220;, einer sich anbahnenden   Dauerkrise und der Entwicklung hin zu einer &#8222;Transferunion&#8220; dreht sich   der Wind.<\/p>\n<h4>  Debatte<\/h4>\n<p>  In den letzten Wochen haben einige Medien den Startschuss f&#252;r eine   tabulose Debatte er&#246;ffnet. Roland Tichy, Chefredakteur der   Wirtschaftswoche (Wiwo), ist ein Freund klarer Worte. Ende November   zierte folgende &#220;berschrift seinen Leitartikel: &#8222;Zwei Euro f&#252;r Europa&#8220;.   In seinen Ausf&#252;hrungen legt er zwei M&#246;glichkeiten f&#252;r die weitere   Entwicklung dar. Mit Variante Eins versuche die offizielle Politik den   &#8222;Euro-Crash zu sch&#246;nen und zu verz&#246;gern&#8220;. Variante Zwei, k&#246;nne einen   kleineren Wirtschaftsraum jener L&#228;nder bedeuten, die sich wirtschaftlich   n&#228;her stehen und stabiler seien. Der Tonfall verr&#228;t, dass der   Kommentator diese Variante bevorzugt. Er schlie&#223;t mit wenig euphorischen   Worten:&#8220;Keine sch&#246;nen Alternativen. Aber wir m&#252;ssen uns der Debatte   stellen. Jetzt.&#8220;<\/p>\n<p>  Deutlicher wird Philipp Plickert von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung   (FAZ). In einem Beitrag vom 4.12. stellt er in Frage, ob der deutsche   Export mit Hilfe des Euro gesteigert wurde und verweist auf die guten   Ergebnisse der heimischen Industrie zu DM-Zeiten. Zudem f&#252;hrt er die   Schweiz und Schweden als Beispiele f&#252;r dynamische Volkswirtschaften an,   die sich nur auf eine kleine &#8211; und was den Franken betrifft teure &#8211;   W&#228;hrung st&#252;tzen k&#246;nnten. Er betont die strukturellen Schw&#228;chen der   Einheitsw&#228;hrung: &#8220;Wie die Kritiker stets betont haben, ist der Euro-Raum   kein optimaler W&#228;hrungsraum, weil er zu heterogen ist.&#8220;<\/p>\n<h4>  Kleineres &#220;bel?<\/h4>\n<p>  Als marxistische Organisation hat die SAV, bereits vor seiner Einf&#252;hrung   grundlegende Kritik am Euro ge&#228;u&#223;ert. Allerdings aus ganz anderen   Beweggr&#252;nden wie die oben zitierten Herren. Die Einf&#252;hrung des Euro   wurde als wichtige Begr&#252;ndung zum Sozialabbau genutzt. Der damalige   deutsche Finanzminister Theo Weigel sprach in diesem Zusammenhang davon,   dass auch &#8222;der Weg das Ziel sei&#8220;. Der Wettbewerb wurde durch die   Einf&#252;hrung des Euro noch brutaler als zuvor. Die deutsche Industrie   gewann Marktanteile und die Bosse strichen zus&#228;tzliche Profite ein. F&#252;r   die Besch&#228;ftigten dagegen, sanken die verf&#252;gbaren Einkommen. Die   schw&#228;cheren L&#228;nder wie Griechenland oder Portugal verloren an Boden. Ein   wichtiger Grund war und ist, dass sie nicht mehr wie fr&#252;her die   M&#246;glichkeit besitzen ihre W&#228;hrung abzuwerten und damit die Exporte zu   verbilligen.<\/p>\n<p>  Wenn die jetzige Entwicklung des Euro fortgesetzt wird, m&#252;ssen die   Besch&#228;ftigten aller betroffenen L&#228;nder zahlen. In Griechenland oder   Irland wurde ja nicht der Masse der Bev&#246;lkerung geholfen. In beiden   L&#228;ndern wurden die heimischen und internationalen Banken gerettet. Die   Masse der Bev&#246;lkerung erfuhr die brutalsten K&#252;rzungsprogramme in der   Geschichte dieser L&#228;nder. Die &#8222;Unterst&#252;tzung&#8220; der reicheren Staaten wie   Deutschland wird in Zukunft daf&#252;r genutzt werden, um Steuererh&#246;hungen   und sozialen Kahlschlag zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>  Eine Mini-Eurozone oder gar eine komplette R&#252;ckkehr zu den jeweiligen,   nationalen W&#228;hrungen stellt f&#252;r die Arbeiterklasse aller L&#228;nder auch   keine L&#246;sung dar. Den schw&#228;cheren L&#228;ndern l&#228;gen die Schulden weiterhin   wie M&#252;hlsteine um den Hals, da diese in Euro aufgenommen wurden. Bei den   st&#228;rkeren L&#228;ndern w&#252;rde eine Aufwertung der W&#228;hrung anstehen, die   Exporte verteuern und Arbeitspl&#228;tze bedrohen. Zudem w&#228;ren alle   L&#228;ndern immer noch mit den Widrigkeiten der Krise und der zunehmenden,   weltweiten Konkurrenz im Rahmen des Kapitalismus betroffen.<\/p>\n<p>  So oder so, ist es sehr wahrscheinlich, dass im Zuge eines   Auseinanderbrechens des Euro, nationalistische Stimmungen zunehmen und   von den Herrschenden bewusst gesch&#252;rt werden. Die Wahlerfolge von   rechtspopulistischen Parteien in fast allen westeurop&#228;ischen L&#228;ndern,   k&#246;nnten nur einen Vorgeschmack auf k&#252;nftige Entwicklungen darstellen,   wenn keine starken linken, sozialistischen Alternativen aufgebaut werden.<\/p>\n<h4>  Internationalismus<\/h4>\n<p>  Keine der oben beschriebenen Varianten ist eine L&#246;sung im Sinne der   Masse der Bev&#246;lkerung. Die Arbeiterklasse muss unabh&#228;ngig von den   verschiedenen Vertretern des Kapitals in die zu erwartenden   Auseinandersetzungen eingreifen. Zum einen muss dies hei&#223;en, gegen jede   Verschlechterung anzuk&#228;mpfen und deutlich zu machen, dass die Reichen   und Konzerne f&#252;r die Krise zu zahlen haben. Die gro&#223;en Banken und   Konzerne m&#252;ssen in Gemeineigentum &#252;berf&#252;hrt und demokratisch   kontrolliert werden.Grenz&#252;berschreitenden Solidarit&#228;t (z.B. bei   Arbeitsplatzabbau in mehreren L&#228;ndern einer Firma) zu organisieren ist   Aufgabe der Gewerkschaften. Dies aufzugreifen und politisch zu   unterst&#252;tzen sollte sich DIE LINKE auf die Fahne schreiben. Statt die EU   als eine angeblich fortschrittliche Alternative zu den USA zu   verteidigen, sollten konkrete K&#228;mpfe in den L&#228;ndern (z.B. jetzt in   Irland) unterst&#252;tzt werden. Um dem drohenden nationalistischen Aufwind   begegnen zu k&#246;nnen ist es zentral eine internationalistisch   ausgerichtete Systemalternative zu formulieren. Der Kapitalismus zeigt   mit dieser (Euro-) Krise, dass er unf&#228;hig ist die Probleme der Menschen   zu l&#246;sen. Noch schlimmer, er produziert jeden Tag immer Neue. Der Kampf   gegen die Krisenfolgen braucht eine Navigationsroute f&#252;r die Zukunft:   Die &#8222;Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa&#8220; sind ein lohnendes   Ziel und Gegenst&#252;ck zu den Pl&#228;nen der Kapitalisten und Nationalisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Teile des deutschen Kapitals beginnen mit Debatte &#252;ber Zukunft der<br \/>\n      europ&#228;ischen W&#228;hrung.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14011"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14011"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14011\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14011"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14011"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14011"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}