{"id":14006,"date":"2011-01-10T00:00:00","date_gmt":"2011-01-10T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14006"},"modified":"2011-01-10T00:00:00","modified_gmt":"2011-01-10T00:00:00","slug":"14006","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/01\/14006\/","title":{"rendered":"&#8222;Neben Stuttgart 21 die h&#246;chsten Kosten f&#252;r eine Bahnstrecke weltweit&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Pasha, Mitglied von Socialist Action Hong Kong   (CWI-Schwesterorganisation der SAV in Hongkong) &#252;ber die Proteste gegen   die Bahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Hongkong und Shenzhen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Im Januar 2010 wurde der Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen   Hongkong und Shenzhen beschlossen. Dagegen gab es gro&#223;e Proteste vor   allem von Jugendlichen.<\/b><\/p>\n<h4>  Du hast an der Bewegung gegen die Hoschgeschwindigkeitsstrecke in Hong   Kong teilgenommen. Worum geht es bei dem Projekt? Was ist das Problem?<\/h4>\n<p>  Es ist in erster Linie ein sehr teures Projekt. Es soll 66,9 Milliarden   Hongkong-Dollar kosten. Das entspricht 8,6 Milliarden US$. Das sind   neben dem deutschen Projekt Stuttgart 21 die h&#246;chsten Kosten f&#252;r eine   Bahnstrecke. Der Preis ist ungeheuerlich.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem gab es &#252;berhaupt keine Beratungen mit der Bev&#246;lkerung. Es gibt   in der Tat einen Gegenvorschlag von den GegnerInnen, der nur halb so   viel kosten w&#252;rde. Der Vorschlag wurde einfach abgelehnt, ohne dass der   Vorschlag angeh&#246;rt, richtig untersucht oder in Erw&#228;gung gezogen wurde.   Sie sagten einfach, der Vorschlag w&#228;re unrealistisch und haben mit ihrem   eigenen Projekt weitergemacht.<\/p>\n<p>  Die Beratungsphase f&#252;r das Projekt hat nur sechs Monate gedauert und das   f&#252;r so ein gro&#223;es Projekt. Zwar wurde das Projekt &#252;ber Jahre hinweg   propagiert. Jedoch legte die Regierung lange keinen festen Vorschlag   vor, wie die Bahnstrecke genau aussehen soll. Als sie etwas Belastbares   vorbrachten und das durchdr&#252;cken wollten, gab es nur sechs Monate   Beratung.<\/p>\n<h4>  Wie ist das m&#246;glich?<\/h4>\n<p>  Der Grund, warum sie so einen Vorschlag so schnell durchbringen k&#246;nnen,   ist das sie sich auf einen pseudo Legislativrat st&#252;tzen k&#246;nnen. Das ist   in der Tat ein Mittel der B&#252;rgerlichen Klasse. Die H&#228;lfte des Rates wird   durch die &#214;ffentlichkeit gew&#228;hlt, die andere H&#228;lfte wird ernannt. Das   sind so genannte VertreterInnen der einzelnen Sektoren, so genannter   funktionaler Wahlkreise. So gibt es zum Beispiel Vertreter des   Versicherungssektors, des Bankensektors, des Cateringsektors und so   weiter.<\/p>\n<p>  Die Regierung hat im wesentlichen unter diesen VertreterInnen eine Menge   Unterst&#252;tzung. Um ihren Vorschlag durchzusetzen, hat die Regierung nicht   viel Unterst&#252;tzung der Bev&#246;lkerung gebraucht.<\/p>\n<h4>  Wie waren die Proteste organisiert?<\/h4>\n<p>  Es gab eine Gruppe von jungen Menschen, die sich Post-80er gegen die   Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke nannten. Das war am Anfang eine sehr   lose Gruppe, die eine Kampagne f&#252;r den Erhalt eines Kais in Hong Kong   gef&#252;hrt hat, der im Laufe der Bauarbeiten abgerissen werden sollte.<\/p>\n<p>  Die Bewegung bekam jedoch Schwung als eine weniger junge Gruppe namens   Hong Kong Public Professionals sich ihnen anschloss. Das sind liberale   Oppositionelle, die auch den Gegenvorschlag entwickelt hatten, der von   der Regierung einfach abgelehnt wurde.<\/p>\n<p>  Die H&#246;hepunkte der Bewegung lagen zwischen Dezember 2009 und Januar   2010. Die Post-80er hatten Facebook benutzt, um die Argumente gegen die   Hochgeschwindigkeits-Strecke und f&#252;r die Alternative zu verbreiten. Es   gab aber auch eine Reihe von Diskussionen auf dem Campus der   Universit&#228;ten von Hong Kong. Sie hatten eine Menge Unterst&#252;tzung unter   den Studierenden in Hong Kong.<\/p>\n<p>  Es gab keine Partei oder Organisation, die die Proteste organisiert oder   geleitet h&#228;tte. Das ist auch eine der Einzigartigkeiten. Es war eine   Gruppe von Jugendlichen, die sich selbst organisiert hatten und ihre   Informationen &#252;ber Facebook verbreiteten.<\/p>\n<h4>  Welche Schritte hatte die Bewegung ergriffen?<\/h4>\n<p>  Es gab Umzingelungen des Legislativrats von Hong Kong, an denen sich bis   zu 30.000 Leute beteiligten. Auch wenn die Regierung ihre Vorschl&#228;ge da   nur f&#252;r das Schaufenster debattiert, hatte sich die Bewegung die Termine   herausgegriffen. Im Dezember und Januar umzingelten und blockierten sie   das Legislativrat. Trotzdem konnten sie ihre Entscheidung im Januar   durchsetzen.<\/p>\n<h4>  Gab es danach noch weitere Schritte der Bewegung?<\/h4>\n<p>  Nach der Entscheidung brach die Bewegung im gro&#223;en und ganzen zusammen.   Auch weil es keine Kraft, keine Partei in der Bewegung gab, die eine   Strategie oder weiteren Weg f&#252;r die Bewegung aufgezeigt h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Es gab jedoch noch Proteste gegen den Abriss einer ganzen Stadt, die den   Bauarbeiten der Strecke zum Opfer fallen sollte. Die Stadt sollte   umziehen und die Bewohner da raus geworfen werden. Dagegen gab es einen   Kampagne, die &#228;hnlich wie die Post-80er aufgebaut war, aber nicht so   viele Menschen umfasste.<\/p>\n<p>  Es gab Demonstrationen in der Stadt aber vor allem auch einen riesigen   Protest an dem Tag, als die Stadt abgerissen werden sollte. Sie hatten   die gesamte Stadt f&#252;r kurze Zeit besetzt.<\/p>\n<h4>  Machten die AktivistInnen der Bewegung noch weiter?<\/h4>\n<p>  Ja. Ein Grund warum das Projekt so leicht durchgesetzt werden konnte,   war die Zusammensetzung des Legislativrats. Viele Jugendliche haben das   mit erkannt, dass es nicht demokratisch gew&#228;hlt ist. Deshalb haben sie   auch allgemeine und gleiche Wahlen gefordert. Sie haben sich jedoch   nicht der Kampagne f&#252;r ein Referendum zu dem Thema angeschlossen, weil   sie mit den Politischen Parteien nichts am Hut haben wollten. Sie sind   der Meinung, dass Politische Parteien zu nichts taugen. Sie hatten sich   dann umbenannt in so genannte Post-80er gegen Privilegien umbenannt. Sie   k&#228;mpfen f&#252;r allgemeine und gleiche Wahl, aber sie wollen sich von den   Parteien fern halten.<\/p>\n<h4>  Wof&#252;r k&#228;mpft die Gruppe Socialist Action?<\/h4>\n<p>  Wir waren an der Kampagne f&#252;r den Erhalt der Stadt beteiligt. Unser   Slogan war: &#8222;Verteidigt die Stadt, Schmei&#223;t die Kapitalisten raus und   st&#252;rzt die Regierung&#8220;. Wir waren gleichzeitig aber auch noch an anderen   Kampagnen beteiligt. So fordert Socialist Action einen Mindestlohn von   33 HongKong Dollar ohne Kompromiss. Das ist ein gro&#223;es Thema.<\/p>\n<p>  Wir sind der Meinung, dass Jugendliche und ArbeiterInnen die Hegemonie   der Kapitalisten durchbrechen m&#252;ssen. Sie versuchen jedes ihrer Projekte   und jeden ihrer Vorschl&#228;ge so hinzustellen, als h&#228;tten sie nichts mit   dem anderen zu tun. Dabei hat es mit ihrer Wirtschaftsordnung zu tun.   Ihre Vorschl&#228;ge sind immer im Interesse der Kapitalistenklasse.<\/p>\n<p>  Das gilt f&#252;r die Hochgeschwindigkeits-Strecke, mit der sie versuchen das   chinesische Regime zu umwerben und sogar noch mehr Geld von ihnen zu   bekommen, aber auch f&#252;r den Mindestlohn, wo sie immer versuchen die   Forderung der ArbeiterInnen abzulehnen.<\/p>\n<p>  Es ist deshalb essentiell, dass alle ArbeiterInnen und Jugendlichen mit   uns f&#252;r eine sozialistische Gesellschaft aktiv werden und mit uns   k&#228;mpfen. Jede Verbesserung f&#252;r uns haben wir nicht durch die Gnade der   Kapitalisten erhalten, sondern nur durch unseren Kampf daf&#252;r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Pasha, Mitglied von Socialist Action Hong Kong<br \/>\n      (CWI-Schwesterorganisation der SAV in Hongkong) &#252;ber die Proteste gegen<br \/>\n      die Bahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Hongkong und Shenzhen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,102],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14006"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14006"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14006\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14006"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14006"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14006"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}