{"id":14003,"date":"2010-12-07T12:00:00","date_gmt":"2010-12-07T11:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14003"},"modified":"2012-07-02T18:45:56","modified_gmt":"2012-07-02T16:45:56","slug":"14003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/14003\/","title":{"rendered":"Notstand in Spanien"},"content":{"rendered":"<p>  Ein &#8222;wilder Streik&#8220; der spanischen Fluglotsen wird durch das Milit&#228;r   gebrochen.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am Wochenende hat die Regierung Zapatero Geschichte geschrieben. Zum   ersten mal seit dem Ende der Franco-Diktatur hat sie Milit&#228;r eingesetzt   um das Ende eines Arbeitskampfs zu erzwingen. Damit wird ein   gef&#228;hrlicher Pr&#228;zedenzfall geschaffen, der eine Warnung an die   Arbeiterbewegung, &#252;ber die Grenzen Spaniens hinaus, darstellt.<\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Wer die b&#252;rgerlichen Medien und deren Berichterstattung verfolgte, hatte   Schwierigkeiten zu erfahren, was &#252;berhaupt der Ausl&#246;ser der   Fluglotsen-Aktion war. Im Vordergrund stand das Bestreben, den Streik zu   diskreditieren und die Akteure als Privilegierte zu brandmarken. Die   &#8222;Tagesschau&#8220; zeigte Bilder von aufgebrachten Menschen, die gerade erst   erfahren hatten, dass sie infolge des Streiks nicht in den Urlaub   fliegen konnten. Die FAZ warf den spanischen KollegInnen vor &#8222;ein Land   als Geisel&#8220; zu nehmen.<\/p>\n<h4>  Hintergrund des Streiks<\/h4>\n<p>  Spanien befindet sich seit zwei Jahren in einer tiefen Krise. Der   Immobilienboom endete in &#220;berkapazit&#228;ten und viele Baufirmen gingen   pleite. Die Arbeitslosigkeit stieg rasant auf etwa 20 Prozent,   Jugendliche sind &#252;berproportional betroffen. Im Zuge der Euro-Krise   kommt auch das iberische Land immer mehr unter Druck der Finanzm&#228;rkte.   Vor diesem Hintergrund, versucht derzeit die von den Sozialdemokraten   gef&#252;hrte Regierung drastische Sozialk&#252;rzungen und Privatisierungen   durchzusetzen. Im Herbst wurde ein B&#252;ndel von Ma&#223;nahmen verabschiedet,   welches der Dimension der Agenda 2010 in Deutschland nahe kommt. Das   spanische Kapital will den Durchbruch. Von Lohnk&#252;rzungen f&#252;r Beamte &#252;ber   Lockerung des K&#252;ndigungsschutzes bis hin zu Privatisierung der Flugh&#228;fen   Madrid und Barcelona. Zudem sollen Massensteuern angehoben werden. Auf   der anderen Seite gibt es Steuererleichterungen f&#252;r die Kapitalisten.   Auf Druck der Basis riefen die Gewerkschaften Ende September zum   Generalstreik auf, der von &#252;ber zehn Millionen Besch&#228;ftigten befolgt   wurde. &#196;hnlich wie in Deutschland, war es aber seitens der F&#252;hrung nicht   das Ziel, die Politik der Regierung zu stoppen oder diese gar zu Fall zu   bringen. Der Ausstand sollte nur Dampf ablassen und brachte deshalb auch   die Regierung nicht in Bedr&#228;ngnis.<\/p>\n<h4>  Ausl&#246;ser<\/h4>\n<p>  Die Regierung verf&#252;gte im Rahmen ihres Sozialkahlschlags, die K&#252;rzung   der Geh&#228;lter der Lotsen von 350.000 Euro im Jahr auf 200.000 Euro. Als   dann noch die Arbeitszeit verl&#228;ngert werden sollte, war bei den   KollegInnen das Ma&#223; voll. Nachdem sich die Gewerkschaftsf&#252;hrung   geweigert hatte, Kampfma&#223;nahmen zu ergreifen ging der Gro&#223;teil der   Sp&#228;tschicht am Freitag zum Arzt und lies sich krank schreiben. Die Folge   waren Chaos an den spanischen Flugh&#228;fen und w&#252;tende Urlauber.<\/p>\n<h4>  Milit&#228;reinsatz<\/h4>\n<p>  Die Regierung Zapatero verf&#252;gte den Alarmzustand, als erste Stufe des   Notstands. Dieser wird im Regelfall nur bei Naturkatastrophen oder   Terroranschl&#228;gen verh&#228;ngt. Mit dieser Ma&#223;nahme wurden die Fluglotsen an   ihren Arbeitsplatz gezwungen und der Luftwaffe unterstellt.   Zuwiderhandlungen h&#228;tten zur Folge gehabt, dass die Besch&#228;ftigten vor   ein Milit&#228;rgericht gestellt und zu Haftstrafen verurteilt worden w&#228;ren.<\/p>\n<h4>  Gefahren<\/h4>\n<p>  Mit diesem Vorgehen zeigt die spanische Spitze, dass sie fest   entschlossen ist, ihren Kurs durchzusetzen. Dabei kommen Eins&#228;tze der   staatlichen Repressionsorgane europaweit immer mehr in &#8222;Mode&#8220;. Im   Fr&#252;hjahr zerschlug die Armee einen Arbeitskampf der Lastwagenfahrer in   Griechenland. Im Zuge der gro&#223;en Streikbewegung in Frankreich wurde   mittels der Polizei die Blockade der Raffinerien beendet. &#220;ber viele   Jahre waren solche Vorg&#228;nge in Westeuropa undenkbar. Die tiefe Krise des   Kapitalismus zwingt die herrschende Klasse in immer mehr L&#228;ndern zu   brutalen K&#252;rzungen um ihre Profitinteressen zu wahren. Um den gr&#246;&#223;er   werdenden Widerstand brechen zu k&#246;nnen, werden auch grundlegende   demokratische Freiheiten, wie etwa das Streikrecht angegriffen.<\/p>\n<h4>  Konsequenzen<\/h4>\n<p>  Die Kapitalisten haben dann leichtes Spiel, wenn es ihnen gelingt, eine   Gruppe der Besch&#228;ftigten zu isolieren. Die Fluglotsen sind in vielen   L&#228;ndern ein besonders gut organisierter und selbstbewusster Teil der   Lohnabh&#228;ngigen. Und das aus gutem Grund: Sie sind hoch qualifiziert und   sind an einer sensiblen Stelle der Wirtschaft angesiedelt. Wenige   Hundert von ihnen k&#246;nnen &#8211; wie am Wochenende in Spanien geschehen &#8211; den   Flugverkehr eines ganzen Landes lahm legen. Aufgrund ihres &#8211; im   Verh&#228;ltnis zu den Durchschnittsverdienern &#8211; hohen Gehaltes, k&#246;nnen sie   als Privilegierte dargestellt werden. Es wurde schon fr&#252;her praktiziert,   dass bei den besser gestellten Schichten der Arbeitnehmer der Lohnabbau   begann und dann auf den Rest ausgeweitet wurde. Einer nach dem anderen,   um gemeinsamen Widerstand zu verhindern. Die kollektive Krankmeldung als   Mittel des Streiks, war von den Lotsen eine Art Verzweiflungstat um die   deutlichen Einbu&#223;en noch zu verhindern. Sie steht im Zusammenhang mit   dem Unwillen der Gewerkschaftsb&#252;rokratie ernsthaft gegen die Regierung   und ihre reichen Hinterm&#228;nner zu k&#228;mpfen. Aufgabe von linken   Gewerkschaftern sollte es daher in solchen K&#228;mpfen sein, Argumente gegen   die Spaltung zu liefern und Druck von unten zu organisieren, um einen   gemeinsamen Kampf von m&#246;glichst Vielen zu erm&#246;glichen. Dann gibt es die   Chance, Vorurteile zwischen den KollegInnen zu &#252;berwinden und zusammen   erfolgreich gegen die wirklich Privilegierten zu k&#228;mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ein &#8222;wilder Streik&#8220; der spanischen Fluglotsen wird durch das Milit&#228;r<br \/>\n      gebrochen.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14003"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14003"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14003\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14003"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14003"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14003"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}