{"id":14000,"date":"2010-12-06T00:00:00","date_gmt":"2010-12-05T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14000"},"modified":"2012-05-15T14:53:39","modified_gmt":"2012-05-15T12:53:39","slug":"14000","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/14000\/","title":{"rendered":"Neuwahlen in Hamburg: Eine Chance f&#252;r Die LINKE!"},"content":{"rendered":"<p>  Warum die GAL aus der Regierung ausstieg und eine linke Alternative   dringend n&#246;tig ist.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Ende November ist die Schwarz-Gr&#252;ne Koalition in Hamburg geplatzt.   Wenn eine Regierungskoalition zerplatzt w&#252;rde man denken, das dies an   politischen Widerspr&#252;chen geschieht. Weit gefehlt! Die beiden   b&#252;rgerlichen Parteien f&#252;r die hanseatischen W&#228;hler mit dickem Geldbeutel   (in Hamburg ist die FDP nicht in der B&#252;rgerschaft ) haben in trauter   Zusammenarbeit Politik f&#252;r die Pfeffers&#228;cke gemacht. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von David Schultz aka Holger Burner, Hamburg<\/i><\/h4>\n<p>  Ein Landesvorstandsmitglieds der LINKEN zieht folgende Bilanz: &#8222;Das   Kohlekraftwerk Moorburg wird gebaut, die &#252;berteuerte Elbphilharmonie und   die Hafen-City-U-Bahn werden fertiggestellt, Studiengeb&#252;hren werden   erhoben, Kita-Gutscheine sind eingef&#252;hrt und die Elternbeitr&#228;ge erh&#246;ht,   Schulbau, -unterhaltung und -renovierung sind betriebswirtschaftlichem   Regiment unterworfen und aus dem &#246;ffentlichen Haushalt ausgegliedert,   die Pensionsfonds f&#252;r den &#246;ffentlichen Dienst und ehemalige   LBK-Besch&#228;ftigte sind im allgemeinen Haushalt verfr&#252;hst&#252;ckt,   &#246;ffentliches Eigentum der Stadt ist bis auf kleine Reste verscherbelt   und privatisiert. Zudem ist die Aufkl&#228;rung des HSH-Nordbank Skandals   verschleppt, die Untersuchung der Elbphilharmonie- Verteuerung   verz&#246;gert. Der Sozialbereich, die kommunalen bezirklichen Bereiche und   die Kulturszene diskutieren seit Monaten weitere K&#252;rzungen ihrer   Haushalte, weil ihnen suggeriert wurde,&#8222;&#252;ber ihre Verh&#228;ltnisse&#8220; gelebt   zu haben. Sparen als Volkssport scheint etabliert. Die st&#228;rkere   Beteiligung der Reichen und Gro&#223;betriebe an der Finanzierung der Stadt   wird verdr&#228;ngt, sie wurden geschont&#8230;.Unvergessen ist der Beschluss der   GAL-Mitgliederversammlung am 18.8.10, dass wegen der Haushaltsklemme im   &#246;ffentlichen Dienst Stellen gestrichen, Geh&#228;lter gek&#252;rzt, bei den   B&#252;rgern Geb&#252;hren erh&#246;ht und staatliche Leistungen weggestrichen werden   m&#252;ssten.&#8220;<\/p>\n<p>  Aber auch die Versch&#228;rfungen der staatlichen Repression wurden von der   GAL ausnahmslos mitgetragen. Ob ein Innensenator, der Geheimdienstchef   war, ein Ultrareaktion&#228;rer B&#252;rgermeister, ein Finanzsenator, gegen den   Veruntreungsverfahren laufen &#8211; um an der Macht zu sein w&#228;hlt die GAL   alles mit!<\/p>\n<h4>  Warum zerplatzt dann aber jetzt die innige Zweierbeziehung?<\/h4>\n<p>  Die GAL hat aus ihrer Sicht einen schlauen Zeitpunkt gew&#228;hlt, um ein   m&#246;glichst gutes Wahlergebnis zu erzielen. Aufgrund der R&#252;cktritte   verschiedenster Senatoren aus der Regierung wurde diese als (in den   W&#228;hlerumfragen) &#8222;sinkendes Schiff&#8220; gesehen, das man am besten verl&#228;sst,   um sich auch langfristig eine Regierungsbeteiligung sichern zu k&#246;nnen.   Da die GR&#220;NEN gerade bundesweit als Oppositionspartei in den   b&#252;rgerlichen Medien hochgeschrieben werden ist dies der Versuch, Teile   des eigenen W&#228;hlerklientels in Hamburg zu halten &#8211; nach zwei weiteren   Jahren K&#252;rzungs- und Repressionspolitik w&#228;re es schwerer, den   Oppositionslack &#252;ber den Regierungsrost zu t&#252;nchen. Politisch ist die   Aussage des Kabarettisten Marc Uwe Kling &#252;ber die Gr&#252;nen nach wie vor   v&#246;llig richtig: &#8222;Die Blumenkinder, wer konnts ahnen, gingen den Weg   aller Bananen &#8211; Heute Gr&#252;n, morgen Gelb und &#252;bermorgen Schwarz&#8220;.<\/p>\n<p>  Denn auch in den aktuellen K&#252;rzungspl&#228;nen (geplante 510 Millionen   Volumen) zeigte sich deutlich, f&#252;r welches Klientel beide Parteien   eintreten &#8211; allein ein Viertel des Volumens sollte &#252;ber K&#252;rzungen im   &#214;ffentlichen Dienst erzielt werden. Die Schulsenatorin war sogar stolz   darauf, das ein Gro&#223;teil davon beim Schulpersonal eingespart werden   sollte! Keine Diskussion &#252;ber unn&#246;tige Leuchtturmprojekte wie die U 4   oder die Elbphilharmonie &#8211; lieber daf&#252;r ein paar hundert Millionen Euro   raustun und 370.000&#8364; bei den Schulzahn&#228;rzten sparen &#8211; die Kinder aus den   Armutsstadtteilen wird man mit ihren Zahnl&#252;cken schon nicht in N&#228;he der   Elbphilharmonie sehen, nicht nur wegen der Eintrittspreise, sondern   auch, weil der HVV mal wieder teurer werden soll.<\/p>\n<p>  Die GAL versucht, mit ihrem taktischen Move so zu wirken, als w&#228;re ihnen   diese K&#252;rzungspolitik zu radikal &#8211; und hat sicherlich auch gewisse   Probleme damit, das die CDU die K&#252;rzungen im Kultursenat nicht ganz so   wahltaktisch schlau durchdacht hat. K&#252;rzungen in Jugendh&#228;usern und   B&#252;cherhallen kann man noch ziemlich leicht totschweigen, aber wenn beim   Schauspielhaus oder beim Altonaer Theater gek&#252;rzt wird, meckert auch der   Ottenser Oberstudienrat, der seit 25 Jahren GAL w&#228;hlt. Auch bei den   K&#252;rzungen im Kita-Bereich denkt man, das sich die GAL ihre F&#228;higkeiten   im eigenen W&#228;hlerbashing bei der Schr&#246;der-SPD abgeschaut hat.<\/p>\n<p>  Dabei wird sich bei einer wahrscheinlichen Rot-Gr&#252;nen Folgeregierung   qualitativ nichts an der Politik &#228;ndern. Weder sehen sich SPDler wie   Olaf Scholz (Zeitarbeit, Hartz 4, Afghanistaneinsatz&#8230;) oder der   R&#252;stungslobbyist Johannes Kahrs in irgendeiner Weise dem S im   Parteinamen verpflichtet (Olaf Scholz hat die Worte &#8222;Soziale   Gerechtigkeit&#8220; aus dem SPD-Programm rausgek&#228;mpft ) &#8211; noch hat die   Bourgeoisie in Hamburg Probleme mit einer SPD-Regierung. Eigentlich ist   die SPD sogar die klassische Regierungspartei in Hamburg.<\/p>\n<p>  Und: Die Milliarden, die in die HSH-Nordbank gepumpt wurden muss jede   Folgeregierung in Form von K&#252;rzungen aus der Bev&#246;lkerung rauspressen,   wenn sie sich nicht mit den Reichen anlegen will.<\/p>\n<h4>  Die LINKE<\/h4>\n<p>  Das alles bietet eine hervorragende Ausgangsposition f&#252;r eine LINKE, die   in ihrem Wahlkampf konsequent gegen kapitalistische Politik auftritt.   Die Leute haben die Schnauze voll von K&#252;rzungshaushalten &#8211; das hat unter   anderem die von Verdi organisierte Menschenkette gegen die Sparpolitik   gezeigt, an der sich statt erwarteten 2000 &#252;ber 18.000 Menschen   beteiligten! Sicher ist es schwer, gegen den Medienhype der GAL wirksam   aufzutreten &#8211; die Antwort auf diese L&#252;gen muss aber auf der Strasse   gegeben werden, wo die LINKE, wenn sie auf die GAL angesprochen w&#252;rde   keine Illusionen in einen &#8222;m&#246;glichen Politikwechsel&#8220; sch&#252;ren darf,   sondern mit den Worten &#8222;Moorburg, Hartz 4, Elbphilharmonie,   Kriegseins&#228;tze&#8220; an die tats&#228;chliche Politik erinnern muss.<\/p>\n<p>  Objektiv also eine sehr gute Grundlage f&#252;r einen polarisierten   Wahlkampf. Leider gibt es laut Linksfraktionschefin Dora Heyenn in der   aktuellen B&#252;rgerschaftsfraktion eine Mehrheit f&#252;r eine Linke   Regierungsbeteiligung (siehe Artikel in der junge welt vom 30.11.10 ).   Also muss auf den Wahlparteitagen der LINKEN im Januar f&#252;r eine   konsequente Ausrichtung auf k&#228;mpferischen Widerstand statt mitgestalten   von kapitalistischer K&#252;rzungspolitik gek&#228;mpft werden. Kritische   LINKE-Mitglieder sollten deutlich machen: Jede Beteiligung an einer   Regierung, die Gesetze gegen ArbeiterInnen, Jugendliche, Erwerbslose,   RentnerInnen, MigrantInnen etc beschlie&#223;t ist das Anfang vom Ende der   LINKEN. Das zeigen auch die Erfahrungen aus anderen L&#228;ndern wie z.B.   Italien, wo die Rifundazione Communista durch eine Regierungsbeteiligung   jegliche Unterst&#252;tzung verspielt hat, die sie vorher genossen hat.   Niemand braucht eine zweite SPD, die mit &#8222;Sachzwanglogik&#8220; argumentiert,   aber sich niemals mit den wirklich Reichen und M&#228;chtigen anlegt. Eine   Beteiligung an einer kapitalistischen Regierung f&#252;hrt zu einer   Kompromisslogik, die linke Grundlagen verl&#228;sst &#8211; wenn man anf&#228;ngt   gegenzurechnen und argumentiert &#8222;ja, wir haben einer Geb&#252;hrenerh&#246;hung   zugestimmt aber damit die Schlie&#223;ung einer B&#252;cherhalle verhindert&#8220; ist   man in der kapitalistischen Verwaltungslogik angekommen.<\/p>\n<p>  Deswegen kommt es darauf an, das die Linken in der LINKEN die politische   Herausforderung annehmen und auf den Parteitagen eine inhaltliche wie   personelle Alternative vertreten &#8211; und dann mit diesen Positionen im   Wahlkampf deutlich sichtbar nach au&#223;en auftreten, um dem Einheitsbrei   von CDUSPDGAL eine wirkliche Herausforderung entgegenzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Warum die GAL aus der Regierung ausstieg und eine linke Alternative<br \/>\n      dringend n&#246;tig ist.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14000"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14000"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14000\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14000"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14000"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14000"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}