{"id":13996,"date":"2010-12-03T00:00:00","date_gmt":"2010-12-03T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13996"},"modified":"2010-12-03T00:00:00","modified_gmt":"2010-12-03T00:00:00","slug":"13996","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/13996\/","title":{"rendered":"Nach der &#8222;Schlichtung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Widerstand plus statt Stuttgart 21 plus<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die Gespr&#228;che zur Faktenkl&#228;rung (&#8222;Schlichtung&#8220;) haben die   &#220;berlegenheit der Modernisierung des Stuttgarter Kopfbahnhofs   (Kopfbahnhof 21, K21) &#252;ber Stuttgart 21 klar gezeigt. Trotzdem hat sich   Gei&#223;ler in seinem Schlichterspruch f&#252;r Stuttgart 21 mit Korrekturen   (&#8222;Stuttgart 21 plus&#8220;) ausgesprochen. Unsere Antwort muss lauten:   Widerstand plus<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein, aktiv im Cannstatter Aktionsb&#252;ndnis gegen   Stuttgart 21<\/i><\/h4>\n<p>  Vor der Schlichtung versprach Ministerpr&#228;sident Mappus, dass alle Fakten   auf den Tisch k&#228;men. Bei der Finanzierung haben sie offen zugegeben,   dass das nicht der Fall war, und das mit drohenden   &#8222;Wettbewerbsverzerrungen&#8220; begr&#252;ndet. Beim 5. Treffen kritisierte selbst   Gei&#223;ler, dass wichtige Unterlagen zur Geologie nur in einer   &#8222;Geheimkammer&#8220; in Frankfurt einsehbar waren. Die &#8222;betriebliche   Aufgabenstellung zur Umsetzung der Konzeption Netz 21&#8220; (BAST) der Bahn   kam nur auf den Tisch, weil sie der &#8222;Stern&#8220; ver&#246;ffentlichte. (Und auf   den Vorwurf, die Bahn habe bis 2009 in der &#214;ffentlichkeit Zahlen   verwendet, von denen sie wusste, dass sie viel zu niedrig waren,   reagierte sie mit der peinlichen Behauptung, an dieser einen Stelle der   BAST seien D-Mark und nicht Euro gemeint gewesen.) Ob die Bahn in   anderen Fragen wirklich alle Fakten auf den Tisch gelegt hat oder   weitere f&#252;r sie peinliche Gutachten in irgend welchen Giftschr&#228;nken   versteckt h&#228;lt, k&#246;nnen wir nicht wissen. Schlie&#223;lich durfte das   Aktionsb&#252;ndnis keine Haussuchung bei der Bahn durchf&#252;hren.<\/p>\n<h4>  Die &#8222;Schlichtung&#8220;<\/h4>\n<p>  Trotzdem kamen viele Fakten auf den Tisch, die die Durchf&#252;hrbarkeit von   K21 und die Sch&#228;dlichkeit von S21 bekr&#228;ftigten. Es war beeindruckend,   wie Amateur-Bahnexperten die hoch bezahlten Bahnvertreter argumentativ   an die Wand dr&#252;ckten. Die Gespr&#228;che wurden zum Gro&#223;teil im Fernsehen   &#252;bertragen und hatten au&#223;erordentlich hohe Einschaltquoten &#8211; gemessen an   den Ma&#223;st&#228;ben des Spartenkanals Phoenix und des Vormittags- und   Nachmittagsprogramm des SWR (Am 26. November hat Phoenix sogar die   &#8222;Schlichtung&#8220; statt der Haushaltsdebatte im Bundestag &#252;bertragen.)   Trotzdem hat nur eine kleine Minderheit der Bev&#246;lkerung von   Baden-W&#252;rttemberg gr&#246;&#223;ere Passagen der Schlichtungsgespr&#228;che live   verfolgt. Die gro&#223;e Masse informierte sich trotzdem &#252;ber die   Tageszeitungen und andere Massenmedien, die ein mehr oder weniger   verzerrtes Bild der Gespr&#228;che boten. Symptomatisch ist, dass im gleichen   Zeitraum, in dem die Gespr&#228;che enth&#252;llten, dass Stuttgart 21 noch   verheerender ist, als selbst die KritikerInnen gedacht hatten, die   Unterst&#252;tzung f&#252;r das Projekt und f&#252;r die Landesregierung in den   Meinungsumfragen zunahm. Wir sollten deshalb die kommenden Monate auch   nutzen, um die durch die &#8222;Schlichtung&#8220; deutlich gewordenen neuen Fakten   in Flugbl&#228;ttern, Brosch&#252;ren, auf Veranstaltungen, in pers&#246;nlichen   Gespr&#228;chen einem breiteren Kreis bekannt zu machen. Es ist gut, dass   z.B. der BUND an Themenflugbl&#228;ttern arbeitet, die die Ergebnisse der   &#8222;Schlichtung&#8220; auswerten.<\/p>\n<p>  Es gab aber auch Schwachpunkte wie die Diskussion &#252;ber die   Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Wendlingen und Ulm. Gangolf Stocker   vom Aktionsb&#252;ndnis gegen Stuttgart 21 erkl&#228;rte diese Schw&#228;che in einem   Interview mit Stadt.Plan, der Zeitung der Fraktionsgemeinschaft von   Stuttgart &#214;kologisch Sozial (S&#214;S) und Linken im Stuttgarter Gemeinderat:   &#8222;Es ist eh&#8217; ein offenes Geheimnis: Weil es auf unserer Seite   unterschiedliche Meinungen gab und gibt. Ich dachte bislang, dass wir   die Neubaustrecke wegen Unwirtschaftlichkeit ablehnen, das sei jetzt   gemeinsamer Stand, und diese Position h&#228;tten wir &#252;berzeugend darstellen   k&#246;nnen. Aber da gibt es offenbar beim BUND, aber auch bei VCD- und PRO   BAHN-Gruppen noch immer die Position, jede Schiene ist per se gut. Wir   mussten also unter uns einen Kompromiss aushandeln, das schw&#228;cht die   Verteidigung und die Gefahr eines Eigentors w&#228;chst.&#8220; (Nr. 4\/2010, S. 3)<\/p>\n<p>  Dies ist &#252;berhaupt ein wichtiges Ergebnis der &#8222;Schlichtung&#8220;, das noch   weiter diskutiert werden sollte: sie hat nicht nur neue Argumenten gegen   Stuttgart 21 gebracht, sondern auch Argumente zu Fragen, die in der   Bewegung gegen Stuttgart 21 kontrovers sind, insbesondere zur   ICE-Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm und zum ICE-Anschluss des   Flughafens. Erstere war vor einem guten Jahr in der Bewegung gegen   Stuttgart 21 fast noch Konsens. Die SAV geh&#246;rt zu den wenigen, die sie   von Anfang an ablehnten. Inzwischen wirken die Bef&#252;rworter der   ICE-Trasse in der Bewegung gegen Stuttgart 21 fast schon wie &#8222;letzte   Mohikaner&#8220;, wie das Zitat von Gangolf Stocker zeigt. Der ICE-Anschluss   des Flughafens wurde im Rahmen von K21 zumindest als M&#246;glichkeit   diskutiert, v.a. von Klaus Arnoldi vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).   Bei den Gespr&#228;chen wurde deutlich, dass (entgegen der Propaganda, dass   der ICE eine umweltfreundliche Alternative zum Flugzeug sei) die Bahn   mit dem ICE-Anschluss am Flughafen die Fluggastzahlen steigern will, so   dass eine zweite Startbahn notwendig w&#252;rde &#8211; gegen die sich die &#246;rtliche   Bev&#246;lkerung seit Jahren zu Recht leidenschaftlich und bisher erfolgreich   wehrt.<\/p>\n<p>  Ein grundlegendes Problem der Idee von &#8222;Gespr&#228;chen zur Faktenkl&#228;rung&#8220;   ist aber, dass sie die stillschweigende Voraussetzung hat, dass beide   Seiten am Gemeinwohl, an einem guten Bahnverkehr interessiert sind und   man deshalb mit rationalen Argumenten kl&#228;ren kann, welche Mittel diesem   Zweck am besten dienen. Wenn man davon ausgeht, dass es der Gegenseite   um die Profite von Baukonzerne, Immobilienspekulanten, Banken etc. geht,   sie dies aber der Bev&#246;lkerung nach M&#246;glichkeit verheimlicht und dazu   Tatsachen zur&#252;ckh&#228;lt oder verdreht, dann sollte klar sein, dass ein   &#8222;Faktencheck&#8220; nur partiell funktionieren kann.<\/p>\n<h4>  Die Idee eines Schlichterspruchs<\/h4>\n<p>  Der einzig m&#246;gliche Sinn der &#246;ffentlichen Faktenkl&#228;rung war, dass die   &#214;ffentlichkeit Informationen bekam und sich selbst eine Meinung bilden   konnte. Von daher war die Idee eines Schlichterspruches am Ende der   Gespr&#228;che, von dem am Anfang ja &#252;berhaupt keine Rede war, an sich   abzulehnen. Wenn es nur darum gegangen w&#228;re, Gei&#223;ler die Informationen   f&#252;r seinen Schlichterspruch zu geben, h&#228;tten die Gespr&#228;che auch bei   Gei&#223;ler im Wohnzimmer stattfinden k&#246;nnen. Den Leuten erst Informationen   zu geben, damit sie sich eine Meinung bilden k&#246;nnen, und ihnen am   Schluss sagen, dass ihre Meinung nicht gefragt ist, weil der Herr   Gei&#223;ler sagt, wo&quot;s langgeht, ist eine Frechheit.<\/p>\n<h4>  &#8222;Stuttgart 21 plus&#8220;<\/h4>\n<p>  Gei&#223;ler nennt seinen &#8222;Schlichterspruch&#8220; Stuttgart 21 plus. Gei&#223;ler   pl&#228;diert daf&#252;r S21 weiter zu bauen, nennt daf&#252;r aber eine Reihe von aus   seiner Sicht notwendigen &#196;nderungen. Bei einigen dieser Vorschl&#228;ge ist   die Realisierbarkeit extrem fragw&#252;rdig. Er fordert, dass im Park nur   kranke B&#228;ume gef&#228;llt werden d&#252;rfen, die anderen umgepflanzt werden   m&#252;ssen. Kompetente Leute sagen, dass ein 200 Jahre alter Baum, dessen   Wurzelwerk einen Durchmesser von 15 Metern hat und dessen Wurzeln mit   den Wurzeln benachbarter B&#228;ume verflochten sind, sich nicht mehr   verpflanzen l&#228;sst. Das Sprichwort &#8222;Einen alten Baum verpflanzt man   nicht&#8220; hat auch bei der heutigen Technik seine Berechtigung. Au&#223;erdem   gilt diese Forderung Gei&#223;lers nur f&#252;r die B&#228;ume im Schlossgarten, nicht   f&#252;r z.B. die B&#228;ume am Parkplatz vor dem Nordausgang des Bahnhofs, wo   bald B&#228;ume gef&#228;llt werden sollen. Oder: Wie kann ein unterirdischer   Bahnhof barrierefreie Fluchtwege haben, also ohne Treppen Rolltreppen,   Aufz&#252;ge etc.? Die einzige M&#246;glichkeit w&#228;ren kilometerlange leicht   geneigte Stollen. Sollen sich in ihnen (z.B. im Fall eines Brandes)   Menschen in Panik, Menschen mit Rollst&#252;hlen, mit Kinderwagen etc.   dr&#228;ngen? Oder: der achtgleisige Bahnhof sollte den ganzen Raum zwischen   dem zu erhaltenden Teil des bisherigen Bahnhofs und der BW-Bank   einnehmen. Wo soll da Platz f&#252;r ein 9. und 10. Gleis sein?<\/p>\n<p>  Obendrein ist der &#8222;Schlichterspruch&#8220; doppeldeutig. Erst f&#252;hrt er   Ma&#223;nahmen auf, die er f&#252;r &#8222;unabdingbar&#8220; h&#228;lt. Dann soll die Bahn einen   Stresstest mit einer Simulation machen. &#8222;Welche der von mir   vorgeschlagenen Bauma&#223;nahmen zur Verbesserung der Strecken bis zur   Inbetriebnahme von S 21 realisiert werden, h&#228;ngt von den Ergebnissen der   Simulation ab.&#8220; Also die &#8222;unabdingbaren&#8220; Ma&#223;nahmen sind pl&#246;tzlich nur   noch &#8222;vorgeschlagen&#8220; und k&#246;nnen auch irgendwann nach der Inbetriebnahme   von Stuttgart 21 verwirklicht werden. Die Baden-W&#252;rttembergische   Verkehrsministerin (die wohl das Ergebnis des Stresstests schon kennt?)   hat am Mittwoch das von Gei&#223;ler geforderte 9. und 10. Gleis f&#252;r unn&#246;tig   erkl&#228;rt.<\/p>\n<p>  Auf jeden Fall w&#252;rde eine Verwirklichung der Gei&#223;lerschen Vorschl&#228;ge das   Projekt noch teurer machen und sinnvolle Verkehrsprojekte noch mehr   &#8222;kannibalisieren&#8220;. Entscheidende Probleme hat Gei&#223;ler in seinem   Schlichterspruch &#252;berhaupt nicht erw&#228;hnt: die Gefahren f&#252;r das   Grundwasser, die Mineralquellen, die geologischen Risiken beim Bau etc.   (Aber vielleicht l&#246;st das ja das Problem mit den B&#228;umen? Wenn die B&#228;ume   absterben, weil ihnen das Wasser abgegraben wird, dann darf man sie ja   nach Gei&#223;ler f&#228;llen.)<\/p>\n<h4>  Gei&#223;lers Vorw&#228;nde<\/h4>\n<p>  Gei&#223;lers Argumentation gegen K21 ist lachhaft. Er sagt, K21 sei noch   nicht geplant, genehmigt etc. Seine Behauptung &#8222;F&#252;r Stuttgart 21 dagegen   gibt es eine Baugenehmigung&#8220; ist schlicht falsch. Wichtige   Teilabschnitte (z.B. am Flughafen) sind noch nicht genehmigt. F&#252;r die   Einsparma&#223;nahmen, die die Bahn 2009 beschloss, um die Kosten unter die   &#8222;magische Schwelle&#8220; von 4,5 Milliarden Euro zu dr&#252;cken, wurde noch nicht   mal eine Genehmigung beantragt. Ob all das jemals genehmigt wird, kann   Gei&#223;ler nicht wissen.<\/p>\n<p>  Aber dieses geplante und teilweise genehmigte S21 erkl&#228;rt er selbst f&#252;r   nicht akzeptabel und fordert deshalb gravierende Ver&#228;nderungen wie 2   zus&#228;tzliche Gleise am Hauptbahnhof, die nat&#252;rlich neue Planungen und   Genehmigungen erfordern w&#252;rden. Ein grundlegender Vorteil von K21   gegen&#252;ber S21 (mit oder ohne plus) ist, dass S21 erst in Betrieb   genommen werden kann, wenn es fertig gebaut ist, nach 10-20 Jahren oder   noch sp&#228;ter. Dagegen k&#246;nnen bei K21 einzelne Teilabschnitte separat   verwirklicht werden. Wenn also bei K21 jetzt erst mit dem Planen,   Genehmigen und Bauen begonnen w&#252;rde, k&#246;nnten trotzdem einzelne   Teilabschnitte davon innerhalb von meinetwegen zehn Jahren verwirklicht   werden und dann schon reale Verbesserungen bringen. Dagegen w&#252;rde S21   jahrzehntelanges Verkehrschaos und dann Verschlechterungen als   Dauerzustand bedeuten und Gei&#223;lers &#8222;S21 plus&#8220;, also &#8222;S21 noch teurer&#8220;,   w&#252;rde bestenfalls nach jahrzehntelangem Verkehrschaos eine &#228;hnliche   Qualit&#228;t wie heute bringen.<\/p>\n<p>  Dass K21 nicht geplant und genehmigt ist (da die Verantwortlichen es   nicht wollen) wussten wir schon vor der &#8222;Schlichtung&#8220;. Wenn das f&#252;r   Gei&#223;ler ein entscheidendes Argument ist, waren die Gespr&#228;che nie   ergebnisoffen. Dann ging es von vornherein nur darum, welche &#196;nderungen   bei S21 notwendig sind. Unter diesen Voraussetzungen w&#228;re das   Aktionsb&#252;ndnis gegen Stuttgart 21 nie zu den Gespr&#228;chen bereit gewesen.<\/p>\n<p>  Weiter argumentiert Gei&#223;ler mit den Kosten des Ausstiegs aus Stuttgart   21 und den Kosten f&#252;r K21, die er den Kosten f&#252;r S21 gegen&#252;ber stellt.   Hier zeigt sich deutlich, dass der Faktencheck bei dieser wichtigen   Frage der Kosten keinerlei &#220;bereinstimmung gebracht hat. Gei&#223;lers   Argumentation l&#228;uft darauf hinaus, sich der Einsch&#228;tzung der   Stuttgart-21-Bef&#252;rworter anzuschlie&#223;en.<\/p>\n<p>  Er sagt auch einfach: &#8222;Die rechtliche Situation scheint mir eindeutig&#8220;   und ignoriert alle Argumente, dass sich Vertr&#228;ge mit bestimmten Gr&#252;nden   k&#252;ndigen lassen.<\/p>\n<h4>  Nimmt die Bahn den &#8222;Schlichterspruch&#8220; ernst?<\/h4>\n<p>  Gei&#223;ler will der Bahn keinen Baustopp bis zu den Landtagswahlen zumuten.   Aber wenn sie seine Vorschl&#228;ge ernst nehmen w&#252;rde, k&#246;nnte sie dann   einfach weiterbauen? Das n&#228;chste gr&#246;&#223;ere Bauprojekt im Rahmen von   Stuttgart 21 ist ein unterirdisches Technikgeb&#228;ude vor dem Nordausgang   des Hauptbahnhofs, f&#252;r das mehrere B&#228;ume gef&#228;llt und die seit dem 17.   Juli rund um die besetzte Mahnwache der Stuttgart-21-GegnerInnen   vertrieben werden m&#252;sste. Aber wenn der unterirdische Bahnhof zwei   zus&#228;tzliche Gleise bekommen soll, dann braucht er mehr Platz. Wenn die   Bahn Gei&#223;lers Vorschl&#228;ge ernst nehmen w&#252;rde, m&#252;sste sie erst kl&#228;ren, ob   das Technikgeb&#228;ude mit dem erweiterten Bahnhof vereinbar ist.<\/p>\n<p>  Und &#252;berhaupt: es war ja nicht so, dass die zahlreichen Einwendungen,   die bei den Genehmigungsverfahren f&#252;r Stuttgart 21 gemacht wurden, alle   f&#252;r unbegr&#252;ndet erkl&#228;rt wurden. Sie f&#252;hrten dazu, dass der Bahn beim Bau   zahlreiche Auflagen gemacht wurden. Diese Auflagen hat sie beim Abriss   des Nordfl&#252;gels und bei der Baumf&#228;llung vom 1. Oktober reihenweise   verletzt. Von einer Bahn, die gerichtliche Auflagen so schamlos   verletzt, k&#246;nnen wir nicht annehmen, dass sie sich an Gei&#223;lers nicht   rechtlich verbindliche Forderungen h&#228;lt.<\/p>\n<p>  Gei&#223;ler schl&#228;gt vor, die durch das Vergraben der Gleise frei werdenden   Fl&#228;chen in eine Stiftung zu &#252;berf&#252;hren und der Spekulation zu entziehen.   Das w&#252;rde geringere Einnahmen durch Immobilienverk&#228;ufe bedeuten, so dass   noch mehr &#246;ffentliche Gelder hinein gebuttert werden m&#252;ssten. Wenn die   Stiftung jemals eingef&#252;hrt w&#252;rde, w&#252;rde sie wohl in den folgenden Jahren   fr&#252;her oder sp&#228;ter leeren Kassen und &#246;ffentlichem Geldbedarf geopfert   werden und die Spekulanten dann doch wieder zum Zug kommen.<\/p>\n<p>  Gei&#223;ler erkl&#228;rt einen Baustopp f&#252;r unzumutbar, weil der Vorstand der   Bahn gesetzlich verpflichtet sei, Schaden vom Unternehmen abzuwenden.   Aber es entsteht wohl kein Schaden f&#252;r das Unternehmen, wenn sie jetzt   Auftr&#228;ge f&#252;r Bauarbeiten vergeben oder gar Bauarbeiten beginnen, die bei   &#8222;Stuttgart 21 plus&#8220; gar nicht oder ganz anders ausgef&#252;hrt werden   m&#252;ssten? Vergebene Auftr&#228;ge stornieren, weil man statt Stuttgart 21   &#8222;Stuttgart 21 plus&#8220; baut, ist kein Problem, aber vergebene Auftr&#228;ge   stornieren, weil man statt Stuttgart 21 K21 baut, ist Teufelszeug? Oder   meint Gei&#223;ler selber seine &#8222;unabdingbaren&#8220; oder &#8222;vorgeschlagenen&#8220;   &#196;nderungen nicht ernst. Soll &#8222;Stuttgart 21 plus&#8220; die CDU nur &#252;ber die   Landtagswahl retten und dann in der Versenkung verschwinden?<\/p>\n<h4>  Gei&#223;ler und die Fortsetzung des Konflikts<\/h4>\n<p>  Gei&#223;ler rechnet damit, dass der Protest anhalten wird und es dabei auch   zu Konfliktsituationen kommen kann und empfiehlt f&#252;r diesen Fall eine   Schlichtung in &#228;hnlicher Zusammensetzung mit z.B. Bisch&#246;fen als   Moderatoren. H&#228;tten sich am 30. September Schlichter zwischen den   Wasserwerfern und den DemonstrantInnen zusammensetzen sollen? Gei&#223;lers   Einsch&#228;tzung des 30. September war ohnehin infam. Er sagte: &#8222;Am 30.   September eskalierte der Protest.&#8220; Am 30. September eskalierte die   Polizeigewalt! Mit seiner &#220;bernahme der Sprachregelungen von Mappus,   Rech &amp; Co bereitet Gei&#223;ler neue Gewaltorgien der Polizei vor.<\/p>\n<h4>  Die Reaktion des Aktionsb&#252;ndnisses<\/h4>\n<p>  Gei&#223;ler sagte: &#8222;Diese von mir vorgetragenen Vorschl&#228;ge in den Ziffern 11   und 12 werden von beiden Seiten f&#252;r notwendig gehalten.&#8220; Diese   Vorschl&#228;ge sind eben die Weiterentwicklung von Stuttgart 21 zu   &#8222;Stuttgart 21 plus&#8220;. Das wurde von den Medien teils so dargestellt, als   trage das Aktionsb&#252;ndnis gegen Stuttgart 21 den Schlichterspruch mit.   Die erste Presseerkl&#228;rung des Aktionsb&#252;ndnisses war recht verschwommen   und hat diesen falschen Eindruck nicht beseitigt. Es war z.B. davon die   Rede, sich weiterhin f&#252;r K21 einzusetzen, aber nicht von Widerstand   gegen Stuttgart 21, bis es gestoppt ist. Dass Medien, die seit Monaten   auf jedes Indiz f&#252;r ein Einknicken der Stuttgart-21-GegnerInnen lauern,   sich darauf st&#252;rzen w&#252;rden, war klar.<\/p>\n<p>  Bei der 3. Aktionskonferenz gegen Stuttgart 21 am 2. Dezember hat Hannes   Rockenbauch klargestellt, dass das Aktionsb&#252;ndnis den Schlichterspruch   ablehnt. Er hat die Position des Aktionsb&#252;ndnisses in den Verhandlungen   zwischen den Schlusspl&#228;doyers und Gei&#223;lers Schlichterspruch so   dargestellt: Sie haben Arbeitsauftr&#228;ge f&#252;r die Stuttgart-21-Seite   formuliert verbunden mit der Forderung, dass es einen Baustopp geben   m&#252;sse, bis diese neuen Planungen etc. fertig sind. Zweitens sollten   damit die Kosten f&#252;r das Projekt weiter in die H&#246;he getrieben werden.   Die Stellungnahmen von Bahn &amp; Co lassen aber keinen Zweifel, dass sie   gar nicht daran denken, einen Baustopp (und einen Vergabestopp) zu   machen.<\/p>\n<p>  Hinter der Idee, Forderungen zu stellen, die die Kosten f&#252;r Stuttgart 21   weiter in die H&#246;he treiben, steht die Illusion, dass das Projekt an   seinen eigenen Widerspr&#252;chen zerbrechen werde. Diese Hoffnungen wurden   immer wieder widerlegt. Die Reaktion Gei&#223;lers auf die &#252;berzeugenden   Argumente gegen Stuttgart 21 ist das beste Beispiel. Es geht eben nicht   um rationale Argumente, sondern um Interessen, und zwar m&#228;chtige   Interessen. Trotzdem hoffen wohl Teile des Aktionsb&#252;ndnisses, dass ein   Versuch &#8222;Stuttgart 21 plus&#8220; zu verwirklichen, endlich die Widerspr&#252;che   des Projekts so weit zuspitzen werde, dass Stuttgart 21 kippt. Andere   haben vielleicht die Hoffnung aufgegeben, Stuttgart 21 stoppen zu   k&#246;nnen, und wollen es nur noch &#8222;kritisch begleiten&#8220;, wie das der   Gr&#252;nen-Politiker W&#246;lfle schon 2009 formulierte. Auf solche Abwege kommt   man, wenn man kein Vertrauen hat, Stuttgart 21 durch eine Massenbewegung   (einschlie&#223;lich zivilen Ungehorsam) stoppen zu k&#246;nnen &#8211; oder das sogar   als Bedrohung empfindet. Das ist nat&#252;rlich nicht die Haltung des   gesamten Aktionsb&#252;ndnisses. Gerade Hannes Rockenbauch hat zu Recht immer   wieder die zentrale Bedeutung des Widerstands der Bev&#246;lkerung betont.<\/p>\n<h4>  Die dritte Aktionskonferenz gegen Stuttgart 21<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend die erste Presseerkl&#228;rung des Aktionsb&#252;ndnisses so schwammig   war, dass die Stuttgart-21-Presse jubelte und GegnerInnen von Stuttgart   21 in Sorge waren, gab es schon Dienstag abend bzw. Mittwoch   Stellungnahmen von Teilen des Aktionsb&#252;ndnisses (der Linken und der   GewerkschafterInnen gegen Stuttgart 21), die deutlich betonten, dass der   Widerstand weiter gehen muss. Auf der Aktionskonferenz am Donnerstag   wurde nicht nur klargestellt, dass das Aktionsb&#252;ndnis insgesamt den   Schlichterspruch ablehnt und weiter f&#252;r den Erhalt des Kopfbahnhofs und   den Widerstand gegen Stuttgart 21 ist, diese Haltung wurde von den   250-300 TeilnehmerInnen auch einhellig unterst&#252;tzt.<\/p>\n<p>  Dabei wurde auch deutlich, dass nicht nur die SAV grunds&#228;tzliche Kritik   an der Schlichtung hatte. Andere teilen unsere Einsch&#228;tzung, dass die   Mappus-Regierung nach dem brutalen Polizeieinsatz vom 30. September   total in der Defensive war und die Schlichtung f&#252;r sie ein Mittel war,   wieder in die Offensive zu kommen, den Polizeieinsatz schneller aus der   &#246;ffentlichen Diskussion zu bekommen, als es sonst der Fall gewesen w&#228;re.   Nach dem 30. September gab es Demonstrationen mit &#252;ber 100.000   TeilnehmerInnen (nicht nur &#252;ber 60.000, wie Gei&#223;ler in seinem   &#8222;Schlichterspruch&#8220; sagte), die &#8222;Mappus weg&#8220; riefen. Hat es nicht Mappus   &amp; Co aufgewertet, dass sich VertreterInnen des Aktionsb&#252;ndnisses gegen   Stuttgart 21 nach dem 30. September mit ihnen an einen Tisch gesetzt   haben?<\/p>\n<p>  In Beitr&#228;gen gab es Zustimmung f&#252;r die Haltung der Parksch&#252;tzer, die   nach den Sondierungsgespr&#228;chen nicht an der Schlichtung teilnahmen, weil   die Bauarbeiten am &#8222;Grundwassermanagement&#8220;, das die Wasserversorgung der   B&#228;ume im Park bedroht, weitergingen. Andere Beitr&#228;ge warfen die Frage   auf, ob das Aktionsb&#252;ndnis nicht aus den Gespr&#228;chen h&#228;tte aussteigen   sollen, z.B. als letzte Woche Gei&#223;ler in Interviews seinen   Schlichterspruch ank&#252;ndigte.<\/p>\n<p>  Aber nat&#252;rlich stand im Mittelpunkt die Frage, wie es weitergeht. In   verschiedenen Redebeitr&#228;gen wurden die Bedeutung der Fortsetzung der   Proteste und des Hinaustragens von Informationen ins Land betont. Es   w&#228;re aber fatal, beides gegen einander auszuspielen. Es muss Hand in   Hand gehen. Stuttgart 21 ist landes- und bundesweit zum Thema geworden,   weil die Hartn&#228;ckigkeit, mit der wir gegen Stuttgart 21 demonstriert und   zivilen Ungehorsam geleistet haben, die Menschen aufmerksam gemacht hat.   Wenn wir jetzt damit nachlassen w&#252;rden, w&#252;rde sich der von den Medien   vermittelte Eindruck festsetzen, das Thema Stuttgart 21 sei mit dem   &#8222;Schlichterspruch&#8220; erledigt. Dann w&#252;rden wir wenig damit erreichen, ins   Land hinaus zu fahren, weil die Menschen sich f&#252;r unsere neuen   Flugbl&#228;tter gegen Stuttgart 21 nicht mehr sehr interessieren und deshalb   gar nicht merken w&#252;rden, dass das inhaltliche Ergebnis der Schlichtung   das Gegenteil des Schlichterspruchs war: der Nachweis der eindeutigen   &#220;berlegenheit von K21.<\/p>\n<p>  Deshalb ist es gut, dass die Demonstration zum Schlichterspruch am 4.   Dezember um 14.00 Uhr immer st&#228;rker beworben wird, nachdem sie zuerst   von den Parksch&#252;tzern ausging, aber vom Aktionsb&#252;ndnis abgelehnt wurde,   das sich auf die Mobilisierung f&#252;r den 11. Dezember konzentrieren   wollte. Gut ist das, weil eine entschlossene Demo am Samstag nach dem   &#8222;Schlichterspruch&#8220; die beste Mobilisierung f&#252;r die &#252;berregionale Demo am   11. Dezember ist.<\/p>\n<p>  Und von der Hartn&#228;ckigkeit der Bewegung gegen Stuttgart 21 konnte man   sich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein Bild machen. Zu   Wochenbeginn waren Pl&#228;ne durchgesickert, dass am Freitag   Baumf&#228;llarbeiten f&#252;r den Bau des unterirdischen Technikgeb&#228;udes am   Hauptbahnhof-Nordausgang geplant waren. Proteste f&#252;r Freitag Morgen um   5.00 Uhr wurden angek&#252;ndigt. Aus Sorge, die Aktion k&#246;nnte deshalb (wie   z.B. am 30. September) vorverlegt werden, wurde der Protest auf   Donnerstag Abend 22.30 vorverlegt. Am Donnerstag wurde bekannt, dass die   Baumf&#228;llarbeiten h&#246;chstwahrscheinlich verschoben seien &#8211; ein Erfolg der   Gegenmobilisierung. Trotzdem harrten rund 50 AktivistInnen die Nacht bei   klirrender K&#228;lte aus, schliefen mit Schlafsack und Isomatte auf   Holzpaletten, die auf den Schnee gelegt waren &#8211; oder schliefen gar nicht.<\/p>\n<p>  Laut Meinungsumfragen hat nach dem Schlichterspruch die Unterst&#252;tzung   f&#252;r Stuttgart 21 deutlich zugenommen. Aber auf Dauer werden auch die   Man&#246;ver eines Heiner Gei&#223;ler gegen eine so entschlossene Bewegung nichts   ausrichten k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Widerstand plus statt Stuttgart 21 plus!<\/h4>\n<h4>  Oben bleiben!<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Widerstand plus statt Stuttgart 21 plus\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13996"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13996"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13996\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13996"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13996"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13996"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}