{"id":13990,"date":"2010-12-14T00:00:00","date_gmt":"2010-12-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13990"},"modified":"2010-12-14T00:00:00","modified_gmt":"2010-12-14T00:00:00","slug":"13990","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/13990\/","title":{"rendered":"Profiteure enteignen!"},"content":{"rendered":"<p>  Wer hat in der Bundesrepublik das Sagen?<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Stuttgart 21 ist ein bundesweites Symbol geworden. Ein Symbol f&#252;r   Korruption, Machtmissbrauch und Transfer &#246;ffentlicher Gelder in private   Taschen, aber auch eines f&#252;r massiven Widerstand der Bev&#246;lkerung, die   ihre Stadt nicht l&#228;nger Immobilienspekulanten, Baukonzernen und   korrupten Politikern &#252;berlassen will.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Thorben Mager, Stuttgart<\/i><\/h4>\n<p>  Wenn der Schwabe von &#8222;Sp&#228;tzle-Connection&#8220; oder &#8222;Maultaschen-Mafia&#8220;   redet, dann ist heute jedem klar: Hier geht es um die Verstrickungen von   Politik und Wirtschaft bei dem Projekt Stuttgart 21.<\/p>\n<h4>  Die Profiteure<\/h4>\n<p>  Offizieller Bauherr des &#8222;Bahnprojekts&#8220; ist die Deutsche Bahn AG. Nachdem   diese als Aktiengesellschaft ihre Grundst&#252;cke im Stadtzentrum an die   Stadt Stuttgart verkaufte, konnte sie den verzinsten Gewinn mit 650   Millionen Euro in der 2009er Bilanz aktivieren &#8211; auch um den Absturz der   Bilanz in der Krise zu verschleiern.<\/p>\n<p>  Bahnpolitisch ist Stuttgart 21 ein Schritt von der Fl&#228;chenbahn hin zu   einer auf Hochgeschwindigkeitsverkehr reduzierten Eisenbahn. Da   verwundert es nicht, wenn gerade der Autobauer Daimler zu den   Unterst&#252;tzern geh&#246;rt. Durch die Reduzierung des G&#252;terverkehrs und der   Ausd&#252;nnung der Bahninfrastruktur erhofft sich der Konzern Zusatzgewinne.<\/p>\n<p>  Auch bei den durch den Tiefbahnhof freiwerdenden Fl&#228;chen zeigt sich, wie   eng die Politik mit der Wirtschaft verkn&#252;pft ist. So hatten der   Stuttgarter Oberb&#252;rgermeister Wolfgang Schuster und die   baden-w&#252;rttembergische Verkehrsministerin Tanja G&#246;nner (beide CDU)   Posten im Stiftungsrat der so genannten &#8222;Stiftung Lebendige Stadt&#8220; inne,   eine Lobbyorganisation des Gro&#223;investors ECE &#8211; welcher just den Zuschlag   f&#252;r ein gigantisches Einkaufszentrum bekam. Um dem Ziel einer   autogerechten Stadt n&#228;herzukommen, beschloss OB Schuster gegen den   Willen des Gemeinderats, dass das neue Einkaufszentrum &#252;ber 1.600   Parkpl&#228;tze bekommen soll. Es ist zu erwarten, dass das neue Stadtviertel   ein totes wird, voll von Abschreibeobjekten wie Versicherungs- und   Bankent&#252;rmen. Einen ersten Eindruck davon vermittelt das angrenzende   Gel&#228;nde n&#246;rdlich des Hauptbahnhofs.<\/p>\n<p>  Dick im Gesch&#228;ft sind auch die gro&#223;en Baukonzerne. Der   Tunnelbohrmaschinenhersteller Herrenknecht bedankte sich bei der CDU mit   70.000 Euro Spende f&#252;r die vielen Tunnelkilometer. Der Stuttgarter   Finanzb&#252;rgermeister Michael F&#246;ll (CDU) musste nach dem Bekanntwerden   seiner Beiratst&#228;tigkeit bei der Baufirma Wolff &amp; M&#252;ller aufgrund des   starken &#246;ffentlichen Drucks diesen Posten r&#228;umen.<\/p>\n<p>  Das Netz der Korruption macht nat&#252;rlich auch vor den b&#252;rgerlichen Medien   nicht Halt. Der ehemalige Stuttgarter-Zeitungs-Redakteur Josef-Otto   Freudenreich erkl&#228;rte im Deutschlandfunk, dass &#8222;die Stuttgarter Presse,   auch der SWR, seine Rolle als Herold der Stuttgart-21-Bef&#252;rworter   gesehen hat&#8220;.<\/p>\n<h4>  Kapitalistischer Normalbetrieb<\/h4>\n<p>  Was in Stuttgart durch die Massenproteste aufgedeckt wurde, ist kein   Einzelfall, sondern kapitalistischer Normalbetrieb. &#220;berall in   Deutschland wird eine Politik zugunsten der gro&#223;en Konzerne und der   Banken, notfalls auch mit Gewalt, durchgepeitscht. Deutlich wurde das am   schwarzen Donnerstag, dem 30. September im Stuttgarter Schlossgarten,   bei dem die Regierenden bei dem Versuch, dort B&#228;ume zu roden, auf &#252;ber   1.000 Polizisten, Wasserwerfer und Tr&#228;nengas angewiesen war. Alles   deutet daraufhin, dass das Okay f&#252;r die Vorgehensweise direkt von   Ministerpr&#228;sident Stefan Mappus (CDU) kam.<\/p>\n<h4>  Konzerne geh&#246;ren in &#246;ffentliches Eigentum!<\/h4>\n<p>  Sei es die Atomkraft, die f&#252;r die Energieunternehmen Milliardengewinne   bedeutet, sei es die Gesundheitsreform, welche gezielt die Interessen   der Pharmalobby sch&#252;tzt, oder seien es Projekte wie die Hamburger   Elbphilharmonie oder der Berliner Hauptbahnhof: Solange eine kleine   Minderheit von Kapitalisten die Kontrolle &#252;ber die Politik aus&#252;bt, wird   sich an diesen Dingen nichts fundamental &#228;ndern. Darum ist eine   &#246;ffentliche Kontrolle der S-21-Konzerne und der anderen Gro&#223;unternehmen   erforderlich. Nur wenn Belegschaften, Umwelt- und Verbraucherverb&#228;nde   und die arbeitende Bev&#246;lkerung am Dr&#252;cker sind, kann sichergestellt   werden, dass Mensch und Umwelt und nicht Profite im Mittelpunkt stehen.<\/p>\n<p>  Wirksam kontrollieren k&#246;nnen wir aber nur, was uns auch geh&#246;rt. Aus   diesem Grund f&#252;hrt kein Weg daran vorbei, die Profiteure zu enteignen   und die die Wirtschaft bestimmenden Unternehmen in &#246;ffentliches Eigentum   zu &#252;berf&#252;hren. Entsch&#228;digung darf es nat&#252;rlich geben &#8211; aber nur bei   erwiesener Bed&#252;rftigkeit.<\/p>\n<p>  Privateigentum bedeutet immer Konkurrenzkampf und folglich das Ziel der   Profitmaximierung. Nur wenn die Wirtschaft der ganzen Gesellschaft   geh&#246;rt, kann sie auch von der ganzen Gesellschaft kontrolliert und in   ihrem Interesse organisiert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wer hat in der Bundesrepublik das Sagen?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[232],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13990"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13990"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13990\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13990"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13990"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13990"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}