{"id":13989,"date":"2010-12-17T00:00:00","date_gmt":"2010-12-16T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13989"},"modified":"2012-05-15T14:53:28","modified_gmt":"2012-05-15T12:53:28","slug":"13989","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/13989\/","title":{"rendered":"Stuttgart 21 und die Linkspartei &#8211; eine Zwischenbilanz"},"content":{"rendered":"<p>  Warum der Aufbau einer politischen Alternative dringende Notwendigkeit   ist<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Beim Kampf gegen Stuttgart 21 k&#246;nnte DIE LINKE eine ganz andere Rolle   spielen, als das bisher der Fall ist. Zwar hat sich die Partei dadurch   ausgezeichnet, dass sie die soziale Frage bei S 21 betont. In anderen   Fragen gibt es aber enorme Schw&#228;chen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein, Mitglied im Ortsvorstand der LINKEN Stuttgart-Bad   Cannstatt<\/i><\/h4>\n<p>  Ein erhebliches Defizit besteht in der Untersch&#228;tzung der Bedeutung des   Projekts. Symptomatisch daf&#252;r ist, dass der Landesverband   Baden-W&#252;rttemberg Anfang 2010 ein Zehn-Punkte-Programm zu den   Landtagswahlen 2011 ver&#246;ffentlichte, in dem der Begriff &#8222;Stuttgart 21&#8220;   &#252;berhaupt nicht vorkam.<\/p>\n<p>  Damit wurde aber nicht nur die Dimension dieses Projekts verkannt. Es   wurde auch nicht wahrgenommen, welches Protestpotenzial existiert.<\/p>\n<h4>  Untersch&#228;tzung der au&#223;erparlamentarischen Gegenwehr<\/h4>\n<p>  Viele Funktionstr&#228;ger haben zu wenig Vertrauen, dass man mit   au&#223;erparlamentarischen Mobilisierungen Massenproteste erreichen und   dar&#252;ber wirksamen politischen Druck erzeugen kann. Wenn man diese   M&#246;glichkeit nicht wahrnimmt, dann kann eine Politik des kleineren &#220;bels   als alternativlos erscheinen &#8211; so wie die Gemeinder&#228;te der Stuttgarter   LINKEN leider noch im Dezember 2009 dem kommunalen Haushalt zustimmten   und die von SAV-Mitgliedern in der LINKEN vertretene Alternative, die   Proteste w&#228;hrend der Haushaltsberatungen gegen die kommunalen K&#252;rzungen   und Geb&#252;hrenerh&#246;hungen mit den damals beginnenden Montagsdemos gegen   Stuttgart 21 zu verbinden, nicht f&#252;r erfolgversprechend hielten.<\/p>\n<p>  Nach wie vor nutzt die Partei kaum ihren Apparat, um in Stuttgart und im   ganzen Bundesland vor den Betrieben und in den Stadtteilen f&#252;r die   zahlreichen Proteste zu mobilisieren und auf den Demos als Faktor   registriert zu werden.<\/p>\n<h4>  Verkehrs- oder Profitprojekt?<\/h4>\n<p>  Zudem besteht ein Problem darin, dass DIE LINKE Stuttgart 21 lange als   ein schlechtes Verkehrsprojekt behandelt hat und nicht als ein Prestige-   und Profitprojekt. Das kam schon darin zum Ausdruck, dass sowohl im   Stuttgarter Kommunalwahlprogramm 2009 als auch im Entwurf des   Landtagswahlprogramms S 21 lediglich als Unteraspekt des   Verkehrskapitels abgehandelt wurde.<\/p>\n<p>  Eine solche Auffassung ist nicht nur unkorrekt, sondern behindert auch   den Kampf gegen Stuttgart 21. Da ein Teil der Bev&#246;lkerung meint, wenn   man so viel Geld reinsteckt, m&#252;sste doch was rauskommen, verfangen die   Phrasen der Bef&#252;rworter (&#8222;modern&#8220; und so weiter) bei einer Schicht von   Leuten. Dies kann man am wirksamsten kontern, indem man offensiv   erkl&#228;rt, dass der Zweck gar nicht der neue Bahnhof ist, sondern das   Freimachen von Innenstadtgel&#228;nde, damit sich Baukonzerne,   Immobilienspekulanten, Banken und Co. daran bereichern k&#246;nnen. Immerhin   wurde dazu ein entsprechender Stuttgarter &#196;nderungsantrag zum   Landtagswahlprogramm beschlossen.<\/p>\n<p>  Stuttgart 21 zeigt par excellence, wie Banken und Konzerne Wirtschaft   und Politik bestimmen. Sobald die Herrschenden ihre Interessen gef&#228;hrdet   sehen, werden auch demokratische Rechte mit F&#252;&#223;en getreten. Um so   wichtiger, dass DIE LINKE nicht nur zu einer k&#228;mpferischen, sondern auch   zu einer klar antikapitalistischen Partei, einer Partei mit   sozialistischer Ausrichtung, aufgebaut wird, die dazu beitr&#228;gt, das   politische Verst&#228;ndnis vieler DemonstrantInnen zu erh&#246;hen und die   n&#246;tigen Schlussfolgerungen zu ziehen.<\/p>\n<h4>  Gespalten oder im Widerstand vereinigt?<\/h4>\n<p>  &#196;rgerlicherweise verwendet DIE LINKE in verschiedenen Varianten in ihrem   Landtagswahlmaterial die Parole: &#8222;Mappus und Merkel spalten das Land.&#8220;   Dabei ist &#8222;das Land&#8220; in einer Klassengesellschaft immer gespalten. Vor   diesem Hintergrund betreibt die herrschende Klasse eine gezielte   Teile-und-Herrsche-Politik, um die ausgebeutete und unterdr&#252;ckte   Mehrheit in viele Minderheiten (Arbeiter &#8211; Angestellte &#8211; Beamte,   Besch&#228;ftigte &#8211; Arbeitslose, M&#228;nner &#8211; Frauen, Deutsche ohne   Migrationshintergrund &#8211; Deutsche mit Migrationshintergrund und so   weiter) aufzuspalten. Stefan Mappus und Angela Merkel haben aber in   Stuttgart erreicht, eine gro&#223;e Mehrheit gegen S 21 zu vereinigen. Wie   kann man da Parolen &#252;bernehmen, die b&#252;rgerliche Politiker im Sommer   aufbrachten, um die Massenbewegung in parlamentarische Bahnen zu lenken?<\/p>\n<p>  Die Gr&#252;nen machen das, weil sie eine kapitalistische Partei sind, f&#252;r   die der Konflikt mit CDU und SPD um Stuttgart 21 nur ein Familienzwist   ist. Das Ziel der LINKEN muss es sein, zu den etablierten Parteien eine   grundlegende Alternative aufzubauen. W&#252;rde die Linkspartei in der   Bewegung eine vorw&#228;rtstreibende Kraft darstellen, k&#246;nnte sie f&#252;r   Tausende AktivistInnen ein Anziehungspunkt werden und ein Forum f&#252;r   programmatische Debatten bieten. So lie&#223;e sich die Bewegung politisch   st&#228;rken und gleichzeitig der Aufbau der LINKEN f&#246;rdern. Das ist auch   deshalb erforderlich, weil heute selbst im Falle des Regierungsverlusts   von Schwarz-Gelb mit den beiden Hartz-IV-Parteien SPD und Gr&#252;ne keine   Regierung au&#223;erhalb des b&#252;rgerlichen Lagers gebildet w&#252;rde &#8211; die eine   echte Herausforderung f&#252;r die Kapitalisten bedeuten w&#252;rde.<\/p>\n<h4>  Welche Strategie f&#252;r den Protest?<\/h4>\n<p>  Wir haben immer wieder erlebt, dass Regierungen Kundgebungen und   Demonstrationen aussitzen k&#246;nnen. Um den Druck auf die Herrschenden   deutlich zu erh&#246;hen, braucht es deshalb k&#228;mpferische Gro&#223;demonstrationen   &#8211; die mit massenhaftem, gut organisiertem (nicht vereinzeltem) zivilem   Ungehorsam (zum Beispiel Blockaden von Baustellenzufahrten oder   Besetzungen) verbunden werden. Die Bereitschaft dazu ist gro&#223;. Aber   solche Aktionen m&#252;ssen eben auch organisiert werden und dabei k&#246;nnte DIE   LINKE eine wichtige Rolle spielen. Es ist gut, dass der Landesparteitag   am 21. November auch einen Initiativantrag aus Stuttgart-Bad Cannstatt   angenommen hat, der unter anderem die Mitglieder und vor allem die   Bundestagsabgeordneten und LandtagskandidatInnen zur Teilnahme an   Aktionen des zivilen Ungehorsams aufruft. Einzelne Abgeordnete haben   schon an Blockaden teilgenommen, aber wenn das von der LINKEN als Partei   ernsthaft propagiert und organisiert w&#252;rde, h&#228;tte das noch viel mehr   Gewicht.<\/p>\n<p>  Die wirksamste Form des Widerstands l&#228;sst sich aber auf betrieblicher   Ebene erreichen. Zu Recht titelte die baden-w&#252;rttembergische LINKE in   ihrer Oktober-Zeitung: &#8222;Stuttgart 21 ist auch eine soziale Frage.&#8220; Als   Konsequenz daraus sollte sie vor den Betrieben pr&#228;senter sein. Zudem   haben zahlreiche LINKE-Mitglieder gewerkschaftliche Positionen. Sie   sollten Proteste gegen Sozialabbau mit dem Widerstand gegen S 21   zusammen bringen und f&#252;r Streikma&#223;nahmen argumentieren.<\/p>\n<h4>  Antikapitalistische Partei aufbauen<\/h4>\n<p>  Wir brauchen eine Partei, die nicht nur im Parlament sitzt und bei   au&#223;erparlamentarischen Dampfablass-Aktionen Fahnen schwenkt, sondern den   Widerstand gegen die kapitalistische Politik mit aufbaut und   Kampfvorschl&#228;ge macht.<\/p>\n<p>  Die Gr&#246;&#223;e, Ausdauer, Entschlossenheit und Kreativit&#228;t der Bewegung gegen   Stuttgart 21 sind beeindruckend. Aber die Kraft einer regionalen   Ein-Punkt-Bewegung ist begrenzt. Damit der Geist der   Stuttgart-21-Proteste bundesweit in gewerkschaftliche K&#228;mpfe,   Mieterkampagnen, Proteste gegen die Kahlschlagpolitik von Kommunen,   L&#228;ndern und Bund getragen wird und solche K&#228;mpfe miteinander verbunden   werden, brauchen wir eines bundesweite Partei.<\/p>\n<p>  Damit wir nicht nur gegen Symptome k&#228;mpfen und nach dem Kampf gegen   Stuttgart 21 der gegen Stuttgart 22, Stuttgart 23 und so weiter kommt,   muss die Diktatur der Banken und Konzerne generell in Frage gestellt   werden. Um so n&#246;tiger ist eine Partei, die antikapitalistisch ist und   unter den AktivistInnen Diskussionen anst&#246;&#223;t, dass hinter dieser Politik   System steckt &#8211; n&#228;mlich das kapitalistische System, das &#252;berwunden und   durch eine sozialistische Gesellschaft ersetzt werden muss. DIE LINKE   ist der einzige bestehende Ansatzpunkt f&#252;r eine solche Partei. Die   Bewegung gegen Stuttgart 21 ist ein Test, ob sich die Linkspartei in   diese Richtung entwickelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Warum der Aufbau einer politischen Alternative dringende Notwendigkeit<br \/>\n      ist\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,58],"tags":[232],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13989"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13989"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13989\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13989"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13989"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13989"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}