{"id":13986,"date":"2010-12-16T00:00:00","date_gmt":"2010-12-16T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13986"},"modified":"2010-12-16T00:00:00","modified_gmt":"2010-12-16T00:00:00","slug":"13986","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/12\/13986\/","title":{"rendered":"&#8222;Organisieren, nicht nur meckern!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Lutz Berger, Montierer im Daimler-Werk Berlin und aktiv in   der Betriebsgruppe der &#8222;Alternativen Metaller&#8220;.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Daimler scheint die Krise &#252;berwunden zu haben. Das Unternehmen   erwirtschaftete im letzten Jahr noch 2,6 Milliarden Euro Verlust, in   diesem Jahr sind bis zu sieben Milliarden Euro Profit anvisiert. Wie   bekommen die Kollegen die Ver&#228;nderungen zu sp&#252;ren?<\/h4>\n<p>  Bis Anfang des Jahres waren viele Kollegen in Kurzarbeit. Anderen wurde   die Arbeitszeit verk&#252;rzt, ohne Lohnausgleich. Die Kollegen hatten bis zu   600 Euro weniger. Das ist jetzt bei uns vorbei. Nun hei&#223;t es wieder:   &#8222;Arbeiten bis zum Umfallen&#8220;. Teilweise werden die Nachtschichten auf   zehn Stunden verl&#228;ngert. Die Arbeit wird auch weiter verdichtet.   Spezielle Teams laufen mit Stoppuhren herum und gucken, wo Arbeitspl&#228;tze   eingespart werden k&#246;nnen. Die Arbeit m&#252;ssen dann die anderen mitmachen.   Generell soll nicht nur mehr, sondern auch flexibler gearbeitet werden.   Spezielle Betriebsvereinbarungen erlauben es dem Unternehmen, Schichten   abzusagen und die Besch&#228;ftigten nach Hause zu schicken, und sie &#8211; wann   immer es n&#246;tig ist &#8211; zum Nacharbeiten anzufordern. Auch am Wochenende,   dann sogar ohne die &#252;blichen Zuschl&#228;ge.<\/p>\n<h4>  Diese Regelungen erm&#246;glichen dem Konzern also eine massive   Produktivit&#228;tssteigerung. Die Fabriken k&#246;nnen, je nach Auftragslage,   optimal ausgelastet werden &#8211; auf Kosten der Kollegen.<\/h4>\n<p>  Genau. Wir Arbeiter zahlten mit unseren Einkommen f&#252;r die Krise. Jetzt   im Aufschwung sollen wir weiter verzichten. Damit muss Schluss sein!   Gerade jetzt brauchen wir mehr Personal, die &#220;bernahme aller Azubis und   die Verk&#252;rzung der Arbeitszeit, aber bei vollem Lohn. Leiharbeiter   m&#252;ssen fest &#252;bernommen werden. Bei gleichem Lohn. Das geht nat&#252;rlich nur   auf Kosten der Konzernprofite. Anstatt die Reichen immer reicher zu   machen, sollten die Gewinne genutzt werden, um die Einkommenssituation   der Arbeiter und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.<\/p>\n<p>  Diese Regelungen, die die L&#246;hne senkten und die Arbeit weiter   flexibilisierten, wurden zwischen dem Unternehmen und der   IG-Metall-F&#252;hrung und den Betriebsratsgremien vereinbart. Das gemeinsame   Ziel der &#8222;Sozialpartner&#8220;: Daimler soll st&#228;rker aus der Krise kommen als   die Konkurrenz. Gerade in der Autoindustrie erwies sich die   Gewerkschaftsf&#252;hrung als verl&#228;sslicher Ordnungsfaktor der Konzernherren.<\/p>\n<h4>  Du selber hast vor Monaten deine Mitgliedschaft in der IG Metall   beantragt. Wie ist der Stand?<\/h4>\n<p>  Mir wird bisher die Mitgliedschaft verweigert, weil ich auf der   &#8222;Alternativen-Liste&#8220; bei den Betriebsratswahlen kandidierte. Ich bin vor   16 Jahren entt&#228;uscht aus der Gewerkschaft ausgetreten. Durch meine   Mitarbeit bei der &#8222;Alternative&#8220; habe ich gesehen, dass es an der Basis   viele Mitglieder gibt, die mit der Politik der F&#252;hrung unzufrieden sind.   Man kann aber nicht nur meckern, man muss sich organisieren und f&#252;r eine   andere Gewerkschaftspolitik k&#228;mpfen. Deshalb will ich wieder Mitglied   werden und den k&#228;mpferischen Fl&#252;gel in der IG Metall st&#228;rken. Denn wenn   es nicht gelingt mit der konzernfreundlichen Politik zu brechen, stehen   viele Errungenschaften auf dem Spiel, die wir und unsere Vorfahren   erk&#228;mpft haben.<\/p>\n<p>  <i>Die Fragen stellte Johannes Burczyk<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Lutz Berger, Montierer im Daimler-Werk Berlin und aktiv in<br \/>\n      der Betriebsgruppe der &#8222;Alternativen Metaller&#8220;.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10],"tags":[232],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13986"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13986"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13986\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}