{"id":13977,"date":"2010-11-22T14:00:00","date_gmt":"2010-11-22T14:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13977"},"modified":"2010-11-22T14:00:00","modified_gmt":"2010-11-22T14:00:00","slug":"13977","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13977\/","title":{"rendered":"EU, Irland und die Banken: Wer rettet hier wen?"},"content":{"rendered":"<p>  Irland-Hilfen sollen deutsche und britische Banken rausboxen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#8222;Wo viel Licht ist, ist starker Schatten&#8220;, hei&#223;t es bei Goethes &#8222;G&#246;tz&#8220;.   Das trifft derzeit voll und ganz auf die deutsche Wirtschaft zu. W&#228;hrend   dieses Jahr ein BRD-Wachstum von 3,5 Prozent prognostiziert wird, sind   die meisten Krisenherde noch lange nicht entsch&#228;rft. Allen voran die   Lage der deutschen Banken &#8211; von der Financial Times unl&#228;ngst als   &#8222;Achillesferse&#8220; der gr&#246;&#223;ten &#214;konomie Europas eingestuft. Auch hinter der   Rettungsaktion f&#252;r Irland verbirgt sich nicht zuletzt eine   EU-Intervention zum Schutz der Geldh&#228;user der Bundesrepublik und anderer   Staaten.<\/p>\n<h4>  <i>von Aron Amm, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Die EU-Finanzhilfen f&#252;r Irland sind &#8211; nach der H&#228;ngepartie um   Griechenland im Fr&#252;hjahr &#8211; der zweite Akt im Drama um die Europ&#228;ische   Union und den Euro. Mit den Rettungsschirmen und Konjunkturprogrammen zu   Beginn der internationalen Rezession &#8222;verstaatlichten&#8220; die Regierenden   einen Teil der Schulden von Banken und Konzernen. Damit wurde die   Finanz- und Wirtschaftskrise nicht gel&#246;st, sondern in eine   halsbrecherische Staatschuldenkrise umgewandelt. Das Haushaltsdefizit   Irlands explodierte auf 32 Prozent, die Staatsschuld auf 106 Prozent des   Bruttoinlandsprodukts &#8211; das Zehnfache dessen, was der Stabilit&#228;tspakt   den Euro-Staaten erlaubt. Trotzdem sind die Banken, wie sich jetzt   zeigt, nicht &#252;ber dem Berg.<\/p>\n<h4>  Warum Irland?<\/h4>\n<p>  Jahrelang zog die Gr&#252;ne Insel dank extrem niedriger Unternehmenssteuern   wie ein Magnet ausl&#228;ndisches Kapital an. Dieses Finanzfeuerwerk heizte   einen beispiellosen Immobilienboom an. Zwischen 1996 und 2006   vervierfachten sich die H&#228;userpreise (selbst in den USA verdoppelten sie   sich &#8222;nur&#8220;). Nachdem die Immobilien- und Spekulationsblase platzte, ist   heute jedes f&#252;nfte Haus ungenutzt. Die vier Millionen Iren stehen mit   knapp 120 Milliarden Euro bei den Banken in der Kreide &#8211; ein Betrag, der   drei Viertel des Sozialprodukts entspricht. Jeder zwanzigste   Kreditnehmer ist schon &#252;ber drei Monate mit seinen Raten in Verzug.<\/p>\n<p>  Noch katastrophaler als andere L&#228;nder steht Irland im Bann der Banken.   Diese richteten ihre Gesch&#228;ftsmodelle weitgehend auf das   Hypothekengesch&#228;ft aus. Als sich vor der britischen Bausparkasse   Northern Rock Schlangen bildeten, zogen die Geldgeber ihre Mittel von   den drei irischen Gro&#223;banken ab. Daraufhin wurden die Drei teilweise   oder komplett verstaatlicht. 45 Milliarden Euro pumpte die Regierung der   konservativen Fianna Fail und der Gr&#252;nen nun schon in die Geldh&#228;user.   Die Schuldenberge des Staates mutieren zu Schuldengebirgen.<\/p>\n<p>  Trotz aller Staatshilfen droht die Bankenkrise aus dem Ruder zu laufen.   Mit dem begonnenen Sozialkahlschlag der irischen Regierung sind weitere   Kreditausf&#228;lle programmiert. Gleichzeitig ziehen Firmen Milliarden an   Einlagen von den Banken ab. T&#228;glich wird der Zugang der irischen Banken   zum Kapitalmarkt schwieriger, weil sie f&#252;r neue Darlehen enorme   Risikoaufschl&#228;ge zahlen m&#252;ssen.<\/p>\n<h4>  Merkel und die deutschen Banken<\/h4>\n<p>  Die irische Staatsfinanzen- und Bankenkrise zieht ihre Gl&#228;ubiger mit in   den Strudel. Kanzlerin Angela Merkel, der britische Premier David   Cameron, die EU und der IWF treten gerade deshalb in Aktion, weil   internationale Gro&#223;banken Alarm geschlagen haben. Die deutschen Banken   halten nach den britischen Geldinstituten gegen&#252;ber irischen Schuldnern   mit 150 Milliarden Euro die zweith&#246;chsten Forderungen. Die Forderungen   deutscher Banken gegen Spanien &#8211; das neben Portugal ebenfalls akut um   seinen Kredit an den M&#228;rkten f&#252;rchtet &#8211; sind sogar noch mal um ein   Viertel h&#246;her.<\/p>\n<p>  Wen Merkel und Co. also retten wollen, sind zuerst die deutschen und   andere Gro&#223;banken und Unternehmen. Dabei nutzen sie die Gelegenheit, um   die Daumenschrauben gegen die irische Bev&#246;lkerung noch weiter anzuziehen   &#8211; aber auch, um ihre Konkurrenzsituation auf Kosten des irischen   Kapitalismus zu verbessern (in dem sie zum Beispiel eine Erh&#246;hung der   K&#246;rperschaftssteuer, die aktuell 12,5 Prozent betr&#228;gt, postulieren).<\/p>\n<p>  Das Bangen deutscher Banken um Dublin ist ein Wetterleuchten. Allein die   zehn gr&#246;&#223;ten deutschen Geldinstitute haben einen gesch&#228;tzten   zus&#228;tzlichen Eigenkapitalbedarf von hundert Milliarden Euro. N&#228;chstes   Jahr wird zudem eine Rekordsumme von 340 Milliarden Euro f&#228;llig, um alte   und neue Schulden zu finanzieren. Folglich erleben wir gerade alles   andere als ein deutsches Wirtschaftswunder, eher droht ein blaues Wunder.<\/p>\n<h4>  Aron Amm ist Mitglied der SAV-Bundesleitung<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Irland-Hilfen sollen deutsche und britische Banken rausboxen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46,127],"tags":[232],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13977"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13977"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13977\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13977"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13977"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13977"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}