{"id":13970,"date":"2010-11-16T00:00:00","date_gmt":"2010-11-16T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13970"},"modified":"2010-11-16T00:00:00","modified_gmt":"2010-11-16T00:00:00","slug":"13970","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13970\/","title":{"rendered":"2. Aktionskonferenz gegen Stuttgart 21"},"content":{"rendered":"<p>  Am Mittwoch, den 10. November fand die 2. Aktionskonferenz gegen   Stuttgart 21 statt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die Mobilisierung und Durchf&#252;hrung litt darunter, dass f&#252;hrenden   AktivistInnen an den Protesten im Wendland teilgenommen und teils erst   am Mittwoch zur&#252;ck gekehrt waren. Die Beteiligung war geringer als bei   der ersten Aktionskonferenz, aber mit an die 300 immer noch sehr hoch.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein<\/i><\/h4>\n<p>  Ursel Beck verwies in ihrer Begr&#252;&#223;ung auf die Gemeinsamkeiten zwischen   den Protesten gegen Stuttgart 21 und gegen Castor und AKWs. Bei beiden   gehe es um Macht und Profit. Unter gro&#223;em Beifall sagte sie, dass eine   jahrzehntelange Gro&#223;baustelle mitten in einer Gro&#223;stadt gegen den Willen   der Bev&#246;lkerung nicht m&#246;glich sein werde.<\/p>\n<p>  Als n&#228;chstes gab Heinz Reinboth vom Architekturforum Baden-W&#252;rttemberg   noch einmal einen R&#252;ckblick auf die Proteste der letzten 15 Jahre. Er   erz&#228;hlte unter anderem von der B&#252;rgerbeteiligung von 1997, an der sich   400 StuttgarterInnen 12.000 Stunden ehrenamtlich beteiligten. Die   Standardantwort auf die vielen damaligen Vorschl&#228;ge war: &quot;konnte nicht   ber&#252;cksichtigt werden&quot;. Angesichts der gebetsm&#252;hlenartig wiederholten   Behauptung der Stuttgart-21-Bef&#252;rworter, der Protest habe zu sp&#228;t   angefangen, freuten sich viele &#252;ber den Beweis des Gegenteils.<\/p>\n<p>  Als n&#228;chstes gab Fritz Mielert von den Parksch&#252;tzern seine Einsch&#228;tzung   von den Schlichtungsgespr&#228;chen. Er ging vor allem darauf ein, wie die   letzten Treffen abgelaufen waren, welche Seite wann wie gut aufgetreten   war. Hannes Rockenbauch (der einer der Vertreter des Aktionsb&#252;ndnisses   bei den Gespr&#228;chen ist) konnte leider diesmal nicht teilnehmen, weil er   an diesem Tag in Berlin bei einer Verkehrsausschussitzung gewesen war.<\/p>\n<p>  In der anschlie&#223;enden Diskussion machte Michael Koschitzki von der SAV   einen Redebeitrag, dass wir uns nicht auf die b&#252;rgerlichen Medien   verlassen k&#246;nnen, sondern die Ergebnisse der Schlichtung selbst besser   bekannt machen m&#252;ssen. Das ginge vor allem durch Massenproteste. Die   Demonstrationen und Kundgebungen seien das beste Sprachrohr f&#252;r die   Bewegung. Deshalb m&#252;ssten die Samstags- und Montagsdemonstrationen   weiter gehen und zur &#252;berregionalen Demonstration am 11. Dezember nach   den Gespr&#228;chen eine Massenmobilisierung stattfinden. Ursel Beck   erg&#228;nzte, dass ein Best-Of mit Filmausschnitten aus den Gespr&#228;chen und   eine Zusammenfassung in einem Faltblatt gut w&#228;re. Das Problem sei aber,   dass man mit Leuten an einem Tisch sitzt, die eigentlich aus dem Amt   gejagt geh&#246;ren.<\/p>\n<h4>  Die Geldsammlung zur Finanzierung der Raummiete von 600,- ergab 740,- in   Scheinen plus M&#252;nzgeld.<\/h4>\n<p>  Danach gab es zwei kurze Filme aus dem Wendland. Die m&#252;ndlichen Berichte   von Thomas Becker und Fritz Mielert waren schwach &#8211; vielleicht weil   beide gerade erst von den Protesten zur&#252;ck gekommen waren und ihnen die   Zeit gefehlt hatte, aus der Distanz die wichtigsten Lehren   herauszuarbeiten? So kam es z.B. zu der Merkw&#252;rdigkeit, dass Thomas   Becker nach den Bildern &#252;ber die Polizeigewalt die gute Zusammenarbeit   mit der Polizei lobte.<\/p>\n<h4>  Konflikt um den Park<\/h4>\n<p>  Danach wurde aus dem Publikum eine Diskussion &#252;ber die Konflikte   zwischen der Parkwache und anderen Teilen der Bewegung eingefordert. Es   wurde abgestimmt, dass es dar&#252;ber 30 Minuten Diskussion geben solle,   tats&#228;chlich waren es dann &#252;ber anderthalb Stunden, was die Tagesordnung   der Konferenz v&#246;llig &#252;ber den Haufen warf. Der Hintergrund ist, dass   seit Monaten AktivistInnen Tag und Nacht im Park pr&#228;sent sind, um das   F&#228;llen von B&#228;umen zu verhindern (&quot;Parkwache&quot;). In der letzten Zeit haben   die Stuttgart-21-Bef&#252;rworter die &quot;Zust&#228;nde im Park&quot; in ihrer Propaganda   aufgegriffen. Wenn Leute, deren Ziel die Zerst&#246;rung des Parks ist, sich   dar&#252;ber beschweren, dass die Sauberkeit dort nicht immer auf   schw&#228;bischem Kehrwochen-Niveau ist, ist das v&#246;llig verlogen. Wenn man   den Stuttgart-21-GegnerInnen vorwirft, dass Obdachlose im Park sind, ist   das l&#228;cherlich. Dieses Thema ist so alt, dass es schon vor 15 Jahren den   Hintergrund f&#252;r einen ARD-Tatort-Krimi abgab (&quot;Bienzle und der Mord im   Park&quot;). In der Diskussion wurde zu recht darauf hingewiesen, dass   Obdachlosigkeit eine Schande f&#252;r die Stadt Stuttgart ist, aber nicht f&#252;r   die Anti-S21-Bewegung. Man kann von uns nicht verlangen, dass wir uns   neben dem Kampf gegen Stuttgart 21 auch noch als Sozialarbeiter f&#252;r die   Probleme der Stadt Stuttgart bet&#228;tigen. Wir sollten es aber auch nicht   von uns selber verlangen, sondern statt dessen von der Stadt Stuttgart   fordern, dass sie f&#252;r menschenw&#252;rdige Wohnungen f&#252;r Obdachlose sorgt.   Wenn daher die &quot;Versorger&quot; (AktivistInnen, die Infrastruktur &#8211; Ern&#228;hrung   etc. &#8211; f&#252;r die Parkwache bereit gestellt hatten) sich &#252;berfordert   f&#252;hlten und aus dem Park zur&#252;ckzogen, dann war das kein b&#246;ser Wille. Die   Diskussion auf der Aktionskonferenz litt darunter, dass einige Beitr&#228;ge   diese realen Probleme ignorierten.<\/p>\n<p>  Zugleich hatte die Diskussion auch sehr positive Seiten. Auch die   Emotionalit&#228;t und Blau&#228;ugigkeit mancher Beitr&#228;ge war nur die Kehrseite   der Entschlossenheit, den Stuttgart-21-Bef&#252;rwortern keine Zugest&#228;ndnisse   zu machen und der Sorge, Sprecher der Anti-Stuttgart-21-Bewegung k&#246;nnten   genau das tun. Immer wieder wurde betont, man d&#252;rfe sich nicht spalten   lassen, interne Konflikte selbst l&#246;sen und nicht in den b&#252;rgerlichen   Medien austragen. Ein R&#252;ckzug aus dem Park jetzt w&#252;rde als Niederlage   gesehen werden. Es war unstrittig, dass man die Zelte im Park   verteidigen m&#252;sse, wenn versucht werde, sie mit Gewalt zu r&#228;umen.<\/p>\n<h4>  Wenig Zeit &#252;brig<\/h4>\n<p>  Der Hauptnachteil der Park-Diskussion war, dass danach kaum mehr Zeit   &#252;brig war, die weitere Strategie im Kampf gegen Stuttgart 21 zu   besprechen, insbesondere f&#252;r die Zeit nach der &quot;Schlichtung&quot;.<\/p>\n<p>  In wenigen Minuten wurden die &#220;berlegungen bez&#252;glich einer neuen   Organisationsstruktur vorgestellt. Danach soll es alle drei bis vier   Wochen Aktionskonferenzen geben und dazwischen ein Widerstandsrat aus   VertreterInnen der verschiedenen Organisationen tagen. Unklar blieb   aber, welche Funktion diese Struktur haben solle (insbesondere im   Verh&#228;ltnis zum bestehenden Aktionsb&#252;ndnis).<\/p>\n<p>  Wegen der knappen Zeit wurden am Schluss noch bevorstehende Aktionen   vorgestellt. Dabei wurden aber eigentlich nur Termine aufgez&#228;hlt, sie   aber nicht in eine Kampfstrategie gegen S21 eingebettet. F&#252;r ein   Treffen, das sich &quot;Aktionskonferenz&quot; nennt, war das wirklich ein gro&#223;es   Manko.<\/p>\n<h4>  Schlussfolgerungen<\/h4>\n<p>  Bei der ersten Aktionskonferenz hatte es keine wirkliche   Plenumsdiskussion gegeben, sondern nur Gruppenarbeit. Die SAV hat das   damals kritisiert. Es besteht jetzt die Gefahr, dass Gegner von   Plenumsdiskussionen und Fans von Gruppenarbeit den Ablauf der zweiten   Aktionskonferenz als Best&#228;tigung werten werden. Tats&#228;chlich zeigte der   Ablauf der Diskussion um den Park, was f&#252;r einen gro&#223;en Bedarf es gerade   bei unorganisierten AktivistInnen f&#252;r ein solches Diskussionsforum gab.   Trotzdem war es bedauerlich, dass die Park-Diskussion so aus dem Ruder   lief und die bevorstehenden Aufgaben zu wenig in den Blickpunkt kamen.   Aus Sicht der SAV sind dies: Wir m&#252;ssen davon ausgehen, dass die Bahn   zwischen dem Ende der &quot;Schlichtung&quot; und der Landtagswahl im M&#228;rz   m&#246;glichst viele Fakten schaffen will und ihre Bauarbeiten verst&#228;rkt   wieder aufnehmen wird. Dem sollten wir mit neuen Blockaden und anderen   Aktionen des zivilen Ungehorsams (Besetzungen, Streiks etc.) begegnen,   angefangen mit einer Schwerpunktblockade am 30. November. Zweitens   m&#252;ssen die Massendemonstrationen weiter gehen. Wir sollten daf&#252;r sorgen,   dass die &#252;berregionale Gro&#223;demo am 11. Dezember ein gro&#223;er Erfolg wird.   Und drittens muss der aufbau von Strukturen weiter gehen.<\/p>\n<p>  Bei allen Schwierigkeiten dieser Aktionskonferenz zeigten sich aber auch   hier die Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit der Bewegung. Faszinierend   war, dass der Raum nach vier Stunden noch recht voll war. Es sollte aber   klar sein, dass weitere Aktionskonferenzen besser laufen m&#252;ssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Am Mittwoch, den 10. November fand die 2. Aktionskonferenz gegen<br \/>\n      Stuttgart 21 statt.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13970"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13970"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13970\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13970"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13970"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}