{"id":13969,"date":"2010-11-15T01:00:00","date_gmt":"2010-11-15T01:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13969"},"modified":"2010-11-15T01:00:00","modified_gmt":"2010-11-15T01:00:00","slug":"13969","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13969\/","title":{"rendered":"Der 13. November in Stuttgart"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht von der Kundgebung der DGB-Gewerkschaften in Stuttgart<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Der DGB hatte f&#252;r den 13. November zu Kundgebungen in Dortmund,   Erfurt, N&#252;rnberg und Stuttgart aufgerufen. Insgesamt nahmen rund 100.000   Menschen teil. Die Kundgebung in Stuttgart war mit 45.000 die gr&#246;&#223;te.   Sie war auch deshalb spannend, weil in Stuttgart seit Monaten zweimal   pro Woche Zehntausende gegen Stuttgart 21 demonstrieren und f&#252;r dieses   Samstag das Aktionsb&#252;ndnis gegen Stuttgart 21 zur Teilnahme an der   DGB-Kundgebung aufgerufen hatte. Im Anschluss an die Kundgebung folgten   gut 10.000 TeilnehmerInnen dem Aufruf der GewerkschafterInnen gegen   Stuttgart 21 und der Parksch&#252;tzer zu einem Demozug zum Schlossgarten, in   dem eine Kundgebung stattfand.<\/b><\/p>\n<h4>  <b><i>von Wolfram Klein<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  Die erste Kundgebung fand aber schon um 10.00 Uhr vor dem DGB-Haus   statt. Zu ihr hatte &quot;Aktiv f&#252;r eine solidarische Gesellschaft &#8211;   Jugendb&#252;ndnis Stuttgart&quot; aufgerufen. Beteiligt daran waren u.a. die   ver.di-Jugend, die Jugendoffensive gegen Stuttgart 21, Linksjugend   [&quot;solid], die Linke Hochschulgruppe Stuttgart. Vom Gewerkschaftshaus   zogen rund 300 TeilnehmerInnen zur DGB-Kundgebung auf dem Schlossplatz.   Die Jugendoffensive machte dabei einen &quot;franz&#246;sischen Block&quot; unter dem   Motto &quot;K&#228;mpfen gegen Stuttgart 21! Streiken wie in Frankreich!&quot;<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2010\/jugendoffensive_frankreich.jpg\">  <\/p>\n<p>  Die zweite Kundgebung fand um 10.30 in der Lautenschlagerstra&#223;e statt.   Zu ihr kamen vor allem GewerkschafterInnen aus der Region Stuttgart,   insgesamt vielleicht 10.000 bis 20.000. Neben Fahnen und Stickern der   Gewerkschaften waren auch viele Symbole der Bewegung gegen Stuttgart 21   zu sehen. Ich w&#252;rde sch&#228;tzen, dass ein F&#252;nftel bis ein Viertel der   TeilnehmerInnen Aufkleber oder Buttons gegen Stuttgart 21 hatten. Ich   habe einige vertraute Gesichter von Demos gegen Stuttgart 21 gesehen,   die aber diesmal Gewerkschaftsfahnen dabei hatten. Das best&#228;tigte mal   wieder, dass viele AktivistInnen gegen Stuttgart 21 GewerkschafterInnen   sind, die aber in der Bewegung gegen Stuttgart 21 nicht organisiert als   GewerkschafterInnen auftreten.<\/p>\n<h4>  <b>Hauptkundgebung<\/b><\/h4>\n<p>  Von der Auftaktkundgebung in der Lautenschlagerstra&#223;e f&#252;hrte ein   Mini-Demozug bis zur n&#228;chsten Stra&#223;enecke, n&#228;mlich zum Schlossplatz, wo   die Hauptkundgebung stattfand. Viele TeilnehmerInnen waren direkt zum   Schlossplatz gekommen. Die offizielle Teilnehmerzahl von 45.000 ist   realistisch, insbesondere wenn man ber&#252;cksichtigt, dass immer neue   KollegInnen zur Kundgebung kamen (und andere gingen). Gemessen daran,   dass der DGB Baden-W&#252;rttemberg &#252;ber 800.000 Mitglieder hat und die   Gewerkschaften betr&#228;chtliche Anstrengungen zur Mobilisierung unternahmen   (mehrere Sonderz&#252;ge, viele Busse etc.), ist das Ergebnis alles andere   als &#252;berw&#228;ltigend. Trotzdem liegt es deutlich &#252;ber den erwarteten   30.000. Da bei den kleineren Aktionen im Vorfeld die Beteiligung oft   schlecht war, k&#246;nnte man das als Hinweis verstehen, dass KollegInnen in   Gro&#223;demonstrationen mehr Sinn sehen als in verzettelten Aktionen.<\/p>\n<p>  Die Zusammensetzung der Kundgebung unterschied sich merklich von den   Demonstrationen der letzten Monate gegen Stuttgart 21. Der Anteil der   IndustriearbeiterInnen war deutlich h&#246;her, der Anteil der Angestellten   und Besch&#228;ftigten des &#246;ffentlichen Dienstes geringer. W&#228;hrend bei den   Kundgebungen gegen Stuttgart 21 die meisten TeilnehmerInnen aufmerksam   den Reden zuh&#246;ren (obwohl die keineswegs alle gut sind), war hier die   Aufmerksamkeit viel geringer. In den Reden wurde die Politik der   schwarz-gelben Regierung angeprangert. Der DGB-Landesvorsitzende   Nikolaus Landgraf griff u.a. die AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung, das   Einfrieren des Arbeitgeberanteils bei der Krankenversicherung und die   Rente mit 67 an. Der IG-Metall-Chef Huber versicherte, dass der Protest   weiter gehen werde. Aber der einzige konkrete Termin, der auf der   Kundgebung den KollegInnen genannt wurde, war der 27. M&#228;rz &#8211; die   Landtagswahl in Baden-W&#252;rttemberg.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaften und Stuttgart 21<\/h4>\n<p>  Zu Stuttgart 21 sagte Landgraf, dass es in den Gewerkschaften   Bef&#252;rworter und Gegner von Stuttgart 21 gebe. &quot;Als Dachverband der   Gewerkschaften aber unterst&#252;tzen wir das Aktionsb&#252;ndnis gegen Stuttgart   21 &#8211; das wissen viele nicht.&quot; Man k&#246;nnte es auch so formulieren: Der DGB   hat einen Beschluss gegen Stuttgart 21 gefasst, aber seitdem verdammt   wenig getan, diesen Beschluss bekannt zu machen. Es w&#228;re sch&#246;n, wenn   sich das endlich &#228;ndern w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Huber forderte eine Volksabstimmung zu Stuttgart 21 und kritisierte den   Polizeieinsatz vom 30. September. Schon auf der Auftaktkundgebung hatte   der 2. Bevollm&#228;chtigte der Stuttgarter IG-Metall, Uwe Meinhardt, die   Position des Stuttgarter IG-Metall-Apparats vertreten: Volksentscheid   und bis dahin Baustopp. Das ist aber nicht die Position, die die   Stuttgarter IG-Metall-Delegiertenkonferenz vor ein paar Monaten   beschlossen hat. Die hat sich mehrheitlich gegen Stuttgart 21   ausgesprochen. Daf&#252;r ist es fast die Position der SPD, die auch f&#252;r   einen Volksentscheid und einen Baustopp bis dahin ist. Der einzige   Unterschied ist, dass die SPD dazu aufruft, bei einem Volksentscheid f&#252;r   Stuttgart 21 zu stimmen, und die IGM-F&#252;hrung nicht sagt, wie man bei   einem Volksentscheid stimmen soll. Das hindert aber f&#252;hrende   Gewerkschafter nicht, sich klar f&#252;r Stuttgart 21 zu positionieren. So   will Uwe H&#252;ck, der Betriebsratsvorsitzende von Porsche, am 20. November   auf der &quot;Gro&#223;&quot;kundgebung der Stuttgart-21-Bef&#252;rworter reden! Und   abgesehen davon, dass die Position des IGM-Apparats nicht der   Beschlusslage der IGM-Delegiertenkonferenz entspricht: Bahn und   Landesregierung wollen keinen Volksentscheid und deshalb nat&#252;rlich auch   keinen Baustopp bis zu einem Volksentscheid. Was macht man als IG Metall   dann? Sagt man: &quot;na dann halt nicht&quot;? Oder beteiligt man sich daran, den   Baustopp, den man erkl&#228;rterweise auch will, von unten zu erzwingen,   indem man sich an der Organisierung von Massenblockaden beteiligt?<\/p>\n<h4>  Gewerkschafter gegen Stuttgart 21<\/h4>\n<p>  Im Anschluss fand eine Demonstration der Gewerkschafter gegen Stuttgart   21 und der Parksch&#252;tzer vom Schlossplatz zum Schlossgarten statt, wo   eine weitere Kundgebung mit gut 10.000 TeilnehmerInnen stattfand. Bei   der Beteiligung muss man ber&#252;cksichtigen, dass viele KollegInnen   rechtzeitig bei ihren Bussen und Sonderz&#252;gen f&#252;r die Heimfahrt sein   mussten.<\/p>\n<p>  Walburga Bayer von den Parksch&#252;tzern (und den Unternehmern gegen   Stuttgart 21) nahm die Propaganda auseinander, Stuttgart 21 schaffe   Arbeitspl&#228;tze: beim Bau w&#252;rden Billigarbeiter aus Osteuropa wie Vieh in   Containern gehalten, nach der Fertigstellung w&#252;rden Arbeitspl&#228;tze   verlagert und dabei vernichtet. Sie prangerte die   &quot;Maultaschen-Connection&quot; hinter Stuttgart 21 an und kritisierte   Propagandaeinrichtungen wie Bertelsmann-Stiftung und Initiative Soziale   Marktwirtschaft, die Stuttgart 21, Atomlaufzeit-Verl&#228;ngerung oder   &quot;moderate Tarifabschl&#252;sse&quot; f&#252;r alternativlos erkl&#228;rten. Sie rechnete   vor, dass Stuttgart 21 und die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Ulm   bestenfalls 2070 Gewinn abwerfen w&#252;rden (wenn es schlecht l&#228;uft, nie).   Sie w&#252;rde als Unternehmerin keine Maschine kaufen, die vielleicht ab   2070 Gewinn abwirft. Sie spottete, dass die Bahn den Bahnhof bei ebay   versteigern k&#246;nne, wenn er sich nicht rentiert, &quot;gebraucht&quot;, &quot;nur an   Selbstabholer&quot;.<\/p>\n<p>  Bernd Riexinger, Gesch&#228;ftsf&#252;hrer von ver.di Stuttgart, wies in seiner   Rede darauf hin, dass die gleichen Chefs von Gro&#223;konzernen, die f&#252;r   Sozialabbau eintreten, Gro&#223;anzeigen f&#252;r Stuttgart 21 schalten.   Gewerkschafter geh&#246;rten nicht an ihre Seiten. Die Herrschenden h&#228;tten   Angst vor einer Verbindung von Sozialprotesten und Protesten gegen   Stuttgart 21. Als Gr&#252;nde f&#252;r diese Verbindung nannte er, dass das Geld,   das f&#252;r Stuttgart 21 ausgegeben werden soll, in anderen Bereichen fehlen   w&#252;rde; dass bei Stuttgart 21 ebenso der Mehrheitswille der Bev&#246;lkerung   missachtet wird, wie bei Hartz IV, Rente mit 67, fehlenden   Mindestl&#246;hnen, AKW-Laufzeitverl&#228;ngerungen oder dem Bundeswehreinsatz in   Afghanistan. Die Kriminalisierung friedlicher Sitzblockaden oder   symbolischer Besetzungen bedrohe auch Blockaden durch Streikposten als   Kampfmittel. Hinter Stuttgart 21 stecke ein Profit-Wachstumsmodell, das   nicht erst mit der Finanzkrise gescheitert sei, das u.a. auf immer mehr   Autos und Hochgeschwindigkeitsstrecken setze. &quot;Die Kinder werden in   Garagen geparkt, damit die Autos ungest&#246;rt auf der Stra&#223;e spielen   k&#246;nnen.&quot;<\/p>\n<p>  Der Kontrast zwischen dieser lebendigen Kundgebung, die immer wieder von   &quot;Mappus weg&quot;- oder &quot;oben bleiben&quot;-Sprechch&#246;ren unterbrochen wurde, und   der z&#228;hen Kundgebung davor auf dem Schlossplatz war gro&#223;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht von der Kundgebung der DGB-Gewerkschaften in Stuttgart\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[23],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13969"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13969"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13969\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}