{"id":13967,"date":"2010-11-11T00:00:00","date_gmt":"2010-11-11T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13967"},"modified":"2010-11-11T00:00:00","modified_gmt":"2010-11-11T00:00:00","slug":"13967","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13967\/","title":{"rendered":"Eine Region im Aufstand"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht von den Castorprotesten<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Zwischen dem 6. und 9. November herrschte im Wendland   Ausnahmezustand. Rund 20.000 PolizistInnen besetzten das sonst so   beschauliche Wendland in Niedersachsen, um elf Castorbeh&#228;ltern den Weg   frei zu machen. Aber nicht nur die Staatsmacht war massiv vertreten, die   diesj&#228;hrigen Proteste waren die gr&#246;&#223;ten seit Anfang der Bewegung vor 33   Jahren. Mitglieder der SAV beteiligten sich &#252;ber mehrere Tage an Demos   und Blockaden.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Krischan Wendland\/Berlin<\/i><\/h4>\n<h4>  Los geht&#8217;s<\/h4>\n<p>  Samstag fr&#252;h ging es los, &#252;ber 20 Busse fuhren aus Berlin in Richtung   Wendland, bundesweit waren es &#252;ber 400! Schon auf dem Weg zur Camp in   Hitzacker begegneten wir den ersten Polizeifahrzeugen und Traktoren,   &#252;ber 600 Traktoren waren im Einsatz um die Proteste zu unterst&#252;tzen und   Blockaden zu errichten. Nachdem wir unser Gep&#228;ck im Camp abgestellt   hatten, fuhren wir weiter zur Kundgebung auf dem Acker bei Splietau. Auf   dem Weg wurde vielen von uns klar, das wesentlich mehr Menschen ins   Wendland gekommen waren, als in den Jahren zuvor. Kilometerlange   Busschlangen pr&#228;gten das Bild zum Kundgebungsprt. Menschen aus dem   ganzen Bundesgebiet machten sich von den Bussen auf den Weg zur   Kundgebung. &#220;ber 50.000 fanden den Weg, die Veranstalter hatten im   Vorfeld mit 20.000 DemonstranntInnen gerechnet, der erste Erfolg des   Wochenendes. Die Kundgebung war der Auftakt zu einem Wochenende des   Widerstandes, den das Wendland noch nicht gesehen hat und der   Bundesregierung den n&#228;chsten Schlag versetzt. Auf der Kundgebung waren   viele, die die Jahre zuvor die Proteste aus dem heimischen Wohnzimmer   verfolgten und jetzt die Notwendigkeit gesehen haben, selbst aktiv zu   werden. Der Demozug zur Kundgebung riss &#252;ber Stunden nicht ab, alle   Erwartungen wurden bei weitem &#252;bertroffen.<\/p>\n<p>  Auch unser Material, ob Buttons, Pfeifen oder Zeitungen fanden so regen   Absatz, dass wir schon bald alles an die Leute gebracht hatten. Nach   vielen Stunden auf dem Acker machten wir uns auf den Weg zum Camp, ein   langer Marsch &#252;ber Feldwege lag vor uns. W&#228;hrend einer Pause auf der   Essowiese (ein zentraler Anlauf- und Koordinierungspunkt der Proteste)   trafen wir bekannte S21-AktivistInnen aus Stuttgart, die den langen Weg   auf sich genommen haben. Der Widerstand gegen die Politik der   Herrschenden verkn&#252;pft sich. Im Camp Hitzacker angekommen wurden wir von   der Vok&#252; bestens verpflegt, die hervorragende Logistig der   CastorgegnerInnen sollte sich die n&#228;chsten Tage noch als extrem wichtig   erweisen.<\/p>\n<h4>  Gleisblockade<\/h4>\n<p>  Am Sonntagmorgen entschiedemn wir uns an den Gleisblockaden der   Initiative &#8222;Widersetzen&#8220; teilzunehmen. Mit mehr als 1.000 Menschen zogen   wir von unserem Camp in Richtung Gleise. Unterwegs immer wieder von   AnwohnerInnen mit Essen und heissen Getr&#228;nken versogt, erreichten wir   bei Harlingen das Gleis. Nach einem kurzen Sprint durch ein Waldst&#252;ck   kamen wir in Sichtweise der Gleise, und der ersten PolizistInnen. Nach   einigen Durchbruchversuchen schafften wir es zusammen mit vielen anderen   gegen 11 Uhr die Polizeiketten zu durchfliessen. Einige &#252;bereifrige   Beamte versuchten noch Einzelne fest- und von den Gleisen fernzuhalten,   gaben aber bald, angesichts unserer &#220;berzahl, auf. Nur eine   Reiterstaffel versuchte hart durchzuziehen und verletzte dabei eine   junge Frau durch Huftritte schwer. Nachdem ein Gro&#223;teil der Polizei   abgezogen war, entspannte sich die Stimmung und mehrere Soundsysteme   zogen zur Ermunterung auf. Wir diskutierten mit vielen AktivistInnen   &#252;ber die Zukunft der Atompolitik, die Politik der schwarz-gelben   Regierung und Alternativen zur bestehenden Verh&#228;ltnissen. Viele Stunden   waren wir auf den Gleisen, zwischendurch erfuhren wir &#252;ber das freie   Radio Wendland, dass wir in der gr&#246;&#223;ten Schienenblockade seit Beginn des   Widerstandes im Wendland sa&#223;en, bis zu 5.000 Menschen waren zeitweise   auf der Schiene! Besonders beeindruckend war die enorme Solidarit&#228;t der   Bev&#246;lkerung, kaum war der Aufruf Lebensmittel und Decken zu den Gleisen   zu bringen, &#252;ber das Radio verbreitet, str&#246;mten Wendl&#228;nderInnen zu uns.   Warme Getr&#228;nke und Essen wurden in gro&#223;en Mengen vorbeigebracht, auch an   Decken mangelte es nicht mehr. Bisher hatten wir eine solche Solidarit&#228;t   noch nicht gesehen, wir bekamen einen Hauch einer anderen, solidarischen   Gesellschaft zu sp&#252;ren. Die Einzigen, die keine gute Verpflegung hatten,   waren die PolizistInnen, fast alle Nachschubwege wurden durch Traktoren   blockiert. Erst gegen Mitternacht kam die R&#228;umungsank&#252;ndigung der   Polizei, solange Zeit wurde ben&#246;tigt, um ausreichend Kr&#228;fte f&#252;r die   R&#228;umung heranzubekommen. Wir entschlossen uns, vor der R&#228;umung zu gehen,   da die Aussicht, mehrere Stunden ohne jeden Schutz im Polizeigewahrsam   auf freiem Acker zu verbringen uns abschreckte. W&#228;hrend und nach der   R&#228;umung mussten mehr als 1.000 BlockiererInnen stundenlang bei   Minusgraden auf dem Acker ausharren, solange bis der Castor an der   Verladestation ankam. Trotzdem war die Schienenblockade ein voller   Erfolg. Noch nie musste ein Castortransport &#252;ber Nacht auf dem Gleis   abgestellt werden.<\/p>\n<p>  Viele AnwohnerInnen k&#252;mmerten sich um die Freigelassenen, wieder gab es   warme Getr&#228;nke und Essen, binnen k&#252;rzester Zeit organisierten sie   Shuttleautos zu den verschiedenen Camps.<\/p>\n<h4>  Stra&#223;enblockade<\/h4>\n<p>  Nach weinigen Stunden Schlaf ging es weiter zur n&#228;chsten Blockade,   diesmal kurz vor dem Zwischenlager im Wald bei Gorleben. Diesmal ging es   mit dem Bus von Hitzacker aus bis zum Camp in Redelitz. Von da aus   reichte ein gem&#252;tlicher Spaziergang durch den Gorlebener Forst, um an   die Transportstrecke zu kommen. Etliche Tausend Leute waren schon auf   der Strasse, als wir ankamen. Innerhalb weniger Stunden verdoppelte sich   die Zahl der BlockiereInnen, ob junge Sch&#252;lerInnen oder Senioren, es   schien, als ob das ganze Wendland im Widerstand rotiert! Auch in dieser   Blockade war die Offenheit f&#252;r politische Diskussionen gro&#223;. Auch in   dieser Blockade war die Logistig wieder gro&#223;artig, es mangelte an   nichts, es war unglaublich, was die Wendl&#228;nderInnen f&#252;r den Widerstand   auf die Beine stellen, selbst Toilettenh&#228;uschen gab es!<\/p>\n<p>  Nach langen Gespr&#228;chen schliefen wir einige Stunden, erst gegen 3 Uhr   k&#252;ndigte die Polizei an, uns jetzt r&#228;umen zu wollen. Um 3:20 Uhr begann   die R&#228;umung, fast 6 Stunden brauchte die Polizei zum R&#228;umen. Auch hier   war es die gr&#246;&#223;te Blockade der Zufahrtsstrasse in der Geschichte des   Widerstandes. Selbst die Organisatoten waren &#252;berrascht, beim letzten   Castor sa&#223;en hier noch 400, jetzt waren es &#252;ber 3.000!<\/p>\n<p>  Letztendlich konnte der Castor in das Zwischenlager rollen, nach   massiven Protest und Widerstand der AtomkraftgegnerInnen. 92 Stunden   brauchte der Castortransport dieses Jahr, &#252;ber eineinhalb Tage   Versp&#228;tung! Das erkl&#228;rte Ziel der AktivistInnen sind beim n&#228;chsten   Transport die 100 Stunden zu knacken, und das werden wir schaffen.   Nochmals vielen Dank f&#252;r die gro&#223;artige Unterst&#252;tzung und Solidarit&#228;t   der AnwohnerInnen und in den Camps. Nicht umsonst ging am Dienstag   Nachmittag ein Spruch durch die Camps: &#8222;Ohne Vok&#252;, ohne Sanis w&#228;rn wir   nichts&#8220;. Bis zum n&#228;chsten Castor!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht von den Castorprotesten\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[119],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13967"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13967"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13967\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13967"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13967"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}