{"id":13965,"date":"2010-11-09T00:05:00","date_gmt":"2010-11-08T23:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13965"},"modified":"2012-05-15T14:54:10","modified_gmt":"2012-05-15T12:54:10","slug":"13965","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13965\/","title":{"rendered":"Wasser raus aus Unternehmerhand!"},"content":{"rendered":"<p>  Volksbegehren gegen Wasservertr&#228;ge und die Rolle der Partei Die LINKE<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der Berliner Senat hat 1999 Vertr&#228;ge zur Teilprivatisierung (49,9%) der   Wasserbetriebe mit den Konzernen RWE Aqua und Veolia Wasser   abgeschlossen. Diese Vertr&#228;ge sind Geheimvertr&#228;ge. Die Bev&#246;lkerung soll   nicht wissen, welche Formen der Bereicherung den Konzernen bei der   Wasserlieferung und -aufbereitung gew&#228;hrt werden. Das Gesch&#228;ftemachen in   der Marktwirtschaft wird als allgemein n&#252;tzlich behauptet, so auch in   diesem Fall.<\/p>\n<h4>  <i>von Klaus Franz, Berlin<\/i><\/h4>\n<h4>  Berlin an der Spitze<\/h4>\n<p>  Die 35% Steigerung beim Wasserpreis seit 2001 sorgen nun allerdings f&#252;r   Emp&#246;rung. Bei kommunal verwalteter Wasserversorgung anderswo waren die   Preissteigerungen wesentlich geringer. In Berlin zahlt ein   Vier-Personen-Haushalt im Jahr durchschnittlich 313 Euro f&#252;r das   Frischwasser, in Hannover nur 236 Euro. In Hamburg sind es 263 Euro, in   Bremen 300 &#8211; und in Ingolstadt 68 Euro. Berlin h&#228;lt eine Spitzenstellung   bei Verteuerungen des Wassers im internationalen St&#228;dtevergleich. Jedes   Mal wenn man auf der Toilette sitzt und das Wasser sp&#252;lt, verdienen   Aktion&#228;re dieser Firmen mit. Und das nicht schlecht. Manch einer, der   staatliche Sparprogramme noch nicht verinnerlicht hat, zieht nicht die   Konsequenz daraus, weniger oft auf die Toilette zu gehen. Er oder sie   schlie&#223;t sich dem<\/p>\n<h4>  Volksbegehren f&#252;r die Offenlegung der Geheimvertr&#228;ge<\/h4>\n<p>  an. Die Initiatoren des Begehrens fordern nicht nur die Offenlegung des   Konsortialvertrages, sondern auch des Beherrschungs- und   Leitungsvertrags. Denn es ist aus der Ministerialb&#252;rokratie   durchgesickert, dass in demselben die beiden wichtigsten Ressorts den   Konzernen &#252;bertragen worden sind. Der Senat arbeitet unter dem Titel   eines &#8222;Informationsfreiheitsgesetz&#8220; daran, dass Bestimmungen bereits   geschlossener Vertr&#228;ge, die der Ver&#246;ffentlichung entgegenstehen,   nachverhandelt werden. Scheinbar wurden hier den Wasserunternehmen   Freiheiten des Gesch&#228;ftemachens in einem Ausma&#223; gegeben, die selbst im   Deutschland 2010 das normale Ma&#223; betr&#228;chtlich &#252;berschreiten. Die   Politiker von der SPD und der &#8222;Linke&#8220;n meinten und meinen es offenbar   sehr gut mit den &#8222;legitimen&#8220; Gesch&#228;ftsinteressen ihrer neuen   Mitverwalter des Wassers.<\/p>\n<p>  Damit das nun nicht herauskommt, schalten diese mit Haushaltsgeldern   Werbekampagnen f&#252;r die Teilprivatisierung der Wasserwerke, die laut   Bundesrechnungshof von 2005 bis 2008 4,4 Millionen Euro umfassten. Darin   sind die Kosten f&#252;r die &#8222;Waschmaschinenkampagne&#8220; und die   &#8222;Happy-Ente-Kampagne&#8220; noch nicht enthalten.<\/p>\n<p>  Die SAV unterst&#252;tzt deswegen das Volksbegehren. Sie legt aber auch Wert   auf die Aussage, dass der Skandal nicht nur darin liegt, dass hier ein   Ausma&#223; an freundlichem R&#252;berschieben von Gewinnm&#246;glichkeiten an die   Privaten von der Politik vorliegt, das das bisher Gewohnte ordentlich zu   &#252;berschreiten scheint. Vielmehr liegt der Skandal auch und gerade darin,   dass jede Lebensregung &#8211; selbst das Wassertrinken und Wasserlassen &#8211;   kapitalkr&#228;ftigen Anderen die Taschen f&#252;llt. Der Umstand, dass jeder   Wasser braucht, wird gleich mit einer Erpressung garniert: entweder du   zahlst unseren geforderten Preis oder du bekommst keines. Es trifft sich   dabei gut, dass hier gleich ein Monopol f&#252;r Berlin an Unternehmer   weitergegeben worden ist. Die SAV ist aber auch gegen die Entlassungen   und Leistungssteigerungen bei der Belegschaft und h&#228;lt fest:   Gewinnemachen schadet den Besch&#228;ftigten. Ihr Lohn wird als Kostenfaktor   behandelt und und als Abzug vom Gewinn. Bei Marx ist dieses Verfahren   als Ausbeutung bekannt. Deswegen wurde die Zahl der Stellen reduziert,   obwohl die K&#228;ufer gener&#246;s neue Arbeitspl&#228;tze versprochen hatten. Im   Moment arbeiten bei den Berliner Wasserbetrieben &#8211; inklusive der &#252;brig   gebliebenen Tochtergesellschaften &#8211; nur noch 5.283 Mitarbeiter. Im Jahr   1999 waren es noch 6.265 Personen.<\/p>\n<h4>  Gegen jede Privatisierung und gegen die Privatwirtschaft<\/h4>\n<p>  Die Privatisierung &#246;ffentlichen Eigentums hat neben dem Umstand, dass   sie eine staatliche Einnahmequelle ist, die Meinung zur Grundlage, dass   die Privatwirtschaft &#8222;effektiver&#8220; wirtschaftet. Nun hat sich in den   letzten 10 Jahren nicht nur bei der Britischen Eisenbahn gezeigt, dass   die Anh&#228;ufung reichlicher Gewinne mit dem Verzicht auf die Erhaltung der   Grundsubstanz einhergeht. &#8222;Effektiv&#8220; wird daher nicht im Sinne einer   guten Versorgung gewirtschaftet &#8211; die ist ja nicht besser geworden,   sondern nur um 35% teurer -, sondern in dem Sinne, dass ein ordentlicher   Geld&#252;berschuss herauskommt, der in den privaten Taschen der   Anteilseigner verschwindet. Die Politiker von SPD und der LINKEn werden   ihr Pl&#228;doyer f&#252;r Effektivit&#228;t schon so gemeint haben. Wir als Betroffene   sollten allerdings die Rekommunalisierung auf Grundlage der Aufdeckung   der Vertragsklauseln fordern. Dabei sollten wir uns nicht der Illusion   hingeben, dass die Wasserwerke und andere Versorgungseinrichtungen in   staatlicher Hand dem Gewinnprinzip entzogen w&#228;ren. Indirekt gilt auch   dort der Auftrag, mit Leistungsverdichtungen und Entlassungen billigere   Dienstleistungen zu organisieren, da diese ein Teil des Lohns sind, den   Unternehmer zahlen m&#252;ssen. Billigerer Strom, billigere Verkehrsmittel,   billigere M&#252;llabfuhr und Wasser, billigere Bildung usw., das alles   verringert die notwendigen Bestandteile des Lohns, der ja so einige   Notwendigkeiten ber&#252;cksichtigen muss, damit die Menschen an ihrem   Arbeitsplatz erscheinen k&#246;nnen und dort die geforderte Leistung   erbringen k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Die Rolle der Partei Die LINKE beim Wasserbegehren<\/h4>\n<p>  Die Bezirksorganisation Neuk&#246;lln der LINKEn hat am 24.4.2010 auf dem   Landesparteitag den Antrag auf Unterst&#252;tzung der Offenlegung der   Geheimvertr&#228;ge an den Landesverband Berlin gestellt. Eine solche wurde   abgelehnt. Aber am 4. Juli f&#252;hlten sich Harald Wolf und Klaus Lederer   doch bem&#252;&#223;igt, eine Erkl&#228;rung zum Thema Wasser zu ver&#246;ffentlichen. Darin   hei&#223;t es, dass sie schon immer vehement gegen die Privatisierung des   Wassers gek&#228;mpft haben. Bereits als PDS haben sie davor gewarnt und   mussten hinnehmen, dass CDU und SPD die Privatisierung trotzdem   durchsetzten. Sogar das Verfassungsgericht haben sie angerufen, aber es   hat ihnen nicht recht gegeben. Den Wassertisch (die Initiatoren des   Wasserbegehrens) loben sie daf&#252;r, dass er diese Frage weiterhin &#8222;auf der   politischen Agenda&#8220; hielt. Sie selbst erachten &#8222;diese Offenlegung auch   f&#252;r richtig&#8220; und haben deswegen die privaten Firmen mehrfach zu einer   solchen Offenlegung aufgefordert, aber dieselben haben sich diesem   Ansinnen widersetzt. Man muss dieser Darstellung entgegen halten, dass   sie wohl selber nicht daran geglaubt haben, dass die Firmen einer blo&#223;en   Aufforderung nachkommen. Es fragt sich dann nat&#252;rlich, warum sie sich   nicht am Wasserbegehren beteiligt haben, wo sie doch gegen die   Privatisierung waren. Sie antworten folgenderma&#223;en: &#8222;Man muss aufpassen,   dass keine falschen Illusionen entstehen&#8220; &#8230; &#8222;Auch wenn es jetzt   gelingt, den &#187;formalen&#171; Fehler der Geheimhaltung zu korrigieren, ist   damit keineswegs der Kardinalfehler &#8211; n&#228;mlich &#252;berhaupt eine solche   Privatisierung der Wasserversorgung betrieben zu haben &#8211; automatisch   korrigiert oder korrigierbar.&#8220; Haben sie also das Volksbegehren nicht   unterst&#252;tzt, weil es ihnen nicht weit genug ging? Ist ihr radikaler   Vorschlag, die Privatisierung gleich ganz r&#252;ckg&#228;ngig zu machen?<\/p>\n<p>  Es stellt sich nur die Frage, warum sie die vergangenen 8 Jahre daf&#252;r   nicht genutzt haben. H&#228;tten sie nicht der SPD die Aufhebung der   Privatisierung als Bedingung f&#252;r die Regierungskoalition stellen k&#246;nnen?   Oder nach Eingehen der Koalition damit drohen k&#246;nnen, dass sie die   Koalition platzen lassen, wenn die SPD da nicht nachgibt? Nat&#252;rlich   alles v&#246;llig weltfremde Er&#246;rterungen. Man geht ja nicht eine Koalition   ein, um sie platzen zu lassen. Wer w&#252;rde denn dann die zuk&#252;nftige   Privatisierung verhindern, wenn die Linke nicht mehr in der Koalition   w&#228;re? Und wer w&#252;rde denn dann sozial ausgewogen an den B&#252;rgern sparen?   Ohne die LINKE w&#252;rde ganz einseitig zu Lasten der Armen gespart. Das   w&#228;re die R&#252;ckg&#228;ngigmachung der Privatisierung der Wasserwerke ganz   bestimmt nicht wert. Und noch dazu: Wer der LINKEn am Thema   Wasserbegehren ihre SPD-Politik vorwirft, ist entweder blau&#228;ugig oder   b&#246;swillig. Dabei f&#228;llt ihnen anscheinend nicht mehr auf, dass die Logik   des Akzeptierens der marktwirtschaftlichen Sachnotwendigkeiten zugunsten   einer sp&#228;ter sozialeren Politik sogar die Perspektive einer solchen   gef&#228;hrdet. Derweil werden Gesch&#228;ftsinteressen bef&#246;rdert, die man die   Bev&#246;lkerung bezahlen l&#228;sst. Und vom sozial ausgewogenem Sparen haben wir   auch nichts. Es ist ja Bauernf&#228;ngerei, wenn man den Leuten sagt, dass   immer weniger Geld in der eigenen Tasche nicht so weh tut, wenn den   Reichen auch mal ein paar Euro genommen werden, die sie an anderer   Stelle hundertfach mehr anh&#228;ufen k&#246;nnen. Die Berliner Linke produziert   nur Abfindungsideologien mit dem Slogan &#8222;gerecht sparen&#8220;. In Bezug auf   das Wasserbegehren sagt sie dann, sie k&#246;nne gar nicht anders handeln,   als sie es tut, ihr seien n&#228;mlich durch die Gesetze (die sie ja gar   nicht gemacht hat und denen sie hilflos ausgeliefert ist) die H&#228;nde   gebunden:<\/p>\n<p>  &#8222;Neben der Tatsache, dass die Vertragsoffenlegung die Vertragsinhalte ja   nicht &#228;ndert, spricht ein rechtliches Argument gegen den Gesetzenwurf   des Wassertisches. Aus Gr&#252;nden des Vertrauensschutzes ist eine ausnahms-   und bedingungslose Pflicht zur Offenlegung von bereits beschlossenen   Vertr&#228;gen nicht rechtssicher auszusprechen&#160;&#8211; weder durch den Senat noch   durch das Parlament oder den Volksgesetzgeber.&#8220;<\/p>\n<p>  Und damit dann niemand sagt, warum sollen wir uns eigentlich an Gesetze   halten, die uns nur Schaden, schieben sie nach: &#8222;Ein politisch   weitreichender und rechtlich gangbarer Weg ist die Erg&#228;nzung des   Informationsfreiheits-Gesetzes (IFG).&#8220;<\/p>\n<p>  Wie man sich allerdings denken kann, braucht das alles seine Zeit, auch   wenn die &#196;nderung des Gesetzes schon im Juli beschlossen worden ist.   Leider besagt dieses Gesetz f&#252;r seine r&#252;ckwirkende Anwendung: &#8222;Wenn   bestimmte Klauseln geheim gehalten werden sollen, muss der jeweilige   Vertragspartner nachweisen, dass ihm aus einer Offenlegung   schwerwiegende Nachteile erwachsen w&#252;rden.&#8220; Deswegen wird man sich wohl   mit der alten Privatisierung abfinden m&#252;ssen. Man muss allerdings daran   nicht verzweifeln und kann trotzdem weiter DIE LINKE w&#228;hlen, denn: &#8222;F&#252;r   die Linke ist klar, dass die Regelung des Koalitionsvertrags von 2006,   die sich gegen jegliche Privatisierung &#246;ffentlichen Eigentums und f&#252;r   die Herstellung und Aufrechterhaltung von leistungsf&#228;higen landeseigenen   Betrieben ausspricht, auch weiterhin Geltung hat. Insofern ist die   Novellierung des IFG besonders wichtig als Sperr-Riegel f&#252;r drohende   Privatisierungsentscheidungen, die eine Landesregierung, an der wir   nicht beteiligt sind, in der Zukunft treffen k&#246;nnte.&#8220;<\/p>\n<p>  Nur der unbedarfte Mensch oder eben der b&#246;swillige Sozialist denkt eben,   dass eine f&#252;r die Bev&#246;lkerung sch&#228;dliche Sache (deren Sch&#228;dlichkeit kaum   einer bestreitet) so einfach abgeschafft werden kann. Wer sich hingegen   mit den Sachzw&#228;ngen der Politik befasst, sieht wohl ein, dass es anders   nicht geht. Nur darf er eben dabei nicht fragen, wem diese Politik   dient. Denn die Antwort &#8211; den Kapitalvermehrern, bringt ihn auf den ganz   falschen Weg.<\/p>\n<p>  Bleibt noch zu erw&#228;hnen, dass sich die Parteivize in Berlin Halina   Wawzyniak k&#252;rzlich in einer Mitteilung f&#252;r die &#187;Offenlegung von   Geheimvertr&#228;gen&#171; aussprach. Den sp&#228;ten Gesinnungswandel kann man so   deuten, dass man doch manchmal das Pferd wechseln muss, wenn das eigene   gar zu m&#252;de dahin schreitet.<\/p>\n<h4>  Offenlegung der Geheimvertr&#228;ge durch die &#8222;taz&#8220;<\/h4>\n<p>  Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (LINKE), der die &#196;nderung der   Geheimvertr&#228;ge aus dem Jahr 2004 mit zu verantworten hat, geriet nach   der taz-Ver&#246;ffentlichung in die Defensive (Der taz zugespielte Dokumente   legten die Geheimvertr&#228;ge offen). &quot;Die Existenz der   &#196;nderungsvereinbarung ist keine Neuigkeit&quot;, teilte er mit. Auch eine   Art, fr&#252;here Aussagen &#8211; dass man machtlos w&#228;re, weil CDU\/SPD die   Vertrage ausgehandelt h&#228;tten &#8211; zu kommentieren. In anderen   Zusammenh&#228;ngen nennen auch Vertreter der Partei Die LINKE das Verfahren,   etwas auf Nachfrage zu verschweigen, L&#252;gen. Wolf und Lederer wurde &#246;fter   vorgeworfen, sie h&#228;tten nichts gegen die Privatisierung und ihre   Umst&#228;nde unternommen. Die eint&#246;nige Auskunft diesbez&#252;glich war immer,   ihre Vertreter im Senat und Abgeordnetenhaus h&#228;tten keine M&#246;glichkeit   gehabt, die gewaltigen Gewinngarantien f&#252;r die Privaten zu stoppen. Der   Wirtschaftssenator hat nun die Gewinnzusicherungen, die das   Landesverfassungsgericht 1999 untersagt hatte, in einer auf das Jahr   2004 zur&#252;ckgehenden Geheimverhandlung erneut zugestanden und in den   Vertrag lanciert. Genosse Lederer sagt nun hierzu, dass der Senat damals   nur &#8222;die Wahl zwischen Pest und Cholera&#8220; gehabt habe. Die Konzerne   h&#228;tten sonst das Land Berlin wegen entgangener Gewinne in Haftung nehmen   k&#246;nnen. Dabei f&#228;llt auf, dass der Rechtsstandpunkt der Konzerne   angesichts der Landesverfassungsgerichtsurteils nicht gerade auf festen   F&#252;&#223;en stand. Warum haben es die Herren Senatoren nicht darauf ankommen   lassen? Und wenn sie wirklich verloren h&#228;tten, dann h&#228;tte das Land   Berlin vielleicht was nachzahlen m&#252;ssen, aber es w&#228;re nicht   stillschweigend Jahre lang weiter akzeptiert worden, dass die   Wasserverbraucher f&#252;r die exorbitanten Gewinne der Wasserkonzerne   herangezogen werden. Dass jetzt nach &#8222;nur&#8220; 6 Jahren das Thema wieder   breiter in der &#214;ffentlichkeit existiert, ist dem Wasserbegehren zu   verdanken. Lederer und Wolf wollten also nicht die Schenkungen an die   Konzerne durch den alten Senat r&#252;ckg&#228;ngig machen. So wichtig war ihnen   die Koalition mit der SPD. Es ist bezeichnend f&#252;r sie, dass ihnen der   Vergleich zwischen Pest und Cholera nicht in Hinblick auf SPD und CDU   einf&#228;llt, die sowohl den Geheimvertrag eingingen als auch auf eine lange   Tradition bei Sozialk&#252;rzungen zur&#252;ckblicken. Zwischen Pest und Cholera   meinen die beiden nur w&#228;hlen zu m&#252;ssen, wenn es um die Aufl&#246;sung oder   Beibehaltung des Geheimvertrags geht &#8211; und entscheiden sich dann f&#252;r die   Geheimhaltung. Eine sehr extravagante Anwendung eines Vergleichs, der   unter Linken gew&#246;hnlich dazu verwendet wird, die Notwendigkeit einer   Alternative zu den b&#252;rgerlichen Sozialabbau- und Privatisierungsparteien   zu veranschaulichen.<\/p>\n<p>  Das sich f&#252;hrende Vertreter der Berliner LINKEN jetzt versuchen auf die   Seite des Volksbegehrens zu schlagen, in dem Moment als sein Erfolg sehr   wahrscheinlich wurde, w&#228;re durchaus willkommen, wenn dies mit einer   ehrlichen Bilanz der bisherigen Politik einhergehen w&#252;rde. Und mit einem   Wandel, sich f&#252;r die Interessen von WasserverbraucherInnen (und der   eigenen Basis) einzusetzen und nicht f&#252;r die privater Investoren.<\/p>\n<p>  Die Basis der LINKEn muss allerdings Konsequenzen aus diesen Vorg&#228;ngen   ziehen. Sie muss deutlich machen, dass sie sich f&#252;r die Spielchen   b&#252;rgerlicher Herrschaft und b&#252;rgerlicher Politiker und der damit   verbundenen Logik der b&#252;rgerlichen Sachzw&#228;nge nicht hergibt. Sie muss   sagen, dass sie sich nicht von den eigenen Vertretern Sch&#228;digungen   aufherrschen lassen werden, gegen die sie angetreten ist. Sie muss den   Slogan ausgeben, dass sie keine Toleranz f&#252;r eine F&#252;hrung hat, die ihr   Projekt hin zu einer besseren Gesellschaft, in der nicht mehr das   Kapital herrscht und ausbeutet, zuschanden reitet. Sie muss sich eine   F&#252;hrung verschaffen, deren Handlungsma&#223;stab die Interessen der   arbeitenden Bev&#246;lkerung sind. Oder die Partei wird als Alternative zu   dem &#252;brigen b&#252;rgerlichen Parteienbrei untergehen und im Hintern der SPD   landen. Nur wenn die Basis heute entschieden Protest einlegt,   verallgemeinert sich das Berliner und Brandenburger Modell nicht.   Dasselbe zeichnet sich dadurch aus, die Menschen hier und jetzt in die   Sachnotwendigkeiten des kapitalistischen Systems zu zwingen und ihnen   gleichzeitig die Perspektive eines besseren sozialistischen Morgen vor   die Nase zu halten. Fragt sich nur, weswegen es dazu einer LINKEn   bedarf. Da hatte die SPD doch mehr &#220;bung drin.<\/p>\n<p>  Eine Regierungsbeteiligung mit Parteien die sich dem Wohl des Kapitals   verschrieben haben und dasselbe in Allgemeinwohl umgetauft haben, l&#228;sst   einen sehr schnell dicke Kr&#246;ten schlucken, die aber die Leute unten   auszubaden haben. Die Logik des &#8222;jetzt m&#252;ssen wir die schon erfolgten   Privatisierungen und auch unpopul&#228;re K&#252;rzungen des Sozialsystems   mittragen, damit wir sp&#228;ter einiges verbessern k&#246;nnen&#8220; verschiebt die   Verbesserungen von Jahr zu Jahr und schw&#228;cht den Widerstand gegen   Privatisierungs- und K&#252;rzungspolitik und macht DIE LINKE zu einer ganz   normalen Systempartei.<\/p>\n<p>  Stattdessen sollte man mit der SAV fordern:<\/p>\n<p>  Teilprivatisierung der Wasserwerke r&#252;ckg&#228;ngig machen!<\/p>\n<p>  Demokratische Kontrolle und Verwaltung der Wasserwerke durch   VertreterInnen von Besch&#228;ftigten und VerbraucherInnen, der   Gewerkschaften und der Kommunen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Volksbegehren gegen Wasservertr&#228;ge und die Rolle der Partei Die LINKE\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,56,25,82],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13965"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13965"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13965\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13965"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13965"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13965"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}