{"id":13964,"date":"2010-11-08T00:00:00","date_gmt":"2010-11-08T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13964"},"modified":"2010-11-08T00:00:00","modified_gmt":"2010-11-08T00:00:00","slug":"13964","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13964\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir k&#246;nnen uns das keinesfalls leisten&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>  Interview von sozialismus.info mit einem gewerkschaftlich organisierten   Kollegen aus dem Bereich Personennahverkehr &#252;ber die   Tarifauseinandersetzung bei der Bahn.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Die Tarifgemeinschaft von Transnet und GDBA hat Warnstreiks   durchgef&#252;hrt. Was sind die Gr&#252;nde?<\/h4>\n<p>  Die Tarifgemeinschaft (TG) will einen einheitlichen Branchentarifvertrag   allgemeinverbindlich erkl&#228;ren (lassen). Damit will sie dem Umstand   entgegentreten, dass die privaten Bahnunternehmen um bis zu 30 Prozent   weniger Lohn als die Deutsche Bahn zahlen; die DB betreibt diese   Lohndr&#252;ckerei allerdings genauso durch Ausgliederung von Bereichen in   zahlreiche Tochterfirmen, die zum Teil noch weniger als die Privaten   zahlen.<\/p>\n<p>  Die Arbeitgeber machen ein Angebot von 2.295 Euro brutto monatlich. Im   Vergleich zum laufenden Tarifvertrag liegt dieses Angebot mindestens 11   Prozent unter dem Volumen der DB Regio AG. Nimmt man die (h&#246;here)   Arbeitszeit und die fehlenden Betr&#228;ge f&#252;r die Sozialleistungen dazu,   betr&#228;gt der Lohnverlust &#252;ber 20 Prozent.<\/p>\n<h4>  K&#246;nnen sich das die Bahnbesch&#228;ftigten leisten?<\/h4>\n<p>  Nein, wir k&#246;nnen uns das keinesfalls leisten. Mit 1400 0der 1500 Euro   netto ist es jetzt schon sehr schwierig, eine Familie &#252;ber die Runden zu   bringen. Viele Kollegen k&#246;nnten bei einer weiteren Absenkung ihre   Ratenzahlungen f&#252;r die notwendigen Anschaffungen nicht mehr bedienen und   so in eine Situation der &#220;berschuldung geraten. Mit uns ist das nicht zu   machen. Hinzu kommt, dass die DGB Gewerkschaften (darunter die Transnet)   &#252;ber den Zeitraum der letzten 20 Jahre bereits Reallohnsenkungen   zugestimmt haben. Wir befinden uns also bereits am unteren Ende der   Fahnenstange.<\/p>\n<h4>  Die Tarifgemeinschaft von Transnet und GDBA will sich nach eigenem   Bekunden dem Absenkungstarifvertrag entgegenstellen. In der   Vergangenheit haben sich diese Gewerkschaften nicht gerade als sehr   k&#228;mpferisch aufgef&#252;hrt. Ist es dieses Mal anders?<\/h4>\n<p>  Die Transnet war seit jeher die Hausgewerkschaft der Deutschen Bahn. Als   das Zusammenspiel von Transnet und der DB wegen der schlechten   Tarifabschl&#252;sse die Basis zum Brodeln brachte, wurde die F&#252;hrungsetage   umgemodelt. So lie&#223; man die hei&#223;e Luft bei der Basis raus. Die   sozialpartnerschaftliche Ausrichtung der Transnet hat sich dadurch nicht   wesentlich ge&#228;ndert. Im Grunde genommen ist gegen das Ziel eines   Branchentarifvertrages nichts zu sagen, damit das Lohndumping durch die   Privatunternehmen beendet wird. Es liegt allerdings der Verdacht nahe,   dass eine Lohnsteigerung bei den gro&#223;en 6 Privaten am Ende doch mit   einer Absenkung des Tarifs bei den DB Besch&#228;ftigten erkauft wird. Dies   kann auch &#252;ber ver&#228;nderte Anrechnung der Arbeitszeiten oder dem Wegfall   von Zulagen oder Sozialleistungen erfolgen. Generell liegt der   Branchentarifvertrag auch im Interesse der DB, weil sich ihre   Konkurrenzlage so bessert. Wir m&#252;ssen also auf der Hut sein, dass die   Transnet-F&#252;hrung nicht das Spiel der DB spielt und am Ende eine Senkung   unserer L&#246;hne als hart erk&#228;mpfter Kompromiss pr&#228;sentiert wird. Dagegen   hilft nur, dass wir unsere Forderungen auch den Gewerkschaftsoberen   gegen&#252;ber mit Entschiedenheit verfechten.<\/p>\n<h4>  Und was ist die Position der GDL?<\/h4>\n<p>  Die GDL hat eine andere Taktik. Einer der drei gro&#223;en   Arbeitgeberverb&#228;nde verweigerte ihr jegliche Verhandlungen &#252;ber einen   Bundesrahmenlokf&#252;hrertarifvertrag. Deshalb f&#252;hrt sie mit den gro&#223;en   Mitgliedsunternehmen dieses Verbandes, zur Zeit relativ erfolgreich,   Einzelgespr&#228;che. In der Folge sind die wesentlichen gro&#223;en   Privatunternehmen aus diesem Verband ausgetreten und haben signalisiert,   dass sie einen Bundesrahmenlokf&#252;hrertarifvertrag (BuRa-LfTV) abschlie&#223;en   wollen. Vermutlich wollen sie sich dem durch die Subunternehmen der Bahn   forcierten Unterbietungswettbewerb ihrerseits entziehen. Damit br&#246;ckelt   die Front dieses Arbeitgeberverbandes ganz gewaltig. Dieser   Arbeitgeberverband sieht seine Aufgabe nach eigenen Angaben, darin   Wettbewerbsvorteile f&#252;r seine Mitgliedsunternehmen durch niedrige   Lohnabschl&#252;sse zu generieren. 2008 hat die GDL ja bekanntlich eine   anst&#228;ndige Lohnerh&#246;hung f&#252;r die Lokf&#252;hrer durchgesetzt, aber bei vielen   Kollegen ist die Erh&#246;hung &#252;ber das Abschmelzen von pers&#246;nlichen Zulagen   teilweise oder vollst&#228;ndig weggefallen. Noch dazu hat die GDL den Streik   zu einem Zeitpunkt abgebrochen als durch die Schw&#228;che der Arbeitgeber   wesentlich bessere Ergebnisse m&#246;glich gewesen w&#228;ren. So hatten sich z.B.   die Zugbegleiter am Streik beteiligt, aber man hat sie bei den   Verhandlungen schlicht und einfach nicht ber&#252;cksichtigt. Des weiteren   fand die Urabstimmung erst dann statt, als die Basis rebellierte. Der   Streik wurde schon vorher von dem damaligen Vorsitzenden Schell f&#252;r   beendet erkl&#228;rt. Deswegen ist die einzige Garantie, dass die eigenen   Interessen zum Zug kommen, die, dass man sich f&#252;r seine Interessen   selbst stark macht und die Gewerkschaft in ihrem Handeln kontrolliert.   Die Basis wird nur bereit sein, in einen Arbeitskampf zu gehen, wenn   eine Absenkung des derzeitigen Lokf&#252;hrertarifvertrags absolut tabu ist.   Bei einem Einknicken der GDL-F&#252;hrung wird die Wut gro&#223; sein und dann   k&#246;nnte sich diese Wut Bahn brechen. Dass Arbeiter auch k&#228;mpfen k&#246;nnen,   zeigen ja die Franzosen.<\/p>\n<h4>  Die GDL will sich nicht an den Warnstreiks beteiligen. Was denkst du   dazu?<\/h4>\n<p>  Zun&#228;chst ist es bedauerlich, dass die Bahngewerkschaften es nicht   schaffen, ein einheitliches Vorgehen zu beschlie&#223;en. Das spielt den   Arbeitgebern letztlich immer in die H&#228;nde. Die Gewerkschaften sollten   dazu keinen Vorschub leisten. In der GDL Info wird darauf hingewiesen,   dass sie bei Teilnahme an den TG Streiks keinen Rechtsschutz bietet. Das   ist nicht hilfreich. Sie weist allerdings darauf hin, dass kein   Arbeitnehmer verpflichtet ist, direkt einen bestreikten Arbeitsplatz zu   &#252;bernehmen. Auch wenn die GDL meint, dass die Taktik der TG nicht   zielf&#252;hrend ist, w&#228;re es doch zu w&#252;nschen, dass die GDL ihren   Mitgliedern klare R&#252;ckendeckung gibt, damit sie nicht unter Druck   gesetzt werden k&#246;nnen, als Streikbrecher eingesetzt zu werden. Denn in   der Zukunft werden die Besch&#228;ftigten nur eine Chance haben, wenn sie   solidarisch gemeinsam k&#228;mpfen. Als GDL-Mitglied setze ich mich an der   Basis f&#252;r die Zusammenarbeit von allen Besch&#228;ftigten ein, egal welcher   Gewerkschaft sie angeh&#246;ren. Das gegenseitige Hickhack unter den   Gewerkschaftsspitzen muss ein Ende haben. Insofern ist zu begr&#252;&#223;en, dass   sich die GDL in einem offenen Brief nun grunds&#228;tzlich sich solidarisch   mit dem Arbeitskampf Forderungen erkl&#228;rt.<\/p>\n<p>  <i>Das Interview f&#252;hrte Klaus Franz<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview von sozialismus.info mit einem gewerkschaftlich organisierten<br \/>\n      Kollegen aus dem Bereich Personennahverkehr &#252;ber die<br \/>\n      Tarifauseinandersetzung bei der Bahn.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13964"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13964"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13964\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13964"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13964"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13964"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}