{"id":13959,"date":"2010-11-03T14:00:00","date_gmt":"2010-11-03T14:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13959"},"modified":"2010-11-03T14:00:00","modified_gmt":"2010-11-03T14:00:00","slug":"13959","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13959\/","title":{"rendered":"Stuttgart 21: Die Demonstrationen gehen weiter"},"content":{"rendered":"<p>  &#8230; und der kreative zivile Ungehorsam kriegt Wurzeln<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am 30. Oktober waren gut 30.000 Menschen gegen Stuttgart 21 auf der   Stra&#223;e. Diesmal stand die Kundgebung unter dem Motto: &quot;Kultur statt   Gr&#246;&#223;enwahn&quot;. Im Anschluss wurden auf dem Baugel&#228;nde symbolisch B&#228;ume   gepflanzt.<\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein<\/i><\/h4>\n<p>  Die Kabarettistin Christine Prayon und Micha von der SKA-Band &quot;Nu   Sports&quot; moderierten die Kundgebung.<\/p>\n<p>  Der erste Redner war aber kein Kulturvertreter, sondern der Gemeinderat   und Landtagsabgeordnete Werner W&#246;lfle (Gr&#252;ne). Er besch&#228;ftigte sich in   seiner Rede vor allem mit den &quot;Schlichtungs&quot;gespr&#228;chen. Unter anderem   ging er auf das Gespr&#228;ch vom Vortag ein, in dem es auch um den geplanten   ICE-Bahnhof am Flughafen gegangen war, durch den es 1,2 Mio. neue   Flugg&#228;ste im Jahr geben soll. Unter gro&#223;em Beifall rief er: &quot;Die wollen   wir gar nicht!&quot; Damit hat er recht, es h&#228;tte sich aber gelohnt, den   Zusammenhang deutlicher zu erkl&#228;ren: Bundesweit werden ICE-Trassen in   die Landschaft gehobelt (und international andere   Hochgeschwindigkeitstrassen) mit dem Versprechen, dass das eine   umweltfreundliche Konkurrenz zum Flugverkehr sei. In Stuttgart soll der   ICE als Airport-Shuttle dienen &#8211; und so bald es konkret wird, versuchen   die Stuttgart-21-Vertreter nicht mal zu versprechen, es gehe darum, den   Flughafen besser anzubinden, damit die bisherigen Flugg&#228;ste mit dem Zug   statt mit dem Auto kommen, sondern geben zu, dass es um mehr Flugg&#228;ste   geht. Das ist ein Schlag ins Gesicht f&#252;r die ganze Ideologie der   Hochgeschwindigkeitsz&#252;ge. F&#252;r Stuttgart konkret w&#252;rden 1,2 Millionen   zus&#228;tzliche Fahrg&#228;ste bedeuten, dass die Kapazit&#228;ten nicht ausreichen.   Vor zwei Jahren gab es Massenproteste gegen eine geplante zus&#228;tzliche   Startbahn, die unter dem Druck der Proteste vertagt wurde. Seit Freitag   ist klar, dass der ICE-Bahnhof die zus&#228;tzliche Startbahn wieder auf die   Tagesordnung bringt.<\/p>\n<p>  In der letzten Woche hatte die SPD einen Antrag f&#252;r einen Volksentscheid   zu Stuttgart 21 im Landtag eingebracht, der von der CDU-FDP-Mehrheit   abgelehnt wurde. W&#246;lfle begr&#252;ndete, warum die Gr&#252;nen auch nicht f&#252;r den   SPD-Antrag stimmten, sondern sich enthielten. Die SPD begr&#252;ndete den   Volksentscheid damit, dass er Akzeptanz f&#252;r Stuttgart 21 schaffen solle.   Dass die Gr&#252;nen dem nicht zustimmen konnten, ist offensichtlich.   Alarmierend ist aber, was W&#246;lfle vorher sagte. Die SPD beantragte einen   Volksentscheid &#252;ber Stuttgart 21 und die ICE-Trasse Wendlingen-Ulm. Die   SAV hat von Anfang an auch die ICE-Trasse abgelehnt. Die Sprecher der   Bewegung gegen Stuttgart 21 haben bis letzten Winter die ICE-Trasse noch   ausdr&#252;cklich bef&#252;rwortet. In den letzten Monaten wurden die auch dort   explodierenden Kosten und andere Probleme der Trassenf&#252;hrung bekannt.   Deshalb nahm die Ablehnung zu, aber selbst bei AktivistInnen gibt es in   dieser Frage viel Unsicherheit und Unklarheit. Bei einer Meinungsumfrage   unter TeilnehmerInnen der Montagsdemo vom 18. Oktober waren 27% der   Befragten dagegen, 13% daf&#252;r, aber 53% &quot;mit &#196;nderung&quot; daf&#252;r. Vor diesem   Hintergrund beide Fragen zu vermischen, soll offenbar dazu dienen, die   Bev&#246;lkerung zu verwirren und bei einer Volksabstimmung eine Mehrheit f&#252;r   Stuttgart 21 zu ergaunern. Aber statt dieses Man&#246;ver der SPD   anzuprangern, sagte W&#246;lfle &#252;ber die Vermischung von Stuttgart 21 mit der   ICE-Trasse nach Ulm: &quot;Das w&#228;r&quot; noch alles in Ordnung&quot;.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem hatte die SPD in ihrer Antragsbegr&#252;ndung, was W&#246;lfle nicht   erw&#228;hnte, geschrieben: &quot;nach den klaren Aussagen aller   Projektbeteiligten ist mit einer einvernehmlichen Vertragsaufhebung   nicht zu rechnen. (&#8230;) Dadurch entstehen Entsch&#228;digungspflichten. Das   Ausstiegsgesetz s&#228;he demnach vor, dass sich das Land einseitig von den   Verpflichtungen s&#228;mtlicher Vertr&#228;ge zu Stuttgart 21 und zur   Neubaustrecke Wendlingen\/Ulm l&#246;st und die daraus entstehenden   Entsch&#228;digungsanspr&#252;che erf&#252;llt.&quot; Offensichtlich will die SPD die   Bev&#246;lkerung mit angeblich bei einem Ausstieg f&#228;lligen hohen   Entsch&#228;digungen einsch&#252;chtern und in eine &quot;Zustimmung&quot; zu Stuttgart 21   hineindr&#228;ngen. Auch davor hat W&#246;lfle nicht gewarnt.<\/p>\n<h4>  Weitere RednerInnen<\/h4>\n<p>  Nach W&#246;lfle redete Werner Schretzmeier vom Theaterhaus Stuttgart. Er gab   die addierte Gesamtzahl der DemoteilnehmerInnen bisher mit 1.050.000 an.   Nach ihm redete Jan Drusche, Mit-Betreiber des Clubs &quot;Die R&#246;hre&quot;, der   sich als &quot;Zwangsmitglied der IHK&quot; vorstellte. (Die Industrie- und   Handelskammer Stuttgart geh&#246;rt von Anfang an zu den fanatischsten   Bef&#252;rwortern von Stuttgart 21. Einer Veranstaltung der IHK zu Stuttgart   21 mit Bahnchef Grube am 11. Oktober bescheinigte die S&#252;ddeutsche   Zeitung &quot;sekten&#228;hnliche Z&#252;ge&quot;.) Drusche berichtete, dass der   Pachtvertrag der &quot;R&#246;hre&quot; zum 31.3. ausl&#228;uft. Nur wegen eines Formfehlers   endet der Pachtvertrag nicht schon am 31.12. Da die Bauarbeiten f&#252;r den   Fildertunnel, f&#252;r die die &quot;R&#246;hre&quot; im Weg ist, erst sp&#228;ter beginnen,   vermutete er, dass sie mit der K&#252;ndigung f&#252;r ihr Engagement gegen S21   bestraft w&#252;rden. Er machte darauf aufmerksam, dass ber&#252;hmte Bands einmal   klein angefangen haben und f&#252;hrte bekannte Bands auf, die in den letzten   Jahrzehnten in der &quot;R&#246;hre&quot; aufgetreten waren.<\/p>\n<p>  Dr. Ulrich Weitz von der Agenturvermittlung, die seit September   F&#252;hrungen am Bauzaun am ehemaligen Nordfl&#252;gel organisiert, sagte, dass   der gesamte Bauzaun ins Museum kommen soll. Er musste aber berichten,   dass S21-Bef&#252;rworter versuchen, das Museumsst&#252;ck zu verf&#228;lschen, indem   sie Zettel entfernen oder wegen angeblicher Beleidigung beschlagnahmen   lassen. Der Journalist Joe Bauer wollte nicht die ganzen Argumente gegen   Stuttgart 21 wiederholen. Man m&#252;sse auch nicht immer wieder &quot;beweisen,   dass die Atombombe der Gesundheit schadet&quot;. Bei Stuttgart 21 gehe es um   &quot;Landnahme f&#252;r ein gro&#223;es Immobiliengesch&#228;ft&quot;. Bauer spielte auf die   aktuelle &quot;Integrationsdebatte&quot; an und die Forderung, Immigranten sollten   die deutsche Sprache lernen und meinte, die Sprache der   Stuttgart-21-Politiker zeige, dass diese Politiker &quot;sich nicht in die   Realit&#228;t der Menschen integriert&quot; haben und auf einem anderen Planeten   leben. Der Schauspieler und Regisseur Klaus Hemmerle war der letzte   Redner.<\/p>\n<p>  Zum Schluss teilte der Moderator noch unter gro&#223;em Beifall mit, dass 40   KollegInnen von Ver.di-Bezirk Rhein-Wupper zur Demo angereist waren, und   lud zur Anti-Atom-Demo am 6. November ein.<\/p>\n<p>  Im Anschluss gab es erstmals seit Wochen wieder offiziell eine   Demonstration durch die Innenstadt (in den Wochen davor hatte es nur   Kundgebungen gegeben, im Anschluss an die es aber oft zu Spontandemos   kam). Das Aktionsb&#252;ndnis z&#228;hlte &#252;ber 25.000 DemonstrantInnen und wies zu   Recht darauf hin, dass nicht alle Teilnehmer der Kundgebung an der   Demonstration teilgenommen hatten. Bei der Demonstration organisierte   die Jugendoffensive gegen Stuttgart 21 wieder einen Demoblock mit   eigenem Lautsprecherwegen, bei dem es Kurzreden, Demospr&#252;che und Musik   gab und noch einmal f&#252;r die Jugendkonferenz gegen Stuttgart 21 (Koffein   21) am folgenden Tag mobilisiert wurde.<\/p>\n<h4>  Baumpflanzaktion<\/h4>\n<p>  Nach der Demonstration gab es eine Aktion auf dem in der Nacht zum 1.   Oktober gerodeten Parkgel&#228;nde. AktivistInnen der Parksch&#252;tzer und von   Robin Wood kamen mit Leitern und jungen B&#228;umen an den Zaun, mehrere   kletterten &#252;ber den Zaun, andere reichten ihnen die B&#228;ume nach.   Wachleute und heraneilende Polizisten versuchten, das Einpflanzen der   B&#228;ume zu verhindern. Dabei zog ein Polizist eine Leiter weg, als eine   Person gerade &#252;ber den Zaun kletterte, so dass diese Person fast   heruntergefallen w&#228;re. Einem anderen Aktivisten, der sich friedlich   abf&#252;hren lie&#223;, wurde trotzdem brutal der Arm auf den R&#252;cken gedreht. Da   aber Tausende DemonstrantInnen in den Park gekommen waren und viele in   der N&#228;he des Bauzauns waren und jetzt den Zaun in rhythmische   Schwingungen versetzten, war die Polizei zun&#228;chst vorrangig damit   besch&#228;ftigt, den Zaun abzuschirmen. Dadurch konnten die AktivistInnen   die B&#228;ume symbolisch einpflanzen. 19 AktivistInnen wurden vor&#252;bergehend   in Gewahrsam genommen. Tausende DemonstrantInnen str&#246;mten zum Bauzaun,   um die Aktion durch ihre Pr&#228;senz, durch Sprechch&#246;re etc. zu unterst&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Die Parksch&#252;tzer erinnerten in ihrer Presseerkl&#228;rung noch einmal daran,   dass die Rodungsaktion vom 1. Oktober illegal war und prangerten den   brutalen Polizeieinsatz zu ihrer Durchf&#252;hrung an. Sie forderten, dass   das Gel&#228;nde dem Park zur&#252;ckgegeben wird und warnten, dass durch &quot;die bis   2024 vorgesehene Grundwasserabsenkung um ca. zehn Meter die B&#228;ume im   gesamten Schlossgarten gef&#228;hrdet&quot; sind. Sie prangerten an, &quot;dass die   Bahn trotz der laufenden Schlichtungsgespr&#228;che wie geplant weiter baut,   dadurch Fakten schafft und sich an keinerlei Zusagen h&#228;lt. Entgegen den   Abmachungen im Vorfeld der Schlichtungsgespr&#228;che wurde in den   vergangenen Tagen auf dem Gel&#228;nde des Grundwassermanagements betoniert,   zahlreiche Betonteile wurden angeliefert. Fast gleichzeitig musste die   Bahn eingestehen, dass auch der erkl&#228;rte Aufschub der   S&#252;dfl&#252;gelentkernung nicht eingehalten wurde.&quot;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8230; und der kreative zivile Ungehorsam kriegt Wurzeln\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13959"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13959"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13959\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13959"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13959"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}