{"id":13958,"date":"2010-11-02T00:00:00","date_gmt":"2010-11-02T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13958"},"modified":"2010-11-02T00:00:00","modified_gmt":"2010-11-02T00:00:00","slug":"13958","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13958\/","title":{"rendered":"Frankreich: Wichtige Machtprobe zwischen den Klassen"},"content":{"rendered":"<p>  Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter und Jugendliche wollen die   &#8222;Diktatur&#8220; Sarkozys beenden.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#8222;Die Benzinknappheit weitet sich aus, nur die Demos f&#252;llen sich&#8220;, war   eine Schlagzeile des franz&#246;sischen Satiremagazins Le Canard Enchaine am   Tag nachdem mehr als dreieinhalb Millionen Menschen in 260 St&#228;dten   erneut auf die Stra&#223;e gingen &#8211; ein Zwanzigstel der franz&#246;sischen   Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<p>  Siebzig Prozent der Bev&#246;lkerung unterst&#252;tzen die Aktionen. In einigen   kleineren Orten demonstrierten bis zu einem Drittel der EinwohnerInnen.   Die Anzahl derer, die sich neu der Bewegung anschlossen, zeigt die Tiefe   der Unzufriedenheit mit der Rentenreform und Vielem mehr.<\/p>\n<h4>  <i>Analyse und Bericht von Clare Doyle, Mitglied des Internationalen   Sekretariat des Kommitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale, die Paris und   Rouen besuchte<\/i><\/h4>\n<\/p>\n<p>  Marie-Jose Douet, ein Mitglied der Gauche Revolutionnaire (CWI in   Frankreich), die 1968 am Generalstreik beteiligt war und sich, wie so   viele, daran erinnern kann, als w&#228;re es gestern gewesen, betrachtet die   gegenw&#228;rtige Situation als besser vergleichbar mit dem Jahr davor. 1967   war ein Jahr sporadischer, wenn auch bitterer Streiks und landesweiter   Stra&#223;enproteste. Es war aber kein Vergleich zu dem, was im folgenden   Jahr geschah, als Alles anhielt, Fabriken besetzt wurden und der   Pr&#228;sident De Gaulle aus dem Land floh. &#220;berall wurden Diskussionen   dar&#252;ber gef&#252;hrt, wie man eine sozialistische Gesellschaft aufbauen   k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Der heutige Kampf ist intensiver als 1967. 25 Prozent der Jugendlichen   sprechen sich f&#252;r &#8222;eine revolution&#228;re Umw&#228;lzung der Gesellschaft&#8220; aus.   Aber nur wenige, sogar unter den Streikenden und Demonstrierenden,   betrachten eine sozialistische Revolution als &#8222;realistisch&#8220;. Dennoch   findet eine rasche Politisierung unter ArbeiterInnen und Jugendlichen   statt.<\/p>\n<p>  Vergleiche sind sinnvoll &#8211; mit den Sit-In-Streiks 1936, dem Aufschwung   revolution&#228;rer Ideen nach dem zweiten Weltkrieg, dem Streik im   &#246;ffentlichen Dienst 1995\/6, als das Land durch den vollst&#228;ndigen Halt   der Bahn- und U-Bahn-ArbeiterInnen zum Stillstand gebracht wurde, sogar   mit der Franz&#246;sischen Revolution und der Pariser Kommune! Aber es gibt   keine exakte Parallele.<\/p>\n<p>  Der Soziologe Philip Corcuff mag die Situation am besten durch einen   Vergleich zur permanenten Mobilisierung in Italien &#180;68-69 beschrieben   haben. Tats&#228;chlich gab es zehn Jahre, in denen sich Elemente   vorrevolution&#228;rer Situationen in der italienischen Gesellschaft   entwickelten. Auch dort war die Idee pr&#228;senter, f&#252;r Sozialismus oder   Kommunismus zu k&#228;mpfen. Das Problem war, dass die gro&#223;en   &#8222;kommunistischen&#8220; und &#8222;sozialistischen&#8220; Parteien nicht darauf   vorbereitet oder dazu bereit waren, den Klassenkampf bis zur Abschaffung   des verrotteten Kapitalismus und zur sozialistischen Umw&#228;lzung der   Gesellschaft zu f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Heute gibt es in Frankreich ein noch gr&#246;&#223;eres politisches Vakuum, wenn   man die pro-kapitalistische Politik der ehemaligen Arbeiterparteien   betrachtet, und das Unverm&#246;gen aller antikapitalistischen Parteien, ein   Programm f&#252;r sozialistische Ver&#228;nderungen vorzulegen. Die Bewegung ist   noch nicht stark genug, die Frage nach der Macht&#252;bernahme durch die   Arbeiterklasse und ihre sozialen Verb&#252;ndeten aufzuwerfen. Dennoch tritt   die Frage danach, wer die Gesellschaft regiert, zunehmend auf, und beide   Seiten haben sich darauf vorbereitet, einen langen Kampf zu f&#252;hren.<\/p>\n<h4>  Beharrlicher Kampf<\/h4>\n<p>  Der beharrliche Kampf, der sich zwischen den Klassen in Frankreich   entwickelt hat, erregt die Aufmerksamkeit der ArbeiterInnen auch in   anderen L&#228;ndern. Nach dem geh&#228;uften Auftreten von Generalstreiks in   Griechenland, Portugal und Spanien werden die Ereignisse in Frankreich   besonders eindringlich die Stimmung beeinflussen, die sich europaweit   f&#252;r einen Kampf gegen soziale Angriffe der Regierungen entwickelt.<\/p>\n<p>  In der vergangenen Woche betonten beide Seiten im Kampf um die   Rentenreform erneut ihre Entschlossenheit, nicht nachzugeben. Am   Dienstag, den 19., stie&#223; der 6. nationale Streik- und Aktionstag   innerhalb von sechs Wochen auf breite Teilnahme, am Donnerstag wurden   Gespr&#228;che zwischen Regierungsvertretern und Gewerkschaftsf&#252;hrern   abgebrochen und neue Aktionstage f&#252;r den 28. Oktober und den 6. November   ausgerufen. Genau wie die wichtigsten Gewerkschaftsverb&#228;nde, unter   anderem die CGT und die CFDT, hatte sich die CTC, die h&#246;here   Verwaltungsangestellte repr&#228;sentiert, aus dem Kampf zur&#252;ckgezogen und   kehrte nun zur&#252;ck. Wie Jean-Marie Pernot am vergangenen Freitag in Les   Echos schrieb: &#8222;Weder die CGT noch die CFDT k&#246;nnen in dieser Phase aus   dem Konflikt entkommen&#8220;.<\/p>\n<p>  Pr&#228;sident Sarkozy und sein Innenminister, Hortefeu, wiederholen ihr   Mantra, dass es keinen Weg zur&#252;ck g&#228;be, und beschuldigen die Bewegung,   durch eine Minderheit das Land zu erpressen. Am Freitag Morgen nutzten   sie Notstandsgesetze um gepanzerte Polizisten gegen einen Streikposten   in einer &#214;lraffinerie in der N&#228;he von Paris einzusetzen, drei Menschen   wurden dabei verletzt. Sp&#228;ter an diesem Tag stimmte das Parlament wie   erwartet f&#252;r die &#8222;Reformen&#8220;. Diese Woche wird Sarkozy Gebrauch von   weiteren besonderen Verfassungsrechten machen, die nur der Pr&#228;sidenten   besitzt, um die Rentenreform eiligst in der Nationalversammlung am   Donnerstag beschlie&#223;en zu lassen.<\/p>\n<p>  Beide Seiten scheinen entschlossener als je zuvor, aber wie lange kann   dieser Kampf dauern? Werden die Semesterferien, die Benzinknappheit oder   die Verabschiedung der Reform die Bewegung schw&#228;chen oder wird sie   weitergehen? Associated Press berichtet, dass &#8222;Der Vorsitzende der   nationalen Treibstoffindustrie, Jean-Louis Schilansky, sagt, sie habe   Schwierigkeiten, Treibstoff zu importieren, um die Knappheit zu   kompensieren, weil Streikende auch zwei zentrale &#214;llager in Le Havre und   Marseille blockieren. Dutzende Tanker bleiben vor Marseille liegen, ohne   dass sie entladen werden k&#246;nnten.<\/p>\n<p>  &#8222;Das Problem ist nicht so sehr, &#214;l zu finden; es liegt darin, es ins   Land zu kriegen&#8220;, sagte er. &#8222;Wenn die Depots und Raffinerien weiterhin   blockiert werden, werden wir es nicht schaffen&#8220;. Wenn organisierte   ArbeiterInnen in Belgien und den Niederlanden Solidarit&#228;tsaktionen   durchf&#252;hren, wie sie das zuvor schon machten, und die Sondervorr&#228;te, die   f&#252;r Wochen und Monate reichen sollen, blockiert werden, ger&#228;t die   Regierung in echte Schwierigkeiten.<\/p>\n<p>  Es ist das &#252;berw&#228;ltigende Gef&#252;hl der St&#228;rke von unten und die   landesweite Unterst&#252;tzung f&#252;r Streiks und Blockaden, die die   Gewerkschaftsf&#252;hrer dazu zwang, weiterhin an der Bewegung teilzunehmen.   Es sind auch diese Dinge, die die wichtigste Opposition, die   Sozialistische Partei, zwangen, von ihrem Vorschlag abzur&#252;cken, eigene   &#8222;Reformen&#8220; im Rentenbereich vorzuschlagen. Sie versprach stattdessen,   Sarkozys Gesetze r&#252;ckg&#228;ngig zu machen, nachdem Sarkozy und seine Partei,   die UMP &#8211; (Union f&#252;r eine Volksbewegung!) &#8211; in den Wahlen 2012 besiegt   w&#252;rde. Die Parteichefin der SP, Aubry, prangerte in Anlehnung an ein   Flugblatt von Francois Mitterand gegen de Gaulle 1964 Sarkozys   &#8222;permanenten Coup&#8220; an.<\/p>\n<p>  Aber kann die Bewegung ohne eine F&#252;hrung von Streikenden und   Demonstrierenden selbst, die die K&#228;mpfe auf allen Ebenen vernetzt,   bestehen bleiben, ohne eine klare Strategie, die zum Sieg f&#252;hrt,   hinsichtlich der Rentenreform und hinsichtlich der Frage, wer die   Gesellschaft regieren sollte? Eine Sonderbeilage der &#201;galite, der   Zeitung der Gauche Revolutionnaire, erkl&#228;rte den Zugang, der notwendig   ist &#8211; einer, der den Kampf bis zum Ende vorsieht, einen echten   Generalstreik und die Vernetzung der Koordinationskommitees auf lokaler,   regionaler und nationaler Ebene. Debatten und Diskussionen m&#252;ssen in   diesen Gremien gef&#252;hrt werden &#8211; dar&#252;ber, welche konkreten Schritte den   Kampf weiterentwickeln k&#246;nnen und auch &#252;ber die Perspektive eines   sozialistischen Wandels der Gesellschaft.<\/p>\n<h4>  St&#228;rke der Bewegung<\/h4>\n<p>  Die mangelnde Aussicht auf einen Sieg, die von den Gewerkschaftsf&#252;hrern   propagiert wird, kann dazu f&#252;hren, dass der Kampf hinausgez&#246;gert und in   gewisser Weise zu einem &#8222;Stellvertreterkampf&#8220;, wie Einige ihn   bezeichnen, wird. Der Prozentsatz der ArbeiterInnen, die an   Streikaktionen teilnehmen, liegt im Schnitt bei etwa 12 Prozent. Bei den   Bahnangestellten und Lokf&#252;hrerInnen lag er n&#228;her an 30 Prozent, mit   gro&#223;en regionalen Schwankungen. Bisher gab es nur in wenigen Orten wie   Marseille proportional gro&#223;e Aktionen und Demonstrationen. K&#228;mpferische   Traditionen wurden aber in verschiedenen Gebieten wiederbelebt und   Diskussionen dar&#252;ber, was das alles zu bedeuten hat, finden seit einiger   Zeit auf einem politisch h&#246;heren Niveau statt.<\/p>\n<p>  Die M&#246;glichkeit einer oder zweier Arbeitergruppen in der modernen   Gesellschaft ein Land recht schnell wirtschaftlich lahmzulegen, wie hier   bei den Hafen- oder &#214;larbeiterInnen,, ist ein zweischneidiges Schwert.   Einerseits kann so die Regierung von wenigen Streikenden ins Schleudern   gebracht werden. Andererseits kann die Bewegung durch die geringe   Einbeziehung anderer Schichten geschw&#228;cht werden.<\/p>\n<p>  Bisher hat die Bewegung eine erstaunliche St&#228;rke beibehalten. Das   Problem, dass die hohe Anzahl an Streiktagen die L&#246;hne und Geh&#228;lter   einer Minderheit anfrisst konnte teilweise durch Solidarit&#228;tsfonds f&#252;r   die RaffineriearbeiterInnen gel&#246;st werden. ArbeiterInnen aus anderen   Industrien und im &#246;ffentlichen Dienst streiken teilweise abwechselnd, um   die finanzielle Belastung auf alle zu verteilen.<\/p>\n<p>  Nicht einmal die Szenen von Jugend&#8220;krawallen&#8220; in Nanterre und Lyon haben   die Unterst&#252;tzung f&#252;r die Revolte gegen Sarkozy geschw&#228;cht.   Rechstradikale Schl&#228;gertrupps versuchten, Jugendliche und einige   Streikwachen anzugreifen und hatten damit wenig Erfolg. Sie k&#246;nnen   jedoch zu einer gr&#246;&#223;eren Gefahr werden, sollte die Bewegung abflauen. Es   besteht ein breites Verst&#228;ndnis dar&#252;ber, dass in Lyon Agents   Provocateurs (Provokateure der Polizei in Zivil) eingesetzt wurden und   dass, in jedem Fall, die Jugend gen&#252;gend gute Gr&#252;nde hat, w&#252;tend zu   sein. Sch&#252;lerInnen auf dem Weg zu ihrer ersten Demonstration (in Rouen   am letzten Donnerstag) sagten, dass das hier wahrscheinlich eine gute   Sache sei, weil &#8222;auch 1968 die Dinge auf diese Weise angefangen haben&#8220;.<\/p>\n<p>  Dieses Mal, im Gegensatz zu damals, begannen die Massen der   ArbeiterInnen den Kampf und die Jugend stie&#223; sp&#228;ter dazu. Beide sp&#252;ren,   wie ihre Macht zunimmt. Die Kombination dieser Kr&#228;fte beunruhigt die   Regierung. Einige Minister fordern, eine h&#228;rtere Linie einzuschlagen,   w&#228;hrend andere f&#252;rchten, das w&#252;rde nur eine noch tiefere Krise   provozieren.<\/p>\n<p>  In dieser instabilen Situation kann ein einzelner Vorfall eine Explosion   herbeif&#252;hren und die Bereitschaft der Sarkozy-Regierung, in ihrem   &#220;berlebenskampf zu harten Ma&#223;nahmen zu greifen, erh&#246;hen. Wie es das CWI   bereits zuvor beschrieb, gibt es schon jetzt in Frankreich Elemente   einer vorrevolution&#228;ren Situation. Sie k&#246;nnten sich entwickeln. Sie   k&#246;nnten sich aber auch in einer Stimmung der Entt&#228;uschung aufl&#246;sen. In   jedem Fall wird nach dieser in vielerlei Hinsicht neuartigen   Massenbewegung der franz&#246;sischen Arbeiterklasse nichts mehr so sein, wie   zuvor.<\/p>\n<h4>  Harte Linie<\/h4>\n<p>  Die oben zitierte Canard Echaine beschrieb die Wahlm&#246;glichkeiten, die   dem zunehmend unbeliebten Pr&#228;sidenten Frankreichs offen stehen: &#8222;Wenn   die Benzinleuchte rot leuchtet, gibt es zwei M&#246;glichkeiten f&#252;r die   Person, die das Auto f&#252;hrt: Entweder langsamer fahren, um weniger zu   verbrauchen, oder das Gegenteil, st&#228;rker aufs Gas gehen, um schneller   zur n&#228;chsten Tankstelle zu kommen. Von Natur aus nerv&#246;s, hat der Fahrer   des Staatsschiffs sich offensichtlich f&#252;r die zweite M&#246;glichkeit   entschieden &#8211; den Druck zu erh&#246;hen&#8220;.<\/p>\n<p>  Er nutzt seine besondere Verfassungsmacht um die letzten Schritte der   Rentenreform durchs Parlament zu dr&#252;cken, aber Gesetze wurden bereits   zuvor beschlossen und nicht durchgesetzt. Unter dem Druck der massiven   Jugendbewegung von 2006 (die auch eine Ferienzeit &#252;ber Ostern   &#252;berstanden hatte) wurden die Angriffe auf die Arbeitsbedingungen und   den Arbeitsschutz der ersten Arbeitsvertr&#228;ge von Jugendlichen (CPE)   zur&#252;ckgenommen, nachdem die Gesetze bereits beschlossen waren.<\/p>\n<p>  Sarkozy wei&#223;, dass jedes Zugest&#228;ndnis an die Bewegung als Beweis daf&#252;r   gesehen w&#252;rde, dass sich Militanz auszahlt, und damit der Rest seines   Programms und seine politische Zukunft auf dem Spiel stehen.<\/p>\n<p>  Dieser M&#246;chtegern-Bonaparte hat sich f&#252;r eine brutale Taktik   entschieden, und versucht, die Entschlossenheit der Streikwachen bei den   &#214;lraffinerien physisch zu brechen. &#8222;Im Namen der Verteidigung der   Nationalinteressen&#8220; nutzte er Notstandsgesetze, die nur f&#252;r Kriegszeiten   und milit&#228;rische Angriffe bestimmt sind, damit die grundlegende   Versorgung gew&#228;hrleistet ist. Sarkozy zielt auf eine schwere Niederlage   der Gewerkschaftsbewegung im Stil von Thatcher (in Gro&#223;britannien in den   80er Jahren) ab. Er hat bereits begonnen das Streikrecht zu beschneiden,   indem er ein Mindestma&#223; an Dienstleistungen festgeschrieben hat, das   immer gew&#228;hrleistet sein muss, beispielsweise im Schienenverkehr (was   einer der Gr&#252;nde daf&#252;r war, dass dieses Mal nicht alle Zugf&#252;hrerInnen   streikten).<\/p>\n<p>  Die Raffinerie von Total in Grandpuits, in der Streikende von der   Polizei verletzt wurden, ist eine von zw&#246;lf streikenden Raffinerien und   zur Zeit bekannt als &#8222;Bastion des Widerstands&#8220;. Sie war neun Tage lang   geschlossen gewesen, als die Polizei r&#228;umte und die ArbeiterInnen zwang,   die Tore zu &#246;ffnen und die Arbeit wieder aufzunehmen. In einem Interview   des Fernsehsenders France 3 sagte der CGT Delegierte Charles Fulard mit   Tr&#228;nen der Wut in den Augen: &#8222;Wir sind hier nicht im Krieg! Das ist kein   Milit&#228;rflughafen!! .. Es sollte jetzt einen Generalstreik geben!&#8220; Aber   die Gewerkschaftsf&#252;hrung dr&#252;ckte ihre Unnachgiebigkeit aus und rief   stattdessen dazu auf, Ruhe zu bewahren!<\/p>\n<p>  Wenn sie zu einem Generalstreik aufriefe, selbst zu einem von begrenzter   Dauer, w&#252;rde das ArbeiterInnen motivieren, weiterzugehen in sie auf den   Fahrersitz eines Fahrzeugs bringen, das sie in Richtung einer   Doppelherrschaft bringen und die Regierung in der Luft h&#228;ngen lassen   w&#252;rde.<\/p>\n<h4>  Sarkozys Zukunft<\/h4>\n<p>  Einige Cartoon-Zeichner stellen Sarkozy als zweitklassigen General de   Gaulle dar, w&#228;hrend er versucht, sich der Wut von Millionen Menschen in   den Stra&#223;en entgegenzustellen. Der m&#228;chtige General, der Sonderkommandos   der Polizei gegen Jugendliche einsetzte und den   10-Millionen-Generaltreik zu ignorieren versuchte, endete als   diskreditierte Figur ohne &#252;brigen Wert f&#252;r die herrschende Klasse. 2010   ist nicht 1968. Es gibt kein klares sozialistisches Bewusstsein unter   den Teilnehmenden an den Protesten, weil es keine   MassenarbeiterInnenpartei gibt, die ein sozailistisches Programm   vertritt. Jeder hat eine klare Vostellung davon, was er oder sie nicht   will &#8211; die verhasste Rentenreform. Mehr und mehr Leute wollen ein Ende   der Regierung des arroganten und diktatorischen Sarkozy und seiner   Minister, die die Superreichen verteidigen w&#228;hrend sie den Rest der   Bev&#246;lkerung angreifen.<\/p>\n<p>  Es wurde erwartet, dass die dritte Oktoberwoche entscheidend sein w&#252;rde.   Sarkozy behauptete, die Bewegung &#8222;verliere an Dampf&#8220;. Aber die Gr&#246;&#223;e und   die Stimmung der Dienstagsdemos zeigten eine klare Entschlossenheit   dazu, die Beschl&#252;sse des Parlaments nicht zum Ende der Bewegung werden   zu lassen und dass es um mehr geht als die Rentenfrage.<\/p>\n<p>  Es gibt Faktoren, die die Mobilisierung zeitweilig schw&#228;chen k&#246;nnen.   Dieses Wochenende sah den Beginn der Allerheiligen-Ferien. Schulen,   Hochschulen und Unis sind geschlossen und viele ArbeiterInnen versuchen,   einige Tage Urlaub zu machen. Nur wenige werden weit wegfahren k&#246;nnen.   Die Zugf&#252;hrerInnen sind eine der Gruppen, die t&#228;glich neue Streiks   beginnen. Einige Bus- und U-Bahn-FahrerInnen beteiligen sich an Streiks   und Aktionen und blockieren Linien und Verkehrskreisel. LKW-Fahrer   verursachen durch langsames Fahren Staus.<\/p>\n<p>  Auch das schrittweise Austrocknen der Tankstellen, w&#228;hrend ArbeiterInnen   in den &#214;llagern mit ihrer &#8222;Alle sollen raus&#8220;-Strategie gegen die   Rentenreform fortfahren. Ein weiteres Zeichen des Gef&#252;hls der St&#228;rke   gegen die Sarkozy-Regierung und der Unterst&#252;tzung der Bewegung ist, dass   es wenig oder keine Feindlichkeit gegen&#252;ber den streikenden   ArbeiterInnen gibt. Ein TF1-Fernsehjournalist kommentierte am Ende einer   hektischen Woche: &#8222;20 Prozent Prozent fahren in Urlaub, der Rest bleibt   einfach philosophisch&#8220;.<\/p>\n<p>  Wenn die Unterbrechung des Alltags ohne Aussicht auf Erfolg   weiterbesteht, kann die Stimmung kippen. Am Tag nach den   Massendemonstrationen in der vergangenen Woche wurde allerdings eine   Umfrage ver&#246;ffentlicht, in der sechs von zehn Leuten aussagten, sie   wollen, dass der Kampf weitergeht. Darunter m&#252;ssen auch einige sein, die   in der letzten Wahl f&#252;r Sarkozy gestimmt haben. Die letzte IFOP-Umfrage   ergab, dass nur 5 Prozent der Menschen noch immer voll hinter Sarkozy   stehen und nur weitere 24 Prozent ihn &#8222;einigerma&#223;en&#8220; unterst&#252;tzen.<\/p>\n<h4>  <i>____________________________________________________________ <\/i>    <\/h4>\n<h4>  <i>Auf der Demo <\/i>    <\/h4>\n<p>  <i>Am letzten Dienstag waren zwei Freunde auf der Demo in Paris, Jason   und Karim &#8211; nicht gewerkschaftlich organisiert, Techniker im Baubereich,   und drau&#223;en auf der Stra&#223;e bei einem Anti-Regierungsprotest, zum ersten   Mal in ihrem Leben. Sie sind rausgegangen um zu beweisen, dass Sarkozy   falsch liegt: &#8222;&#8220;Die Bewegung hat nicht ihren Dampf verloren&#8220;. Er   jongliert mit Zahlen&#8220;, sagt Jason. &#8222;Ich habe ihn gew&#228;hlt. Wie viele   Andere, glaubte ich seinen Versprechen, mehr zu verdienen, wenn wir mehr   arbeiten. Jetzt bereue ich es. Die 35-Stunden-Woche ist etwas, das wir   haben m&#252;ssen, um uns ausruhen und bei unserer Familie sein zu k&#246;nnen und   so weiter. Ich werde froh sein, beim n&#228;chsten Mal f&#252;r den Postboten   Besancenot (von der Neuen Antikapitalistischen Partei) zu stimmen.&#8220; <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Die massive Demonstration war tats&#228;chlich ein selbstbewusster und   entschlossener Ausdruck der tief empfundenen und weit verbreiteten Wut   &#252;ber Sarkozy und seine Politik von &#252;ber 300.000 Protestierenden. Es gibt   ein starkes Gef&#252;hl daf&#252;r, die Einheit aufrecht zu erhalten um ihn zu   besiegen, jetzt und bei den n&#228;chsten Wahlen. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Mit ihren Transparenten und Plakaten, B&#246;llern und Fackeln, Pfeifen   und Ballons marschierten die ArbeiterInnen, tanzten die Jugendlichen und   machten Anhalten-Losrennen-Aktionen auf dem ganzen Weg vom Place   d&#8217;Italie bis zur Stra&#223;e Les Invalides f&#252;nf Kilometer weiter. Jeder   organisierte Gewerkschaftsblock hatte Autos und Transporter &#8211; einige,   die mit Lautsprechern Spr&#252;che und revolution&#228;re Lieder spielten, einige,   die warmes Essen und hei&#223;e und kalte Getr&#228;nke verkauften, inklusive des   beliebtesten Demo-Getr&#228;nks &#8211; Mojito, einem Cocktail auf Rumbasis. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Gef&#252;hrt von den heldenhaften &#214;larbeiterInnen folgten die soliden   Reihen der Lokf&#252;hrerInnen, ArbeiterInnen der Autoindustrie, der Telekom   und PostmitarbeiterInnen, LehrerInnen und Angestellte aus dem   &#246;ffentlichen Dienst, ArbeiterInnen der Elektro- und Gasindustrie,   Krankenhaus-MitarbeiterInnen &#8211; die eine zunehmend wichtige Rolle im   Kampf spielen. Neben diesen &#8222;traditionelleren&#8220; Gruppen der organisierten   ArbeiterInnen und Angestellten waren die prek&#228;ren Besch&#228;ftigten, die   &#8222;sans-papiers&#8220; (MigrantInnen ohne Papiere) und Selbstst&#228;ndige, sowie   nicht wenige RentnerInnen, einige von ihnen in ihren 80ern, die die   ganze Strecke mitgelaufen sind. Einige der letzten Bl&#246;cke der Demo   warteten &#252;ber vier Stunden bevor sie auch nur losgehen konnten. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Im Verlauf der au&#223;ergew&#246;hnlich starken Bewegung schloss sich   zunehmend die Jugend den Demos und Protesten an &#8211; Sch&#252;lerInnen der   Oberschulen und Universit&#228;ten. Unter den lebhaftesten und lautesten   Demobl&#246;cken nahmen sie die Parolen der gro&#223;en (und siegreichen) Bewegung   gegen das CPE (Verschlechterungen im Arbeitsrecht der ersten   Arbeitsvertr&#228;ge f&#252;r junge Leute) vor f&#252;nf Jahren wieder auf, als die   meisten von ihnen zu jung waren um aktiv teilzunehmen. Einer der   Favoriten: &#8220;Jugend in der Galeere, Alte in Armut. Keiner will diese   Gesellschaft!&#8220; <\/i>    <\/p>\n<h4>  <i>Schul- und Universit&#228;tsstreiks <\/i>    <\/h4>\n<p>  <i>Letzte Woche begannen sich die Uni-Besetzungen auszuweiten. Am 21.   Oktober fand ein Aktionstag statt, der von der Sch&#252;ler- und   Studierendengewerkschaft UNEF ausgerufen wurde. In Rouen schlossen sich   ihnen zum Beispiel ArbeiterInnen und Oberstufensch&#252;lerInnen aus der   ganzen Stadt und der Umgebung an, die bereits zuvor aktiv geworden   waren. Es beteiligten sich auch ArbeiterInnen von Renault Cleon und vom   Zugdepot in Sotteville. Der Anteil der Oberstufensch&#252;lerInnen war   beeindruckend. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Die Oberschulen werden oft von denen, die sich zum Streik   entschlie&#223;en, blockiert, auch wenn das oft eine Minderheit ist.   Lehrerinnen und Lehrer halten Versammlungen ab, wie viele andere   ArbeiterInnen auch, die Sch&#252;lerInnen tun es ihnen nach. Sie diskutieren   dar&#252;ber, ob der Streik fortgesetzt werden soll oder nicht. Sie k&#246;nnen   eine kleine Minderheit sein, nur drei oder vier Lehrerinnen und Lehrer   an einer Schule, aber sie haben den Respekt und die Unterst&#252;tzung von   Vielen, die es sich nicht leisten k&#246;nnen, l&#228;ngere Zeit zu streiken. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Diejenigen Sch&#252;lerInnen, die sich entscheiden, aktiv zu werden,   &#252;bernehmen Streikwachen an den Schultoren und versuchen,   sicherzustellen, dass die Schulen nicht &#246;ffnen k&#246;nnen. Manchmal bilden   sie physische Blockaden. Die Mitglieder der Gauche Revolutionnaire in   Rouen, die eine aktive Rolle in der politischen F&#252;hrung der Jugendlichen   in dieser Stadt spielen, vertreten die Position, dass es sinnvoller ist,   Andere zu &#252;berzeugen, als einfach zu blockieren. Aber wenn die Blockaden   die Schulen geschlossen halten, bringt das schon ihre Mitsch&#252;lerInnen   zum Nachdenken &#252;ber die Fragen, die sich stellen, und ihre Zukunft.   (Viele der Mobilisierungen wurden durch SMS und Internet-Kommunikation   erreicht, was die Organisierung auch in Ferienzeiten vereinfacht). <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Es mag merkw&#252;rdig erscheinen, dass junge Menschen so besorgt sind   &#252;ber die Erh&#246;hung des Rentenalters (um zwei Jahre auf 62) oder die   verl&#228;ngerte Dauer bis zum Erhalt der vollen Rente ab 67. Aber, wie sie   es auf Transparenten und Plakaten malen: &#8222;Die Rente ist eine   Angelegenheit der Jungen&#8220;. Je l&#228;nger &#228;ltere Menschen arbeiten, desto   weniger Arbeitspl&#228;tze bleiben f&#252;r die Jugendlichen. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Nach Jahrzehnten hoher Arbeitslosigkeit unter den Unter-25-j&#228;hrigen,   ist die Quote in den letzten zwei Jahren nochmals um 17 Prozent   gestiegen. 2009 schrieb die OECD in ihrem Bericht: &#8222;die Aussichten auf   Arbeitspl&#228;tze f&#252;r Jugendliche sind ein kritischer Punkt in Frankreich.   Schon vor dem Wirtschaftsabschwung war sie [die Jugendarbeitslosigkeit]   deutlich &#252;ber dem OECD-Durchschnitt. W&#228;hrend des Abschwungs ist sie um   mehr als das doppelte der Gesamtarbeitslosenquote gestiegen und &#8230; fast   ein Viertel der Jugendlichen sind arbeitslos, verglichen mit einem   Zehntel im Schnitt aller ArbeiterInnen&#8220;.<\/i><\/p>\n<h4>  ____________________________________________________________<\/h4>\n<h4>  Perspektiven und Programm f&#252;r den Kampf<\/h4>\n<p>  Die derzeitige anhaltende Welle von Streiks und Demonstrationen findet   zu einem Zeitpunkt des gr&#246;&#223;ten Wirtschaftsabschwungs seit den drei&#223;iger   Jahren statt. Wie der British Guardian in seinem Editorial vom 23.   Oktober herausstellte, ist das ein entscheidender Unterschied im   Vergleich zum Hintergrund der Ereignisse im Mai 1968. &#8222;1968 brachen die   Proteste der ArbeiterInnen und Studierenden nach einer anhaltenden   Periode wirtschaftlichen Aufschwungs aus, wie man ihn zuvor nicht   gesehen hatte&#8220;. Und das ist einer der entscheidenden Faktoren, die   hinter der Best&#228;ndigkeit der Bewegung stehen.<\/p>\n<p>  Diejenigen, die morgens fr&#252;h die Streikwache &#252;bernehmen, diejenigen, die   an den Streiks und Demos teilnehmen und auch die Anderen in der   Bev&#246;lkerung wissen, dass das nur der Anfang dessen ist, was die   Regierung gegen sie auffahren wird, sollten sie den Kampf verlieren. Ein   Artikel in der &#201;galite, der Zeitung der Gauche Revolutionnaire, die auf   den Demos verkauft wird, beschreibt es unter der &#220;berschrift   &#8222;Generalstreik auf der Agenda&#8220; so: &#8222;Nach den Rentenk&#252;rzungen stehen   Angriffe auf die Sozialversicherung und die Tarifvertr&#228;ge an,   Budgetk&#252;rzungen im &#246;ffentlichen Dienst, immer weiter steigende   Arbeitslosigkeit, Massenentlassungen&#8230; Eine Niederlage in der Rentenfrage   ist unvorstellbar f&#252;r das Sarkozy-Regime, weil sie es l&#228;hmen und es   unm&#246;glich machen w&#252;rde, die harten Schl&#228;ge durchzuf&#252;hren&#8220;.<\/p>\n<p>  Alex erkl&#228;rt, zwischen Streikposten im Morgengrauen, stadtweiten   Versammlungen und Mobilisierungen: &#8222;Das erkl&#228;rt, warum die Streiks und   Demos mit einer solchen Intensit&#228;t weitergegangen sind und wieder   aufkommen werden, selbst wenn es Pausen dazwischen gibt&#8220;. Sie sind &#252;ber   die unmittelbare Frage der Rentenreform hinausgegangen, und dr&#252;cken ein   Begehren aus, Sarkozy und seine Minister loszuwerden, wenn auch noch   nicht das ganze kapitalistische System, f&#252;r das er steht.<\/p>\n<p>  Auf einer kapitalistischen Basis kann das gro&#223;e Loch in der Rentenkasse   tats&#228;chlich nicht gef&#252;llt werden. Riesige Geldmengen wurden an die   Banken gezahlt und sollten dort zur&#252;ckgeholt werden. Die Idee, die   Reichen st&#228;rker zu besteuern und die Bankiers zahlen zu lassen, ist weit   verbreitet.<\/p>\n<p>  Ungl&#252;cklicherweise w&#252;rden, wenn eine Regierung sich bereit erkl&#228;rte, den   Reichen hohe Steuern aufzuerlegen und genug Geld von den Banken zu   holen, um die L&#246;cher im &#246;ffentlichen Haushalt zu stopfen, die Reichen   einfach die Fabriken schlie&#223;en und ihr verrottetes Kapital woandershin   mitnehmen. Es ist ihre Krise und sie wollen, dass ArbeiterInnen und   Jugendliche daf&#252;r zahlen. Nur, wenn Gro&#223;industrie und Banken unter   Arbeiterkontrolle in &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt und mit einem Plan   verwaltet werden, der von gew&#228;hlten VertreterInnen der Arbeiterklasse   erstellt ist, werden gen&#252;gend Ressourcen f&#252;r angemessene Renten ab 60   und sichere Arbeitspl&#228;tze mit einem ordentlichen Mindeslohn f&#252;r alle   Jugendlichen zur Verf&#252;gung stehen.<\/p>\n<h4>  Antworten der politischen Parteien<\/h4>\n<p>  Die Kommunistische Partei Frankreichs ist nur noch ein Schatten dessen,   was sie mal war. Sie huldigt noch immer lang und breit der St&#228;rke der   Arbeiterbewegung, ohne f&#252;r einen sozialistischen oder kommunistischen   Wandel zu argumentieren und erst recht ohne Strategie, diesen zu   erreichen.<\/p>\n<p>  In der Bewegung zeigte sich die Parti de Gauche (Linke Partei) bei den   Massendemonstrationen, und sie spricht das Bed&#252;rfnis der ArbeiterInnen   nach einer linken Einheit an. Aber die Medien machen sich &#252;ber ihre   F&#252;hrung lustig (was nicht in dieser Form beim Sprecher der Neuen   Antikapitalistischen Partei passiert) und ihre Slogans bleiben bei   &#8222;Werft sie alle raus: B&#252;rgerrevolution, schnell!&#8220;, &#8222;Profite versteuern&#8220;   und &#8222;Parti de Gauche &#8211; Umweltschutz, Sozialismus, Republik&#8220; stehen. Als   Abspaltung von der Sozialistischen Partei bietet diese Organisation   keine echte politische Alternative zu ihr und keine Perspektive daf&#252;r,   die Bewegung zu entwickeln.<\/p>\n<p>  Die Neue Antikapitalistische Partei gr&#252;ndete sich vor &#252;ber einem Jahr   und hat die Gelegenheit verpasst, die Welle der Unzufriedenheit mit dem   System und die massive Popularit&#228;t ihres Sprechers Besancenot zu nutzen.   Letzterer bekam k&#252;rzlich in einer Umfrage 56 Prozent der Stimmen, weil   er jemand ist, den ArbeiterInnen als F&#252;hrung sehen wollen &#8211; ein   einfacher Arbeiter wie sie, der seine Ideen &#252;ber die Ver&#228;nderung des   Systems ausdr&#252;ckt. Aber selbst wenn die Bewegung an Intensit&#228;t zunimmt,   beschr&#228;nkt er sich darauf, zu &#8222;radikaleren Aktionen&#8220; aufzurufen.<\/p>\n<p>  Viele der NPA-Mitglieder sind sehr aktiv in der Unterst&#252;tzung der   Streikposten bei den &#214;llagern und bei Blockaden wichtiger Verkehrsknoten   rund um die Uhr. Aber es gibt keine Initiative von der F&#252;hrung der NPA,   eine Massenarbeiterpartei aufzubauen, die die Unzufriedenheit und Wut   der franz&#246;sischen ArbeiterInnen und Jugendlichen umleiten k&#246;nnte in eine   Herausforderung des Systems &#8211; gerade jetzt, wo das System in den Seilen   h&#228;ngt.<\/p>\n<p>  Sie beschr&#228;nken sich auf einen abstrakten Aufruf zum Generalstreik, ohne   ein Programm zu haben, wie man ihn erfolgreich durchf&#252;hren k&#246;nnte, um   die unmittelbaren Forderungen zur Rentenreform durchzusetzen oder die   Regierung zu st&#252;rzen. Das passiert, obwohl die Gauche Revolutionnaire   und andere Str&#246;mungen sich daf&#252;r einsetzen, den Kurs der Partei zu   ver&#228;ndern.<\/p>\n<p>  Die Situation in Frankreich bleibt extrem unberechenbar. Es k&#246;nnte sich   eine Bewegung entwickeln, noch m&#228;chtiger als die von 1968. Derzeit ist   sie eine glimmende Lunte. Pausen, Verz&#246;gerungen und Abbr&#252;che sind   m&#246;glich. Wenn sie anhand der Frage der Rentenreform erstmal eine   Niederlage einstecken muss, kann sie an einer anderen Stelle wieder   aufflammen, wenn es zu weiteren Angriffen auf die Arbeiterklasse in   Frankreich und Europa kommt. In jedem Fall besteht die dringende   Aufgabe, eine Massenarbeiterpartei aufzubauen, mit einer F&#252;hrung, die   bereit ist, die Bewegung auf den Weg einer sozialistischen   Transformation der Gesellschaft zu f&#252;hren.<\/p>\n<p>  ___________________________________________________<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>Juliane Charton, 17, vom Balzac Lyc&#233;e in Tours, will n&#228;chstes Jahr in   Paris Geschichte und Politik studieren. Sie sagte gegen&#252;ber der   englischen Sonntagszeitung The Observer: &#8222;Die Regierung sagt, es g&#228;be   nicht genug Geld f&#252;r Renten. Aber es ist eine politische Entscheidung,   wo man danach sucht. Wenn die vielen Steuerbefreiungen f&#252;r die   Arbeitgeber abgeschafft und h&#246;here Steuern f&#252;r diejenigen, die jedes   Jahr Milliarden einsacken, eingef&#252;hrt w&#252;rden, w&#252;rde das bis zu 72   Milliarden Euro j&#228;hrlich ausmachen. Das Rentensystem br&#246;uchte nur 30   Milliarden Euro&#8220;. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Ebenfalls auf der Website von The Observer (24. Oktober) sagt ein   Elektriker Folgendes: &#8222;Wenn dieses Gesetz beschlossen wird, bedeutet   das, dass das Leben f&#252;r den normalen Arbeiter, der nach Jahren harter   k&#246;rperlicher Arbeit schon m&#252;de und verbraucht ist, nur noch schlechter   wird. Sie sagen, wir m&#252;ssen l&#228;nger arbeiten, weil wir l&#228;nger leben, aber   ich sage: Wir leben nur wegen den sozialen Errungenschaften und   Bedingungen l&#228;nger, die wir uns erk&#228;mpft haben. Wenn wir sie nicht mehr   haben, wer sagt, dass dann die Lebenserwartung nicht wieder sinkt, so   wie in Russland? <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Ein Gewerkschaftsvertreter f&#252;gt hinzu (und beruft sich dabei auf   Marx, der die Notwendigkeit der verschiedenen Gruppen von ArbeiterInnen   betonte, gemeinsam zu k&#228;mpfen): &#8222;Es gibt einen Unterschied von sieben   Jahren zwischen den Lebenserwartungen von k&#246;rperlich Arbeitenden und   BeamtInnen. Und man muss sich fragen ob &#8230; wenn die sozialen Leistungen   verloren gehen, auch die Zahl der Lebensjahre sinkt&#8220;. <\/i>    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter und Jugendliche wollen die<br \/>\n      &#8222;Diktatur&#8220; Sarkozys beenden.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13958"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13958"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13958\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}