{"id":13955,"date":"2010-11-22T00:00:00","date_gmt":"2010-11-22T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13955"},"modified":"2010-11-22T00:00:00","modified_gmt":"2010-11-22T00:00:00","slug":"13955","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13955\/","title":{"rendered":"Zur&#252;ck in die Zukunft?"},"content":{"rendered":"<p>  Lassen sich mit den Gr&#252;nen doch Umweltkatastrophen oder Kriege   verhindern?<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>18. September: Der Vorsitzende der Bundespartei B&#252;ndnis 90\/Die   Gr&#252;nen, Cem &#214;zdemir, besucht die GegnerInnen von Stuttgart 21 im   Schlossgarten, um seine Solidarit&#228;t mit dem Protest bis zum endg&#252;ltigen   Stopp von S 21 zu bekunden. 3. September: Die Vorsitzende des   baden-w&#252;rttembergischen Landesverbandes der Gr&#252;nen, Silke Krebs, &#228;u&#223;ert   sich im SWR skeptisch dar&#252;ber, ob die Partei bei einem Wahlerfolg am 27.   M&#228;rz das Projekt &#252;berhaupt noch kippen k&#246;nne. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Ren&#233; Kiesel, Berlin <\/i><\/h4>\n<p>  In diesem Jahr feiern die Gr&#252;nen ihr 30-j&#228;hriges Bestehen in der   Bundesrepu-blik. Die Mitgliedschaft setzte sich anfangs aus einem   Spektrum zusammen, das von K-Gruppen-Anh&#228;ngern, k&#228;mpferischen   Anti-AKW-AktivistInnen und Teilen der Friedensbewegung bis hin zu   konservativen Umweltsch&#252;tzerInnen reichte. Als die Partei 1983 zum   ersten Mal in den Bundestag einzog, war unter den Abgeordneten zwar auch   der Stuttgarter Daimler-Kollege Willi Hoss. Trotzdem orientierten die   Gr&#252;nen nicht auf die abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten. 1987 wurde mit Joschka   Fischer der erste Gr&#252;ne Minister &#8211; unter SPD-Ministerpr&#228;sident Holger   B&#246;rner in Hessen.<\/p>\n<p>  Die Geschichte der Gr&#252;nen ist auch eine Geschichte der politischen   Anpassung. In den Achtzigern unterschied man noch zwischen &quot;Fundis&quot; und   &quot;Realos&quot;. Zwar sollten Kriege und Umweltzerst&#246;rung ein f&#252;r alle Mal   beendet werden. Mehrheitlich stellte die Partei die Marktwirtschaft   jedoch nie in Frage. Es zeigte sich aber, dass ohne sozialistische   Perspektive &#252;ber kurz oder lang die &quot;Sachzw&#228;nge&quot; des kapitalistischen   Systems geschluckt werden. Nach der Beteiligung an weiteren   SPD-gef&#252;hrten Regierungen verlie&#223;en prominente Parteilinke wie Jutta   Ditfurth nach 1989\/90 die B&#252;ndnis-Gr&#252;nen.<\/p>\n<h4>  Kriegs- und Hartz-IV-Partei&#8230;<\/h4>\n<p>  1998 bildeten die Gr&#252;nen mit der SPD schlie&#223;lich eine   Regierungskoalition auf Bundesebene. Als Au&#223;enminister sah man Fischer   bald in Camouflage aus einer Milit&#228;rmaschine steigen. Das Kriegsgebiet   war der Balkan. Die Teilnahme Deutschlands am Jugoslawien-Krieg 1999   unter Rot-Gr&#252;n war ein wichtiger Schritt in Richtung Militarisierung der   BRD-Au&#223;enpolitik. Seit diesem Zeitpunkt sind &quot;humanit&#228;re   Interventionen&quot;, wie der Afghanistan-Krieg 2001 unter Beteiligung der   Bundeswehr, ein g&#228;ngiges Instrument zur Verfolgung &#246;konomischer und   geostrategischer Ziele. Nachdem man dann 2002 mit dem &quot;Atomkonsens&quot; dem   Druck der AKW-Lobby nachgab, wurde am 14. M&#228;rz 2003 von Kanzler Gerhard   Schr&#246;der in einer Regierungserkl&#228;rung die Agenda 2010 verk&#252;ndet. Damit   f&#228;llt auch die gr&#246;&#223;te Attacke auf die sozialen Sicherungssyssteme in die   Regierungsperiode von Rot-Gr&#252;n.<\/p>\n<h4>  &#8230;oder doch Partei des Widerstands?<\/h4>\n<p>  Aber heute mobilisieren die Gr&#252;nen &#8211; die im Bund auf 25 Prozent, in   Baden-W&#252;rttemberg sogar auf 32 Prozent kommen &#8211; offenbar doch wieder   gegen Castor-Transporte. Oder beteiligen sich seit Monaten an den Demos   gegen Stuttgart 21.<\/p>\n<p>  Die Gesetze der Schr&#246;der\/Fischer-Regierung waren kein Betriebsunfall.   Gegenw&#228;rtig &quot;vergisst&quot; die Partei ebenso eiskalt Wahlversprechen.   Aktuell zum Beispiel in Hamburg (ob im Fall vom Kohlekraftwerk Moorburg   oder bei der Elbvertiefung), nur um mit der CDU (!) zusammen regieren zu   d&#252;rfen.<\/p>\n<p>  Und in der Auseinandersetzung um S 21 wollen die Gr&#252;nen permanent die   Wogen gl&#228;tten. Seit Monaten sorgen sie sich um den &quot;inneren Frieden&quot; des   Landes, schlagen Gespr&#228;che mit der schwarz-gelben Landesregierung vor   und kritisieren Aktionen wie die Besetzung des Nord- und sp&#228;ter des   S&#252;dfl&#252;gels vom Hauptbahnhof. Bei den Haushaltsberatungen 2010\/11 im   Gemeinderat lehnte die Fraktion einen Antrag ab, der die f&#252;r S 21   zur&#252;ckgelegten Gelder in den Haushalt einbringen wollte, um K&#252;rzungen   und Geb&#252;hrenerh&#246;hungen abzuwenden. In der Folge wurden, abgesehen von   den Park- und Kita-Geb&#252;hren, fast alle Geb&#252;hren der Stadt um bis zu zehn   Prozent erh&#246;ht. Dabei stellen die Gr&#252;nen die gr&#246;&#223;te Fraktion im   Gemeinderat.<\/p>\n<p>  Wenn die Gr&#252;nen Stuttgart 21 ablehnen, dann weil sie das Projekt f&#252;r   schlechte kapitalistische Politik halten. Die Profitlogik, die S 21 &#8211;   wie anderen Sauereien im Kapitalismus &#8211; zu Grunde liegt, stellt diese   durch und durch etablierte Partei hingegen nicht in Frage.<\/p>\n<h4>  Stuttgarter Gr&#252;ne und Konzerninteressen<\/h4>\n<p>  &quot;Was die Bewertung von Investorenvorhaben angeht, sehe ich eher eine   N&#228;he zur CDU. (.) Gerade bei sozialen Fragen herrscht gro&#223;e   &#220;bereinstimmung in den Zielen.&quot; Werner W&#246;lfe, Fraktionschef der Gr&#252;nen   im Stuttgarter Gemeinderat, im Interview mit der Stuttgarter Zeitung vom   17. Februar.<\/p>\n<p>  Ein Beispiel gef&#228;llig, wie Gr&#252;ne Politik f&#252;r Reiche machen? Vor knapp   einem Jahr signalisierte die Partei, entgegen ihrem Wahlprogramm offen   f&#252;r den Bau von Luxusvillen durch den S-21-Gro&#223;investor H&#228;ussler in der   Villa Berg zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Lassen sich mit den Gr&#252;nen doch Umweltkatastrophen oder Kriege<br \/>\n      verhindern?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[231],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13955"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13955"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13955\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13955"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13955"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13955"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}