{"id":13953,"date":"2010-11-25T00:00:00","date_gmt":"2010-11-25T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13953"},"modified":"2010-11-25T00:00:00","modified_gmt":"2010-11-25T00:00:00","slug":"13953","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/11\/13953\/","title":{"rendered":"Badinter sch&#252;tzt uns vor dem &quot;Mutterinstinkt&quot;"},"content":{"rendered":"<p>  Buchrezension &quot;Der Konflikt &#8211; Die Frau und die Mutter&quot;<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die &quot;Mutterliebe&quot; ist laut der franz&#246;sischen Autorin Elisabeth   Badinter keinesfalls ein nat&#252;rliches Ph&#228;nomen. Sie ist abh&#228;ngig vom   jeweils herrschenden Frauenbild, das je nach Wirtschafts- und sozialer   Lage schwankt. Badinter st&#252;tzt diese These mit der Tatsache, dass zum   Beispiel in der Bundesrepublik fast 30 Prozent der Frauen sich ein   sinnvolles Leben ohne Kinder vorstellen k&#246;nnen beziehungsweise leben.   Der Erkl&#228;rungsdruck, warum Frauen keine Kinder haben, m&#252;sste somit   eigentlich schwinden. Aber das Gegenteil ist der Fall. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Gina Cornehl, Hamburg <\/i><\/h4>\n<p>  Badinter spricht in ihrem neuen, im August erschienen Buch von einer   reaktion&#228;ren Schlacht mit einem unvermuteten Mitspieler: dem   essentialistischen Feminismus (das lateinische Wort &quot;essentia&quot; bedeutet   Wesen). Kernst&#252;ck ist &quot;die Mutter&quot;, was f&#252;r Badinter ein Aufgeben der   sogenannten Urformel des Feminismus, n&#228;mlich des Kampfes um Gleichheit,   bedeutet.<\/p>\n<h4>  Das Baby als Freund des Patriarchats<\/h4>\n<p>  Elisabeth Badinter appelliert an die (Entscheidungs-)Freiheit der Frau!   Die wird ihrer Meinung nach durch eine naturalistische Offensive, eine   &quot;heilige Allianz der Reaktion&#228;re&quot;, massiv angegriffen. Startpunkt ist   f&#252;r sie das Krisenjahr 1973. Klaro m&#252;ssen Frauen und M&#252;tter als Teil der   industriellen Reservearmee auch bei weiteren (dem Kapitalismus so   eigenen) Krisen wieder nach Hause verbannt werden. Das passiert im Fall   der M&#252;tter, laut Badinter, durch Lobreden auf das Stillen nach Bedarf   (als 24-Stunden-Job) sowie der Bonding-Theorie, wonach M&#252;tter die ersten   drei Jahre zu Hause bleiben sollten: keine Krippen, sonst gibt&quot;s   Verhaltensprobleme, Breiselbeerkochen und so weiter.<\/p>\n<p>  Und das funktioniert? Badinter erkl&#228;rt, warum. Zun&#228;chst wurde die   Mutterschaft ideologisch massiv aufgewertet. Eine gute Mutter zu sein   bedeutet, etwas f&#252;r den sozialen Zusammenhalt und die Zukunft der   Gesellschaft (&quot;Standortfaktor&quot;) zu tun. Das wirkt, wenn wir uns   Folgendes vor Augen f&#252;hren: Mutter sein hei&#223;t heute Sehnsucht nach der   Welt drau&#223;en, Identit&#228;tsverlust, ein Ende der Freiheit. Die (wenige)   Anerkennung, die Frauen durch ihren Beruf oder anderes Wirken im   gesellschaftlichen Raum ergattern, f&#228;llt durch ein Kind schlagartig weg.   Das ist laut Badinter ein Grund, sich verzweifelt an die idealisierte   Mutterrolle zu klammern.<\/p>\n<h4>  Badinters Forderungen und wo sie stecken bleiben<\/h4>\n<p>  Laut Badinter kann nur die gleiche Verteilung der Aufgaben ab der Geburt   zwischen Mann und Frau Abhilfe schaffen. Und sie hat noch eine Idee:   Druck auf die Politik machen f&#252;r eine andere Familienpolitik. Eine, die   M&#252;tter unterst&#252;tzt, so dass diejenigen Frauen, die sich das vorstellen   k&#246;nnen, gerne Kinder kriegen. Das w&#228;re doch laut Badinter auch f&#252;r den   Nationalstaat toll und wesentlich effektiver als die reaktion&#228;re   Variante &quot;Zur&#252;ck an den Herd&quot;. Alle happy?<\/p>\n<p>  Badinters Ideen bleiben hinter den Mauern des Privaten stecken.   Entt&#228;uschend ist ihr Abdriften in eine (nationale) &quot;effektive   Familienpolitik&quot;. Und f&#252;r die Mehrheit der Bev&#246;lkerung, besonders f&#252;r   Hartz IV-Empf&#228;ngerInnen, sind ihre Vorschl&#228;ge ein Witz. Sie ignoriert   die notwendige materielle Voraussetzung f&#252;r die Freiheit der Frau und   l&#228;sst den Menschen in Abh&#228;ngigkeit von den Launen der Wirtschaft und   Politik. Statt entm&#252;ndigt und entw&#252;rdigend um Krippenpl&#228;tze &quot;zu   betteln&quot;, sollten die Menschen, die es etwas angeht, &#252;ber die Anzahl der   Krippen, Krippenpl&#228;tze und -&#246;ffnungszeiten kollektiv nach ihren   Bed&#252;rfnissen entscheiden. Nur gemeinsam und im Streik k&#246;nnen wir uns   gegen lebensunsichere und prek&#228;re Arbeitsbedingungen wehren, in die vor   allem M&#252;tter immer wieder abgeschoben werden. Erst wenn Hausarbeit und   Kinderbetreuung aufh&#246;ren privat organisiert zu sein, k&#246;nnen wir wirksam   gegen die Ideologie der &quot;guten Mutter&quot; und gegen Sexismus angehen. Eine   demokratische, selbstorganisierte Gesellschaft ist die Grundlage f&#252;r   eine wirkliche Gleichstellung der Frau.<\/p>\n<p>  Fazit: Eine sehr sch&#246;n zu lesende Kritik an der heutigen Ideologie der   Mutter. Mit den Alternativen hapert&quot;s aber. Mit b&#252;rgerlichen   Feministinnen verkrabbeln wir uns im Sandkasten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Buchrezension &quot;Der Konflikt &#8211; Die Frau und die Mutter&quot;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32,70],"tags":[231],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13953"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13953"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13953\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13953"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13953"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13953"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}